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Beschränkungen im Layout beim Bleisatz


iwaiwa

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Hallo zusammen :huhu:

 

ich bin neu hier und würde gerne mit einer Frage beginnen, die mich sehr interessiert.

Kann mir jemand sagen, welche Beschränkungen es beim Layout und Satzspiegel  beim Bleisatz  im Gegensatz zu den heutigen Layoutpragrammen gab. Was war damals ein typischer Layout? Was konnte man früher nicht machen, was heute ohne Probleme schaffbar ist? Das einzige, worauf ich zufgreifen kann, ist der Abstand zwischen der Buchstaben, weil es aufgrund der beweglichen Lettern nicht möglich war und natürlich die Verzerrung, Vergrößerung und jegliche Veränderung von einzelnen Buchstaben.

 

Ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen... :biglove:

 

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Hallo iweiwa, willkommen im Forum  :-D

 

Ich gebe mal eine spontane erste Antwort, die Kollegen Bleisetzer, Schriftgestalter und Typografen werden dann bestimmt noch jede Menge anderer, spezifischer Dinge hinzufügen können – und mich, falls ich Unfug geschrieben habe, hoffentlich korrigieren.  ;-)

 

Also: Grafische Effekte wie Schatten, Verläufe, Verzerrungen, wie wir sie heute kennen, gingen nicht und auch die Verwendung unterschiedlicher Farben innerhalb einer Seite dürfte (zumindest zu Beginn) in den seltensten Fällen (zum Beispiel bei von Hand eingefärbten Einzeldrucken) möglich gewesen sein. Anordnungen, bei denen Textzeilen nicht parallel oder in 90-Grad-Winkeln zueinander stehen, dürften schwierig gewesen sein – dafür musste man vermutlich extra Füllformen fertigen. 

 

Buchstaben unterschneiden oder das Ändern von Buchstaben ging natürlich nicht so ohne weiteres, dafür gab es für die häufigsten Sonderfälle Ligaturen. Bei diesen mussten sich die Buchstaben nicht mal unbedingt berühren um Ligaturen zu heißen, manchmal ging es wirklich nur darum, eine Unterschneidung hinzubekommen, indem man die entsprechenden Buchstaben auf einen gemeinsamen Kegel setzte. 

 

Verbundene Schriften (Schreibschriften) waren sicher eher rar, ich weiß gar nicht, ob es bei den Bleisatzschriften überhaupt eine richtig verbundene Schrift gegeben hat.  :-?

 

Und Bilder waren auch keine einfache Sache – ganz zu Beginn wurden sie – glaube ich – von Hand ins Buch gezeichnet und gemalt, später gab es gedruckte Holzschnitte oder Lithografien, Radierungen oder auch in Blei gegossene Motive. Ich glaube, der Kollege Martin Z. Schröder hat vor einer Weile hier sogar solche Bleimotive gezeigt. 

 

Randabfallende Gestaltung gab es – bis vielleicht auf ein paar experimentelle Sonderfälle in der Spätzeit des Bleisatzes – eher selten. 

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Die Frage ist so allgemein gestellt, daß ich sie nicht beantworten kann. Worauf zielt die Frage?

Ich kann nur schon mal richtigstellen, was spekuliert wurde, liebe Katrin, pardon, fast alles ist falsch.

 

Grafische Effekte: ja, mit Bleisatzschriften, die solche Effekte zeigen. Diverse. Andere als in Photoshop, ja.

Mehrfarbig: Bücher im vier- bis sechsfarbigen Buchdruck: normale Produktion. Ich drucke auch heute noch vier Farben im Buchdruck, paßgenau, vom Bleisatz, bei 3000 Druck pro Minute*.

Schräger Satz: Ohne das hätte es Dada in Büchern und auf Plakaten nicht gegeben, ist natürlich möglich. Habe ich kürzlich hier gezeigt.

Der Begriff »Unterschneiden« kommt aus dem Bleisatz. Dort wurde es erfunden.
Schreibschriften und Pinselschriften mit verbundenen Buchstaben: Ja, diverse.
Randabfallend »drucken«: kein Problem, das macht die Schneidemaschine, auch heute noch, hat mit Satz- und Druckverfahren nichts zu tun.

Nachträglich vermerkt:
* 180 000 Druck pro Stunde – das war gelogen oder, wahrscheinlicher, ein Versehen. 3000 pro Stunde ist die Wahrheit. Schneller geht, mach ich aber nicht.

