Zu Inhalt springen

Wie digitalisiert man eine Bleischrift?

Hervorgehobene Antworten

Hallo in die Runde,

Ich weiß nicht, ob es auf diese Frage eine allgemeingültige Antwort gibt aber ich stelle sie trotzdem mal:

Wie digitalisiert man eine Bleischrift?

Ich habe gelesen, dass es Projekte gab, die im Plantijn-Moretus-Museum in Antwerpen die Original-Stempel von Claude Garamond untersucht haben, um eine neue Garamond-Digitalisierung herzustellen. Aber was macht man dann genau? Ich kann mit vorstellen, dass man die Stempel abphotographiert oder scannt, aber wie wird dann aus den Grafiken die Schrift? Gibt es dafür eigene Computertools? Ich habe gesehen, dass Fontforge die Möglichkeit bietet, eine Grafik zu laden und dann von Hand Splines darum zu legen. Wird das üblicherweise so gemacht oder gibt es dafür andere Techniken?

Allen, die sich die Mühe machen, zu antworten, schon mal vielen Dank dafür!

 

Gelöst von Ralf Herrmann

  • Lösung

Ja, man legt die pixelbasierten Vorlagen buchstabenweise im Fonteditor in den Hintergrund und erstellt dann die Vektor-Umrisslinie über der Mustervorlage. 

Üblicherweise geht man dabei von gedruckten Schriftmuster aus (oder wenn vorhanden von Originalzeichnungen). Die Bleibuchstaben selbst (oder gar Stempel und Matrizen) als Vorlage zu verwenden ist eher die Ausnahme. Ich mache das aber regelmäßig, da ich Zugriff auf die Bestände eines Museums habe. Meinen Prozess kann man hier in einem englischsprachigen Video verfolgen:

 

  • Ersteller

Hallo Ralf,

 

Vielen Dank für das interessante Video! Das ist wirklich ein toller Einblick und zeigt, wie mühsam es nach wie vor ist, Schriften zu digitalisieren. Deswegen mein höchster Respekt für alle, die das machen!

  • 2 Monate später...

"Aber was macht man dann genau? [...] Gibt es dafür eigene Computertools?"

Ich habe eine Software selber entwickelt, die genau das macht.

  1. Bildvorlage (Foto oder Scan, Farbbild oder SW ist egal)

  2. Rechteck auswählen, wo sich der interessante Bereich befindet

  3. Grenzwert für Schwarz-Weiß festlegen

  4. Rotation anbieten, falls das Bild schief ist (Qualitätsverlust möglich)

  5. Grundlinien definieren

  6. Konturen berechnen lassen

  7. Konturen händisch klassifizieren ("Ä" hat drei äußere Konturen und eine innere, die zusammengehören und hat einen Unicode-Wert und den Glyphnamen "Adieresis"). OCR-Tools sind hier leider überraschenderweise unbrauchbar.

  8. Fehlende Glyphen automatisch ableiten: 180-Grad-Drehungen bspw.

  9. Die volle quadratische Kerning-Matrix autogenerieren, sodass das Ergebnis einem händischen Kerning entspricht (möglich aber nicht ganz leicht)

  10. Autotracing anbieten. Und nach Bedarf durchführen.

  11. Geschickt die erzeugten Daten in eine TTF überführen und dabei Ligaturen und andere Opentype-Features automatisch ableiten und die Feature-Datei generieren.

Das einzige wirklich schwieriege dabei ist das Autotracing. Vorhandene Tools sind alle nicht wirklich gut. Mein erster Ansatz ist überraschenderweise bereits besser als das Autotracing in Fontlab 8 (gleiche Qualität aber 10 mal weniger Knoten). Aktuell entwickle ich ein wirklich gutes Autotracing, was nur über KI-Methoden funktioniert.

Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden mit dem Tool, da es das optimale Ergebnis mit wenig Aufwand erzeugt. Ohne Autotracing ist das Ergebnis dieselbe Schrift mit denselben Pixelkoordinaten wie aus der Vorlage. Ist diese also gut, ist die Schrift heftig gut. Sobald ich das KI-Autotracing fertig habe, wird es sogar möglich sein, schlechte Vorlagen zu verwenden, um gute Fonts zu erhalten. Nervig ist aktuell nur die Klassifikation der Glyphen. Das kann schon mal 30 Minuten für ein Schriftmuster beanspruchen.

Bearbeitet ( von TS10)

Erstelle ein Konto, um zu kommentieren

Wichtige Informationen

Wir setzen Cookies, um die Benutzung der Seite zu verbessern. Du kannst die zugehörigen Einstellungen jederzeit anpassen. Ansonsten akzeptiere bitte diese Nutzung.

Konto

Navigation

Browser-Push-Nachrichten konfigurieren

Chrome (Android)
  1. Klicke das Schloss-Symbol neben der Adressleiste.
  2. Klicke Berechtigungen → Benachrichtigungen.
  3. Passe die Einstellungen nach deinen Wünschen an.
Chrome (Desktop)
  1. Klicke das Schloss-Symbol in der Adresszeile.
  2. Klicke Seiteneinstellungen.
  3. Finde Benachrichtigungen und passe sie nach deinen Wünschen an.