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Buchdruck: US-Taschenbücher 70er / 80er / 90er Jahre - Frage zur Schriftdicke

Hervorgehobene Antworten

Hallo zusammen,

 

ich bin mir nicht ganz sicher, ob dies das richtige Unterforum für meine Frage ist (ansonsten gern verschieben). 

Ich habe eine Frage zum Druck von Taschenbüchern, genauer gesagt von welchen, die vor allem in den 1970-1990ern in den USA erschienen sind. Diese waren oft recht klein gedruckt, waren jedoch trotzdem gut zu lesen, weil die Schrift recht dick ist.

 

Meine Frage nun: Weiß jemand, ob dafür einfach ein dicker oder semi-dicker Schnitt genutzt wurde oder ob die Schrift einfach aufgrund des Druckverfahrens so dick aussah? Heutige Taschenbücher sehen nicht mehr so aus.

 

Ich habe einmal exemplarisch ein Foto eines Buches angehängt, das ich im Netz gefunden habe. Meine ganzen Taschenbücher, die so gedruckt sind, liegen leider nur schwer zugänglich im Keller :-)

Danke schon mal für eure Antworten!

 

uspaperback.thumb.jpg.769df01220a8f02e8083c663b40b92e0.jpg

in dem Beispiel das ist die Times (Regular), die sieht normalerweise nicht so schwarz aus. Da ich meine hier einen Offsetdruck zu sehen und man mit physischer Überdosierung der Farbhaltung niemals ein solches Druckergebnis erzielen könnte, ohne daß sich die Farbe auf dem nächsten Bogen ablegt, kann ich mir eigentlich nur eine absichtliche (?) Überbelichtung beim Herstellen der Platten vorstellen, um die Schrift aufzubacken.

  • Ersteller

Ja, ich bin auch ein wenig ratlos, wieso die Schrift so dick ist, allerdings habe ich von Buchdruck auch gar keine Ahnung, vor allem nicht, wie das in den z.B. 80er Jahren gemacht wurde.

Pauschal kann man das schwer beantworten. Da kommen neben der Schriftart viele Dinge zusammen. Die verschiedenen Druckverfahren: Bleisatz, Fotosatz, Digitalsatz. Die verschiedenen Verfahren und Schritte der Herstellung der Druckplatte für die letzten beiden letztgenannten Kategorien. Die Einstellungen von Farbe und Maschine beim tatsächlichen Druck. Die Art und Saugfähigkeit des Papiers …
Wie schon gesagt ist aber eher nicht zu erwarten, dass das Druckbild in dem Bildschirmfoto die Originalschrift gut wiedergibt.

Wie Bleisatz (und Buchdruck) sieht das aber eher nicht aus. Die Buchstabenabstände sind viel zu eng und werden ja stellenweise zu "Ligaturen". Ich vermute - wie der Kollege Stötzner - eher etwas verunglückten (ob nun mit ohne ohne Absicht) Licht- bzw. Fotosatz, was auch die ungewöhnliche Fette erklären würde und anschließend Druck im Offset. Zumal viele Taschenbücher ja auch im Rollenoffset gedruckt wurden ... 
Mit Buchdruck hat das höchstwahrscheinlich nichts zu tun.

Ich habe sowas gesehen als ich vor einigen Jahren nach einer schönen Ausgabe des Herrn der Ringe für meinen Jungen suchte. Da gab es allerlei Kostbarkeiten was den Einband anging: Leder, Goldschnitt, alles vom Feinsten. Sobald man die Bücher aber aufschlug war der Zauber vorbei: billiges Papier und der schmierigste, schmuddeligste Druck, den man sich vorstellen kann. Gesetzt wurde da sicher nichts, sondern einfach eine ältere Ausgabe abfotografiert. 

Im Ernst – das gibt’s? Einfach nur abfotografiert? :shock: Man sollte wirklich nicht denken, dass einen nix mehr überraschen kann … :neenee:

vor 1 Stunde schrieb Oliver Weiß:

Gesetzt wurde da sicher nichts, sondern einfach eine ältere Ausgabe abfotografiert. 

Beim Herrn der Ringe gab's ja auch einmal die Zeit, wo in den USA das Copyright auslief (oder das zumindest gedacht wurde), und die für den Herrn Tolkien grässliche Form des Taschenbuchs gewählt wurde. Ich glaube das war dann sogar eine Mischung aus eigenem Satz und Photo-Facsimile.

 

Wenn der neue Satz aufwändig wäre oder man ganz klar Kosten sparen will wurde/wird das doch m.W. nach häufig gemacht. Oder am besten beides, wie bei Musiknotenbüchern und Comics.

vor 11 Stunden schrieb Kathrinvdm:

abfotografiert

Es gab bis in die 90er-Jahre in Asien eine Art »Industrie«, die sich darauf verlegt hatte, halblegale »Neuauflagen« älterer Lexika etc. zu veröffentlichen. Da wurde das genauso gemacht (mit einer Reprokamera, of course). Bei den wenigen seriösen Ausgaben wurden Korrekturen neu gesetzt und einmontiert. Das waren dann die einzigen scharfen Zeichen im ganzen Buch.

Der Terminus „abfotographieren“ ist m. E. hier nicht ganz angebracht.

 

Wie schon von Norbert erwähnt, handelte es sich um Reprokameras mit denen das bewerkstelligt wurde.