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Ich kann nur schon mal richtigstellen, was spekuliert wurde, liebe Katrin, pardon, fast alles ist falsch.

 

Dann danke für die Korrektur und ich halte mich zurück.*   :-D

 

*Dabei habe ich doch schon wirklich vorsichtig formuliert, mit jeder Menge Einschränkungen.

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Der Begriff »Unterschneiden« kommt aus dem Bleisatz. Dort wurde es erfunden.

Aber – vermutlich wegen des zu großen Aufwands – nicht allzu regelmäßig praktiziert. Wenn ich heute Bücher aus der Bleisatzzeit lese, fallen mir immer wieder die Lücken in den Wörtern auf, die bei Buchstabenfolgen wie Te, Va, Wo und so weiter entstehen. Bei kursiven Schriften wird das oft richtig unangenehm und ganz besonders schlimm war es bei einem Faulkner-Band, den ich heuer gelesen habe (ich weiß nicht mehr welcher, ich müsste suchen), wo man den Eindruck hatte, dass da jeweils ein großes Leerzeichen nach dem Großbuchstaben am Wortanfang war. Und wenn Ligaturen wie ff eingesetzt wurden, dann waren da die zwei ff im Vergleich zu den anderen Buchstaben wieder viel zu nahe aneinander.

Die Moral von der Geschichte: Zumindest im Mengensatz war das Unterschneiden nicht üblich und im Vergleich zu heutigem Computersatz hat das einfach schlechter ausgesehen (auch beispielsweise bei den früheren Bänden der Anderen Bibliothek).

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Kommt immer auf die Schrift an, das kann man für den Bleisatz an sich nicht verallgemeinern. Es gibt ja auch viele Schriften mit Überhängen. Theoretisch ist das also im Bleisatz ebensowenig ein Problem wie im digitalen Satz. Bei dem einen macht die Unterschneidung viel Arbeit, wenn die Schrift keine Überhänge hat oder zu eng läuft, beim andern muß der Setzer eine gekernte Schrift haben und das Kerning auch einschalten. In beiden Fällen ist tadelloser Satz möglich und wurde und wird auch praktiziert, ebenso wie schlechter Satz. Wenn es um die Frage nach den technologischen Möglichkeiten geht, nicht nach dem Zeitaufwand und dem Preis oder dem Üblichen, dann sind die Unterschiede nicht groß. Die Frage ist zu ungenau formuliert.

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Wenn es um die Frage nach den technologischen Möglichkeiten geht …

 

Im Ausgangsbeitrag war von »typisch« die Rede. ;-)

Und ich denke auch nur unter dieser Maßgabe ist die Frage sinnvoll. 

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Ein im Bleisatz typisches Layout ist auch heute noch typisch. Ob das nun Bücher, Zeitungen oder Magazine sind.

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Ein im Bleisatz typisches Layout ist auch heute noch typisch. Ob das nun Bücher, Zeitungen oder Magazine sind.

 

Ja eben nicht unbedingt. Genau um die Unterschiede dreht sich die Frage doch. Den Satzspiegel an die Satzkante laufen zu lassen war im Bleisatz-Magazin nicht sonderlich üblich. Die Überschriften mit sich überlagernden Buchstaben zu setzen war im Bleisatz unmöglich. Und daher wurde es dann im Fotosatz als Effekt bis zum Abwinken durchexerziert. Und so weiter und so fort. 

 

Es will doch hier keiner deine Bleisetzer-Ehre beschmutzen – nach dem Motto: »das konnten die armen Bleisetzer damals nicht«. Die Frage war, was die typischen Unterschiede sind. Und die gibt es natürlich. Die Technik bestimmt die Möglichkeiten. 

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Ja eben nicht unbedingt. Genau um die Unterschiede dreht sich die Frage doch. Den Satzspiegel an die Satzkante laufen zu lassen war im Bleisatz-Magazin nicht sonderlich üblich.

Das ist aber keine Frage der Satztechnik, sondern des Entwurfs. Der Beschnitt passiert auch heute in der Schneidemaschine, das hat mit dem Setzen nichts zu tun.

 

Die Überschriften mit sich überlagernden Buchstaben zu setzen war im Bleisatz unmöglich. Und daher wurde es dann im Fotosatz als Effekt bis zum Abwinken durchexerziert.

