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Warum wird Arial oder Times von Universitäten und Prüfungsämtern vorgeschrieben?


Phoibos

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Da gibt man lieber eine klare Richtlinie (beim Zeilenabstand ja auch) und die Studenten müssen einfach nicht weiter drüber nachdenken.

Falls sich ein Student über die Richtlinien auf angemessene Weise hinwegsetzt, reißt du ihm dann den Kopf ab? Oder hast du mit formalen Richtlinien nur eine Mindesthöhe an angemessener Typographie festgelegt?

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Ich habe (noch?) gar nichts festgelegt und ich habe mich selber oft genug über die Richtlinien hinweg gesetzt. Wenn mir jemand ein 60-Seiten-Projekt in Comic Sans vorlegt würde ich vermutlich eine Bemerkung machen. Ich versuche auch den Studenten diesen 12-pt-Arial-Unsinn abzugewöhnen; mit den »neuen« C-Schriften stehen immerhin etwas schönere Alternativen zur Verfügung (wobei mich allerdings z.B. Calibri, welche mittlerweile häufiger von Studenten eingesetzt wird, immer weniger überzeugt, weder im Fließtext noch in den Überschriften). Aber mir ist bisher noch kein Fall untergekommen bei dem ich das Ergebnis in irgendeiner Art durch die Schriftwahl (standard oder nicht-standard) beeinflußt sähe. Dafür kostet sowas viel zu viel Zeit.

Grüße,

Christian

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(2) Ich frage mich gerade, ob ich selbst immun gegen die Versuchung wäre, einen Studenten, der mir eine gut gesetzte und typographisch angenehme (oder sogar ausgefeilte) Arbeit abliefert, automatisch für besser zu halten. Ich glaube schon, daß die Äußerlichkeiten bei der Bewertung eine nicht unbeträchtliche Rolle spielen können. Und je mehr Arbeiten man innerhalb kurzer Zeit zu bewerten hat, desto empfänglicher ist man u. U. für sowas.

Da bringt Typografie bzw. typografisches Fachwissen endlich endlich (selten genug!) einmal wirklich Vorteile - und schon wirds verboten!

Das sollte uns doch zu denken geben.

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:-D

Naja, aber so ist es doch… Man kriegt so eine Arbeit, schlägt sie auf und sieht, daß sich da jemand wirklich Mühe gegeben hat, die äußere Form ansprechend und lesbar zu gestalten. Aber das ist ja eben nicht das, was man zu bewerten hat. Jemand anders gibt eine Arbeit in 14 Punkt Arial mit minimalen Seitenrändern ab, die zu lesen u. U. eine Zumutung sein kann. Aber der Inhalt der typographisch katastrophalen Arbeit kann eben durchaus um einiges besser sein. Ganz abgesehen von der Möglichkeit, daß jemand absichtlich seine Arbeit etwas „aufmotzt“ um von einem vielleicht eher dürftigen Inhalt abzulenken. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt die subversive Energie von Studenten mit einzukalkulieren. Was nicht heißen soll, daß ich sie nicht so manches Mal auch zu schätzen weiß… ;-) Im Übrigen sind mir Studenten lieber, die sich bewußt über Vorschriften hinwegsetzen, wenn sie sich von ihnen eingeengt fühlen. Das zeigt oftmals mehr Nachdenken an als ein bloßes Kompilieren von Fachliteratur.

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Da bringt Typografie bzw. typografisches Fachwissen endlich endlich (selten genug!) einmal wirklich Vorteile - und schon wirds verboten!

Das sollte uns doch zu denken geben.

Vielleicht lässt sich das Argument für typografisch gut gestaltete Qualifikationsarbeiten auch wissenschaftsintern rechtfertigen. Zumindest in den Geistes- und Sozialwissenschaften erscheinen ja mittlerweile bedauerlich viele Bücher in Reihen, die nicht nur in Bezug auf Lektorat und Korrektorat, sondern auch in Bezug auf typografische Gestaltung fast vollständig von den Autoren selbst verantwortet werden, mitunter in sehr renommierten Verlagen. Man könnte also typografisches Wissen als Teil der wissenschaftlichen Qualifikation betrachten – ähnlich wie korrekte Rechtschreibung und sprachlich-stilistisches Feingefühl. Natürlich geht es auch ohne diese "soft skills"; da aber immer mehr Publikationen ohne die Mitarbeit von erfahrenen Lektoren und Setzern etc. zustande kommen, gehören diese Fähigkeiten und Kenntnisse vielleicht zwangsläufig zur wissenschaftlichen Qualifikation und dürfen anteilig in die Bewertung von Qualifikationsarbeiten einfließen.

