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hey

Also, interesse an den Metainformationen ist etwas anderes, als die zu benötigen, um die Schrift nicht wegschmeißen zu müssen – wenn ich nichts drüber weiß, aber eine Schrift ist funktional, ist das durchaus in Ordnung. Schöner ist es natürlich wissend zu sein, es erleichter auch mal eine Kaufentscheidung. Ich hätte den kochschen Schriften den Katholizismus nicht angesehen. Auch seine Christlichen Symbole hätten sich nicht komisch auf einer Lutherbibel ausgemacht und so etwas unten wirkt im zweifel auf mich eher protestantisch.

jesaja.gif

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Bleisetzer
Was ich mich frage: woran genau erkenne ich z.B. an Rudolf Kochs Schriften, dass er Katholik war? Auch dieser Zusammenhang scheint mir ehrlich gesagt etwas weit. Oder kann ich einfach mit dem Wissen "die Schrift ist von Rudolf Koch" und "Rudolf Koch war Katholik" sagen: "Gut, da ist kein Widerspruch zwischen diesen beiden Fakten zu erkennen, also stimmt es wohl, das muss eine katholische Schrift sein."?

Deine Ausführungen finde ich sehr interessant. Du gehst offensichtlich gar nicht so sehr anders an eine Schrift heran wie ich. Statt der nationalen Zuordnung wählst Du die der Schule. Was nur logisch ist aufgrund des Abbaues der Nationen und der nationenübergreifenden Lehr- und Lerngruppen.

Was mich bei Rudolf Koch schreiben läßt, daß ich einen gewissen katholischen Stil in seinen Schriften sehe, ergibt sich nur aus dem Gesamtzusammenhang meiner Informationen über Rudolf Koch.

Koch-Schrift

Gebr. Klingspor, Offenbach am Main

Erstguß 1909

Eine strenge Fraktur-Variante, in der man aber doch auch schon eine Stilentwicklung hin zur Neuen Gothischen sieht.

Frühling

Gebr. Klingspor, Offenbach am Main

Erstguß 1917

Das Jahr der depremierenden Entwicklung im Großen Weltenbrand. Koch war ein national denkender Mensch wie alle Deutschen damals. Für mich spricht hier die Sehnsucht nach Frieden aus der Schrift.

Koch-Antiqua

Gebr. Klingspor, Offenbach am Main

Erstguß 1922

Koch-Kursiv

Gebr. Klingspor, Offenbach am Main

Erstguß 1923

Neuland

Erstguß 1923

Dies waren gute Jahre für Deutschland. Schwere Jahre mit vielen Krisen (1918 bis ca. 1923) gingen zu Ende, eine Stabilisierung deutete sich an. Der Dawes-Plan stabilisierte die Währung. Die Räterepubliken in Mitteldeutschland waren aufgelöst worden, der Kapp-Putsch war gescheitert. Das Zentrum, die erzkonservative, katholische Partei, nahm an Einfluß stark zu.

Die Koch-Antiqua ist eine stolze, sehr selbstbewußte und starke Schrift. Die Neuland war, gesehen aus dem Jahr 1923 heraus, sicher regelrecht avantgardistisch.

Prisma

Gebr.Klingspor, Offenbach am Main

Erstguß 1930

Wir sind jetzt in der Epoche des politischen Umbruches. Klar ist, daß die Nationalsozialisten eine neue Zeit einläuten werden. Die Schrift ist dermaßen konstruiert, daß man es gar nicht steigern kann. Sieht man das im Zusammenhang mit den völlig chaotischen Zuständen der damaligen deutschen Gesellschaft, dann wird sie, die Schrift, zumindest unbewußt den Wunsch nach Ordnung beim Endkunden hervorgerufen haben. Beim Entwerfer während des Schaffens auch?

Jessen-Schrift

Gebr. Klingspor, Offenbach am Main

Erstguß 1930

Ich glaube, daß Rudolf Koch hier den tagespolitischen Entwicklungen auswich. Der Beginn in die innere Emigration. Er weicht auf die Bibel-Schrift aus.

Wallau halbfett

Gebr. Klingspor, Offenbach am Main

Erstguß 1931

Koch bleibt bei den klassischen Gothischen. Die Wallau ist eben keine der Neu-Gotischen, die er bestimmt voraussah.