Fotosatz ist kein heutiges Satzverfahren (siehe Ausgangsfrage), und es war auch nicht typisch, sondern wurde mal hier und da gemacht. In Büchern sicherlich fast gar nicht. Und schließlich konnte man das im Buchdruck auch machen, entweder durch Übereinanderdrucken oder mit einem Klischee.

Also ich kann die Frage wegen ihrer Pauschalität nicht beantworten. Bleisetzer-Ehre – was soll das denn sein? Ich setze ebenso digital. Also ein wesentlicher Unterschied wäre z.B. die Lösung eines Übersatzproblems auf einer Buchseite. Damals mußte man ganze Absätze oder Seiten unter Umständen neu setzen, heute klickt man ein paarmal auf die Maus. Das macht aber die Layouts und die Bücher nicht unterschiedlich. Deshalb frage ich ja, worauf die Frage zielt.

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Und schließlich konnte man das im Buchdruck auch machen, entweder durch Übereinanderdrucken oder mit einem Klischee.

Na klar, das Bleisatz-Magazin zeig mir mal, welches das so durchgezogen hätte wie ein Magazin aus den 70ern z.B. ;-)

Fotosatz habe ich nicht als Antwort auf die Ursprungsfrage genannt, sondern als Beispiel für »Technik beeinflusst Ergebnis«. Überlagernde, verzerrte, gequetsche Buchstaben wurden im Fotosatz möglich und daher auch genutzt. Die Satztechnik hat Layout und Gestaltung maßgeblich beeinflusst. Das ist einfach ein Fakt.

 

Also ich kann die Frage wegen ihrer Pauschalität nicht beantworten.

Dafür schreibst du aber ganz schön viel. ;-)

 

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Rein grundsätzlich gibt es bezüglich Satzspiegel und Layout tatsächlich fast nichts, was Bleisatz im Verhältnis zum Computer nicht auch schon konnte. Allerdings gab es natürlich den gewaltigen Unterschied, daß eigentlich fast alles im Bleisatz mit einem deutlich höheren Aufwand an Arbeit und Zeit verbunden war. Schrifteffekte (was ich nicht unbedingt zum Thema Satzspiegel und Layout zählen würde) wie Schattierungen, Rasterungen, Verzerrungen, Stauchungen etc. waren natürlich im heutigen Sinne nicht oder kaum oder nur mit mehreren Druckgängen möglich. Die Schwächen des Bleisatzes in Sachen Unterschneidung vor allem im Mengensatz fallen im Vergleich zu heutigen gut gekernten Schriften schon eher auf als noch vor zwanzig Jahren, als Computersatz auch noch nicht so toll war. Wobei es auch dort Unterschiede im Bleisatz gab: zwischen Monotypesatz, Linotypesatz und Handsatz lagen stellenweise technologiebedingt Welten in der Schriftqualität bzw. der Zurichtung (Kerning). Wirklich verbundene Schriften, wie man das heute (ja auch erst seit ein paar Jahren richtig) kennt, gab es im Bleisatz natürlich nicht. Selbst bei englischen Schreibschriften sieht man die Anschlüsse. Aber das sind alles nur Details.
Bezüglich Layout und Satzspiegel ist m.E. der wesentliche Unterschied, daß es im Bleisatz festgelegte Schriftgrößen gab und man nicht aus Layoutgründen auf passendere Zwischengrößen skalieren konnte. Zwischen 12p und 14p gab es keine 13p oder 13,5p ...
Der zweite wesentliche Unterschied für Layouter war natürlich, daß es bei weitem weniger Schriften zur Auswahl gab. Selbst die größten Setzereien hatten nur ein paar Dutzend Schriften für den Mengensatz zur Auswahl, in kleineren Setzereien gab es manchmal nur eine Handvoll Schriften dafür. Und im Handsatz war dann auch noch die Schriftmenge begrenzt: Wenn der erste Buchstabe ausging, war Schluß mit Setzen und dann mußte erst gedruckt und wieder abgelegt werden, ehe man weitermachen konnte.

