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Calibri vs. Times New Roman

Hervorgehobene Antworten

"Zurück zu alten Zeiten: Für offizielle Dokumente des US-Außenministeriums soll ab sofort laut einem Medienbericht wieder die Schriftart Times New Roman genutzt werden - und nicht mehr das Anfang 2023 eingeführte Calibri.  Jene "Rückkehr zu Tradition" solle demnach "Anstand und Professionalität" in den Schriftstücken des Ministeriums wiederherstellen, hieß es in der Handlungsaufforderung, die der "New York Times" vorlag. Das serifenlose Calibri wirke im Vergleich zu Schriften wie Times New Roman "informell" und stehe im Widerspruch zum offiziellen Briefkopf der Abteilung, so Rubio. ..."

Quelle: Der Tag auf ntv.de am Mittwoch, 10. Dezember 2025 - ntv.de

Die New York Times teasert es so:

Zitat

At State Dept., a Typeface Falls Victim to the War Against Woke

Secretary of State Marco Rubio called the Biden-era typeface change “wasteful,” casting the return to Times New Roman as part of a push to quash diversity efforts.

Damit wäre die Times also »unwoke« und »un-diversitätsbemüht«. Die Trump-Republikaner können halt nur hirnrissig.

Hallo,

 

vor 1 Stunde schrieb Norbert P:

Die New York Times teasert es so:

Damit wäre die Times also »unwoke« und »un-diversitätsbemüht«. Die Trump-Republikaner können halt nur hirnrissig.

Irgendwie werden die Berichte von der (politischen) Abneigung gegen Trump dominiert. Ich könnte jetzt kontern mit „Die Anti-Trump-Demokraten können noch hirnrissiger … “ Aber ich bin ja nicht so!1elf  *schwör*

 

Aus Gewohnheit würde ich erst mal zur Times tendieren und dann nach einer guten(!) Serifenlosen suchen. Wie sieht das ganze objektiv aus typografischer Sicht aus? Times und Calibri sind in meinen Augen beides für Englisch (*) brauchbare Schriften. Die Times wirkt konservativer und Calibri moderner. OK, die Calibri ist keine Frutiger, also nicht perfekt. Was sind die Unterschiede bzgl. der Lesbarkeit Times /vs/ Calibri? Und was wäre eine bessere Serifenlose als die Calibri? Muss es eine Humanistische sein oder könnte man eine Statische (ähnlich Helvetica, Univers … ) in Betracht ziehen?

 

(*) Für Deutsch gibt es bessere Antiqua.

vor 8 Minuten schrieb Uwe Borchert:

Irgendwie werden die Berichte von der (politischen) Abneigung gegen Trump dominiert.

Lies die Berichte doch einfach mal ganz unvoreingenommen. Die Calibri wurde eingesetzt, damit auch Menschen mit Beeinträchtigungen Verlautbarungen besser lesen können*. Das wurde von der entsprechenden Zielgruppe begrüßt. Das Argument zur Rückkehr zur Times lautet: »To restore decorum and professionalism to the Department’s written work products and abolish yet another wasteful DEIA program«. Das ist ein ideoligisches (reaktionäres) Motiv.

 

*) Besser muss nicht immer gleich perfekt sein.

Bearbeitet ( von Norbert P)

Wenn ich mich recht erinne, fordern Gerichte jenseits des großen Teichs (inkl. Supreme Court) oft Century Varianten. 

Hätte gedacht man fühlt sich denen näher als den letztens oft geschmähten Ivy League Unis, wo 12 pt TNR immer noch der Hausarbeiten-Standard ist.

Hallo,

 

vor 4 Stunden schrieb mhd:

Wenn ich mich recht erinne, fordern Gerichte jenseits des großen Teichs (inkl. Supreme Court) oft Century Varianten. 

Hätte gedacht man fühlt sich denen näher als den letztens oft geschmähten Ivy League Unis, wo 12 pt TNR immer noch der Hausarbeiten-Standard ist.

 

Etwa so was?

