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#webtypobuch

Ralf Herrmann

Das Internet verleiht jedem eine Stimme. Jeder darf bloggen, twittern und kommentieren. Doch die Anzahl derer, die in einem bestimmten Fachbereich wirklich etwas zu sagen haben, ist meistens überschaubar und daher fallen diese Personen besonders auf. Wenn die Themen Webdesign und Typografie zusammentreffen, ist Gerrit van Aaaken solch eine Person an der man nicht vorbeikommt.

Ein deutscher Blogger der ersten Stunde, der auf seiner Seite Praegnanz.de mit kleinen typografischen Essays schon früh auf sich aufmerksam machte. Sein gesammeltes Webtypografie-Wissen hat er nun in einem Buch zusammengefasst.

Aber man muss es nicht bei Galileo oder Niggli suchen. Zeitgemäß lies er sich das Projekt per Crowd Funding im Voraus finanzieren und vertreibt es nun selbst als ePub, eBook für Kindle und demnächst auch als Softcover-Buch. Die Katze im Sack muss man übrigens auch nicht kaufen. Das komplette Werk steht als HTML-Dokument gratis zur Ansicht bereit.

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Zum Inhalt: Das Buch beginnt mit einer kurzer Einführung zu Typografie im Allgemeinen und Webtypografie im Speziellen. Dann steigt van Aaken im zweiten Kapitel bereits ausführlich in die Problematiken der Webdarstellung ein, insbesondere die pixelbasierte Darstellung im Web und wie sie mit den Ausgabegeräten und Schriftdarstellungen unter unterschiedlichsten Bedingungen zusammenhängt.

Im dritten Kapitel wird ausschnittshaft verschiedenes Handwerkszeug zu Schrift im Netz vermittelt – etwa der Umgang mit Sonderzeichen, Abständen, Kontrasten, Silbentrennung und ähnliches.

Bis hierhin lässt sich die Zielgruppe noch nicht so ganz klar definieren. Manche Details werden für Einsteiger kaum verständlich sein, weil sie ohne nähere Erklärung zu speziell sind oder zu weit in der Vergangenheit liegen. Andere Dinge, die den meisten Grafik- oder Webdesignern vertraut sein dürften, werden dann aber sehr ausführlich erläutert.

Richtig in Fahrt kommt das Buch dann aber ab Kapitel 4 wenn es um die Webtypografie heute geht. Im Kapitel »Die richtige Schrift« werden Schriftwahl und die heute schon schier unüberschaubaren Möglichkeiten der Webfont-Einbindung ausführlich und vor allem auch praxisnah beleuchtet. In Kapitel 5 geht es dann mit »gelungener Webtypografie« weiter. Über eine Klassifikation von Textarten im Webdesign wird anhand von Praxisbeispielen deren optimaler Einsatz erklärt.

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Wer im Webdesign arbeitet ist es gewöhnt, sein Wissen nicht in dauerhaft gültigen Hardcover-Büchern finden zu können. Man muss ständig am Ball bleiben und sich überall im Netz informieren – die guten Fachartikel sind dabei meist in Englisch und was heute der Stand der Technik ist, stimmt 2 Jahren vielleicht schon nicht mehr. So halten sich oft auch Fehler und Notlösungen länger, als dies eigentlich der Fall sein müsste. Fundiertes deutsches Wissen, dass zusammenhängend erklärt wird, ist in diesem Fachgebiet daher äußerst selten und schon deshalb sticht das#webtypobuch positiv heraus. Wer als Grafik- oder Webdesigner ein Grundverständnis von Webdesign und Typografie hat, kann sich in diesem Buch auf den neuesten Stand bringen und eventuelle Wissenslücken füllen.

Das Werk ist dabei übrigens aber eher ein »Verstehbuch« als ein ausführliches Lehrbuch. Konkrete Code-Beispiel, wie etwa die Einbindung von Webfonts nun funktioniert und was es im Detail alles zu beachten gibt, finden sich in diesem Buch eher nicht. Das Buch bereitet hier nur eine inhaltliche Basis.

Damit das Buch ePub-tauglich und damit auf verschiedensten Geräten darstellbar ist, wurde es als reiner Fließtext im Textverarbeitungsprogramm Mellel entworfen. Eine klassische Gestaltung von Einzelseiten konnte somit nicht erfolgen. So ist das Buch also auch selbst ein Spiegelbild der heutigen technischen Möglichkeiten und Beschränkungen. Ein Buch über Typografie, das gestalterisch hinter den Ansprüchen zurückbleibt, die wir uns in den letzten 500 Jahren Druckgeschichte erarbeitet haben – weil es die heute Technik elektronischer Bücher aktuell nicht besser hergibt.

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Mit einem Preis von knapp 10 Euro für circa 150 Seiten (gemessen am PDF) und der Möglichkeit des Probelesens im Internet kann man mit dem #webtypobuch nicht viel falsch machen. Der lockere und persönliche Schreibstil gefällt und wirkt selbst auch wie eine Folge von zusammengehörigen Blog-Beiträgen vonPraegnanz.de. Für ein Werk, das sich mit den normalen gedruckten Fachbüchern in diesem Bereich messen kann, reicht es in Tiefe und didaktischer Aufbereitung dann aber nicht ganz aus. Daher von mir ein Sternchen Abzug, ansonsten aber einen Glückwunsch zum gelungenen Erstlingswerk!

Alles weitere unter: http://webtypobuch.de


Untertitel: Technik und Gestaltung von Schrift im Netz

Autor(en): Gerrit van Aaken

veröffentlicht: 2012

Verlag: Selbstverlag

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