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lang-s-s-Ligatur


RobertMichael

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Das ware lange Zeit eine gängige Schreibweise für ſs bzw. ß in lateinischen Schreibschriften – in und außerhalb des deutschsprachigen Raums. Selbst bei Schildermalern des 20. Jahrhunderts war das noch oft zu sehen. Ich mag das sehr! 

 

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Das ist ein Latein-Schreibschift-langers-s, dieses wurde tatsächlich wie das h in Kurrentschrift geschrieben, und sorgt gerne für Verwirrung bei gemischter Schreibung in alten Dokumenten. Allerdings ist Straſse nicht so wirklich kosher.

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Ich habe ja nicht behauptet, das die Glyphe ſ oder als Ligatur als ſs nicht in Ordnung wäre, nur müsste es, nutzt man das lange s (ſ) dann  eben nicht ſs sein, wenn dahinter noch ein e folgt. die ſs-Ligatur ist für die Heysesche s-Schreibung der aktuellen Rechtschreibung gedacht, wenn, wegen der Volalkürzung nicht ß verwendet wird, und man das lange ſ verwenden möchte, z.B. im Fluſsſchiff. in den von Ralf gezeigtem Beispiel steht ſs ja am Wortende.

 

 

 

ich finds auch hübsch, aber auch total verwirrend. will dauernd musss oder Strafse lesen.

 

Nun, da ich mich in letzter Zeit ziemlich in Kurrentschrift eingeleseh habe, lese ich im ersten Moment hier "muhs" und "Strahse"

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Die Schreibschriftvariante ist wirklich hübsch!  :nicken:

 

In einigen zeitgenössischen Schriften ist diese Glyphe ebenfalls enthalten:

 

 

Aber in dieser Satzschrift-Form finde ich sie sehr irritieren, muss ich gestehen. Ich habe hier vor langer Zeit schon mal irgendwo darüber geschrieben, wie sehr mich diese ß-Form beim Lesen stört. Ich habe das komplette Buch »Wirklich gute Logos erklärt« durchgelesen, aber ich habe mich mit zunehmender Seitenzahl immer mehr über diese Buchstabenform der verwendeten serifenlosen Fließtextschrift geärgert, weil ich da immer immer immer »fs« gelesen habe. Das ist in meinen Augen reine Gestaltereitelkeit und kein Dienst am Leser. Sorry!  :-)

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Ja, ich denke ebenfalls, dass die Variante für heutige Lesegewohnheiten ungeeignet ist. Ich mutmaße, dass dieses Eszett auch eher zufällig in der Schrift gelandet ist. Denn in der Pro-Version, die später erschienen ist, wurde diese Eszett-Form ersatzlos gestrichen.

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Vielleicht war es ein Experiment. Oftmals mag ich ja auch so alte Dinge und finde, dass es da in unterschiedlichsten Bereichen viel Bewahrenswertes gibt. Und wenn ein Schriftgestalter einen funktionierenden Weg findet, in seiner Schrift charmanten Reminiszenzen an Schriftdetails von Früher™ einen Platz zu geben, dann bin ich da sehr zu begeistern. Aber die Betonung liegt auf funktionierend. Wenn das ungewöhnliche Zeichen sich nicht durchsetzt im Sinne einer breiten Akzeptanz der Anwender, dann sollte sich der Gestalter vernünftigerweise von seiner Idee trennen oder sie zumindest in ein kleines Seitenfach der Glyphenschatulle umplatzieren und eine gängigere Buchstabenform an ihre Stelle legen. Das macht das Gestalterherz zwar schwer – aber der Anwender dankt es ganz bestimmt. 

 

(Man stelle sich nur mal einen Moment vor, Paul Renner hätte die Futura nur in der extrem geometrischen Ursprungsform herausgebracht. Dann wüssten wir heute vielleicht gar nicht von ihr …)

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Generell ist diese Form nicht nur für heutige Lesegewohnheiten befremdlich, oder sogar hinderlich, sonern eben auch nur wirklich am Wortende oder vor einen Wortfuge nutzbar, aber eben nicht in Grüſse oder Straſse denn daſs würde man dann Straſs-e bzw. Gröſs-e lesen müssen.

 

In sofern ist das ein schlechter Ersatz als besondere Form des ß und eigentlich dann nur in der (aktuellen) Heyseschen S-Schreibung als Schluſs-ss-Variante einsetzbar.

 

Auch diese Unterscheidung ...ass = Vokal wird kurz ausgesprochen und ...aß Vokal wird lang gesprochen, was ja einer der Vorteile der reformierten Rechtschreibung ist, ginge hierbei verloren, da dies ja deutlich 2 Buchstaben sind, daſs diese auf einem Kegel sitzen, sieht man ja nicht.

