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Fraktur (Open Type) sperren, ohne dass es die Zwangsligaturen zerreißt?

Empfohlene Beiträge

Harald R.

Hallo an die Wissensgemeinschaft, eigentlich suche ich eine eierlegende Wollmilchsau.

 

  • Wenn ich Frakturtexte nachsetze und dabei Teile sperre, zerreißt es mir bei den *.otf-Schriften von Gerhard Helzel sogar die Zwangsligaturen. Indiskutabel.
  • Benutze ich DS-Schriften von Delbanco, habe ich Sonderbelegungen für die Ligaturen, fürs spätere Druckbild sind sie insofern brauchbar, aber in PDF-Dateien ist die Durchsuchbarkeit dann stark eingeschränkt.

 

Hat jemand einen Tip für gut ausgebaute „Normalfrakturen“ (mindestens mager und halbfett, wenn möglich auch fett), die sich ohne diese Probleme sperren lassen, damit später Dateien gut durchsuchbar bleiben?

 

Stets mit Halbfetten auszuzeichnen oder eine andere Auszeichnungsschrift zu verwenden, würde zu weit von der Anmutung der Vorlagen wegführen (Rechts- und Verwaltungstexte).

 

Ergänzung: Noch kenne ich mich mit Schriftbearbeitungsprogrammen nicht aus; wenn da etwas geeignet ist, vorhandene Fontdateien zu überarbeiten, bin ich auch für jeden Tip dankbar. Gibt es dann etwas lizenzmäßiges zu beachten? Wäre eine selbst erstellte gesperrte Version etwas, wo die vorhandene Lizenz nicht mehr greift?

 

bearbeitet von Harald R.
Ergänzung
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Phoibos
vor 14 Minuten schrieb Harald R.:

Indiskutabel

Das Opentype-Feature "Automatisches Ersetzen" kennt keine Auszeichnungen meines Wissens, aber frage da besser noch mal bei Herrn Helzel nach und schildere ihm Dein Problem. Alternativ wirst du die entsprechenden Glyphen händisch ansteuern (Problem ist hierbei, dass die Ligaturen nicht unicodiert sind) bzw. entsprechend in die Formatierung eingreifen müssen.
Wie sperrst Du denn? Buchstabenabstand vergrößern? Spatia?
Eine gebrochene Schrift mit moderner Technik ist beispielsweise http://unifraktur.sourceforge.net/de/maguntia.html

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Ralf Herrmann

Um welches Satzprogramm geht es dann? Dass eine OpenType-Ligatur beim Sperren aufgelöst wird, entscheidet nämlich das Anwendungsprogramm. Der Font kann das nicht verhindern. Die kodierte Lösung zum Verbinden und Trennen sind Bindehemmer und unsichtbares Verbindungszeichen. Ob das im konkreten Programm funktioniert, ist aber noch einmal ein eigenes Thema. 

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Harald R.

Ich verwende QuarkXpress; Sperrung mit dem eingebauten „Buchstabenabstand vergrößern“.

Das mit dem Bindehemmer und dem unsichtbaren Verbindungszeichen lese ich mir gleich einmal an; ich verwende bisher nur den „Abstand mit Nullbreite“ (könnte der Bindehemmer sein), um t-z in Tatzeit aufzulösen oder um automatisches Lang-s zu verhindern, was bei Haus-tür oder so schon einmal kommt.

Einzeln spationieren — mal ausprobieren, ist eine Fleißsache.

Das händische Einfügen der Glyphen etwa von ch oder ck hat nicht funktioniert; anscheinend weil die, wie Phoibos schrieb, nicht unicodiert sind.

Herr Helzel hat sich leider recht bedeckt gehalten und nur gemeint, bis 1 pt Sperrung (Quark) ginge; ansonsten liefe es auf eine vorgesperrte Schriftversion hinaus.

