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Schrift-Identifizierung Remington Rand

Hervorgehobene Antworten

Guten Tag an dieses Forum und alle, die sich ebenfalls für die Schriftkunst begeistern.
Ich brauche eure Hilfe bei der Identifizierung einer Schrift, die ich selbst nicht kenne.
Mein Beispiel-Bild stammt von der Rückseite einer Remington Schreibmaschine.
„Product of Remington Rand“ – eine interessante Schrift, wie ich finde;
Auf den ersten Blick will sie serifenlos sein, auf den zweiten Blick hat sie feine Serifen.
Diese Schrift würde ich mir gerne mal im Mengentext ansehen, wie sie da „auftritt“.
Viele Grüße und schon mal Danke fürs Schauen.

— Hagen

 

Product_of_Remington_Rand_2.jpg

Das ist vom Anfang 1930er Jahre? Dann wird zwar eine Satzschrift Pate gestanden haben, aber nicht für die Druckvorlage verwendet worden sein. Die Beschriftung sah auf jedem Modell unterschiedlich aus.

1932 Remington Noiseless Portable:

Bildschirmfoto-2025-10-18-um-14-58-17.pn

1933 Monarch:

g14_121_1360523924.jpg

  • Ersteller

Hallo Diwarnai,

ja, in den / ab den? 30er Jahren fand dieser Schriftzug Verwendung, schätze ich. Das Foto, dass du angehängt hast, habe ich auch gefunden. Es ist eindeutig ein anderer Schriftzug, mit ausgeprägteren Serifen (auch diese Variante spricht mich zwar ästhetisch an, aber ist eben nicht jene, die ich gezeigt hatte). Dennoch habe ich die beiden Versionen mal zum Vergleich untereinander platziert. Ich hatte mich gefragt, ob den Entwürfen evtl. das gleiche Skelett zugrunde liegt. Gruß,

— Hagen

Product_of_Remington_Rand_2_Versionen.jpg

  • Ersteller

Hallo in die Runde,

ich bin noch weiter gegangen. Habe noch mehr Schriftzüge miteinander verglichen. Dabei ist mir aufgefallen, dass allen etwas gemein ist; einerseits die recht kurzen Ober- und Unterlängen, aber vor allem dieser ähnliche Winkel bei den Stämmen (d / h / i / m /n /p). Da ist schon ein bestimmter Stil, eine buchstäbliche „Haltung“ erkennbar. Dennoch fehlen noch entscheidende Hinweise für den obersten Schriftzug. Ich suche weiter und freue mich über jeden Hinweis. Schönen Sonntag noch.

— Hagen

Vergleich_Remeington_Schriftzüge.jpg

Bearbeitet ( von Hagen Thiel)

vor 18 Minuten schrieb Hagen Thiel:

Dennoch fehlen noch entscheidende Hinweise für den obersten Schriftzug.

Ich vermute, dass er so wie gezeigt gar nicht existierte. In einer anderen Quelle sieht es so aus, als wären das die Überbleibsel eines Serifenfonts, die Serifen wurden wohl über die Jahre weggeputzt, sind aber noch gut zu erahnen …

g24166_181497_1731375188.jpg

Reinvergrößert:

Bildschirmfoto-2025-10-19-um-17-46-19.pn

  • Ersteller

„Weggeputzt“ – interessante Formulierung. Denkst du da an einen bewussten Eingriff? So gleichmäßig wird sich der Schriftzug ja nicht abnutzen, selbst über nahezu hundert Jahre nicht. Es stimmt, dein Foto zeigt deutlich, dass z.B. beim P „mehr los war“, genau so beim r / d / u / t

Ok, könnte man sagen, der Schriftzug ist eher eine Art Logo-Schrift und ihr Einsatz erfolgte nur auf dem Gehäuse der Schreibmaschinen-Typen? Dann ändert sich die Fragestellung; welche Schrift könnte dafür Pate gestanden haben? Wie lautet der, oder die Designer*in? Es bleibt spannend. Die schmalen Ober- und Unterlängen waren in den 20er und 30er Jahren doch besonders beliebt (für Anzeigen und Zeitungs-Schriften), oder irre ich mich da? Danke vielmals.