Die Qualität und Farbigkeit von Abbildungen hat auch nichts mit Layout oder Satzspiegel zu tun, sondern ist eine Frage der Drucktechnologie. Der Hoch- bzw. Buchdruck hat bei Rasterungen eine natürliche Grenze in der Auflösung, die dadurch entsteht, dass der zu druckende Punkt ja physisch auf der Druckplatte so erhaben und stabil stehen muss, dass er noch ins Papier gepresst werden kann. Bei einer zylindrischen Druckform ist das noch komplizierter als bei einer plan liegenden. Der meines Erachtens heute in der Praxis maximal machbare Raster im Buchdruck ist ein 60er Raster (aber nur auf sehr glatter Papieroberfläche), was im Vergleich zu Offset und Digital ziemlich grobmotorisch ist. Weshalb heute kaum noch jemand soetwas versucht. Wenn man heute im Buchdruck überhaupt noch Raster druckt, dann meist viel gröber. Zum einen, weil man es nicht besser in dieser Technik kann, zum anderen, weil gerade das Grobe ja seine Reize gerade im Buchdruck oder Letterpress hat. Es kann natürlich sein, daß es zu den Glanzzeiten des Buchdrucks auch Drucker gab, die feinere Raster als 60er drucken konnten.

Wenn sich die Frage nicht auf den Bereich Layout/Satzspiegel im Vergleich Computer/Bleisatz beschränken würde, sondern man viel allgemeiner fragen würde, was denn in der Kombination Bleisatz/Buchdruck im Vergleich zur Kombination Computersatz/Digitaldruck so alles möglich oder nicht möglich wäre, würden deutlich mehr Unterschiede rauskommen. Interessant wären bei einer solchen Frage auch die Möglichkeiten der Kombination von Computersatz mit Hochdruck. Aber dazu müsste ich wesentlich mehr schreiben und deshalb will ich erstmal nur die gestellte Frage beantworten.

PS: Martin, du bist jetzt schnellster Hochdrucker der Weltgeschichte - Respekt!  :hammer:

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Auf der anderen Seite hatte der Bleisatz aber auch etwas, das erst jetzt ganz langsam, und erfreulichwerweise sogar bei Windows-Systemschriften wieder aufzutauchen beginnt: Unterschiedlich, an die jeweilige Schriftgröße angepasste Schriftschnitte.

 

 

Mit Aufkommen des Computersatzes war dann Kleingedrucktes oft viel zu mager und viel zu detailreich, weil die meisten Schriften eben mach Book-Schnitten digitalisiert waren.

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Den Satzspiegel an die Satzkante laufen zu lassen war im Bleisatz-Magazin nicht sonderlich üblich. 

Was meinst du damit? Ich kann mir nichts darunter vorstellen. Könntest Du eventuell ein Bild zeigen? 

 

Die Überschriften mit sich überlagernden Buchstaben zu setzen war im Bleisatz unmöglich. 

Das stimmt nicht - falls ich das richtig verstehe. Rein technisch ist das kein Problem mit (mindestens) zwei Druckformen. Ist bestimmt auch gelegentlich gemacht worden, hat sich aber nicht wirklich verbreitet. Auf Einblattdrucken und Plakaten findet man das aber vermutlich etwas häufiger - ich mach das selbst manchmal. Aber abgesehen davon: ich sehe soetwas auch im Computersatz eher selten ...

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Das stimmt nicht - falls ich das richtig verstehe. Rein technisch ist das kein Problem mit (mindestens) zwei Druckformen. Ist bestimmt auch gelegentlich gemacht worden, hat sich aber nicht wirklich verbreitet. 

 

Eben! Natürlich nicht. Weil es im normalen Satz eben nicht ging. 

Herrje, liebe Bleisetzer. Was ist an »typisch« so schwer zu verstehen? 

Der Fotosatz und der Digitalsatz haben einen »Schalter« für beliebig große, negative Laufweite. Es ist ein Gestaltungsparameter der ohne irgendeinen Mehraufwand zur Verfügung steht und z.B. für eine komplette Magazin- oder Anzeigenreihe problemlos einfach aktiviert werden konnte und kann – im Bleisatz nicht. Das macht den Unterschied. 

Schaut euch ein U&lc-Magazin aus den 1970ern (Fotosatz) an; schaut euch ein Frontpage- oder RayGun-Magazin aus den 1990ern (Digitalsatz) an. Die Satztechnik und ihre spezifischen Möglichkeiten schreit euch förmlich an. 

