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Zitate zu Gebrochenen Schriften

Hervorgehobene Antworten

Das sehe ich auch so. Auf meiner Website habe ich das Werk so beschrieben:

»Im Frühjahr 1918, mitten in den Greul des 1. Weltkrieges, veröffentlichte
der Wolfenbütteler Bibliothekar Gustav Milchsack seine Schrift

»Was ist Fraktur? Eine wissenschaftliche Auseinander-
setzung mit dem Kommerzienrat Friedrich Sönnecken
in Bonn«, (Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig 1918),


in der er die Bemühungen um eine Schriftreform scharf
kritisierte, aber auch schriftgeschichtliche Fehleinschätzungen
von Soennecken schonungslos aufdeckte. Die Lektüre dieses
Werkes vermittelt drastisch, mit welcher Unnachgiebigkeit
sich Befürworter und Gegner der Fraktur gegenüberstanden.
«

 

Auf meiner Seite Frakturverbot gibt es übrigens einen Link zum kompletten Werk.

Schwer vorstellbar, daß 1918 noch einer seinen Arm in irgend einem Kampf rühren wollte.

Während das alte Europa in den Schützengräben verblutet,

hofft Milchsack in nationalistischer Verblendung auch 1918

noch auf eine Klärung der Schriftfrage und das Primat der

Fraktur nach Beendigung des Krieges.

Umso wichtiger war die Veröffentlichung von Matthias Mieses im Jahr 1919*.

Ich darf noch einmal zitieren:

»Nationalismus hat in der Schriftgeschichte nichts zu schaffen. Dieselbe religiöse
Sezession, die der Fraktur eine Heimstätte bei Finnen und Esten, protestantischen
Litauern und Masuren, Dänen und Schweden bereitete, hat diese auch in Deutsch-
land konserviert. Das ›Deutschtum‹ der Fraktur führt noch heute so manchen
guten deutschen Mann irre. Es gibt noch in der Gegenwart manche Deutsche,
die eine Steigerung ihres Nationalselbstbewußtseins darin sehen, wenn sie die
Fraktur als den Ausdruck des ethnischen Wesens des Deutschtums proklamieren.«

*Mieses, Matthias: Die Gesetze der Schriftgeschichte. Konfession und Schrift im Leben der Völker. Wien und Leipzig, 1919

Milchsack konnt noch nicht so viele Antikriegsfilme sehen und Antikriegsromane lesen wie wir und erlitt vielleicht auch privat keinen Verlust. Er war bei Ausbruch des Krieges über sechzig. Und das Nationalgefühl war zu dieser Zeit sehr mächtig. Also verstehen kann man diese Äußerungen durchaus. Die Einstellung von Matthias Mieses war damals und für die folgenden zwanzig Jahre eher die abweichende Position.

  • 5 Wochen später...

Das Untereinanderwerfen der Fraktur- und Antiqua-Schriften auf Titeln

u. dergl. ist, wo der Mangel an passenden Schriften es nicht durchaus erfordert,

streng zu verpönen.

Hermann Neubürger: Leitfaden für Schriftsetzer-Lehrlinge, Dessau, 1842

Das Untereinanderwerfen der Fraktur- und Antiqua-Schriften auf Titeln

u. dergl. ist, wo der Mangel an passenden Schriften es nicht durchaus erfordert,

streng zu verpönen.

Das kunterbunte Untereinanderwerfen jeglicher verschiedener Schriften auf Titeln

u. dergl. ist, wo der Mangel an passenden Schriften es nicht durchaus erfordert,

streng zu verpönen.

  • 2 Monate später...

»Es mag wohl dem in den französischen Kriegen erwachten Nationalitätseifer
zuzuschreiben sein, dass in Deutschland die Versuche, die Fractur abzuschaffen,
zu Anfang dieses Jahrhunderts ganz aufgegeben wurden.«

Karl Faulmann
»Illustrierte Geschichte der Buchdruckerkunst«
Wien, Pest, Leipzig, 1882

»Die Schriften … aus der Hand des damals berühmten Schriftgiessers
Zingk in Wittenberg, … aus der Trattnerschen Giesserei in Wien, haben
so wenig Anspruch auf Schönheit, dass man es sehr begreiflich findet,
wie sich die Gunst der deutschen Leser von ihnen abwenden musste.
Damals war die deutsche Leserwelt so mit französischen Schriften vertraut
und an die Antiqua gewöhnt, dass Göschen es wagen konnte, deutsche
Romane in Antiqua zu drucken. Es ist zu beklagen, dass dieses Beispiel
nicht mehr Nachahmung fand, dass die günstige Gelegenheit nicht benützt
wurde, um die Fracturschrift abzuschaffen, und die deutschen Buchdruckerei-
besitzer, welche noch heute den ihrem Betriebscapital unangenehmen
Dualismus der Schrift empfinden, dürfen es besonders beklagen. Die Fractur
hat keine grössere Berechtigung als die französische Batarde, sie ist ein
Schreiberproduct einer vergangenen Zeit und besitzt nicht den lapidaren
Charakter, welcher die Antiqua zu einer neuen Verjüngung befähigte.«

Karl Faulmann
»Illustierte Geschichte der Buchdruckerkunst«
Wien, Pest, Leipzig, 1882

Schön gesagt – auch wenn ich ein ausgesprochener Fan der französischen Bartaden* bin :nicken: 

 

* Wie ist da die Mehrzahl? Eher französisch ›Batardes‹ oder eingedeutscht wie oben oder lieber einfach Bastardschriften?

  • 3 Wochen später...

Nicht wirklich ein Zitat, aber eine Antwort auf meine Frage:

Es gab/gibt ein gebrochenes polytonisches Griechisch?

 

d6zvm.png

 

Quelle: Yannis Haralambous, From Unicode to Typography , a Case Study : the Greek Script, 1999.

Pdf im Rahmen der 14th International Unicode Conference, Boston 1999, erstellt und hier noch via Wayback herunterladbar: https://web.archive.org/web/20030701000000*/http://genepi.louis-jean.com/omega/boston99.pdf Seite 23.

 

Vielleicht finde ich ja noch mehr Informationen zu dem Thema. Unklar ist weiterhin, ob es sich um eine Schrift handelt, die polytonisches Griechisch unterstützt.

Seeehr speziell. :-o Wird die in Griechenland zur Beschriftung deutscher Restaurants benutzt? Gibt es da überhaupt deutsche Restaurants?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Schrift überhaupt von irgendjemanden genutzt wird/wurde. Die macht eher einen Eindruck einer Fingerübung oder einer Machbarkeitsprüfung auf mich.

 

Deutsche Restaurants? Es gibt tatsächlich so etwas wie deutsche Küche? Zudem hat sich Deutschland, abgesehen von einer kurzen deutschen, präziser bayrischen, Herrschaft und der damit einhergehenden Bierkultur, dort nicht wirklich mit Ruhm bekleckert (Rehakles sei ausgenommen). Wenn ich schon Bier erwähne, vielleicht brauchte das irgendeine einheimische Brauerei für ihre Corporate Identity?

^Mir sieht diese schrift einfach zu zusammengebastelt aus. Solche einfach gespiegelten Elemente, wie im Sigma oder Omega gehen gar nicht.

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