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Lizenzfrage: Weitergabe von Pfaden

Hervorgehobene Antworten

Kann ich ein oder mehrere Wörter die ich in einer Schrift, für die ich eine Lizenz erworben habe, in Pfade umwandeln und weitergeben? Weitergeben heißt im konkreten Fall an einen Kunden. Also das klassische Beispiel eines Logos das aus einer Satzschrift erstellt wird. Kurz gesagt: Gelten die Pfade noch als Schrift entsprechend der EULA oder nicht?

:-?

In 98 % der Fälle ist das erlaubt. Die Lizenz ist für das tatsächliche Rendering der Fontsoftware, nicht für statische Texte als Pfade, Bitmaps etc. 

Es gibt nur ein paar Ausreißer-EULAs, die etwa für Logos grundsätzlich eine Extra-Vergütung fordern. Da müsste man dann noch einmal genauer schauen. 

  • Ersteller
vor 15 Minuten schrieb Ralf Herrmann:

Die Lizenz ist für das tatsächliche Rendering der Fontsoftware, nicht für statische Texte als Pfade, Bitmaps etc. 

Und das ist international auch so oder kocht bei der Definition von »Font Software« jedes Land sein eigenes Süppchen?

Der Begriff spielt keine Rolle. Es geht immer um die »Verarbeitung als Schrift«. Beispiel Monotype:

Zitat

You may embed static graphic images into an electronic document, including a Commercial Product, (for example, a “gif”) with a representation of a typeface and typographic design or ornament created with the Font Software as long as such images are not used as a replacement for Font Software, i.e. as long as the representations do not correspond to individual glyphs of the Font Software and may not be individually addressed by the document to render such designs and ornaments.

Die Weitergabe in statischer Form ist abgedeckt. Das Ergebnis darf nur selbst nicht setzbar wie eine Schrift funktionieren. 

  • 2 Monate später...

Hi.

Kurzer Nachtrag: Das wird mit der neuen “Agency Plattform” von Monotype nicht mehr abgedeckt sein. Wir hatten neulich einen Call diesbezüglich und die Dame hat uns gesagt, dass jetzt für alles eine Lizenz beim Kunden vorhanden sein muss. Auch wenn ein Kunde nur ein Logo basierend auf einer Monotype-Schrift nutzt, nicht aber die Schrift selber, braucht er eine Schriftlizenz. Es reicht auch nicht mehr, wenn die Designer/Agenturen ordentliche Lizenzen haben und ein Druck-PDF an die Druckerei geben und der Kunde keine Berührungspunkte mit dem Dokument hat. Dann wird sofort eine Lizenz für den Kunden fällig.

Es wird immer wahnsinniger bei Monotype. Mich wundert es, dass es (noch) keinen größeren Aufschrei gegen deren Geschäftsgebaren gibt.

 

Das kann ich mir nur dann vorstellen, wenn im Logo der Text als Text vorliegt. Sobald Zeichenwege vorliegen, greift die Lizenz für den Font (das ist die Software) nicht. Hat die Dame aus dem Call denn irgendwelche EULAs vorgelegt, aus denen das hervorgeht? Oder hat sie einfach ihr eigenes System nicht verstanden?

Monotype schreibt selbst: (Fettung durch mich)

Zitat

Eine Fontlizenz (auch bekannt als EULA oder Endbenutzerlizenzvereinbarung) ist ein rechtlich bindendes Dokument, das Ihnen die Verwendung von Font-Software unter zuvor festgelegten Bedingungen gewährt.

 

vor 3 Minuten schrieb Ralf Herrmann:

Die Aktionäre verlangen Profite. 

Klar. EULAs werden sich sicher auch ändern.

Den Gedanken weitergesponnen müsste dann jeder User, der eine Website mit dem Logo aufruft, eine Lizenz für die Schrift erwerben. Das erscheint mir nicht sonderlich realistisch.

Hat denn jemand die EULAs der “Agency Plattform” parat? Ich kann mir schon vorstellen, dass das dort als geschlossenes Ökosystem behandelt wird und eine “Agency Plattform” zunächst nicht für die Veröffentlichung gedacht ist. Aber ohne Details zu kennen erscheint es zunächst absurd.

Hi,

betreffend EULAs haben wir nicht gesprochen. Und ich hoffe, dass die Dame ihr Produkt soweit verstanden hat, dass sie uns die richtigen Infos gegeben hat. Sie kommt von der Extensis-Seite (jetzt geschluckt von Monotype).

