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Begriffe der Schrift- und Druckkunst die in die Allgemeinsprache übergingen


Ralf Herrmann

Zwiebelfisch, Schusterjunge, Punze und so weiter – Fachchinesisch ist für Außenstehende nicht immer verständlich. Aber immer wieder verlassen Fachbegriffe auch ihren ursprünglich Anwendungsbereich und schwappen in die Allgemeinsprache über. Hier eine Zusammenstellung von solchen Begriffen aus dem Bereich der Schrift- und Druckkunst. 

 

Abklatsch

Als Abklatsch wurde in der Druckerei ein einfacher Probeabzug bezeichnet, der nicht über die Presse gefertigt wurde. Stattdessen wurde das Papier auf die Hochdruckvorlage gelegt und mit einer Bürste abgeklopft, so dass sich die Farbe auf dem Papier niederschlug. Das klopfende Geräusch dabei prägte den Begriff. Entsprechend dieser Fachbedeutung leitete sich der allgemeinsprachliche Begriff ab, der für eine »bloße Kopie« bzw. »minderwertige Kopie« einer Sache steht. 

 

Duktus

Der Begriff Duktus (lateinisch für »Führung«) stand ursprünglich für eine charakteristische Art der Strichführung einer Handschrift und wird auch weiterhin so verwendet. Allgemeinsprachlich wird der Begriff heute weiter gefasst und für alles Charakteristische künstlerischen Schaffens verwendet. So kann zum Beispiel auch von einem sprachlichen Duktus eines Autors gesprochen werden. 

 

Klischee

Der Fachbegriff Klischee geht auf das französische Cliché zurück ist die Bezeichnung für die Nachbildung eines Originals in irgendeinem Produkt (Holz, Kupfer, Messing, Zink usw.), die geeignet ist, in der Buchdruckpresse als Druckstock benutzt zu werden. So wurden zum Beispiel von Holzschnitt-Bildern und anderen Illustrationen Klischees angefertigt, die dann wie einzelne Bleisatzlettern in einer Hochdruckvorlage eingesetzt werden konnten. Ausgehend von dieser Erstellung immer gleicher Kopien einer Vorlage steht Klischee heute allgemeinsprachlich und meist eher abwertend für eingefahrene Vorstellungen.   

 

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Buchdruckklischees. (Quelle: Wikipedia Commons. Nutzer: Polygraph, CC BY-SA)

 

Marginalie

Marginalien sind handschriftliche oder gedruckten Bemerkungen neben dem Textblock in einem Buch. Der Begriff leitet sich von lateinisch margo (erhöhte Einfassung/Rand) ab. Der Begriff kann heute im doppelte Sinne für »Randbemerkungen« verwendet werden: bezogen auf die Positionierung in der Drucksache oder die geringere Relevanz einer Information. 

 

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Handschriftliche und gedruckte Marginalien in einem Buch aus dem 16. Jahrhundert

 

Stereotyp

Die Stereotypie war ein Verfahren, bei dem von fertigt gesetzten Vorlagen mit beweglichen Lettern ein Abdruck (»Mater«) genommen wurde, der dann selbst zur Druckvorlage weiterverarbeitet werden konnte. Dieses Verfahren ermöglichte den Einsatz der Druckvorlage (gegebenenfalls auch mit mehreren Kopien) im schnelleren Rotationsdruck und wurde insbesondere im Zeitungssatz verwendet. Der Begriff kommt vom französischen stéréotype (»festes Abbild«). In der Allgemeinsprache wurde der Begriff wie Klischee zu einem Inbegriff für eingefahrene Vorstellungen, die bei Stereotyp vor allem für Vereinfachungen und Vorurteile stehen.  

 

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Erstellung einer so genannten Mater bei der Stereotypie (Quelle: Wikipedia Commons. Roger/Renate Rössung, CC BY-SA) 

 

Presse 

Ein so allgegenwärtiger Begriff, dass man über seine Herkunft kaum nachdenkt. Periodika kommen aus der (Drucker-)Presse und so wurde der Name der zur Herstellung benutzten Maschine selbst zu einem Synonym für das gefertigte Erzeugnis und die Unternehmen, die diese Erzeugnisse herausgeben. 

 

Makulatur

Fehlerhafte Druckbögen wurden in der Druckerei Makulatur genannt (von mittellateinisch maculatura: »beflecktes Stück«). In der Allgemeinsprache lassen sich mit diesem Begriff nun generell fehlerhafte oder wertlos gewordene Dinge bezeichnen – insbesondere solche, die aus Papier sind. Aus Altpapier gefertigte Produkte können ebenfalls mit Makulatur bezeichnet werden – etwa die Untertapete beim Tapezieren oder die unbedruckten Abdeckbögen in der Außenwerbung. 

 

Setzkasten

Die Bleibuchstaben – das zum Setzen von Texten nötige Material – lagen im Bleisatz einst in Holzkästen. Entsprechend nannte man sie Setzkästen. Mit dem Ende des Bleisatzes wurden die Kästen zunehmend ausrangiert und kamen zweckentfremdet gern zur Aufbewahrung von kleinen Objekten zum Einsatz. Der ursprüngliche Begriff blieb erhalten und jeglichen Kästen (bis hin zu kleineren Schränken) mit vielen Fächern werden nun als Setzkasten bezeichnet – selbst wenn sie keine Materialien zum Setzen von Text enthalten. 

 

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Setzkasten in einer Druckerei (links) und Setzkästen nach allgemeinsprachlichem Verständnis

 

Rubrik

Der Begriff Rubrik kommt von der roten (lateinisch: rubrum) Farbe, die in religiösen Büchern zur Auszeichnung von Anweisungen für die Liturgie verwendet wurde und auch für Überschriften und andere Gliederungselemente zum Einsatz kam (→ Rubrizierung). Aus dieser Anwendung leitete sich die allgemeine Bedeutung ab, Rubrik als Gliederungsbegriff zu verwenden. Dies kann von den Abschnitten (»Rubriken«) einer Zeitung bis hin zu kompletten Abteilungen (zum Beispiel in einer Buchhandlung) reichen. 

 

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Typischer Einsatz roter Farbe in einem Messbuch (Quelle: Wikipedia Commons. Nutzer: MK777, CC BY-SA)


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