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Versalumlaute: Punkte im Deutschen über oder neben die Buchstaben?

Hervorgehobene Antworten

Hallo in die Runde,

Mir stellt sich die Frage nach den typographisch korrekten Umlauten im Deutschen. Typischerweise werden bei Ä, Ö und Ü die Punkte ja über den Buchstaben gesetzt. In der EB Garamond gibt es aber spezielle Glypen, die Adieresis.deu, Odieresis.deu und Udiresis.deu heißen und die anstelle der Punkte über dem Buchstaben die Punkte links und rechts neben das obere Ende der Buchstaben quetschen, wie es typischerweise bei Titelsatzumlauten der Fall ist. Gibt es im Deutschen eine spezielle Regel, dass die Punkte neben dem oberen Ende stehen müssen und nicht darüber? Ich frage mich nämlich, wie die Macher der EB Garamond auf diese Idee gekommen ist. Sobald man in der EB Garamond Deutsch als Sprache wählt, wird diese Variante aktiviert und ich musste sie - weil mit diese Umlaute nicht gefielen - da wieder rausbasteln...

Gelöst von Ralf Herrmann

Ralf hat hier mal geschrieben, dass das für deutsche Gießereien regelrecht Standard gewesen zu sein scheint, und zwar weniger als Alternativversion, sondern gleich als entsprechend »eingezogene« Gestaltung.

 

  • Lösung

Durch die internationale Verwendung von lateinischen Schriften sind Umlautpunkte und Diärese-Zeichen anderer Sprachen mittlerweile zusammengezogen. Man erwartet also, dass die Umlautpunkte standardmäßig genauso wie alle anderen Akzente positioniert werden. 

Die Einziehung früher im deutschen Bleisatz wird hier erklärt:

https://www.typografie.info/3/artikel.htm/exklusiv/wohin-mit-den-umlautpunkten-bei-den-großbuchstaben-r473/

Die optionale Anwendung heute dient wie schon richtig erwähnt dem Titelsatz und ist dann eine stilistische Variante. Die Umlautpunkte können anderen Schriftzeilen im Weg sein oder der guten Ausnutzung des verfügbaren Platzes (z. B. an einer Häuserfront) im Wege stehen. Da sind eingezogene Umlautpunkte dann gar nicht schlecht. 

vor 9 Stunden schrieb Ralf Herrmann:

internationale Verwendung

Nationale "Lösungen" dieser Probleme sind nicht unbedingt was rein deutsches ... Ich meine mich aus meinem Schulfranzösischunterricht zu erinnern, dass man dort gerne Versalakzente einfach weggelassen hat. Mag sein, dass auch das im Rahmen der "internationalen Verwendung" zurückgegangen ist und dort nun auch mehr És verwendet werden?

vor 1 Stunde schrieb Mueck:

Ich meine mich aus meinem Schulfranzösischunterricht zu erinnern, dass man dort gerne Versalakzente einfach weggelassen hat.

Das kenne ich auch so.

vor einer Stunde schrieb Diwarnai:

Mal so, mal so …

Im Text und in Gemischtschreibweise werden Sie natürlich verwendet. Bei Headlines in Versalien und mit engem Zeilenabstand entfallen sie aber oft …

vor 5 Stunden schrieb Microboy:

Schön ist anders ...

Ja, das stimmt. Ich wollte nur ein Beispiel zeigen, bei dem nicht nur die deutschen Umlautpünktchen, sondern auch andere diakritische Zeichen eingezogen sind. (Die von dir gezeigte Kana Fat haut mich aber auch nicht vom Hocker.)

vor 2 Stunden schrieb Thomas Kunz:

@Diwarnai

SuperGroteskTOFU.png

Zumindest mit der Super Grotesk geht es nicht. Da gibt es nur Tofu.

Das Kuriosum, eine Tonalsprache wie Vietnamesisch mit einem Alphabet zu schreiben, das dafür überhaupt nicht geeignet ist, und dann mehrere Diakritika zu stapeln damit es irgendwie doch geht, ist aber auch so ein Extremfall, an dem sich nicht jede Schriftart zwingend abarbeiten muss, und an dem nicht zwingend andere Sprachen und deren Niederschrift aus Rücksicht leiden sollten.

Klar, jetzt hat man schon mal Unicode und kann mehr oder weniger beliebige neue Zeichen tatsächlich aus Komponenten "live" synthetisieren (super!), und will theoretisch alles mit allem kombinierbar machen - aber am Ende gibt es dann doch noch ökonomische, physische und auch ästhetische Limits, was damit tatsächlich gemacht werden kann und gemacht wird.

Wenn also eine FF Super meint, solch eingefräste Diakritika wären etwas was z.b. Europa braucht, dann hat Vietnam halt einfach in diesem Fall mal Pech (oder: Glück?) gehabt ...

Solche Versuche sollten nicht unterlassen werden, nur weil sie irgendwo in irgendeinem Fall nicht gehen, sonst bekommen wir nur noch die Minimalvarianten von allem, statt markante neue Lösungen (und Irrwege).

(Exkurs: So ist es derzeit ja auch oft mit Interpolation ... nur noch Schriften, die sich perfekt von Hair bis Black linear interpolieren lassen - dass mal eine Black ihrem anderen Einsatzzweck gemäß ganz eigenständige Formen hat, ist nicht mehr vorgesehen, weil mit Interpolation verdirbt das ja auch die Zwischenstufen.)

vor 6 Stunden schrieb Sebastian Nagel:

Solche Versuche sollten nicht unterlassen werden

Da hast du mich missverstanden … die Frage war, wie solche Extremfälle denn funktionieren könnten. In der Sprachwissenschaft werden sie ja durchaus verwendet, nicht nur in der Transliteration.

vor 10 Stunden schrieb Diwarnai:

Da hast du mich missverstanden … die Frage war, wie solche Extremfälle denn funktionieren könnten. In der Sprachwissenschaft werden sie ja durchaus verwendet, nicht nur in der Transliteration.

Tut mir leid falls das so aufgefasst wurde – war nicht direkt als Kritik an irgendwem oder einem spezifischen Posting gemeint, eher als Einwurf, weil mir das auch sonst immer wieder mal begegnet, im Sinne von "geht nicht, weil es nicht in allen Fällen geht".

Ja, kombinierte Diakritika kommen (auch) in der der Linguistik zum Einsatz, aber halt nicht in Form einer geometrischen Plakat-Schmuckschrift, sondern in einer Darstellungsform, die diese inhaltliche und strukturelle Komplexität auch verkraftet.

Wenn man jetzt ein Plakat zum Thema Linguistik gestaltet ... dann braucht's halt Grafiker die sehen, verstehen und denken können, das wird eine vorgefertigte Lösung vermutlich nicht befriedigend hinbekommen (dass es eine AI irgendwie hinwursten wird, daran besteht natürlich kein Zweifel mehr ;-)).

Bearbeitet ( von Sebastian Nagel)

Alles gut. Ich fand’s halt spannend, ob und wie das Problem (sofern es in der Praxis überhaupt existiert, da hast du völlig Recht) angegangen werden könnte, ohne das Ziel zu verfehlen.

  • 3 Wochen später...

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