Diese Agency Plattform ist ja die Weiterentwicklung bzw. der Ersatz des FontXplorers und Suitcase Fusion/Connect Fonts.

Wir haben ihr auch klar gesagt, dass Monotype-Schriften für uns damit tabu sein werden (was sie für uns schon seit knapp 2 Jahren sind) und wir das Modell für nicht zukunftsfähig halten. Und auch, dass die Zukunft dann so aussehen wird, dass Kunden sich Corporate Fonts maßschneidern lassen. (Mittel-)Große Unternehmen haben die Kosten ja innerhalb eines Jahres wieder drin, wenn sie sonst 6-stellige Lizenzkosten pro Jahr bezahlen müssten. 

 

Wir können ja gemeinsam einen Call mit ihr ausmachen. Sie kommt aus dem Verkauf und versucht so vielen Usern wie möglich ihr Produkt schmackhaft zu machen. Dann erfahrt ihr alles aus erster Hand. 😉

  • Ersteller
vor 4 Stunden schrieb Index:

Große Unternehmen haben die Kosten ja innerhalb eines Jahres wieder drin, wenn sie sonst 6-stellige Lizenzkosten pro Jahr bezahlen müssten.

Man glaubt nicht wieviele große Unternehmen solche Lizenzkosten zahlen — oft auch für völlig unspektakuläre Fonts.

vor einer Stunde schrieb Microboy:

Man glaubt nicht wieviele große Unternehmen solche Lizenzkosten zahlen — oft auch für völlig unspektakuläre Fonts.

Ja, weil solche Umstellungen sehr aufwändig sind, scheuen sie einfach sehr oft den damit verbundenen Aufwand. Ein großes Unternehmen hat zig Applikationen, Tools, Office-Vorlagen, SAP-Anwendungen etc. die keiner gerne anrührt (never touch a running system). Dazu noch Signaletik und Kennzeichnungen an verschiedenen Filialen und Firmenstandorten. Da trägt man dann lieber mal noch zwei Jahre lang absurde Lizenzkosten, bis man dieses Thema wirklich angeht. 

 

vor 20 Minuten schrieb Index:

Ein großes Unternehmen hat zig Applikationen, Tools, Office-Vorlagen, SAP-Anwendungen etc.

Wäre spannend zu erfahren, wie viele der großen Unternehmen wirklich so arbeiten. 

Ich kenne es so, dass bis zu einer gewissen Größe eine Hausschrift üblicherweise lizenziert und für die Kommunikation mit dem Endkunden verwendet wird. Alles, was Apps, Office, SAP etc. betrifft, wird mit Fonts bestritten, die mit dem Betriebssystem kommen.

Wird keine Schrift lizenziert, sondern als unternehmenseigene angeschafft (egal, ob ein bereits verfügbarer Font nur umbenannt oder eine individuelle Hausschrift gestaltet wird), stellen sich die Kosten-Probleme ja nicht.

  • Ersteller

In Berlin wurde 2020 die Berlin Type eingeführt und wird seit dem auf diversen Medien eingesetzt. Inzwischen sogar für den Fließtext auf behördlichen Schreiben. Ich hatte vor zwei Wochen ein Schreiben zur Hort-Betreuung in der Hand … das hat mich doch überrascht.

Bearbeitet ( von Microboy)

  • Ersteller

Das ist klar. Allerdings ist die Administration bzw. die Installation auf sämtlichen behördlichen Computern in einer Stadt wie Berlin ja ein nicht zu unterschätzender Aufwand. Das sieht man ja bereits daran, dass es fünf Jahre gedauert hat bis die besagte Behörde nun auch die Berlin Type nutzt ...

Bearbeitet ( von Microboy)

Eine sehr interessante Diskussion. Sie bestärkt mich doch sehr für meine Vorliebe für Schriften mit SIL/OFL oder GPL. Vielleicht bin ich aber auch auf den Weg in den Altersstarrsinn? Einer der Gründe ist auch die Beobachtung eines Zellennachbarn auf einer ehemaligen Arbeitsstelle. Dieser war für die Lizenzverwaltung zuständig. Die Lizenzen waren für die Uni preiswert, aber der Arbeitsaufwand war definitiv nicht zu unterschätzen.

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