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Meine eigene Diplomarbeit war eine Jagd gegen die Zeit: Ich hatte sehr viel Zeit damit verbracht, den Testjob, eine Zusammenstellung von verschiedenen Schrifttypen, Rasterflächen, Farbverläufen und Lithos, zusammenzustellen. Die Bilder, echte Studioaufnahmen, habe ich dankenswerterweise von einem Bochumer Industriefotografen für umsonst bekommen.

(Davon einmal abgesehen, dass ich froh war, nicht die zum elfundneunzigsten Mal eingesetzten Dias benutzen zu müssen, war es fantastisch, das Studio Ralf Häselichs zu besuchen, ein umgebauter alter Lokschuppen, wo ganze Trucks reinpassten. Riesengroße Kameras auf idiotisch massiven Ständern, Licht in allen nur erdenklichen Ausführungen, eigenes Labor (damals noch).)

Seinerzeit hatte ich gegenüber meinen Kommilitonen gescherzt: „Beim Schreiben ist jetzt Worb 7 angesagt.“ Da wir alle „Trekkies“, also Anhänger der Science-Fiction-Serie „Startreck Enterprise“ waren, war so jedem klar, dass ich also nun in einem vorher unbekannten Maß Gas geben müsste, um die Arbeit *überhaupt noch* fertig zu bekommen.

Jedenfalls habe ich nicht lange gefackelt und die Seite analog zu den Richtlinien im schriftlichen Abitur mit einem durchaus exzentrischen Satzspiegel versehen, nämlich der genauen Hälfte der Seitenbreite, Höhe entsprechend angepasst. Dazwischen die Bilder (Mikroaufnahmen von den Drucken etc.), gnadenlos auf Satzbreite eingepasst, einige seitengroß. Eine schöne Bindung, weinroter Einbandstoff mit schwarzer Prägung. Die Schrift war übrigens Berthold Formata.

Ich denke, dass könnte heute auch analog dazu jeder Student der Was-Auch-Immer-X-Y-Fakultät genau so handhaben. Und wo typografische Finesse nicht gilt, dort muss man auch nicht unbedingt studieren. Als Typograf, meine ich jetzt. Ich selbst hatte ja „Druckereitechnik“ studiert und hatte einen „Satz-Prof“, der mir das natürlich durchgehen ließ. Und da wir ohnehin den gesamten Ablauf, die Terminplanung des Testjobs, die Treffen in den Firmen (die Software, eine Rastertechnologie, war ja in Stuttgart, meinem Studienort, noch gar nicht freigeschaltet, so dass ich für die Belichtung nach Frankfurt musste) usw. usf. Ein Riesenaufwand am Rande der damaligen technischen Möglichkeiten, sehr stressig, aber es hat sich gelohnt.

Interessant auch die Durchführung: Als angehender Diplomant durfte ich dann ja auch an den damals fettesten Studenten-Mac, der sogar einen zweiten kleineren Monitor rechts neben dem Hauptbildschirm stehen hatte. Das war wahnsinnig praktisch, ich konnte die ganzen Menüs nach rechts schieben. Heute eine Selbstverständlichkeit, damals brandneu! Man brauchte ja eine zweite Grafikkarte.

Zudem hatte mir Prof. Becker vorgeschlagen, doch FrameMaker für die Diplomarbeit einzusetzen. Das war zu der Zeit und wahrscheinlich bis heute noch die einzige Publishing-Anwendung, die auf Mac, Windows *und* Linux/UNIX lief.

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Moin,

mal wieder ärgerte ich mich bei dem Korrekturlesen einer Examensarbeit über die meiner Meinung nach sinnfreie Vorschrift, seine Arbeit nur in Arial 11p oder Times New Roman 12p abgeben zu dürfen. Zudem muss es auch noch der umbrechungsfreie Blocksatz sein. Dies zu lesen, empfinde ich anstrengend und sowohl am Bildschirm wie auch im Druck über die Maßen unästhetisch.

