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1819 oder 1419?

Hervorgehobene Antworten

ein gutes neues liebe kollegas!

ich war über die feiertage bei der deutschen verwandtschaft und konnte dort eine alte truhe bestaunen, auf der eine jahreszahl erkennbar ist. die frage, die sich mir stellt: ist das eine unvollständig und mit künstlerischer freiheit geschnitzte 8 oder – wie es im mittelalter durchaus üblich war – eine halbe 8, also 4. damals wurde die halbe 8 allerdings (soweit ich es kenne und auch nicht anders recherchieren konnte) so geschrieben, dass die öffnung unten ist. wie seht ihr das aus typografischer sicht?

wenn man die typografie mal weglässt bin ich viel eher bei einem alter von 207 jahren als bei 607 jahren.

IMG_7013.jpeg

Lieber Carlito,

wenn ich mir die Machart der Truhe anschaue, dann vermute ich höchstens 1819. Auch in Anbetracht der weiteren typografischen Spielereien beim Wort ANNO tendiere ich zu der Annahme, dass es sich um diese Zeit handelt. Beim A könnte man außerdem auf den Gedanken eines Freimaurerbezugs kommen.

Nachtrag: Hast Du noch weitere Bilder der Truhe, die zusätzliche Details der Truhengestaltung zeigen?

Bearbeitet ( von Kathrinvdm)
Schöner formuliert :)

Neben den Punkten, die @Kathrinvdm schon genannt hat, fallen mir noch weitere auf:

  1. Die Farbe des Holzes: Ich weiß nicht, ob ich damit richtig liege, aber ich glaube, Holz aus dem Mittelalter wäre einfach aufgrund der langen verstrichenen Zeit deutlich dunkler.

  2. Die arabischen Ziffern: Wahrscheinlich muss man sich die Frage stellen, ob man 1419 eine Jahreszahl bereits in arabischen Ziffern geschnitzt hätte. Für Jahresangaben waren römische Ziffern ja bis ins 20. Jahrhundert hinein gängig.

  3. Die Höhe der Ziffern: Die Ziffern sind einheitlich auf Versalhöhe. Wäre es nicht im Mittelalter üblicher gewesen, Ziffern mit Unterlängen zu verwenden, wie es eben heutige Mediävalziffern sind.

  4. Ein Detail der 8: In der "8" ist auf der linken Seite bereits die Rundung angedeutet, die zur vollständigen 8 führt.

Generell empfinde ich die Datierung aber für das frühe 19. Jahrhundert als ausgesprochen schlicht und "modern". Keine Serifen, das von @Kathrinvdm bemerkte Detail im großen "A" und die "NN"-Ligatur lassen für mich eher an das 20. Jahrhundert denken. - Ganz mal abgesehen davon, dass man doch zur damaligen Zeit das "Anno" wohl fast eher in einer gebrochenen Schrift geschnitzt hätte, oder nicht?

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