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… aber eben nicht in Grüſse oder Straſse denn daſs würde man dann Straſs-e bzw. Gröſs-e lesen müssen.

 

Nö. Wer sagt das?

Du sprichst von einer theoretisch möglichen Satzkonvention, die es überhaupt nur dann geben könnte, wenn auch gleichzeitig ein ſ im Einsatz wäre und zur Lesekonvention gehört. Das ist in Roberts Text aber klar nicht der Fall. Diese ſs-Ligatur wurde eine Zeitlang einfach als eine grafische Variante des ß eingesetzt. Mit den orthografischen Zusammenhängen, die du da erklärst, hat das alles nichts zu tun. 

 

Noch ein Beispiel:

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… und in Druckschrift bedeutet das »Claßen«, nichts sonst. 

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  • 2 Wochen später...
  • 4 Wochen später...

Hier ein weiteres Beispiel einer Schreibschrift aus der Walbaum’schen Gießerei (erste Hälfte 19. Jahrhundert). Auch wieder schön zu sehen: Ein einzelnes ſ ist nicht im Einsatz, aber ß wird aus dem markanten Schreibschrift-ſ plus s dargestellt. 

 

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  • 3 Monate später...

Ich kann zu dem Thema beitragen, daß “ſs” schon im 15. Jh. gängige Schreibung für “ſſ” war. Warum in ein und demselben Text manchmal “ſſ” und manchmal “ſs” steht, ist mir allerdings noch immer nicht klar, und falls es jemand hier erklärt hat, habe ich es nicht verstanden. Bitte nochmal für Doofies!

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Auf alle Fälle kann es aber durchaus sein, dass die Schreibweise sſ nicht an einer Wortfuge schlicht ein Schreibfehler ist.

 

Zumindest drängt sich mir bei Meisſen die Aussprache Meis - ſen auf, irgendwie wie soi ein nordischer Name, z.B. Michaelsſen.

 

Daraus ableiten zu wollen, dass dies eine regelgerechte Variante war, wäre in etwa so, als ob Sprachforscher in ein paar Jahrhunderten die Rechtschreibung um den Jahrtausendwechsel 2000 untersuchen, und aus den häufigen Auftreten von Getrennt Schreibung von Komposita ermitteln, dass dies einer in unserer Zeit zulässige Regel Varante ;-) ist.

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Auf alle Fälle kann es aber durchaus sein, dass die Schreibweise sſ nicht an einer Wortfuge schlicht ein Schreibfehler ist.

Ein »Schreibfehler« gemessen woran? Weder gab es damals eine amtliche Rechtschreibung, noch einen Duden.

Zumindest drängt sich mir bei Meisſen die Aussprache Meis - ſen auf …

Nur wenn man mit dieser Konvention vertraut ist. Langes und rundes s nach Morphemgrenzen zu setzen, war nicht immer die Regel. Es entstand erst über die Zeit.

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Detail des Grabsteins von E.T.A. Hoffmann in Berlin-Kreuzberg. In den Kommentaren zu diesem Bild sind weitere Beispiele für ›sſ‹ versammelt – in Antiqua, Kursiv, verbundener Schreibschrift und gebrochener Schrift; aus Skandinavien, Berlin und Weimar.

 

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Dieser Grabstein vom Weimarer Jacobsfriedhof zeigt beide Formen nebeneinander: ›Dreſslerin‹, ›Füsſen‹.

 

Wie Ralf bereits richtig festgestellt hat, wäre es falsch, hier von Fehlern zu sprechen. Die Regeln unserer Zeit (oder die des späten 19. Jahrhunderts) waren noch nicht formuliert. Auch haben sich Steinmetze, Schildermaler und andere nicht-typografische Schriftenmacher herzlich wenig darum geschert, was sich Setzer und Drucker an Regelwerk ausgedacht haben. Variatio delectat.

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Das ist, vielfach im ländlichen, umgangssprachlichen Umfeld auch heute noch anzutreffen. Hab ich selbst noch vor gar nicht so langer Zeit erlebt

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Ist auch nicht uncharmant, eigentlich. Obwohl heute wohl der Sinn dafür fehlt. Wenn Du Frau Müller heute mit »(Frau) Müllerin« ansprächest, wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, sie nähme es krumm.

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Es ist auch weniger, dass es in der direkten Ansprache genutzt wird. ich hatte das sinngemäß so erlebt: „Gehn‘s am besten in den Laden der Müllerin...“ die Müllerin wurde dann aber von jedem „Frau Müller“ angesprochen.

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  • 1 Jahr später...

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<p>Canapé – die gemütliche Schriftfamilie von Sebastian Nagel</p>
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