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»Herr« im religiösen Kontext - wie setzen?

Hervorgehobene Antworten

vor 12 Stunden, BerndH schrieb:

Reverential Capitalization

Danke, sehr interessant!

Noch einmal ChatGPT dazu:

Reverential Capitalization (auf Deutsch etwa ehrende Großschreibung) bezeichnet die bewusste Großschreibung bestimmter Wörter, um Respekt, Ehrfurcht oder besondere Bedeutung auszudrücken – unabhängig von den üblichen Rechtschreibregeln.

Kurz gesagt

Man schreibt etwas groß, nicht weil es grammatisch nötig ist, sondern weil man dem Begriff Würde oder Gewicht geben will.

Typische Beispiele

  • Religiös:

    God, He, Him, His (bezogen auf Gott)

    → „He spoke to His people.“

  • Monarchisch / institutionell:

    the Crown, the Church, the State

  • Personalisierte Abstrakta:

    Truth, Justice, Hope, Freedom

  • In älteren Texten oder Poesie:

    Love, Death, Nature

Historischer Hintergrund

  • Stark verbreitet im 17.–19. Jahrhundert im Englischen und Deutschen.

  • Im Deutschen z. B. auch sichtbar in älteren Texten, wo viele Substantive oder abstrakte Begriffe großgeschrieben wurden, um ihnen Gewicht zu geben.

  • Heute im Englischen stilistisches Mittel, kein Standard.

Bearbeitet ( von R::bert)

Das Wort »GOtt« oder »HErr« mit Doppel-Versal habe ich auch im »weltlichen« Kontext (also nicht in Übersetzungen biblischer oder religiöser Texte) ab und an gesehen. Hier zum Beispiel der Hamburger Vergleich von 1701:

page2-656px-Hamburger_Vergleich_1701.pdf

Im Deutschen wurde schon im 16. Jahrhundert etabliert, dass Substantive generell großgeschreiben werden. Eine Reverential Capitalization kann es seitdem bei Substantiven im Deutschen nicht mehr geben. Im Personalpronomen des Pluralis Majestatis (»Unsere«) kann man ihr aber auch im Hamburger Vergleich oben begegenen.

Vor 23 Minuten, D2C schrieb:

Eine Reverential Capitalization kann es seitdem bei Substantiven im Deutschen nicht mehr geben.

Hmmm … ich dachte es betrifft auch Pronomen wie Er, Uns? Die werden ja in der Regel klein geschrieben im Deutschen.

Vor 49 Minuten, R::bert schrieb:

ich dachte es betrifft auch Pronomen wie Er, Uns?

Deswegen hatte ich darauf hingewiesen, dass genau das in dem verlinkten Dokument von 1701 umgesetzt wurde:

Vor einer Stunde, D2C schrieb:

Im Personalpronomen des Pluralis Majestatis (»Unsere«) kann man ihr aber auch im Hamburger Vergleich oben begegenen.

  • 2 Monate später...
Zeit: 27.1.2026 um 13:46, BerndH schrieb:

Im Fanzösischen erfolgt daher typischerweise eine Wiedergabe mit "der Ewige", wo deutsche Übersetzungen Herr schreiben, um den inhaltlichen Aspekt des Wortes wiederzugeben.

Hallo,

das gilt so nur für Bibelausgaben aus dem evangelischen bzw. protestantischen Umfeld. Im katholischen Bereich wird - der Vulgata folgend - eher "Seigneur" verwendet, was dem deutschen "Herr" bzw. "HERR" entspricht. Ökumenische Ausgaben wie "Bible en Français Courant" oder "Traduction Œcuménique de la Bible" (TOB) folgen hier dem katholischen Modell.
"Ewiger" oder "der Ewige" ist ein anderer, in der Bibel durchaus geläufiger Gottestitel, hebräisch Shaddaï bzw. El-shaddaï (der Ewige Gott).
Der historische Hintergrund ist typographisch nicht relevant und kann, stark vereinfacht, so zusammengefasst werden: infolge der hochkonfliktuellen Beziehungen zwischen katholischer Staatsreligion und protestantischer Dissidenz machen die Hugenotten und ihre Erben eigentlich nichts so wie die "Papisten".

»hochkonfliktuell«, besonders in dem Kontext, ist allein schon gefällt-mir-würdig gimmifive
Inhaltlich: Danke für Korrektur/Ergänzung.

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