 

Diese Reprokameras, wenn sie von einem Fachmann bedient wurden, konnten eine Vorlage so wiedergeben (reproduzieren), dass der Unterschied zum Original praktisch nicht erkannt wurde.

 

Der heutige Scanner entspricht im wesentlichen der damaligen Reprokamera.

 

Dass auf dem Gebiet der Schriftreproduzierung viele Schriften zu fett oder zu mager im Druck waren, lag in erster Linie an der Vorlage.

Auch ich bewerte nicht, ich wollte nur den Hinweis geben, dass „Fotografie“ und „Reprofografie“ zwei verschiedene Fachbereiche sind. Deshalb waren dies auch zwei verschiedene Berufe. 

 

Nachdem ich jahrelang mit Reprofotografen zusammengearbeitet habe, ist es für mich ein Unterschied ob von einem Foto oder von einem Repro die Rede ist.. 

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Reprofotografie

Ich kann mich noch an meinen Lehrbetrieb erinnern, da wurden oft Bücher mit Reprokameras aufgenommen und auf Verfielfältigt weil der Kunde nur diese Bücher als Vorlagen lieferte, das war in den späten 90ern. Entweder waren die Filme oder der Datensatz verschwunden und es gab keine andere Möglichkeit an den Satz der Bücher zu kommen. Das Ergebniss sah dann ähnlich aus.

vor 2 Stunden schrieb Erwin Krump:

wollte nur den Hinweis geben, dass „Fotografie“ und „Reprofografie“ zwei verschiedene Fachbereiche sind.

https://de.wikipedia.org/wiki/Reprofotografie

Schon der erste Satz hinter dem Link erklärt, dass dem nicht so ist. Reprofotografie ist ein »Zweig der Fotografie« und damit nicht grundsätzlich verschieden. Im Sinne der Logik/Mengenlehre ist Fotografie die Gesamtmenge und Reprofotografie eine Teilmenge. So wie nicht jedes Foto ein Landschaftsfoto ist, aber jedes Landschaftsfoto sehr wohl ein Foto. In gleichen Sinne erzeugt eben auch eine Reprokamera »Fotos« und benutzt den Prozess des »Abfotografierens«. Dabei dann von Reprofotografie und Repros zu sprechen sind optionale Detailinformationen. 

vor 15 Stunden schrieb Kathrinvdm:

Im Ernst – das gibt’s? Einfach nur abfotografiert? :shock: Man sollte wirklich nicht denken, dass einen nix mehr überraschen kann … :neenee:

Ist durch den Digitaldruck auch jetzt wieder im Trend. Wenn ich nach antiquarischen Typo-Büchern Ausschau halte, muss ich auch immer höllisch aufpassen, nicht versehentlich ein Print-on-Demand-Buch untergeschoben zu bekommen.

Wie deprimierend! Und vermutlich merken es die allermeisten Menschen nicht mal. Zumindest die, die außer mit Times New Roman, Arial und Comic Sans ohnehin noch nicht mit Schrift in Kontakt gekommen sind. 

 

Muß nicht am "Abfotografieren" liegen. Den Effekt hat man auch mit Fotosatz hinbekommen und sogar beim Kopieren der Film(Montagen) auf die Offsetdruckplatten konnte das passieren ... ich glaube "überblenden" oder "überbelichten" sagte man dazu.
Im Buchdruck von Nyloprintplatten kann das in ähnlicher Weise auch passieren, wenn beim Belichten der Nyloprintplatten das Vakuum nicht richtig funktioniert, der Film somit nicht richtig aufliegt und die Nyloplatte "überstrahlt" wird.

Von Max Caflisch erschien 1974 »Schrift und Papier«: »Eine Untersuchung über die gegenseitige Abhängigkeit von Papieroberfläche, Druckverfahren, Wiedergabequalität und Leserlichkeit von Schriften« mit einem dreißigseitigen Text mit Illustrationen, die unterschiedliche Qualitäten von Schriftdarstellung zeigen, sowie einer ganzen Sammlung von Druckmustern, also Originalbogen, aus denen der Verlagshersteller die zu erwartende Produktionsqualität annähernd kalkulieren konnte: welche Schrift auf welches Papier in welchem Druckverfahren. Als Verlagshersteller in der DDR habe ich das mit etwas zurückblickendem Neid zur Kenntnis genommen, denn wir mußten nehmen, was uns zugeteilt wurde, abgesehen von Exportbüchern. Diese Sammlung von Caflisch zeigt allerdings feine Nuancen, von so einer Auswahl kann man heute nur träumen. Im Grunde ist heute in Büchern fast alles zu fein und zu spitz gedruckt und nicht lesefreundlich, egal ob Offset oder Digitaldruck.

Reproduktion ist immer eine Verschlechterung, in jedem Verfahren. Qualitätsverluste sind nicht zu vermeiden. Ich hab meine von mir vom Bleisatz gedruckten vier Bücher erst scannen lassen für einen Sammelband als Faksimile, und als da die ersten Muster vorlagen, haben wir in der Produktion noch für einen Haufen Geld das Pferd gewechselt und einen sehr guten Kunstfotografen gefunden, der im Studio Repros machte, weil in seinen Fotos die Atmosphäre der Buchseiten zumindest teilweise eingefangen werden konnte. Mit Scannen war da nichts zu machen, das war vom Original zu weit entfernt.

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