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Capital Sharp S explained to Typographers

This is a screencast of Ralf Herrmann’s talk held at the ATypI conference 2011 in Reykjavík, Island. It explains some details about the history of the lowercase Eszett (ß) and why there is a need for a capital Eszett (ẞ) today.

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Empfohlene Kommentare

FSdesign

Mitglied

Ich frage mich manchmal, warum sich eine ganze Branche mit solcher Leidenschaft an Themen festbeisst, die im Alltag kaum Relevanz haben. Es ist befremdend: Kaum wird ein typografisches Artefakt aus der Mottenkiste geholt, entsteht eine Grundsatzdebatte, als stünde die Zukunft der Schriftkultur auf dem Spiel. Genau so verhält es sich mit dem grossen Eszett.

Während viele darin einen Fortschritt sehen, halten wir das Zeichen für praxisfremden Ballast ohne praktischen Nutzen. Statt Klarheit zu schaffen, fügt es der deutschen Sprache eine weitere Regel hinzu. Warum wir Vereinfachung für dringender halten als typografische Nostalgie, erläutern wir hier:
👉 https://sintesi.ch/de/braucht-die-deutsche-sprache-wirklich-das-grosse-eszett/

Vor 6 Minuten, FSdesign schrieb:

die im Alltag kaum Relevanz haben

Vielleicht nicht in deinem (was verständlich ist, wenn man in Zürich wohnt), aber die Relevanz für andere nicht zu kennen, ist kein Grund sie für nicht existierend zu erklären.

Vor 2 Minuten, FSdesign schrieb:

Statt Klarheit zu schaffen, fügt es der deutschen Sprache eine weitere Regel hinzu.

Nein, es macht die ganzen Sonderregeln, die nötig sind, wenn ein Buchstabe nicht als Großbuchstabe existiert, unnötig und schafft damit langfristig Klarheit und Einfachheit.

(War übrigens auch in der Vergangenheit schon vielfach so, etwa als sich Vertreter der druckgrafischen Branche vor etwas mehr als 100 Jahren zusammentaten und die Einführung von Großbuchstabenumlauten beschlossen haben. Würdest du die auch mit der gleichen Polemik überziehen wie jene, die sich heute ein großen Eszett wünschen?)

Vor 14 Minuten, FSdesign schrieb:

Puh, was für polemische bis unwahre Verdrehungen. Nichts an der Idee des großen Eszett ist »Dogma« (sondern pragmatisches rationales Werben für Lösungen von lange bekannten Problemen); nichts ist »rückwärtsgewandt« oder »traditionalistisch« (wenn man sich gegen geltende Konvention stellt und etwas neues schafft); nichts daran braucht »Koriphäen« (weil allein und viel besser funktional herleitbar) und so weiter.

Aber gut, in gewisser Weise mag ich solche Artikel. Sieht dann doch der neutrale Betrachter der Pro- und Kontra-Argumente/-Lager immer sehr schön, welche Seite gute Argumente hat und welche nicht. ;-)

Sebastian Nagel

Mitglied
(bearbeitet)

In der Schweiz wurde diese alt­modis­che Lig­atur übri­gens bere­its vor Jahrzehn­ten abgeschafft. Nicht aus kul­tureller Igno­ranz, son­dern aus prag­ma­tis­cher Ein­sicht.

Warum hat die Schweiz dann dort halt gemacht, und nicht schriftsprachliche Seltsamkeiten wie »ck« oder »ah« und vieles mehr nicht auch gleich durch pragmatische Lösungen wie »kk« oder »aa« ersetzt, wie die noch pragmatischeren Holländer? Und wenn wir schon beim Buchstaben wegräumen sind, warum entscheiden wir uns nicht für c oder k, f oder v, i oder j, qu oder ku, (v oder b,) vv oder w, x oder iks, y oder ü/i/j, z oder c, zz oder tz? Die Lautunterschiede sind auch nicht größer als die zwischen s, ss und ß, pragmatischerweise könnten wir da also einiges weg kürzen.

Ganz einfach: weil Sprache und Typografie auch in der Schweiz einfach Konventionen folgt, keinen Plänen – was gemacht wird, wird gewohnt, und niemand stört sich mehr daran und empfindet es als normal. Die Schweizer haben das ß irgendwann mal (Schreibmaschinen-Platzmangel) weg gelassen, niemand hat sich wahnsinnig daran gestört, jetzt ist es weg, das ist weder schade noch gut, es ist halt.

Das ẞ ist jetzt ein Werkzeug das angeboten wird, um eine uneinheitliche und Verwirrung stiftende Regel beim Wechsel von Klein- zu Großbuchstaben und zurück durch gelebte Praxis eventuell abschaffen zu können. Das Werkzeug ist da, ob sich das durchsetzt, wissen wir dann in 30 Jahren. Wenn nicht, war der Leidensdruck offenbar nicht groß genug, wenn doch, wird es allen irgendwann normal vorkommen.

Aber da waren wir argumentativ so um die 2005 auch schon, oder nicht?

Bearbeitet ( von Sebastian Nagel)

Phoibos

Typografie.info-Förderer
vor 4 Stunden, FSdesign schrieb:

für praxisfremden Ballast ohne praktischen Nutzen

Für den einen ist es Ballast, für den anderen eine Frage der Ästhetik. Mir zumindest stößt ein kleines ß im Versalsatz sauer auf und ich freue mich über ein zur Schrift passendes ẞ. Schrift hat auch immer eine ästhetische Komponente, denn sonst würden uns ja Arial für alles reichen …
Im Übrigen: variatio delectat.

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