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Sebastian Nagel

Ja das ist über den Font selbst eigentlich nicht lösbar, sondern Aufgabe des Satzprogramms – da die halt nie wissen, dass sie nach "Frakturregeln" setzen sollen, sezten sie so als hätten sie eine Antiqua (und heutige Rechtschreibung), und da ist das Zusammenhalten einer Ligatur halt nicht vorgesehen. Ja sogar das automatische Auflösen von Ligaturen an Wortfugen im Deutschen ist nicht wirklich automatisch machbar, das wäre ein Wörterbuch mit entsprechenden Markern, oder heutzutage vielleicht eine AI nötig :-)

 

Das Steuerzeichen ZERO WIDTH JOINER (ZWJ), das Ralf schon erwähnt hat, wäre das zu verwendende Werkzeug des Setzers, der mit dem Text arbeitet, um eine Zwangsligatur eben nicht zu sperren – es deutet an, dass der Setzer gerne hätte, dass die beiden Zeichen davor und danach durch eine im Font vorhandene Ligatur ersetzt werden soll und das ganze Ding nicht nur wie eine Glyphe aussieht sondern auch als eine behandelt werden soll (obwohl es ja dann 3 Zeichen sind) ...

 

Jetzt fehlt mir aber die Praxis, und ich weiß nicht, ob das dann wiederum in der Font-Logik spezifisch drin sein muss (ersetze "c ZWJ k" durch "ck_lig") oder das Satzprogramm sich beim Auftauchen des ZWJ im Text auf die im Font befindliche normale Ligatur-Ersetzung (ersetze "c k" durch "ck_lig") stützt, und das ZWJ zusätzlich als Hinweis verwendet, da entgegen der Sperrung eben doch nicht zu sperren ... ersteres würde erfordern, dass der Schriftgestalter/Fonttechniker den ZWJ kennt und sauber eingesetzt hat, letzteres würde "immer" funktionieren, widerspricht aber der eigentlich grundlegenden Logik von Zeichen-zu-Glyphen-Ersetzung in Opentype.

 

Wie weit das alles in xpress implementiert ist, kann ich auch nicht sagen ... Opentype ist dann am Ende doch ein "Produkt" von Microsoft und Adobe, die selbst schon teils ihre eigenen Interessen und Spezialgebiete haben – und die anderen Anwendungen implementieren dann, was sie aus der Gesamtmenge für ihre Zwecke brauchen.

 

So oder so: ohne manuelle Arbeit mit dem Text ist sowas weiterhin schwierig ... Sprache ist nicht komplett programmierbar, zu viele Doppel-Bedeutungen, Unschärfen, ...

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Harald R.
So oder so: ohne manuelle Arbeit mit dem Text ist sowas weiterhin schwierig ... Sprache ist nicht komplett programmierbar, zu viele Doppel-Bedeutungen, Unschärfen, ...

Ja, ich habe gestern abend beim Experimentieren noch ein paar graue Haare mehr bekommen …

mit der „tz“-Ligatur in „Körperverletzung“ ging es so eben, aber die Dreifachligatur „ſſi“ (auch als „ſ“ + „ſi“) in „Fahrlässigkeit“ punktete dann mit der automatischen Ersetzung von Lang-ſ zum Schluß-s als  „ſ s i“.

Da bleibt noch viel Handarbeit.

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Phoibos
vor 40 Minuten schrieb Harald R.:

der automatischen Ersetzung von Lang-ſ zum Schluß-s als  „ſ s i“.

Da bleibt noch viel Handarbeit.

Wie so oft: Wenn ich es gut und richtig (nach meiner Vorstellung) haben will, muss ich es selbst machen. Diese automatischen Ersetzungen sind sehr nett, aber letztlich auch nur tumbe Algorithmen. All die Ausnahmen und Kann- und Muss-Regeln sind nicht implementierbar, sonst bräuchte es keinen Duden etc. mehr. Oder die Fonts wären ein paar hundert Megabyte groß 😄

  • Gefällt 1
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Harald R.

Besten Dank. Ich schrieb ja eingangs: „eigentlich suche ich eine eierlegende Wollmilchsau“, und man sieht, daß die auch auf dieser Spielwiese ein sehr scheues Wesen ist. (Das habe ich 2015 schon mal in anderem Zusammenhang in einem Fachbuch geschrieben.) Hätte ja sein könne, fragen kostet nichts (nur Anwälte tun sich damit schwer 😉).

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