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Welche Schrift wurde um 1725 für diese Publikation genutzt? Und warum in Kombination mit einer anderen Schrift?

Hervorgehobene Antworten

Hallo zusammen,

auf „Archive.com“ habe ich dieses interessante Wellcome Journal gefunden, welches größtenteils mit einer „anglikanischen“ (ich hoffe mich richtig auszudrücken) Schrift versehen ist. In meiner bescheidenen Fontsammlung finde ich etwas Ähnliches (Anglican Text), finde aber im Verglich noch Unterschiede, beispielsweise bei den Schmuckbuchstaben oder den doppelten Bindestrich. Also um welche Schrift handelt es sich hier?

Die zweite Frage lautet: warum wird in dieser Publikation eine zweite Schrift innerhalb eines Satzes oder einer Überschrift verwendet? Wollte man damals mit dieser Methode einzelne Wörter hervorheben, wie wir es mit fetter oder kursiv gestellten Satzteilen machen? Und handelt es sich hier um die „Caslon Antique“?

Gruß wackelelvis

Bildquelle: https://archive.org/details/s1id13657580/page/n3/mode/2up

Sammlung von Natur- und Medizingeschichten.png

Gelöst von Ralf Herrmann

Bei der Antiqua handelt es sich nach meiner Auffassung um eine Garamond. Aber welche? Hier findest Du etwas sehr ähnliches:

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Typeface: Old Claude LP

Designer: Garrett Boge

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https://fonts.adobe.com/fonts/old-claude-lp

Old Claude LP

Entworfen von Garrett Boge. Von LetterPerfect Fonts.

2 Schriftarten

Old Claude LP Expert Regular

Old Claude LP Regular Regular

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  • Ersteller

Vielen Dank für diese Infos!

Hat vielleicht jemand noch einen Hinweis zu der „anglikanischen“ Schrift?

Gruß wackelelvis

  • 2 Wochen später...

Die größere Fraktur-Schriften auf der Titelseite stammen sehr wahrscheinlich von den Stempelschneidern Johann Peter Artopoeus und/oder Andreas Köhler. Diese Titel-Schriften waren zum Zeitpunkt des Buchs sehr gängig und waren sowohl von Schriftgießereien in Leipzig als auch in Frankfurt erhältlich. Sicher auch (zum Teil, zumindest) in Nürnberg und auch anderswo.

Das Wort Literatur in Antiqua auf der Titelseite ist höchstwahrscheinlich vom Kis (auf sein Weg zurück nach Ungarn, ließ er Matrizen von mehreren der Schriften, die er in Amsterdam geschnitten hat, bei einer Schriftgießerei in Leipzig). Die kleinere Antiqua-Wörter auf der Titelseite sowie im Buch selbst sind wahrscheinlich eher von anderen Stempelschneider als Kis. Ich würde jedoch nur auf Schriften tippen, die damals in von den Schriftgießereien in Leipzig erhältlich waren.

Die Garamond- bzw. Granjon-Schriften der Sabon/Berner/Luther’sche Gießerei in Frankfurt waren zum Zeitpunkt des Buchs immer noch dort erhältlich, ich glaube jedoch nicht, dass diese hier vorkommen.

Was auch sicher wäre, ist dies: Die Schriften im Buch stammen definitiv nicht von Caslon und haben ansonsten keine Verbindung zu Großbritannien bzw. zur anglikanischen Kirche. Es ist eher umgekehrt, dass Caslon also bei seinen Schriften von Stempelschneider in den Niederländen beeinflusst wurde. Eher nicht von Kis persönlich, aber zumindest hat Kis seine Schriften dort geschnitten und wäre ebenfalls bestimmt von den Arbeiten aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts rund um Amsterdam.

In der Regel sind die Bleisatz-Schriften, die im deutschsprachigen Raum rund um 1725 verwendet waren, nicht heute als digitale Fonts erhältlich. Die Schriften von Miklós Tótfalusi Kis gehören jedoch zu den Ausnahmen! Diese sind mehrmals set den 1980ern digital revived worden (siehe zum Beispiel Janson, Janson Text, Kis Antiqua Now, usw.). Diese neueste ist wahrscheinlich Abode Kis. Sie werden auf Typografie.info mit Infos zu diese Schriften reichlich bedient! Hier z.B. die Seite für Adobe Kis: https://www.typografie.info/3/Schriften/fonts.html/adobe-kis-r1589/

  • Ersteller

Es ist wirklich beeindruckend, welch tiefgründiges Wissen viele Mitglieder hier auf „Typografie.info“ besitzen. Herzlichen Dank für diese ausführliche Erklärung, Dan!

In diesem Zusammenhang finde ich es besonders spannend, welche Geschichten, welche historischen Hintergründe und bedeutenden Persönlichkeiten sich hinter der Entwicklung von Schriften verbergen.

Es ist auch gut nachvollziehbar, warum alte Bleisatz-Schriften kaum oder sogar gar nicht digitalisiert werden. Wäre ich Schriftgestalter, würde mich vor allem eine Frage beschäftigen: Nutzt heute überhaupt noch jemand diese Schriften, oder haben sie überhaupt eine Daseinsberechtigung? Auch wenn die Antwort auf diese Frage für uns Schriftliebhaber eigentlich keine Rolle spielt.

Gruß wackelelvis

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