 

Typeface: MFB Oldstyle

Designer: Daniel Benjamin Miller

Typeface: Century Oldstyle

Designer: Morris Fuller Benton

License: Free for commercial use, OFL

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https://fontesk.com/mfb-oldstyle-typeface/

MFB Oldstyle is a serif font family designed for body text. This typeface was originally designed by Morris Fuller Benton and released by American Type Founders in 1909 as Century Oldstyle. The family contains three fonts: Regular, Italic, Bold. Superior and inferior figures are available for all fonts in the family. Small capitals and old-style figures are available only for the regular font. Currently, no bold italic font is provided. With its classical proportions and gentle curves, this typeface offers a warm, approachable aesthetic that enhances the reading experience. The sturdy yet graceful design of MFB Oldstyle font ensures clarity and comfort, whether used in print or digital formats. Its enduring charm and versatility make it a staple for designers seeking a typeface that stands the test of time. Designed by: Daniel Benjamin Miller Website https://github.com/dbenjaminmiller License: Free for commercial use, OFL August 23, 2024 featured in Serif

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Hallo,

 

vor 8 Stunden schrieb Norbert P:

Lies die Berichte doch einfach mal ganz unvoreingenommen. Die Calibri wurde eingesetzt, damit auch Menschen mit Beeinträchtigungen Verlautbarungen besser lesen können*. Das wurde von der entsprechenden Zielgruppe begrüßt. Das Argument zur Rückkehr zur Times lautet: »To restore decorum and professionalism to the Department’s written work products and abolish yet another wasteful DEIA program«. Das ist ein ideoligisches (reaktionäres) Motiv.

 

*) Besser muss nicht immer gleich perfekt sein.

Ich habe die Berichte unvoreingenommen gelesen und konnte die Abneigung gegen Trump nicht übersehen. Dort sah ich ein ideologisches (wokes) Motiv. Ich versuch nur so weit ich es kann an Alle die gleichen Maßstäbe anzulegen. In diesem Fall sehe ich nur zwei Ideologien, die gegeneinander zu Felde ziehen. Aber die Typografie können wir doch vollkommen losgelöst und neutral besprechen.

 

PS: Ich mag keine der beiden Ideologien … Idiotien …

vor 1 Stunde schrieb Uwe Borchert:

Etwa so was?

Typeface: MFB Oldstyle

War nicht Century Old Style eher ein "Ausreisser", d.h. doch recht anders als z.B. Century Expanded oder New Schoolbook? Der Supreme Court benutzt jedenfalls letzteres selber. Century Supra war dann ja auch der Entwurf eines Anwaltes für Anwälte. Und wer weiß wie viele Advokaten noch alte Selectric Schreibmaschinen haben für sowas…

 

Ich bin ja auch etwas geschockt dass TNR hier die "moderne" Schrift war und bis vor gar nicht so langem Courier die Schrift der Wahl des State Departments war. Ist das wieder sowas an das sich dann keiner hält, wie eigene Handys nicht benutzen?

Und wieso leistet sich die US Regierung keine eigene Schrift? Macht ja jedes Startup inzwischen, von kleineren Ländern mal abgesehen…

vor 18 Stunden schrieb Uwe Borchert:

Hallo,

 

Irgendwie werden die Berichte von der (politischen) Abneigung gegen Trump dominiert. Ich könnte jetzt kontern mit „Die Anti-Trump-Demokraten können noch hirnrissiger … “ Aber ich bin ja nicht so!1elf  *schwör*

 

Aus Gewohnheit würde ich erst mal zur Times tendieren und dann nach einer guten(!) Serifenlosen suchen. Wie sieht das ganze objektiv aus typografischer Sicht aus? Times und Calibri sind in meinen Augen beides für Englisch (*) brauchbare Schriften. Die Times wirkt konservativer und Calibri moderner. OK, die Calibri ist keine Frutiger, also nicht perfekt. Was sind die Unterschiede bzgl. der Lesbarkeit Times /vs/ Calibri? Und was wäre eine bessere Serifenlose als die Calibri? Muss es eine Humanistische sein oder könnte man eine Statische (ähnlich Helvetica, Univers … ) in Betracht ziehen?

 

(*) Für Deutsch gibt es bessere Antiqua.

