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Moderne Antiqua um 1910

Hervorgehobene Antworten

Ich habe hier ein Schriftmuster aus Prag mit einer Schrift welche als "Moderne Antiqua" beschrieben wird und würde gern wissen ob das eine Schrift einer deutschen Gießerei ist oder ob es sich hierbei um einen Hausschnitt einer Gießerei aus Prag handelt. Die Schrift kommt mir total bekannt vor und riecht irgendwie nach Belwe, Ehmcke, Kleukens, Klinger ...

Die Schrift verfügt über einen fetten sowie kursiven Schnitt und hat Initialen, welche sich aber nicht von den Großbuchstaben unterscheiden. Ich vermute das die Schrift zwischen 1910–1913 entstand, da diverse Jahreszahlen im Muster auftauchen.

Das Muster ist mit "gesetzlich geschützt" und "Original Guß" gekennzeichnet, was vermuten lässt, dass es sich evtl. doch um einen Hausschnitt handeln könnte.

Unbenannt-1.jpg

Gelöst von Erwin Krump

  • Lösung

Dürfte m. E. die „Lipsia“ sein, ca. 1912, Gießerei Gottfried Böttger, Paunsdorf bei Leipzig. 

 

Diese „Lipsia“ hat aber nichts mit dem digitalen Font „Lipsia“ zu tun. Es ist nur eine Namengleichheit vorhanden.

 

Habe leider auch kein Schriftmuster der eleganten Bleisatz-Schrift zur Hand.
 

Hier wäre ein Muster (leider sehr schlecht) der kursiven Lipsia aus der oben genannten Gießerei. Könnte jedoch sein, dass die normale Lipsia in einer anderen Gießerei hergestellt wurde.

 

5a3c061a59c4d_LipsiaKursiv.thumb.jpg.b5b19cbe9b4cc238856b41c5bda5a1a8.jpg

  • Ersteller

Großartig, Erwin! Die ist es, daher kenne ich Sie – habe Sie in der Hauptprobe von Böttger gefunden.

Die Lipsia ist von Wagner & Schmidt, um 1910.

 

Company specialized in punch cutting and engraving, founded in 1875 in Leipzig by Ludwig Wagner and Robert Arthur Schmidt. Wagner & Schmidt supplied type matrices to foundries throughout Europe (in-house designs as well as licensed), who then cast their own versions of the typefaces and offered them under different names. The company was liquided 1942. See also: type foundry Ludwig Wagner.

https://fontsinuse.com/foundry/1348/wagner-schmidt

 

 

 

DSC00141.jpg

vor 6 Stunden schrieb RobertMichael:

Initialen, welche sich aber nicht von den Großbuchstaben unterscheiden

Nur mal so zu meinem Verständnis: Was macht sie dann zu Initialen?

Während man im Digitalsatz praktisch jede Vergrößerung, Verzerrung etc. einfach vornehmen kann, war man im Bleisatz auf den vorhandenen Schriftgrad angewiesen.

Ich kenne das nicht aus meiner Bleisatzzeit, aber ich vermute, dass zu den kleinen Graden dann auch Schnitte von den Versalien in größeren Graden angeboten wurden. So hatte man Initialen, ohne die gesamten großen Schnitte zu erwerben.

Schrift war kostbar und man konnte sich zum Grundsortiment dann oft auch Alternatibbuchstaben nach Bedarf dazunehmen.

 

vor 15 Minuten schrieb RobertMichael:

Die Initialen haben ein farbiges Muster im Hintergrund.

Dadurch unterscheiden sich die Initialen dann schon zu den Großbuchstaben.

 

Nicht wie oben steht: … Initialen, welche sich aber nicht von den Großbuchstaben unterscheiden.

 

Na ja, Initialen müssen ja nicht auf einem auch noch farbigem Hintergrund stehen. Ich hab mal bei meinen Schmökern geschaut, und hier finden sich zum einen ausgesprochene, illustrierte Zier-Initialen, aber auch reine Versalbuchstaben. die sich bei näherem Betrachten aber deutlich als speziell für Initialen entworfen zeigen: Statt I eine mehr J-Form und nahezu Monospaced, also mit schmaler entworfenem M und W, um so bei den Absätzen einen nahezu gleichen Einzug zu erreichen.

Sehr wahrscheinlich hat es also neben den Versalien in der Schriftgröße für den Titel-Satz auch passend entworfene Initial-Sätze gegeben.

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