Die Claudius — auch eine sehr fromme Schrift, oft für theologische Texte verwendet.

Die Neu-Fraktur von 1933: Nichts zu sehen von den vielleicht eher dem Zeitgeist entsprechenden Neu-Gothischen. Um es den Entwerfern dieser Neu-Gothischen gegenüber einmal sehr höflich auszudrücken.

Die Stahl von 1933: Der Name paßt zur zeit, genau wie natürlich der Name Neu-Fraktur ebenfalls. Das war ja damals das Schlagwort: Aufbruch, die Neue Zeit, sie ist da. Nun wird alles anders. Die Depression liegt hinter uns. Wir sind wieder wer. Nun werden wir es richten. (So etwas liest man immer wieder in damaligen Artikeln etc. Koch macht da nicht mit. Seine Schriften mögen ein wenig anklingen lassen von der Neuen Zeit, aber sie sind eindeutig nicht martialisch. Gleiches gilt für die Holla von 1933 und der Marathon von 1938.

Koch war nachgewiesen nicht infiziert vom Hitlerismus. Er zog sich in seinen Glauben zurück. Und das prägte auch seine Schriften. Ich meine das so zu sehen.

Schaut man sich seine Schriften an inkl. der Erstgußjahre und sieht daneben die historische Epoche der Zwischenkriegszeit und des III. Reiches, dann gibt es da, so meine ich, schon eine Kontinuität. Die während des Nationalsozialismus dann aus Gründen der inneren Abkehr und des Sich-Heraushaltens, in den Katholizismus führte. Warum auch nicht?

Zu weit hergeholt? Ich bin unsicher gerade... Falls ja: Einfach sagen.

Georg

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Sebastian Nagel

Danke für die ausführlichen Erläuterungen.

Zu weit hergeholt? Ja und nein.

Im Kontext gesehen kann ich das nachvollziehen. Die Schriften passen in die Entwicklung.

Schaue ich mir ausschließlich die Schriften an, ohne etwas über Koch zu wissen, und sollte dann zu so einem Schluss kommen: da tue ich mir schwer.

Bleibt die Frage was es mir bei der Schriftwahl nutzt, wenn ich den Kontext einer Schrift genauer weiß. Ich setze sie vielleicht zu einem bestimmten Thema ein, und habe die innere Genugtuung, einen (wahrscheinlich nur mir bekannten und erkennbaren) Grund dafür zu haben. Aber "passt" sie dadurch besser als eine der möglichen Alternativen, die vielleicht einen anderen Kontext haben?

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Bleisetzer
ich denke er meint, dass die Tugenden welche er einem "guten Katholiken" zuschreibt, sich auch in dem Schriftbild widerspiegeln. Welche das allerdings sind....muss "Bleisetzer" Dir selber beantworten!

Ich frage mich allerdings ob "Bleisetzer" schon wusste das der Schriftentwerfer Katholik war bevor er entsprechende Schrift sah, oder ob er die Schrift sah und dachte:"Hey, der gute Mann is sicherlich ein ernsthafter Katholik!"

Ersteres erscheint mir wahrscheinlicher;-)

Wie dem auch sein, ich als Typolaie ziehe den Hut vor soviel Hingabe und Liebe zum Thema!!

Ich habe von Rudolf Koch zunächst die Koch-Antiqua und die Koch-Kursiv bekommen. Und lieben gelernt. Nein, lieben ist der falsche Ausdruck. Ich war zutiefst beeindruckt. Dann über einen Freund, einen Pater und Buchbinder, die Jessen, die Wallau und die Claudius. Alle drei Schriften werden in lithurgischen Texten sehr häufig eingesetzt. Daß sie von Rudolf Koch sind, habe ich erst Jahre später mehr zufällig mitbekommen.

Aber eigentlich ist das egal.

Ich ziehe meinen Beitrag morgen früh zurück.

Ist sicher alles Unsinn. Stimmt schon, pardon.

Georg

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hey
Danke für die ausführlichen Erläuterungen.

Zu weit hergeholt? Ja und nein.

Im Kontext gesehen kann ich das nachvollziehen. Die Schriften passen in die Entwicklung.

