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Originalverpacktes Bleisatzkonvolut bekommen – Schrift daraus erstellen (Rechte) und weitere Fragen


typogeorge

Empfohlene Beiträge

Hallo, dies ist mein erster Eintrag und ich war bisher immer stiller Mitleser ohne Anmeldung.

 

Zur Thematik, ich habe eine Sammlung an original verpackter Bleisatzpakete bekommen, sie wurden nie bedruckt und sehen nagelneu aus. Ich würde gerne diese Schriften digitalisieren.

Ich habe mich zum Thema Schriftlizensen hier durchgearbeitet trotzdem ist es speziell in diesem Fall nicht ganz klar.

1. Die Uhrheber der Schrift sind noch keine 70 Jahre tot, kann ich die Schrift nach der Digitalisierung trotzdem unter Ihrem originalen Namen verwenden? Oder ist es dann ein Plagiat?

 

2. Einige Schriften wurden von namhaften Foundries neu aufgelegt, ohne den Schriftnamen zu ändern? Ist das dann kein Plagiat?

 

3. Wird durch die komplexe Digitalisierung des Bleisatzes mit Vergleich des Abdruckes nicht schon ein neues Werk geschaffen?

 

4. Würdet Ihr unverpackte originale Bleisätze überhaupt zur Digitalisierung abdrücken oder nur den Bleisatz digitalisieren? Oder ist das nicht ein Frevel an sich, diese abzudrücken auch wenn es nur zwei oder drei Bögen sind.

 

5. Wie selten sind original verpackte Schriften?

Viele Grüé

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vor 15 Minuten schrieb typogeorge:

5. Wie selten sind original verpackte Schriften?

Man kann sagen, daß sie immer seltener werden, weil gelegentlich welche ausgepackt werden und kaum neue hinzukommen, aber sie sind nicht sehr selten. Ich habe zwei Regale voll Schriften auf Lager, die zum großen Teil in der Originalverpackung stecken, darunter solche, die ich selbst von insgesamt vier Gießereien gekauft habe, als es noch mehr gab als den letzten, also Herrn Gerstenbergs, Betrieb in Darmstadt, neben anderen, älteren, die ich aus Auflösungen ans Lager nahm. Die Super-Grotesk gibt es recht häufig, sie war die meistverwendete Serifenlose in der DDR, einige Pakete müßte ich davon auch noch haben.

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vor 1 Minute schrieb Martin Z. Schröder:

Man kann sagen, daß sie immer seltener werden, weil gelegentlich welche ausgepackt werden und kaum neue hinzukommen, aber sie sind nicht sehr selten. Ich habe zwei Regale voll Schriften auf Lager, die zum großen Teil in der Originalverpackung stecken, darunter solche, die ich selbst von insgesamt vier Gießereien gekauft habe, als es noch mehr gab als den letzten, also Herrn Gerstenbergs, Betrieb in Darmstadt, neben anderen, älteren, die ich aus Auflösungen ans Lager nahm. Die Super-Grotesk gibt es recht häufig, sie war die meistverwendete Serifenlose in der DDR, einige Pakete müßte ich davon auch noch haben.

Würdest Du es nicht als Frevel bezeichnen die Lettern einmal auf einer Korrex abzudrücken um die Quetschung im Druckbild zu vergleichen?

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Super-Grotesk und Liber(t)a? Das wären beides Typoart-Schriften. Die Originalnamen wirst du auf jeden Fall nicht verwenden können, da die schon von anderen als Markennamen registriert wurden und mit großer Wahrscheinlichkeit auch rechtlich verteidigt werden.

Um das Erbe der Typoart-Schriften wird gern und viel gestritten. Ich weiß nicht, ob wir dieses Fass hier aufmachen wollen. ;-)

Im Sinne des Werkschutzes ist so ein Alter schwierig, wie du ja selbst schon andeutest. Das Urheberrecht ist theoretisch noch nicht abgelaufen. Rechtlich kann man weder sagen, »das ist grundsätzlich erlaubt« oder »das ist grundsätzlich nicht erlaubt«. Es gibt Typoart-Digitalisierungen, die sich aus Lizenzverträgen ableiten (siehe Elsner+Flake), andere die in Zusammenarbeit mit den Originaldesignern entstanden sind (siehe Primetype) und wieder andere die einfach unter komplett anderem Namen erscheinen (siehe RMU Fonts). 

Grundsätzlich wäre für mich auch die Frage, was man erreichen will. Wenn es die Schriften schon digital gibt, ist die Nachfrage nach weiteren Versionen womöglich nicht besonders groß. Was will man also erreichen? Bessere Qualität? Mehr Schnitte? Was wäre das Ziel? Oder ist es nur ein Liebhaberprojekt?

 

Die Schriften abzudrucken halte ich für komplett unproblematisch. Dafür sind sie gemacht und von einem gut gemachten Abzug nehmen sie auch keinerlei Schaden. Bei einer Digitalisierung sowohl die Lettern als auch Abdrücke zu haben ist äußert praktisch in Detailfragen. 

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vor 22 Minuten schrieb typogeorge:

4. Würdet Ihr unverpackte originale Bleisätze überhaupt zur Digitalisierung abdrücken oder nur den Bleisatz digitalisieren? Oder ist das nicht ein Frevel an sich, diese abzudrücken auch wenn es nur zwei oder drei Bögen sind.