Für die Lesbarkeit ist die Autorïn zuständig und für die Leserlichkeit die Typografïn.

https://de.wikipedia.org/wiki/Lesbarkeit
 

https://de.wikipedia.org/wiki/Leserlichkeit

Am 10.12.2025 um 12:09 schrieb Uwe Borchert:

Times und Calibri sind in meinen Augen beides für Englisch (*) brauchbare Schriften. Die Times wirkt konservativer und Calibri moderner. OK, die Calibri ist keine Frutiger, also nicht perfekt. Was sind die Unterschiede bzgl. der Lesbarkeit Times /vs/ Calibri? Und was wäre eine bessere Serifenlose als die Calibri? Muss es eine Humanistische sein oder könnte man eine Statische (ähnlich Helvetica, Univers … ) in Betracht ziehen?

 

(*) Für Deutsch gibt es bessere Antiqua.

Das ist ein interessanter Aspekt: woran macht man fest, ob eine Schrift für eine Sprache brauchbar ist? 

Hallo,

 

vor 3 Stunden schrieb gyps_ruepelli:

Das ist ein interessanter Aspekt: woran macht man fest, ob eine Schrift für eine Sprache brauchbar ist? 

Probieren? Lesetests in verschiedenen Sprachen können verschieden gut ausfallen. Deutsch hat viel Groß-Klein-Schreibung mit langen Worten. Die Times passt da nicht so toll, iirc auch wegen der zu großen x-Höhe. Die Garamond(-en) sind da besser … außer der ITC-Garamond. Für Englisch schneidet die Times besser ab.

Für die Gill gab es zu Bleisatzzeiten unterschiedlich große Versalien. Für Deutschland wurden kleinere Versalien angeboten die besser ins Satzbild passten. Digitalisiert wurden später die größeren Versalien …

Also zielt es vor Allem auf die Großsschreibung ab. Ich hatte mich schon gefragt, ob das evtl. mit der Buchstabenhäufigkeit in verschiedenen Sprachen zu tun hat und ob man sich deswegen diese Frage im Grunde für jede Sprache neu stellen muss.

Mein Eindruck ist, dass englische Texte auf jeden Fall sehr häufig in Times gesetzt werden. Aber es ist in der Tat so, dass lange deutsche Wörter wie Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz in Times irgendwie wie ein undurchsichtiger Bretterzaun wirken. 

Hallo,

 

vor 3 Stunden schrieb gyps_ruepelli:

Also zielt es vor Allem auf die Großsschreibung ab. Ich hatte mich schon gefragt, ob das evtl. mit der Buchstabenhäufigkeit in verschiedenen Sprachen zu tun hat und ob man sich deswegen diese Frage im Grunde für jede Sprache neu stellen muss.

Mein Eindruck ist, dass englische Texte auf jeden Fall sehr häufig in Times gesetzt werden. Aber es ist in der Tat so, dass lange deutsche Wörter wie Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz in Times irgendwie wie ein undurchsichtiger Bretterzaun wirken. 

Nicht nur die Großschreibung ist relevant. Auch die Verteilung der Buchstaben und deren Aufeinanderfolgen. Und natürlich die Wortlängen ... und ... und ... und ...

 

Kurze Worte, wenig Großschreibung? Das ist was für die Times. Lange Worte und viel Großschreibung? Das kann die Garamond 😍 viel besser.

Hallo,

 

vor 3 Stunden schrieb Microboy:

Für die Gill gab es zu Bleisatzzeiten unterschiedlich große Versalien. Für Deutschland wurden kleinere Versalien angeboten die besser ins Satzbild passten. Digitalisiert wurden später die größeren Versalien …

Vergleiche die x-Höhe dann mal mit den echt™ deutschen Schriften aus den 1920er wie Futura und Kabel. 

Wenn man jetzt eine wirklich "ideale" Schrift für das State Department oder die US Regierung allgemein suchen würde, dann könnte man sich hier natürlich sehr verausgaben (ich wär ja für Trajan). Aber wir reden hier (höchstwahrscheinlich) von der mit Windows gelieferten TNR Variante in 14 pt, benutzt für Korrespondenz, also breiter Einspaltensatz. Das würde jetzt wohl niemand als ideal für irgendwas bezeichnen, aber es ist auf jeden Rechner drauf und auch eindeutig genug (also z.B. keine Frage von "Aber welches Garamond?"). Ob hier wahre Rebellen ihre diplomatische Immunität nutzten um Times Ten einzuschmuggeln?