Schaue ich mir ausschließlich die Schriften an, ohne etwas über Koch zu wissen, und sollte dann zu so einem Schluss kommen: da tue ich mir schwer.

Bleibt die Frage was es mir bei der Schriftwahl nutzt, wenn ich den Kontext einer Schrift genauer weiß. Ich setze sie vielleicht zu einem bestimmten Thema ein, und habe die innere Genugtuung, einen (wahrscheinlich nur mir bekannten und erkennbaren) Grund dafür zu haben. Aber "passt" sie dadurch besser als eine der möglichen Alternativen, die vielleicht einen anderen Kontext haben?

In der Tat, und die Neuland (bzw. die glattgebügelte Lithos) ist ein gutesw Beispiel dafür: wir können sie heute problemlos für Griechische Restaurants oder für afrikanische Weltmusik-Gruppen einsetzen und sie erschein uns passend. Auch die zeitgenössischen Vermarkter hatten die Schrift ja emotional aufgeladen (und zwar nach Märkten unterschiedlich: als moderne sympathische Werbeschrift in den USA oder als nationale starke Schrift in Deutschland). Das hat sich Koch sicher so nicht vorgestellt, und doch ist die Schrift bestens für diese Zwecke geeignet. Vielleicht ist da zu viel wissen auch mal ein Kreativitätshemmnis, erst die Unkenntnis machte die Grafiker frei dafür, Neuseeländisches Kunsthandwerk damit zu beschriften :twisted:

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hey

Ich ziehe meinen Beitrag morgen früh zurück.

Ist sicher alles Unsinn. Stimmt schon, pardon.

Georg

Bitte nicht. Ich denke, so ein hintergründiges Nachdenken sollte hier dokumentiert bleiben, auch ohne konkretes Ergebnis können die unterschiedlichen Zugänge doch lehrreich sein.

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Bleisetzer
Danke für die ausführlichen Erläuterungen.

Zu weit hergeholt? Ja und nein.

Im Kontext gesehen kann ich das nachvollziehen. Die Schriften passen in die Entwicklung.

Schaue ich mir ausschließlich die Schriften an, ohne etwas über Koch zu wissen, und sollte dann zu so einem Schluss kommen: da tue ich mir schwer.

Bleibt die Frage was es mir bei der Schriftwahl nutzt, wenn ich den Kontext einer Schrift genauer weiß. Ich setze sie vielleicht zu einem bestimmten Thema ein, und habe die innere Genugtuung, einen (wahrscheinlich nur mir bekannten und erkennbaren) Grund dafür zu haben. Aber "passt" sie dadurch besser als eine der möglichen Alternativen, die vielleicht einen anderen Kontext haben?

Es macht mich sicherer bei der Schriftenauswahl.

Wenn ich ein Motiv sehe und überlege, welche Schrift dazu paßt, dann kann es mich im Optimalfall wie auf Schienen über mehrere Weiche bis zum Einschnappen führen: Klar, logisch: Ich nehme die XY-Schrift. Läuft es nicht optimal, kann ich zur Not auf Schemata-Denken bei der Schriftauswahl zurückgreifen und so sicher sein, zumindest nichts verkehrt zu machen.

Letztendlich ist mir persönlich aber das wichtigste: Alle diese Informationen über das Drumherum verschaffen mir Vertrautheit und sicheren Umgang mit dieser Schrift. Wir Duzen uns dann. 200.000 Schriften im Jahr kannst Du nicht Duzen. Das wäre inflationär. Die kannst Du nur in Gruppen erfassen, nicht einmal einzeln listen und verwalten. Eine Schrift, die Dir vertraut ist, springt Dir beim Setzen direkt in die Finger (auch bei Dir — über Deine Tastatur). Sie paßt einfach. Du empfindest Selbstvertrauen und Sicherheit im Umgang mit ihr.

Georg

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Bleisetzer

Ich ziehe meinen Beitrag morgen früh zurück.

Ist sicher alles Unsinn. Stimmt schon, pardon.

Georg

Bitte nicht. Ich denke, so ein hintergründiges Nachdenken sollte hier dokumentiert bleiben, auch ohne konkretes Ergebnis können die unterschiedlichen Zugänge doch lehrreich sein.

Gut, einverstanden.

