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Gelten englische Anführungszeichen in deutschsprachigen Büchern als Fehler?


gerda lois

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Hallo zusammen, ich habe ein Manuskript geschrieben und das Schreibprogramm war so eingestellt, dass es englische Anführungszeichen gesetzt hat. Ich dachte es ist egal. Meine Frage ist die: Kann ich das so lassen oder gilt es als Fehler?

LG aus HH

 

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Rechtschreibung und Zeichensetzung sind Konvention, auf die sich eine Gruppe per Praxis eingespielt hat.

 

Englische Anführungszeichen sind somit ein Fehler in dem Sinne, dass es nicht dieser Konvention in Deutschland entspricht, d.h. es wird bei Lesern tendentiell zu verlangsamtem Lesefluss und eventuell Irritation oder gar Ärger führen, weil es nicht so ist, wie man das üblicherweise gewohnt ist. Man lenkt den Leser von dem ab, was man eigentlich mitteilen möchte, es ist somit nicht Sinne der bestmöglichen Verständlichkeit und Einfachheit für den Leser und somit auch nicht im Sinne des Autors.

 

Aber: prinzipiell kann man natürlich in seinem Privat-Buch (nichts amtliches oder staatliches) die Rechtschreibung und Zeichensetzung so interpretieren und ausüben wie man selbst will und von der aktuell gängigen Konvention abweichen – da gibt es kein Gericht das sowas bewertet oder verurteilt (auch nicht der Duden) und kein Gesetz das sowas vorschreibt.
Ein Verlag kann darauf bestehen, dass Bücher die bei ihm erscheinen einer gewissen Konvention entsprechen, im Sinne der Einheitlichkeit und zur Vermeidung von ständigen Diskussionen über die Form statt über den Inhalt.

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vor 2 Stunden schrieb gerda lois:

Kann ich das so lassen oder gilt es als Fehler?

Das hängt primär von den Adressaten und ihren Lesegewohnheiten ab. Es ist aber für den deutschsprachigen Raum äußerst ungewöhnlich. Und, wie ich finde, sehr unhübsch. Guillemets sind für Fließtexte meiner Meinung die schönsten und zudem edel wirkenden Anführungszeichen.

Da Du explizit nach der Bewertung als Fehler fragst, unterstelle ich Dir einen Gebrauch im Bildungskontext. Da gehört es zu den Arbeiten, dass Du zeigst, dass Du die üblichen Konventionen kennst und diese auch anwenden kannst. Solltest Du gegen den üblichen Gebrauch handeln, könnte das schon zumindest einer Begründung würdig sein. Je nach Fachgebiet gibt es für Anführungszeichen ganze Bedeutungssysteme, die Deine Leser*innen gewohnt sind. Meiner Erfahrung nach schadet es nicht, durch eine ansprechende Ästhetik aufzufallen. Der unnötige Verstoß gegen Konventionen kann hingegen zumindest unterschwellig Deiner Arbeit schaden, denn wenn die Adressaten sich bei jedem Anführungzeichen über diese ärgern, verstimmt es diese gründlich.

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Je nach Kontext, siehe auch die Antwort von Phoibos: Ja, zumindest ich empfinde das als Fehler, mindestens grobe Nachlässigkeit bis Wurschtigkeit. Entweder man macht es als Autor richtig oder es ist einem egal (das Gefühl mag aber kein Leser). Das wäre jedenfalls mein Empfinden als Leser in (akademischen) Zusammenhängen und dort, wo es eine Wahl oder entsprechende technische Möglichkeit gab, hier wahrscheinlich Word.

 

Wenn Du tatsächlich immer die normalen/korrekten Anführungen verwendet hast, ist es aber nicht allzu viel Arbeit, die über die Suchfunktion herauszufischen. Und wenn es jetzt auch noch hübscher aussehen soll, kannst Du die Gänsefüßchen auch gleich durch Guillemets ersetzen. 

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Ich stimme Julie bei. Wenn Du die Sache nicht aufmerksam geschrieben hast, warum soll ich sie dann aufmerksam lesen? 

Heutige Anwendungen machen solche Korrekturen schnell und einfach; da sollte so etwas keine Frage sein. Aus demselben Grund würde ich das Manuskript auch gründlichst auf andere Fehler prüfen, ehe ich es aus den Händen gäbe.  

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Vielen Dank für diese ausführlichen und zeitnahen Kommentare!!! 

Mir ging es um genau diese Themen: Nämlich um grammatikalisch korrekte Schreibweise und auch um die Ästhetik.

Wir hatten diese Themen im Freundeskreis ausführlich besprochen. Was ich hier zunächst nicht erwähnt hatte ist die 

Tatsache, dass es sich um ein, im Grunde fertiges, Kinderbuch handelt ( und es ist gründlichst auf andere Fehler geprüft, danke Oliver Weiß). Da es sich um Leseanfänger handelt, ist es natürlich zwingend notwendig es möglichst fehlerfrei zu präsentieren. Wenn es aber grammatikalisch nicht korrekt ist, dann sind auch Guillemets nicht korrekt,

(in einem Kinderbuch!). In einem Roman wäre es ästhetisch okay, aber eben auch nicht korrekt. Im übrigen möchte ich was Lesegewohnheiten anbelangt auf Cormac McCarthy, einen meiner Lieblingsautoren, hinweisen, der komplett auf Anführungszeichen verzichtet, daher schwer gewöhnungsbedürftig ist, aber ein absolutes Schwergewichtig unter den Autoren und so wunderbar, dass man über Lesegewohnheiten absolut hinwegsieht. Und ich weiß aus Informationen über ihn, dass er es nicht aus Nachlässigkeit (oder Wurstigkeit) so handhabt... Tolles Forum hier, ein Glück habe ich es entdeckt, LG aus HH...

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vor 46 Minuten schrieb gerda lois:

Kinderbuch

In diesem Falle würde ich nichts anderes als die deutschen Gänsefüßchen nehmen, da sie dem handschriftlichen Gebrauch entsprechen.

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