Gleiches galt ja auch für die Vorgänger Courier und Calibri – sicher nicht die Schriften erster Wahl für Forumsnutzer hier. Mal abgesehen von dem Argument der Schreibmaschinennutzung bzw. -emulation um von vorne herein für kurzlebige Korrespondenz die (vor allem eigenen) Ansprüche nicht nach oben zu schrauben.

 

Als TNR 2004 eingeführt wurde, galt dies übrigens nicht für "Telegramme", rechtliche Verträge oder Dokumente die der Präsident unterzeichnet, und auch die Umstellung auf Calibri (15 pt) hat das nicht verändert. Hier benutzte und benutzt man immer noch Courier New 12.

Bearbeitet ( von mhd)

vor 9 Stunden schrieb Uwe Borchert:

Kurze Worte, wenig Großschreibung? Das ist was für die Times. Lange Worte und viel Großschreibung? Das kann die Garamond 😍 viel besser.

Ich sehe: Ich bin hier als Garamond-Fan nicht alleine 😀 Das war auch einer der Gründe, warum ich im Juni im Plantijn-Moretus-Museum in Antwerpen war. Ich wollte Claude Garamonds Originalstempel bewundern.

Lassen sich solche Kriterien auch für andere Sprachen formulieren? Deutsch hat ja mit seinen langen Wörtern und der Großsschreibung zwei ziemliche Alleinstellungsmerkmale (die langen Wörter kennen auch Finnisch und Ungarisch). Ist es daher ein Spezifikum des Deutschen, dass es speziell dafür geeignete Schriften gibt? Oder gilt das auch für andere Sprachen? Und: Gibt es sowas wie eine Übersicht "Empfehlenswerte Schriften für verschiedene Sprachen"? Meine Frage ist bloß meiner Neugier geschuldet.

Achja, der ewige Versuch kurze und bündige Informationen aus Professoren zu bekommen… Wäre interesant gewesen, wenn sie jetzt noch etwas mehr zur sinnvollen Einordnung der Policy hätte sagen können, und nicht nur Background-Informationen zur Geschichte der Typografie die immer noch zu "high level" für die meisten Zuhörer/-schauer sein dürften. Und fast jeder Punkt wurde dann auch noch gleich relativiert: Calibri ist default bei Office, deswegen sogar mehr Arbeitsaufwand für TNR – aber aktuell ja Aptos, also beides gleich aufwändig (von Vorlagen mal abgesehen). Serifenlose Schriften sorgen für bessere Erkennung von einzelnen Buchstaben – aber das ist mitunter nicht immer relevant, usw.

Aber immerhin wurde mal so nebenbei die Bauhaus-Kleinschriftbewegung erwähnt. In letzter Zeit ist mir sowas im angelsächsischen Raum auch wieder begegnet – Kleinschreibung als aktiver Versuch sich von LLM-generiertem Text abzuheben.

 

  • 1 Monat später...

In der Typografie wird die Frage nach der „richtigen“ Schriftwahl in diesem Blog häufig funktional verengt behandelt. Der Beitrag auf
https://www.sintesi.ch/blog steht exemplarisch für diese Haltung. Die folgende Position versteht sich ausdrücklich als Gegenentwurf und als bewusste Distanzierung von dieser Sichtweise.

“Type is not neutral.”

Schrift ist mehr als ein Transportmittel für Information. Sie vermittelt Werte, Ton und Haltung. Serifenlose Schriften stehen für Funktionalität und Effizienz, Serifenschriften für Tradition und institutionelle Kontinuität. Herkunft statt Update.

“Form follows attitude.”

Die Rückkehr zu Times ist kein belangloser Stilwechsel, sondern ein bewusst gesetztes Signal, auch wenn Times New Roman lediglich eine eher mediokre Systemschrift ist.

Gerade darin liegt die Aussagekraft dieser Entscheidung. Sie zeigt, dass Schrift selbst dann wirkt, wenn sie formal unauffällig bleibt.

“Type is the silent voice of a page.”

Weder Times New Roman noch Calibri ist „besser“. Beide sind eher mediokre Systemschriften mit unterschiedlichen Funktionen. Entscheidend sind Kontext und beabsichtigte Wirkung, nicht eine vermeintlich objektive Rangordnung.

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