Es ist schwierig, weil es für mich hier einmal nicht an der Oberfläche pendelt in dem, was ich schrieb. Es ist mein tiefstes Empfinden. Das offenzulegen, macht mich verletzlich und das mag ich nicht besonders.

Egal, bleibt's halt stehen.

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FlorianG

Jetzt bin ich doch stutzig geworden: Ich hatte immer gedacht, dass Rudolf Koch gerade nicht ein katholischer Künstler war. Zu einem ›katholischen Stil‹ – was immer das sei – würde doch auch schlecht passen, dass er Bibelstellen bevorzugt in der Luther-Übersetzung kalligraphiert hat, dass er den ur-protestantischen Trutzgesang »Ein feste Burg« immer wieder dargestellt hat – es gibt auch von Koch gestaltete Luthersprüche. Und hat er nicht sein Arbeitsethos gerade als ein protestantisches verstanden? Zudem hat er, wenn ich recht informiert bin, einen Ehrendoktor der evangelischen Theologie erhalten … kann sein, dass ich falsch liege – und ich lasse mich gerne eines Besseren belehren –, jedenfalls ist es sicherlich gewagt, in Koch etwas genuin ›Katholisches‹ zu sehen.

Gruß, FlorianG

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Bleisetzer
Jetzt bin ich doch stutzig geworden: Ich hatte immer gedacht, dass Rudolf Koch gerade nicht ein katholischer Künstler war. Zu einem ›katholischen Stil‹ – was immer das sei – würde doch auch schlecht passen, dass er Bibelstellen bevorzugt in der Luther-Übersetzung kalligraphiert hat, dass er den ur-protestantischen Trutzgesang »Ein feste Burg« immer wieder dargestellt hat – es gibt auch von Koch gestaltete Luthersprüche. Und hat er nicht sein Arbeitsethos gerade als ein protestantisches verstanden? Zudem hat er, wenn ich recht informiert bin, einen Ehrendoktor der evangelischen Theologie erhalten … kann sein, dass ich falsch liege – und ich lasse mich gerne eines Besseren belehren –, jedenfalls ist es sicherlich gewagt, in Koch etwas genuin ›Katholisches‹ zu sehen.

Gruß, FlorianG

Ja, ich glaube, Du hast recht.

Ich ziehe meine These als haltlos zurück.

Georg

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Sebastian Nagel
Das wichtigste: Alle diese Informationen über das Drumherum verschaffen mir Vertrautheit und sicheren Umgang mit dieser Schrift. Wir Duzen uns dann. 200.000 Schriften im Jahr kannst Du nicht Duzen. Das wäre inflationär. Die kannst Du nur in Gruppen erfassen, nicht einmal einzeln listen und verwalten. Eine Schrift, die Dir vertraut ist, springt Dir beim Setzen direkt in die Finger (auch bei Dir — über Deine Tastatur). Sie paßt einfach. Du empfindest Selbstvertrauen und Sicherheit im Umgang mit ihr.

Da hast du recht. Ich mag es wenn ich weiß woher sie stammt, wer sie wann wie warum und für wen gemacht hat. Das gibt Vertrautheit, ich kann sie dann mit weniger Zweifel einsetzen.

Dass es 200.000 neuen Schriften pro Jahr geben soll, möchte ich jetzt, ganz ohne einen Gegenbeweis zu haben, anzweifeln. Hatten wir das Thema nicht vor längerer Zeit schon einmal?

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Dass es 200.000 neuen Schriften pro Jahr geben soll, möchte ich jetzt, ganz ohne einen Gegenbeweis zu haben, anzweifeln.

Die Zahl bezog sich auf erhältliche Fonts insgesamt, nicht jährlich neue.

Ralf

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Bleisetzer

Dass es 200.000 neuen Schriften pro Jahr geben soll, möchte ich jetzt, ganz ohne einen Gegenbeweis zu haben, anzweifeln.

Die Zahl bezog sich auf erhältliche Fonts insgesamt, nicht jährlich neue.

Ralf[/quote:147wk3ad]

Naja, aber ist das bei einer Zahl von 200.000 nicht eher marginal?

Auch, wenn es eine Bestandzahl ist: Wer soll sich die merken können?