— Hagen

vor 35 Minuten schrieb Hagen Thiel:

Denkst du da an einen bewussten Eingriff?

Nö, Putzen im wahrsten Sinne des Wortes. Die Serifen sind ja am dünnsten und filigransten und nutzen sich beim Darüberfahren mit dem Lumpen am schnellsten ab.

  • 2 Wochen später...
  • Ersteller

Guten Abend,
 

als ich diese Diskussion startete, war ich unterwegs. Zuhause konnte ich eine meiner zwei Remington Noiseless Portable Schreibmaschinen näher untersuchen. Auf der Rückseite der einen fand ich das selbe Schrift-Bild wieder, dass ich bereits in meinem ersten Eintrag, vom 18. Oktober, zeigte – ich bin jedenfalls ziemlich sicher, dass es sich um die gleiche Schrift handelt. Ich habe hochauflösende Fotos davon gemacht, dezent bearbeitet, und die Worte „Product of Remington Rand“ zur größeren Ansicht getrennt. Den Schriftzug des Modell-Typs „Remington Noiseless Portable“, auf der Vorderseite der Maschine, habe ich ebenfalls fotografiert und freigestellt. Sie wollen sich zum Verwechseln ähneln und sind doch hier und da verschieden.

@Diwarnai – Deutlich erkennbar ist nun, dass der obere Schriftzug zwar Ansätze von Serifen hat, aber es sich doch nur um leicht gekehlte Stämme handelt. Hier wurde auch nichts „geputzt“. Meiner Meinung nach wurde dieser Schrift-Typ von Albert Kapr „Varia Antiqua“ (z.B. Optima) und von Hans Peter Willberg „dynamische Antiqua“ (humanistisches Formprinzip) genannt. Ich finde nach wie vor, dass dies eine bemerkenswerte Schrift ist, mit einer sehr großen x-Höhe und keinen ersichtlichen Oberlängen. Das Baujahr meiner „Noiseless“ konnte ich anhand der Seriennummer auf 1936 bestimmen. Ich schätze, bald muss die Suche auf die amerikanischen Schriftmusterbücher, jener Zeit, ausgeweitet werden. Gruß,

— Hagen

ProductOfRemingtonRand_RemingtonNoiselessPortable.jpg

Bearbeitet ( von Hagen Thiel)

Am 19.10.2025 um 17:49 schrieb Diwarnai:

Überbleibsel eines Serifenfonts

Auf deinem neuen Bild sieht man, dass das die schwarze Outline um die Buchstaben ist und die nicht von mir vermuteten Überbleibsel.

vor 6 Stunden schrieb Hagen Thiel:

Ich schätze, bald muss die Suche auf die amerikanischen Schriftmusterbücher, jener Zeit, ausgeweitet werden.

Solche Beschriftungen wurden damals nicht aus einer Satzschrift gesetzt, sondern eine Satzschrift stand höchstens Pate für eine Handarbeit. Auf dem neuen Bild der Rückseite klar zu erkennen an den Unterschieden bei o und R.

Man sollte das »Pate stehen« (der Satzschriften) auch nicht zu wörtlich nehmen. Die Lettering-Entwürfe lehnten sich in der Tat häufig an den Stil der Satzschriften der Zeit an, was sich aber eher auf den grundsätzlichen Charakter bezog und nicht bedeutet, dass nun eine Schrift direkt abgepaust wurde und klar bestimmbar wäre. Schriftzeichnen gehörte damals einfach noch zum Handwerk dazu und man musste nichts abzeichnen.

Die Faustregel (bis zur Durchsetzung skalierbarer Schriften) ist: wenn es nicht gedruckt ist, ist es höchstwahrscheinlich auch nicht gesetzt. Diese Aufkleber sind nicht mit den Bleilettern der Zeit auf eine Schreibmaschine zu drucken. Das ist technisch nicht möglich. Es spricht daher alles für Lettering und die Suche nach einer passenden Schrift wird wahrscheinlich nicht von Erfolg gekrönt werden. 

