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Prägefeste Bleisatz-Schriften


Ralf Herrmann

Empfohlene Beiträge

Von den Zeitungsseiten wurden zu Bleisatz-Zeiten Pappmatern angefertigt,

von denen dann ein Rundstereo gegossen wurde. Als »Prägefest« bezeichnete

man Schriften, die den Druck der Prägepressen bei der Maternherstellung
standhielten. Die Grundschrift der Braunschweiger Zeitung beispielsweise

war die »Candida«. Sie galt ebenfalls als »prägefest«.

.

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Eine Sonderform der Gruppe Serifenbetonte Linear-Antiqua sind

die Zeitungstypen, wie sie sich in den Formen Excelsior, Candida,
Berlin, Rotation und ähnlichen zeigen. Sie waren den technischen
Notwendigkeiten der Zeitungsherstellung (Matern) angepaßt und
hatten entsprechend kräftige Haarstriche und Serifen.
Eine Verwandtschaft mit der Serifenbetonten Linear-Antiqua ist
nur noch teilweise vorhanden.

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es könnte sich hierbei um ein Letternmetall mit einem Kupferanteil handeln. Kupfer hat nämlich das Letternmetall härter gemacht. Allerdings war Kupfer im Letternmetall nicht so gut angesehen bei den Gießereien, denn Kupferpartikel verstopften bisweilen die Gießdüsen der Lettern Gießmaschine.

 

Allerdings ist das bei mir nur eine Vermutung, denn ich bin nicht aus der Branche. Nur hatte ich eben schon einmal mit prägefesten Lettern zu tun:

Ich war damals in der Fachhochschule Hamburg als Laboranten tätig, und wir hatten dort eine kleine Termotransfer-Prägepresse. mit dieser haben wir unsere Diplom arbeiten ein wenig professioneller aussehen lassen, indem wir die Deckel mit dem Titel im Goldprägung versehen haben. Zu dieser kleinen Hand betätigten Presse hatten wir neben den Transferfolien auch zwei kleine Setzkästen mit Helvetica in 20 und 16 Punkten sowie einen Winkelhaken und einiges an Material. Auf den ziemlich kleinen Setzkästen stand damals drauf: Prägefest.

 

Da wir aber immer auch den Standardtext: "Fachhochschule Hamburg * Labor für Kunststofftechnik" auf die Buchdeckel prägen wollten, und mir dies als stehender Satz einfach zu aufwändig war, habe ich damals beim Hamburger Abendblatt, die damals noch (mindestens) eine Linotype Maschine besaßen, diesen Text gleich einige Male gießen lassen. (es war allerdings die Zeit, in dem der Bleisatz auch im Zeitungsdruck schon sein Ende erreicht hatte.)

 

Ich weiß, dass das Linometall gut doppelt soviel Zinn enthält, wie das normale Typometall, aber weniger an Antimon als Monotype-Metall, daher wohl schon einmal deutlich weicher sein wird als Letzteres, aber ich musste feststellen, dass es wohl doch erheblich weicher sein musste, als die extra für diesen Zweck gelieferten Typen. Wahrscheinlich wusste das auch der Setzer beim Hamburger Abendblatt, sonst hätte er mir davon sicherlich nicht gleich ein ganzes Kilo gegossen.

 

Zusatzbemerkung: für diese Goldprägung wurde der Satz auf etwa 120° erwärmt. Das war natürlich zusätzliches Gift für die Bleilettern, besonders für diese Linotype-Zeilen.

 

Und, obwohl es so nur eine sehr kurze,  wenn auch innige Beziehung zu Bleilettern und einem Winkelhaken war, hat mir der Umgang damit noch sehr bei meinem Einstieg in die Computer-Typografie geholfen. Ich möchte den Kontakt mit diesem Medium nicht missen!

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ohne überhänger

ich versteh das so, dass die schrift auf einem vollem bleikegel war und überhänge wie unterlängen nicht an die form der schrift angepasst waren.

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Wenn ich zu der mal zart anfragen darf, gibt es von der Marggraff ein komplettes Figurenverzeichnis. Die würde schön in meine Sammlung passen.

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ohne überhänger

ich versteh das so, dass die schrift auf einem vollem bleikegel war und überhänge wie unterlängen nicht an die form der schrift angepasst waren.

 

Ich würde das so interpretieren, dass die Formen so gestaltet sind (auffällliges Beispiel die zurückversetzte Fahne des »f«), dass sie sich brav auf einen Kegel platzieren lassen und dabei keine statisch fragwürdigen "Anhängsel" überstehen müssen, um den Abstand zum Folgebuchstaben zu verringern.

Vielleicht meinst du aber ohnehin genau das und ich verstehe deine Interpretation nur nicht(?)

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...gibt es von der Marggraff ein komplettes Figurenverzeichnis.

Die würde schön in meine Sammlung passen.

 

Ich bemühe mich derzeit, ein komplettes Figurenverzeichnis aufzutreiben,

bisher aber leider ohne Erfolg. Vielleicht tröstet dich diese Abbildung ...

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So weit ich weiß, wurde auch Zapfs Melior (in ganz normalem Letternmetall) als prägefest beworben.

Ich habe darunter immer verstanden, dass es keine zu feinen Haarlinien etc gibt und die Schrift große Auflagen aushält.

 

Bei der Melior (Zeitungsschrift) würde auch noch Sinn ergeben, dass sie es aushält klischiert zu werden.

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Hier gehen gerade 2 unterschiedliche Dinge durcheinander:

 

Prägetypen sind explizit für den Buchbinder (oder auch Etikettenhersteller z.B.), halten bis zu 150 Grad aus und werden in 2 Höhen (6,55 mm und 23,56 mm) geliefert. Diese enthalten eine Zink-Aluminum Legierung und sind ohne Blei.

 

Prägefeste Bleischriften sind die ohne starke Überhänge, bestehen aber aus dem gleichen Schriftmetall wie »normale« Bleischriften. Bei der Stempel waren dies z.B. die Diskus, Diethelm, Optima kursiv oder auch die Helvetica kursiv.

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  • 1 Jahr später...

Wie in vielen Foren, leider, sind die Antworten gut gemeint, aber inkorrekt! Mit der Maternherstellung hat es nichts zu tun; da wurde Einmalsatz verwendet (Mono/Linotype), welcher die Belastungen bestens aushielt (und hinterher wieder eingeschmolzen ((neudeutsch: recycelnd)) wurden.

Wie Lars.schwarz Richtigstellte, bedeutet „prägefest” eine Information für die Bubis (Buchbinder), und auch für den Büttendruck. Prägefeste Schriften gab es auch für Blindprägungen.

Als alter „Schweizer Degen”, der gerne zur Verfügung steht, bevor noch mehr Geschichte der Typographie verloren geht, habe ich mich hier angemeldet. Ich war von Anfang an im deutschen Fotosatz (Filmklischee(Starsettogaph/Staromat)/Berthold Messinglinien (Diatype/Diamatic/Digitype) dabei, habe unter G.G.L. gelernt, welche Bedeutung Schrift hat.

mfG Bertolomäus

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