Georg

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RobertMichael

Dass es 200.000 neuen Schriften pro Jahr geben soll, möchte ich jetzt, ganz ohne einen Gegenbeweis zu haben, anzweifeln.

Die Zahl bezog sich auf erhältliche Fonts insgesamt, nicht jährlich neue.

Ralf

Naja, aber ist das bei einer Zahl von 200.000 nicht eher marginal?

Auch, wenn es eine Bestandzahl ist: Wer soll sich die merken können?

Georg[/quote:3trplfd9]

glaub mir, auch diese leute gibt es.

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Andreass

Zu Rudolf Koch gibt es eine ganze Reihe von Büchern. Eines, welches auf die Person selbst und weniger auf seine Schriften eingeht heißt: "Rodulf Koch / Ein Werkmann Gottes" von Friedrich Matthäus, Verlag: Agentur des Rauhen Hauses GmbH, Hamburg.

Es ist reichlich und preiswert im antiquarischen Handel erhältlich und vermittelt einem das, was in den anderen Büchern eher zwischen den Zeilen steht.

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Bleisetzer
Zu Rudolf Koch gibt es eine ganze Reihe von Büchern. Eines, welches auf die Person selbst und weniger auf seine Schriften eingeht heißt: "Rodulf Koch / Ein Werkmann Gottes" von Friedrich Matthäus, Verlag: Agentur des Rauhen Hauses GmbH, Hamburg.

Es ist reichlich und preiswert im antiquarischen Handel erhältlich und vermittelt einem das, was in den anderen Büchern eher zwischen den Zeilen steht.

Guten Abend Andreas,

abgesehen von dem Unsinn, daß ich Rudolf Koch als Katholiken bezeichnete — mir hat es gar keine Ruhe gelassen. Vielleicht schließe ich aus "christlich" im Reflex auf "katholisch"? Darüber muß ich noch nachdenken.

Mich würde sehr interessieren, ob Du als Schriftentwerfer verstehst, was ich meine mit der Art wie ich an Schriften herangehe und ob Du das für sinnvoll hältst bzw. wie Du selbst an Schriften herangehst.

Georg

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Andreass

Hallo Georg,

ich denke schon, das ich deine Herangehensweise verstehe. Jeder hat seinen eigenen Zugang zu Schriften, der sich auch ständig wandelt. Er kann emotional oder durch Wissen geprägt sein – beides ist gut und fruchtbar. Es ist eine Sache zu versuchen zu verstehen, was der Gestalter sagen wollte, aber letztendlich ist es genauso legitim, daß die Dinge – von der Masse – einfach irgendwie eingeordnet werden. Der Kontext wandelt sich dabei mit Ort und Zeit.

Rudolf Koch war schon zu Lebzeiten ein komischer Kautz, der das Glück hatte bei Klingspor entdeckt zu werden. Schon damals wurde er von vielen als Spinner und Hinterweltler abgetan. Trotzdem kennt man hin noch heute, im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen.

Sämtliche seiner Arbeiten, die nach dem Ersten Weltkrieg entstanden sind, standen in direktem Zusammenhang mit seiner tiefen Religiosität. Dabei war es ihm wohl egal ob jemand katholisch, protestantisch oder jüdischen Glaubens war, solange er nur ein ehrbares Leben führet. Seine Hingabe zu Gott war für ihn die handwerkliche Tätigkeit. Handwerk im Sinne von „mit der Hand schaffen und zufällige Abweichenungen nicht als Makel zu sehen, sondern sie in das Werk mit einzubeziehen“. Das kann man an seinen Schriften und den Arbeiten seines Kreises (Schüler und Freunde) ansehen.

Zudem war er zutiefst national eingestellt, was uns heute kaum verständlich ist, da wir doch damit gleich die nationalsozialistische Ideologie verbinden. Am ehesten treffen wir heute solche Einstellungen bei Amerikanern an, was uns Europäer immer wieder in Erstaunen versetzt. Vielleicht ist deshalb Koch so „hip“ im Amerika.

Heute wäre Koch sicherlich in irgend einem „Kibbutz“ und seine Jünger würden ihm FontLab erklären.

Laß dich nicht von jedem Posting gleich so reizen, lieber Georg. Mancher kennt dich nicht und mancher wohl zu gut – und macht sich daraus seinen Spaß.

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