Ich persönlich finde, Du überspitzt das sehr stark. Natürlich gibt es de facto immer bessere -- vor allem auch ästhetischere! -- Lösungen als Arial oder Times New Roman (TNR). Allerdings habe ich auch schon über 300 Seiten starke geschichtswissenschaftliche Arbeiten in mäßigem Englisch gelesen, die in Arial gesetzt wurden. Das war vielleicht kein Hochgenuss, aber alles ohne Weiteres machbar, solang man sich darauf einlässt. Also keine Arbeit wird unlesbar nur weil Arial oder TNR benutzt wurde und bleibt noch gut genug für die meisten Ansprüche. Punkt. Zumal die Schriftwahl -- meiner persönlichen Erfahrung nach -- sowieso kaum jemanden interessieren. Wenn Dir die beiden Schriften nicht gefallen, dann benutze doch eine andere. Kaum ein Prüfer wird sich daran stören. Und wenn Dir arbeiten in Arial oder TNR unterkommen, dann verkrampf Dich doch nicht so. Dann fällt das Lesen auch leichter. Davon abgesehen, hast Du wahrscheinlich recht: es gibt heute kaum noch einen rationalen Grund diese beiden Schriften vorzuschreiben, wo jeder beliebige Texteditor die Zeichenanzahl zählen kann.

Ich für meinen Teil setze mich über solcherlei Vorschriften hinweg, da die Dozenten eh nicht in der Lage sind, Schriften jenseits von Serif oder Sans zu unterscheiden, und weder die Arial (soweit ich mich erinnere) noch die Times New Roman über den Zeichensatz verfügen, den ich benötige (greek extended). Die Arial MS Unicode könnte zwar, doch hat die, soweit mir bekannt, kein Kerning.

Das ist eine merkwürdige Begründung. Man kann von Arial und TNR ästhetisch halten, was man will, es werden sich aber nur ganz wenige besser ausgebaute Schriftfamilien finden lassen. Aktuelle Versionen der beiden Schriftfamilien unterstützen nicht nur Greek extended, sondern praktisch u.a. auch die gesamten lateinischen, griechischen, kyrillischen, hebräischen und koptischen Unicodeblöcke. Technisch dürften damit 99% der möglichen Anwendungsfälle von Theologen und Altphilologen abgedeckt sein.

Genau das aber ist ein Trugschluß. Times und Arial sind keine freien Schriften. Auf dem Rechner sind sie deshalb nur, wenn man bestimmte käuflich zu erwerbende Betriebssysteme oder Programme installiert oder eigens Lizenzen der Schriften gekauft hat. Und das ist nicht günstig: die Arial Unicode MS kostet satte 165 Dollar — je Schnitt! Sollte ein Professor auf der Arial beharren, kann man ihn ja mal vorsichtig fragen, ob er die anfallenden Lizenzgebühren übernehme.

Natürlich sind weder Arial noch TNR frei im Sinne der Free Software Foundation, dennoch wurden sie von Microsoft bis 2002 u.a. als Freeware veröffentlicht. Diese zu verwenden, sollte doch im Zweifelfall zumutbar sein, nicht?

Zudem hatte mir Prof. Becker vorgeschlagen, doch FrameMaker für die Diplomarbeit einzusetzen. Das war zu der Zeit und wahrscheinlich bis heute noch die einzige Publishing-Anwendung, die auf Mac, Windows *und* Linux/UNIX lief.

Zumindest heute dürfte die einzige plattformunabhängige Publishing-Anwendung, die sich auf der Höhe der Zeit befindet, doch LuaTeX -- oder mit Einschränkungen noch XeTeX -- sein, oder? FrameMaker in allen Ehren, aber das Programm ist inzwischen technologisch hoffnungslos veraltet. :-|

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Zumindest heute dürfte die einzige plattformunabhängige Publishing-Anwendung, die sich auf der Höhe der Zeit befindet, doch LuaTeX -- oder mit Einschränkungen noch XeTeX -- sein, oder? FrameMaker in allen Ehren, aber das Programm ist inzwischen technologisch hoffnungslos veraltet.

Deshalb schrieb Lars ja auch »zu der Zeit« – um kenntlich zu machen, dass das schon eine Weile her ist. :-)

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Klar, FrameMaker „has gone out of business“. Vielleicht aber interessiert es Dich zu hören, dass Adobe etwa ein Jahr nach der Übernahme des FrameMaker-Teams eine native LINUX-Version herausgebracht hatte, als Tryout frei verfügbar. Das scheint aber bei Adobe das Vertrauen in die Zahlungswilligkeit der Zielgruppe nicht dahingehend verfestigt zu haben, eine offizielle Lizenz anzubieten. :mrgreen:

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