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Ist die Apollo eine schlechte Schrift?

Hervorgehobene Antworten

Hat jemand Erfahrung mit der Apollo (vom berühmten Adrian Frutiger)?

Ich stolpere über die Schrift beim lesen eines Romans (!) und frage mich, wie so etwas passieren kann.

Die Zurichtung ist miserabel obwohl es sich um einen Klassiker (?) handelt. Auf den Fotos nur ein paar Beispiele, wer möchte, probiere es den Verkaufsseiten selbst aus: 

rechte Seite a, linke Seite b, Kerning Kv Bo mu al uswusf.

🤭

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Die Apollo ist sicher keine schlechte Schrift. Die technische Umsetzung bzw. die Darstellung im Web scheint aber recht dürftig ...

  • Ersteller

Aufgefallen ist es mir beim Lesen eines gedruckten Buchs – es geht also nicht „nur“ um die Darstellung am Bildschirm. 

vor 6 Minuten schrieb Friedrich Althausen:

Aufgefallen ist es mir beim Lesen eines gedruckten Buchs – es geht also nicht „nur“ um die Darstellung am Bildschirm. 

Schon klar. Das Zeichnen der Schrift durch Frutiger ist die eine Sache, die Digitalisierung eine andere. Entweder der Font ist qualitativ nicht besonders gut oder die Software mit der das Buch erstellt wurde konnte nicht alle Font-Features verwenden ...

  • 3 Wochen später...
  • Ersteller

Ich rate also davon ab, die „Apollo“ von Adrian Frutiger zu verwenden, bevor ihre Zurichtung nicht gründlich überarbeitet (repariert) wurde.

Ggf. kommt man über das optische Kerning von Adobe zu besseren Ergebnissen. Hab hier ähnliche Probleme, wenn auch nicht ganz so krass, mit der Neuen Helvetica von Linotype, wenn ich mit der Font-Metrik setze.

 

Trotzdem sollten die Fonts natürlich von vornherein gut laufen. Kein gutes Aushängeschild für die Foundry also. 

vor 1 Stunde schrieb Friedrich Althausen:

Ich rate also davon ab, die „Apollo“ von Adrian Frutiger zu verwenden

Ich glaube, da haust du nicht auf den richtigen ein, und der arme Adrian rotiert unschuldig in seinem Erdmöbel.

Die eigentlich schuldigen sind da wohl Linotype, die sich bei der Zurichtung ihrer digitalisierten Schriften nicht so wirklich die angemessene Mühe geben, wie ja auch R::berts Antwort zeigt.

Ich habe vor zwei Wochen einen unfreiwilligen Selbstversuch mit der Apollo gemacht. Ich las Ulrich Woelks "Der Sommer meiner Mutter". Das Interesse am Inhalt muss so groß gewesen sein, dass ich ca. 60, 70 Seiten brauchte, um das erste Mal über die verwendete SCHRIFT zu stolpern. Ein Abstand innerhalb eines Wortes war so groß, dass man ein versehentlich eingefügtes schmales Leerzeichen vermuten konnte. Bis dahin war mir nicht bewusst, welche Schrift überhaupt verwendet wurde. Beim oberflächlichen Durchblättern der Seiten hatte ich den Eindruck: bisschen palatinomäßig, nur anders; die Apollo gehört offenbar nicht zu den Schriften, die ich spontan erkenne. Das Problem war: Nachdem ich einmal gestolpert war, konnte ich nicht mehr NICHT auf die Schrift achten; das unausgeglichene Schriftbild, das mir zuvor nicht wirklich aufgefallen war, drängte sich unangenehm in den Vordergrund. (Schlimmer beim Lesen war übrigens, dass der Setzer Ligaturen an Morphemgrenzen mal auflöste, mal nicht. DAS fiel mir schon auf den ersten Seiten negativ auf, die Zurichtung der Schrift erst später.)

 

Weiß jemand, warum Frutigers Schrift so heißt? Die Verwendung der Apollo in Woelks Buch wird wohl damit zu tun haben, dass es unter anderem um die amerikanische Apollo-Mission zum Mond 1969 ging.

 

Falls jemand die Apollo in freier Wildbahn beobachten möchte, hier ein paar Probeseiten des Verlag:

https://beckassets.blob.core.windows.net/product/readingsample/26464788/26464788_leseprobe_der-sommer-meiner-mutter.pdf

 

  • 6 Jahre später...

Ja, das mit der Apollo ist übel, aber bei Monotype, besonders seitdem sie alle möglichen Foundries aufgekauft haben, die sie nun mit in den qualitativen Abgrund reißen, der übliche Standard. Als ich noch vor Jahren, wenn es solcherart Probleme gab, die Änderungen an die damals noch selbständigen Foundries sendete, wurde alles prompt erledigt: heute ist das anders, amerikanischer. Wer aber einmal mit der Fairfield gesetzt hat, wird sich über die Apollo freuen. Von den Buchstaben her gesehen, sind beide hervorragende Schriftarten für lange Texte. Die amerikanische Nachlässigkeit führt leider dazu, dass man viel arbeiten muss, um gute Ergebnisse zu erzielen.

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