Bleisatz drucken ist kein Frevel. Wenn er gut behandelt wird, hält Bleisatz sehr große Auflagen mit geringster Abnutzung aus. Wenn der Abdruck mit wenig Farbe und wenig Druck gemacht wird, gibt es keinen Unterschied zwischen der fotografierten Letter und der abgedruckten. Der Buchstabe bekommt eine eigene Form durch Abnutzung, durch falschen Farbauftrag und zu schweren Druck. Man kann aber über die Intention des Schriftentwerfers und -schneiders nur spekulieren. Wenn im Entwurf die mechanische Belastung der Letter berücksichtigt wurde, dann hat der Druck die gewollte Form, nicht die Letter. Eine Serifenlose im Buchdruck ist lebendiger als im Offset- oder Digitaldruck, weil im Buchdruck gerade Linien mit etwas Schattierung auf nicht ganz glattem Papier ganz leicht dickere Enden haben. In ganzen Zeilen gibt es leichte Unterschiede und damit Lebendigkeit der Schrift, die digital nicht zu ereichen ist. Ist nun der Charme einer Originaldrucksache durch Digitalisierung des Abdruckes zu erreichen oder durch die der Letter? In solchen Details liegt wahrscheinlich auch die schöpferische Leistung des Digitalisierers. Es ist notwendigerweise eine neue Schöpfung.

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vor 9 Minuten schrieb typogeorge:

 

Würdest Du es nicht als Frevel bezeichnen die Lettern einmal auf einer Korrex abzudrücken um die Quetschung im Druckbild zu vergleichen?

Nein, der Buchstabe wird davon in der Regel, also wenn mes richtig macht, nicht beeinträchtigt. Unter Quetschung verstehen wir meistens keine Pägung der Letter ins Papier, sondern gequetscht wird die Farbe, wenn die Walze zu straff über den Buchstaben geführt wird. Das ist das sogenannte Schmitzen: die Walze rollt nicht über die Letter, sondern drückt (quetscht) die Farbe an den Rand des Schriftbildes, von wo sie vom Papier abgenommen wird. Dabei wird der Buchstabe an einer Seite fetter und Kontur unscharf. Unklar wird die Form auch bei rauherem Papier. Reproabzüge macht man mit exakt eingestellter Farbe, genau eingestelltem Druck auf gestrichenem Papier. Dabei paßt dem Buchstaben gar nichts.

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Wow, danke für die vielen Antworten. Ich habe viele kleine Punktgröße 6pt Libertar und auch verschiedene Schnitte. Schön ist das originale Typoartverpackungsmaterial, und der Gießerinfo sowie die Teilerin als Information als Beipackzettel 😉

Was man erreichen will, ja mehr Schnitte alles auf dem neuesten Stand aber mit dem Material von damals aus verifizierter Quelle mit unverbasteltem Grundmaterial.



 

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  • 3 Monate später...

Kurzes Update: Leider wegen Corona und dem dazugehörigen Stress ist nichts passiert mit meinem Projekt.

 

Ich hoffe alle sind gesund und bleiben das auch.

 

Zu meiner Frage, die ich einfach hier anhänge;
Ich bin über eine Metallplatte mit Glypen gestolpert. Habe leider kein Bild machen können, ging alles zu schnell. Es handelt sich um eine Grundplatte aus Holz schätze circa 2 cm stark, auf dieser war eine gefräste Platte mit den Gyphen aufgebracht, typische Fräspuren waren zwischen den Lettern zu sehen. Es waren drei Schriftstärken aufgebracht, logischerweise seitenverkehrt?

Ich frage mich die ganze Zeit? Für was wurde diese Platten gebraucht? Sind das Abdrucktests des Schriftenherstellers?

Gestaltet waren die Buchstaben nicht einfach nur eine Darstellung der Zeichen.

Vielleicht kann mir jemand helfen?

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Hört sich nach einem alten Klischee an. In meiner Lehrzeit in den 80er Jahren wurde geklebt, aber die älteren auf Holz genagelten Klischees sind bis heute in Gebrauch. Es sind oft Galvanos (mit einer Bleilegierung ausgefüllte Kupferreliefs), die recht widerstandfähig sind und von denen hohe Auflagen gedruckt werden können.

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vor 20 Stunden schrieb Martin Z. Schröder:

Hört sich nach einem alten Klischee an. In meiner Lehrzeit in den 80er Jahren wurde geklebt, aber die älteren auf Holz genagelten Klischees sind bis heute in Gebrauch. Es sind oft Galvanos (mit einer Bleilegierung ausgefüllte Kupferreliefs), die recht widerstandfähig sind und von denen hohe Auflagen gedruckt werden können.

Könnte das dann eine Druckplatte sein, um den ersten Schriftschnitt zu testen? Darum auch die verschiedenen Größen? Ist so etwas nicht direkt bei den Schriftenherstellern gemacht worden? Danke für dein Interesse und die Antworten?

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Ich wüßte nicht, was man testen sollte mit einem Klischee. Gefräste Klischees sind anders ausgeführt als ein Schriftguß. Welche Farbe hat die Platte? Weißes oder graues Metall oder Kupfer? Die Informationen sind in der Tat zu mager, da kann man nur spekulieren. Bitte noch mal drüber stolpern, mit gezückter Kamera!

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Ich erinnere mich das es ein graues Metall war und die Ziffern haben leicht rötlich geglänzt. Das ist aber auch wirklich alles. ja schade vielleicht sind die Infos zu wenig. 😞

Danke Euch fürs helfen.

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