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Ralf, natürlich hast Du Recht mit der Bemerkung, dass die Satz-Technologie maßgeblich die Gestaltung prägt. Ich hatte die Frage aber so verstanden, daß es um technisch bedingte Einschränkungen beim Bleisatz lediglich in Bezug auf Satzspiegel und Layout gehen sollte. Also um Dinge, die man im Bleisatz nicht machen konnte. Da ich hauptsächlich Bücher mache beziehe ich soetwas in der Regel auf Bücher. Und da ist es eben immer noch so, daß es in den allermeisten Fällen total egal für den Satzspiegel und das Layout ist, ob ich in Blei oder am Computer setze. Ich bin zwar leider bezüglich der zwei von dir genannten Magazine etwas ahnungslos, die U&L kenn ich dafür ganz gut. Aber irgendwelche Avantgardemagazine sind ja nun gerade nicht die Verkörperung "typischer" Gestaltung. "Typisch" wäre nach meinem Verständnis eher der Mainstream. Also ein ganz normales Buch, eine ganz normale Zeitschrift oder Zeitung. Und da gibts dann halt wirklich nicht so viele technologiebedingte relevante Unterschiede zwischen der FAZ von 1950 und der Papierausgabe von heute, einem normalen Krimi oder Bildband von heute und vor 60 Jahren. Die Schrift-Moden haben etwas gewechselt, die Farben und Papiere sind heute etwas bunter etc - aber eigentlich nichs Wesentliches. Das betrifft meiner Meinung nach die allermeisten Bücher und mit gewissen Abstrichen auch die Tages- und Wochenzeitungen.

Bei Magazinen (und sicherlich auch in einigen Werbedrucksachen und sicher auch einigen Bild-Text-Bänden im Buchbereich) ist das wirklich etwas total anderes: Der Verbund von Schrift, Bild und zusätzlichen grafischen Mätzchen ist durch den Computer natürlich ein ganz anderer geworden als noch vor 10 oder 20 oder gar 30 Jahren. Schrift-Bild-Montagen wie heute waren entweder gar nicht möglich oder nur mit so viel Aufwand, daß man sie nicht häufig machen konnte. Was Du mit den unterschnittenen Schriften meinst, habe ich zwar immer noch nicht kapiert - aber wichtige und häufige Elemente heutzutage sind natürlich unterlegte Fonds, Negativschriften (! - im Buchdruck selten gern gesehen), ins Bild laufende Schriften, Freisteller, integrierte Tabellen und Diagramme, die Verwendung extremer "Light"-Schnitte (gabs erst ab dem Fotosatz) etc. - Alles Dinge, die im Bleisatz nicht oder nur extrem aufwändig und trotzdem schlechter als heute machbar gewesen wären und deshalb - wenn überhaupt - nur selten gemacht wurden. Wobei all diese Dinge aus meiner Sicht nicht unbedingt unters Thema Satzspiegel/Layout fallen. Zumindest bei einem Buchgestalter nicht ...
 

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Gast Schnitzel

Vielleicht sollte man auch den Begriff Einschränkungen genauer definieren: Geht es nur um ›das geht technisch gar nicht‹ oder auch um ›das hätte man schon irgendwie hinbekommen, die Frage ist nur ob sich der Aufwand lohnt‹? Ich würde letzteres einschließen, wenn man von alltäglichen™ Arbeiten ausgeht und nicht von exorbitant künstlerischen Werken a la Schwitters ...

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Auf der anderen Seite hatte der Bleisatz aber auch etwas, das erst jetzt ganz langsam, und erfreulichwerweise sogar bei Windows-Systemschriften wieder aufzutauchen beginnt: Unterschiedlich, an die jeweilige Schriftgröße angepasste Schriftschnitte.

Hier muß ich der Vollständigkeit halber aber mal auf TeX und Metafont hinweisen. Die stammen aus den späten 70er Jahren und haben von Anfang an mit größenabhängigen Entwürfen gearbeitet. Viele Jahre lang fanden da Rasterschriften Verwendung, die wurden mit Metafont aus einer größenabhängigen mathematischen Beschreibung für den Zieldrucker erzeugt, d.h. in dessen Auflösung und sogar unter Berücksichtigung des Druckbilds (z.B. Korrekturen für verlaufende Farbe bei Tintenstrahlern), und dann für alle definierten Schriftgrößen einzeln in TeX geladen. Als später (90er Jahre?) Vektorschriften in TeX benutzbar wurden, gab es einerseits die klassischen TeX-Schriften in verschiedenen Entwurfsgrößen als Vektorschriften und andererseits alle möglichen anderen Schriften, die dann tatsächlich auch da skaliert wurden.

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Das stimmt natürlich, und war ja letztlich auch der Grund, warum sich Prof. Knuth an TeX und Metafont heran gemacht hat,  da er sich eben über die Einschränkungfen des frühen Computersatz schwarz geärgert hat.

