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The Art of Hermann Zapf


Ralf Herrmann

In den 1960ern und 70ern zeichnete Hermann zahlreiche exklusive Schriften für das Unternehmen Hallmark Cards. Gleichzeitig gab Hallmark als Nebenprojekt ein Video von Hermann in Auftrag, in dem er die Grundlagen der Kalligrafie und seine Arbeitsweise erklären sollte.

 

Hermann Zapf berichtete über die Produktion des Films:

Ein paar Notizen meiner Erfahrungen im Filmgeschäft. Der Film »The Art of Hermann Zapf« wurde 1967 bei Hallmark Cards Inc. in Kansas City, Missouri, und in meinem damaligen Studio in Dreieichenhain bei Frankfurt gedreht. Es gab auch eine deutsche Version mit dem Titel »Die Welt der Buchstaben« von Linotype. Das ist auch der Name meiner Dauerausstellung in der Herzog August-Bibliothek in Wolfenbüttel, einer herrlichen alten Bibliothek, die für ihre Manuskripte und Bücher berühmt ist.

Es war die Idee von Hallmark, einen Lehrfilm zu drehen, der anschließend an Kunsthochschulen und TV-Sender verliehen werden sollte. Der Beginn dieses sehr interessanten Projekts gestaltete sich äußerst schwierig. Ich war mit dem Hollywood-Englisch der Filmleute überhaupt nicht vertraut, also musste ich das zuerst lernen. Unser Kameramann Frank Robinson kam von Hawaii. Er war imposante Außenaufnahmen mit professionellen Models gewöhnt und sprach mit seinem polynesischen Akzent nur von einem Storyboard und Stills, die er integrieren wollte, usw., gleichzeitig unterstrich er seine Ideen mit ausladenden Gesten.

Aber, sehr schnell musste ich feststellen, dass wir gänzlich unterschiedliche Vorstellungen von dem Film hatten. Ich wollte keine Außenaufnahmen und auch keine teuren Filmstars. Ich wollte nur ein paar einzelne Buchstaben zeigen und meine Hand. Dann wollte ich Nahaufnahmen der Buchstabenformen machen, um die Bewegung einer Breitfeder zu erklären. Außerdem plante ich spezielle Nahaufnahmen durch ein Glas, auf das ich schreiben wollte. Wird der Film dann beim Kopieren gedreht, sieht es aus, als ob ich in die Luft schreiben würde. Und meine Freunde bei Hallmark fanden auch sofort einen Namen dafür: »Frog Views«. Aber wie konnte ich sonst meine Gedanken einem Wilden aus dem Filmgeschäft anvertrauen? Die Frog-View-Idee überzeugte ihn jedoch schließlich und zu guter Letzt meinte er: »Also gut Hermann, wir fangen morgen an«.

Ich möchte hier noch eine kurze Episode aus dem Filmdreh beschreiben. Nach langen Diskussionen und mit Hilfe von ziemlich viel Alkohol begannen wir spät in der Nacht mit dem Dreh. Ich saß an einem Glastisch mit geneigter Platte und einem heißen Scheinwerfer im Nacken. Frank Robinson lag mit schussbereiter Kamera auf dem Boden, bereit für eine Frog-View-Aufnahme. Meine Aufgabe war es, wunderschöne Buchstaben mit Tusche zu schreiben, aber diese trocknete allerdings sofort, sobald der Stift die glatte Oberfläche des Astralon-Bogens berührte. Kein einfacher Job, glauben Sie mir, vor allem mit einem nervösen Kameramann zu meinen Füßen. Aber mit viel Whiskey und am Ende mit viel Lob beendeten wir den Film schließlich. Es war eine heilsame Erfahrung und ich schwor mir, meine Finger nie mehr an der Funktion eines Pseudo-Produktionsassistenten aus Hollywood zu verbrennen, sondern bei meinen bescheidenen Alphabeten zu bleiben.

 

 

 

bearbeitet von Ralf Herrmann



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