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Inzisen im Buchsatz?

Hervorgehobene Antworten

Hallo in die Runde,

Manchmal sprechen einen ja Schriften an und man fragt sich, was man mit ihnen anstellen kann. So bin ich auf die Gruppe der Inzisen gestoßen - Antiquaschriften mit eher schwacher Strichbreitenvariation und nur leicht angedeuteten Serifen. Ein schönes Beispiel dafür ist die Mylius - die Hausschrift der Fluglinie British Airways. 

Dabei ist mir als Erstes aufgegangen, dass British Airways eine der letzten Fluglinien zu sein scheint, die noch eine Serifenschrift im Logo verwendet. Das tut unter den größeren europäischen Airlines sonst nur noch Austrian Airlines. Aber sei's drum: Ich hatte mich gefragt, ob solche Schriften für den Buchsatz taugen würden und habe mir die Mylius zum Testen mal besorgt. Mir ist klar, dass ich sie keinesfalls kommerziell verwenden darf, aber zur privaten Nutzung scheint es kein Problem zu sein. Auf den ersten Blick gefiel mir das Ergebnis, aber der Teufel steckt natürlich im Detail. Eine einigermaßene Sprachunterstützung für Deutsch bietet die Mylius, die es als Regular, Bold und Italic gibt. Das Logo im Beispiel ist in der Bold gesetzt - die Regular ist dezenter.

Was aber fehlt, sind Kapitälchen und Mediävalziffern. Und jetzt die Frage an die Font-Experten: Gibt es eine frei verfügbare (am Besten sogar OpenSource)-Inzise, die diese Features bietet? Für Tipps in dieser Richtung wäre ich dankbar.

Bearbeitet ( von gyps_ruepelli)

Die Mylius ist eine exklusive Schrift für die Fluglinie. Dass die überhaupt auf irgendwelchen Websites angeboten wird, sollte einen deswegen hellhörig werden lassen. Und ein entsprechender Vermerk auf einer Website ist keine Vereinbarung. Ich wäre also auch bei privater Verwendung mehr als vorsichtig.

  • Ersteller
vor 2 Stunden schrieb Diwarnai:

Die Mylius ist eine exklusive Schrift für die Fluglinie. Dass die überhaupt auf irgendwelchen Websites angeboten wird, sollte einen deswegen hellhörig werden lassen. Und ein entsprechender Vermerk auf einer Website ist keine Vereinbarung. Ich wäre also auch bei privater Verwendung mehr als vorsichtig.

Danke für den Hinweis. Das ist gut zu wissen. Und mit ist schon klar, dass in so einem Fall auch ein bloßes Ausprobieren schon eine Urheberrechtsverletzung bedeuten kann. Weil aber das Ausprobieren auch nicht zum Erfolg geführt hat, stellt sich mir nach wie vor die Frage nach Alternativen.

vor 3 Stunden schrieb Diwarnai:

Die Mylius ist eine exklusive Schrift für die Fluglinie.

Die vor Jahren von BA mit einem Windows-Programm verteilt wurde (badesktop.exe, wer Quellen braucht), das bei der Installation auch die Schrift mitinstallierte. Darf man damit jetzt rumspielen? Keine Ahnung, ich kenne die EULA des Programms nicht. Ich möchte nur an die Minion und Myriad (via Adobe Acrobat Reader) oder Microsofts C-Schriften (via Powerpoint Viewer) erinnern, die jeweils mit den Programmen installiert wurden und dann auch benutzt werden durften.

vor 44 Minuten schrieb Phoibos:

ich kenne die EULA des Programms nicht

Ich kenne sie auch nicht und der TE hat den Font auch nicht aus dieser Quelle, sondern von einer der vielen Font-Websiten. Da ist der Hinweis, mehr als vorsichtig damit umzugehen, durchaus angebracht, insbesondere in einem Typografie-Forum.

vor 52 Minuten schrieb Phoibos:

badesktop.exe

Das ist 30 Jahre her. Vor 10 Jahren wurde sie als webfont auf ba.com ausgeliefert, aber  das erlaubt genauso wenig eine Nutzung.

vor 21 Stunden schrieb gyps_ruepelli:

So bin ich auf die Gruppe der Inzisen gestoßen - Antiquaschriften mit eher schwacher Strichbreitenvariation und nur leicht angedeuteten Serifen.

Inzise ist mir nicht geläufig. Ein typischer Begriff aus dem Englischen für die leichte Kehlung ist Flare Serif. Vielleicht findet sich mit diesem Stichwort noch mehr. 

Der Klassiker in dem Bereich ist freilich die Optima. Die ist auf jeden Fall buchtauglich. Als kostenlose Variante gibt es vier Grundschnitte als URW Classico

Ich verbinde den Begriff auch eher nur mit dem Englischen "incised font", der gravierte und gemeißelte Formen wiedergibt, also in harte Materialien gearbeitete. Im Deutschen hab ich ihn noch nie gehört.

Woher stammt denn die Definition "Antiquaschriften mit eher schwacher Strichbreitenvariation und nur leicht angedeuteten Serifen."? Auf beispielsweise die Trajan, einem incised font, trifft das ja eher nicht zu.

vor einer Stunde schrieb Ralf Herrmann:

Inzise ist mir nicht geläufig. Ein typischer Begriff aus dem Englischen für die leichte Kehlung ist Flare Serif. Vielleicht findet sich mit diesem Stichwort noch mehr. 

Der Klassiker in dem Bereich ist freilich die Optima. Die ist auf jeden Fall buchtauglich. Als kostenlose Variante gibt es vier Grundschnitte als URW Classico

Typeface:    URW Classico
Publisher:    URW
License:    Aladdin Free Public License

 

Truetype:

https://fontlibrary.org/de/font/urw-classico

 

Opentype, PSType1

https://ctan.org/tex-archive/fonts/urw/classico/

 

Das ist aus dem Lieferumfang von GhostPDL:

https://cgit.ghostscript.com/cgi-bin/cgit.cgi/ghostpdl.git/tree/pcl/urwfonts

 

  • Ersteller
vor 3 Stunden schrieb Ralf Herrmann:

Inzise ist mir nicht geläufig. Ein typischer Begriff aus dem Englischen für die leichte Kehlung ist Flare Serif. Vielleicht findet sich mit diesem Stichwort noch mehr. 

Ich habe den Begriff aus Wikipedia. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Inzise

Und laut dem dortigen Artikel soll der Name daher kommen, dass diese Schriften - die oft reine Versalschriften sind - Inschriften nachempfunden sind. Dass es sich bei der Mylius um eine solche Schrift handelt, ist dann meine Interpretation - speziell wegen der nur angedeuteten Serifen.

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