 

Eigentlich schade, dass nach Computer Modern so wenig MetaFont-Schriften, die dann wirklich modern wirken geschaffen wurden, die eben die spezielle Art der Schriftbeschreibung nutzen, und damit eben auch Entwurfsgrößen-abhängige Modifikation quasi automatisch ermöglichen.

 

Wird tn TeX (LaTeX, XeTeX) mit Outlineschriften gesetzt, hat man zwar vdie Feinheiten eines digitalen Schruiftsetzers im Programm, der kann aber dann wieder nicht von der Schriftgröße abhängige Glyphenformen nutzen - ich glaube nicht, das Prof. Knuth damit so glücklich wär. - ist ja eigentlich ein Rückschritt.

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Wird tn TeX (LaTeX, XeTeX) mit Outlineschriften gesetzt, hat man zwar vdie Feinheiten eines digitalen Schruiftsetzers im Programm, der kann aber dann wieder nicht von der Schriftgröße abhängige Glyphenformen nutzen - ich glaube nicht, das Prof. Knuthz damit so glücklich wär. - ist ja eigentlich ein Rückschritt.

Ja, handelsübliche Vektorschriften ohne Entwurfsgrößen sind im Vergleich zu Metafont-Schriften ein Rückschritt – wenn nur ein Entwurf existiert, dann kann auch TeX nichts weiter machen als zu skalieren. Aber technisch hindert einen ja nichts daran, Vektorschriften in mehreren Entwurfsgrößen zu erstellen und dann als eine Schrift in TeX einzubinden. Solche Sätze von Vektorschriften wurden für die wichtigsten Metafont-Schriften erstellt, und wenn sich jetzt auch anderswo dieses Prinzip so langsam durchsetzt, dann sind diese Schriften mit TeX nutzbar.

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Wir hatten das ja letztens als Schriften-Tip mit der Sitka aus Windows 8.1 ( http://www.typografie.info/3/page/Schriften/fonts.html/_/sitka-r197 ) die es immerhin schon mal in 6 Entwurfsgrößen, jeweils im Standardquartett Normal - Fett - Kursiv und Fett-Kursiv gibt.

 

Schön wäre jetzt natürlich noch, wenn die Software abhängig von der Ziel-Schriftgröße dann auch noch selbst zwischen den 6 Entwurfsgrößen wählen könnte - aber das kommt vielleicht ja bei Windows12?

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Schön wäre jetzt natürlich noch, wenn die Software abhängig von der Ziel-Schriftgröße dann auch noch selbst zwischen den 6 Entwurfsgrößen wählen könnte

Ich bin zwar sicher, daß Du das weißt, aber für diejenigen Mitlesenden, die TeX nicht so gut kennen: genau das geht mit TeX schon seit eh und je.
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In diesem Falle meinte ich auch mehr diw WYSIWYG-Welt von Windoof  Word & Co.  Das die WYGIWYW*) -Welt von TeX (usw) da in euiner ganz anderen Liga spielt, sollte eigentlich klar sein

WYGIWYW = What You Get Is What You Want.

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Danke für die hilfreichen Antworten,

 

das Setzen aus den Lettern war natürlich eine große Erfindung, aber sonst würde es nicht abgelöst, wenn nicht innovativen Erfindungen dazu kamen. Deswegen auch meine Frage. Es hat mich sehr gefreut, dass dieses Thema so ausgeschweist wurde, aber leider benötige ich nur ein paar präzise Aussagen.

 

könnte ich zusammenfassend sagen, dass mit den neuen Erfindungen

 

-es mehr Möglichkeiten bei der Gestaltung mit  grafischen Effekte gab

-die Möglichkeit bei der Wortabstandausgleich erleichtert und weiterentwickelt wurde

- die Schriftgrößen im Gegensatz zu heute beeinschränkt waren

 

bitte nicht zu sehr in die Details zu gehen, denn ich brauch wirklich nur die wesentlichsten Kriterien, die es im Vergleich von Früher zu Heute  gab

 

 

 

und noch eine Frage, wie hat es den mit den der Verteilung von Text auf einer Seite ausgeschaut? konnte man schon so ein Layout produzieren? Und konnte man Bild und Text gleichzeitig drucken?

(hm ja iwie klappt es net die bilder per url hochzuladen....eig wollte ich hier paar Beispiele zeigen)

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