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Wie werden Kursive kursiv?

Hervorgehobene Antworten

Liebe Schriftgestalter*innen, wie zeichnet Ihr eigentlich echte Kursive? Wie besorgt ihr die einheitliche Neigung? 
Arbeitet Ihr mit custom-geneigten Rastern? Oder wie macht Ihr das sonst? Macht Ihr es direkt in Fontsoftware wie Glyphs oder Fontforge oder zeichnet ihr Glyphen in Vektorprogrammen vor?

Ob man neu zeichnet oder von den aufrechten Schnitten ausgeht hängt natürlich vom Stil der Schrift ab. Mit einer automatischen Neigung anzufangen, ist aber für moderne digitale Schriften nicht ungewöhnlich. Ein typisches Problem ist dabei, dass die Anfasser dann durch die Neigung zwar mathematisch korrekt sitzen, aber nicht so wie es für Extrempunkte von PostScript-OpenType-Schriften gefordert ist. Umgehen kann man das mit Zusatzprogrammen wie RMX Tools von Tim Ahrens. 

Beispiel, aufrechter Buchstabe:

Bildschirmfoto 2025-11-11 um 10.55.36.png

Normale Schrägstellung: (mit Fehlern)

Bildschirmfoto 2025-11-11 um 10.55.47.png

Schrägstellung mit RMX-Tools:

Bildschirmfoto 2025-11-11 um 10.56.10.png

  • Ersteller

Danke! Ich sage mal was ich als Laie sehe: Grundlage ist eine parallelogrammförmige ›Verschiefung‹ um einen definierten Winkel, dann werden die Fasspunkte (nicht alle, aber die Äußersten) wieder gradegestellt, ohne den Pfadverlauf sichtbar zu ändern, richtig?

Und sonst? Wenn’s z.B. eine originäre (Schreibschrift-)Charakteristik würde, würdest du sie gerade zeichnen und dann ebenso verschiefen oder gleich geneigt zeichnen? 

vor einer Stunde schrieb tgmnsch:

würdest du sie gerade zeichnen und dann ebenso verschiefen oder gleich geneigt zeichnen? 

Praktisch ist dieser Kompromiss: Alles automatisch schräg stellen, dann so lange am kursiven »o« feilen bis es perfekt ist. Dann mit dem o im Hintergrund die verschieften Buchstaben mit Rundungen nacharbeiten. 

Bildschirmfoto 2025-11-11 um 12.36.15.png

Bei einer relativ simpel strukturierten Serifenlosen kann man mit dem Schränken der Geradstehenden beginnen und dann, wie erklärt, die Formen nacharbeiten.

Bei einer Antiqua oder anderen – komplexer strukturierten – Schrift: Kursive von Grund auf komplett neu zeichnen. Es sind nicht nur fast alle Formdetails anders, sondern auch die Proportionen. Besonders bei Majuskeln führt das Schränken der runden Formen in der Regel zu unbrauchbaren Ergebnissen.

… nicht so mechanisch denken.

Bei einer Antiqua-Kursive sind (typischerweise) unterschiedlich geneigte Einzelformen im Spiel.

Hauptsache: Sehen und ein Gefühl für diese Art Schrift kriegen. Dabei helfen Schreibübungen mit der Rohrfeder (ganz alte Schule, also auch sehr unterhaltsam). Und: originale alte Kursive ansehen und gründlich studieren (z.B. venezianische Kursive oder Garamond-Kursiv).

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