»Pate stehen« heißt doch nicht, dass abgepaust wird, sondern dass man sich an etwas orientiert oder dass etwas als Vorbild für eine eigene Leistung steht. Insofern würde ich das »Pate stehen« schon wörtlich nehmen, weil es genau das ist, was ich aussagen will. Aber wahrscheinlich hat jeder seine eigene Vorstellung der Bedeutung von »Pate stehen« – abpausen gehört für mich genau nicht dazu.

Bei der Herstellung solcher Beschriftungen musste ja auch immer auf technische Umsetzbarkeit hin gestaltet werden, das schloss ein Abpausen sicher in den meisten Fällen aus.

  • Ersteller
vor 8 Stunden schrieb Ralf Herrmann:

Die Faustregel (bis zur Durchsetzung skalierbarer Schriften) ist: wenn es nicht gedruckt ist, ist es höchstwahrscheinlich auch nicht gesetzt.

Das finde ich sehr interessant und war mir bisher gar nicht klar. Eine ganz wichtige Information für mich – vielen Dank, Ralf. Und auch danke fürs „Einmischen“ in diese Recherche.

 

vor 8 Stunden schrieb Ralf Herrmann:

Diese Aufkleber sind nicht mit den Bleilettern der Zeit auf eine Schreibmaschine zu drucken. Das ist technisch nicht möglich. Es spricht daher alles für Lettering

Ich habe herausgefunden, dass es sich bei der Auftragungs-Technik um „Transfer-Decal“ (Water-Slide Decal), z.B. das Gold-Transfer-Verfahren, dass zu jener Zeit (20er / 30er Jahre) gerne bei Musikinstrumenten, Fahrrädern und Schreibmaschinen „in-house“ durchgeführt wurde. Für mich interessant zum Nachvollziehen – für die eigene Vorstellung (und auch zum „Zurück-Versetzen“ in diese Zeit), aber vielleicht auch für den ein oder anderen Interessierten – liste ich nachfolgend das technische Vorgehen, sowie die Vorteile dieser  Methode auf:
 

1. Motivdruck
Der Schriftzug („Product of Remington Rand“) wurde spiegelverkehrt in Goldtinte oder Metallfolie auf ein dünnes Trägerpapier gedruckt. Darüber kam eine transparente Lackschicht (oft Schellack oder Nitrocellulose).

2. Übertragung
Das Papier wurde in Wasser eingeweicht, bis sich die transparente Lackschicht mit dem Motiv löste. Diese dünne Schicht wurde dann auf den lackierten Maschinenkorpus geschoben („water-slide“ = aufgeschoben).

3. Trocknung & Schutzlack
Nach dem Trocknen wurde meist eine Klarlackschicht über das gesamte Logo gelegt, um es gegen Abrieb zu schützen.

Die Vorteile waren offenbar:

1. Höherwertige Optik – Gold-Transfers wirken metallisch glänzender als gedruckte Goldfarbe.

2. Feinere Details – Das Logo ließ sich so sauber reproduzieren – bei dem Schriftzug (wie auf meiner „Noiseless“) war das wohl entscheidend.

3. Wirtschaftlich – In Serie einfacher, als jedes Gehäuse per Hand zu bemalen oder zu vergolden. (dies spricht wohl gegen „Lettering“, jedenfalls so, wie ich den Begriff „Lettering“ verstehe)

Diese Technik (Transferdruck) und die Tatsache, dass ich bisher keine dokumentierten Schrift-Quellen (von Remington Rand) in Bezug auf den Schriftuzg bei meinen Recherchen finden konnte, führt mich zu dem Schluss, dass nun die „Paten-Spur“ folgen muss; in meinem nächsten Schritt möchte ich daher nach in Frage kommenden Schriftmusterbüchern schauen. Der Produktionsort dieser Noiseless-Modelle war in den 30er Jahren die klassische Remington-Fabrik in Ilion (New York). Welche amerikanischen Schriftmusterbücher könnten da in die engere Wahl geraten? (ATF, Linotype, Monotype …) 

Großen Dank,

— Hagen

Bearbeitet ( von Hagen Thiel)

  • Ersteller

Hallo in die Runde,
was soll ich sagen … die Versuchung wurde einfach zu groß!

HagenThiel_RemingtonNoiselessPortable_Schriftentwurf_31102025.png

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