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Was denkt ihr über Corporate-Lizenzmodelle?

Hervorgehobene Antworten

Vielleicht ist das ja jetzt die unvermeidliche Folge der Durchsetzung der OFL-Schriften durch Google. Ich sehe das gerade auch in einem ganz anderen Software-Bereich: der Forensoftware, die wir hier einsetzen. Früher gab es da einen breiten Markt mit Angeboten in jeder Preisklasse. Seit über 10 Jahren ist aber der Siegeszug der Open-Source-Lösung Discourse unaufhaltbar, aktuell schon mit weit über 30 % Marktanteil, Tendenz weiter steigend. Die Anbieter kommerzieller Lösungen können dem nicht einfach ähnliche, aber kommerzielle Lösungen gegenüberstellen. Also ändern sie die Zielgruppe und gehen in den Corporate-Bereich, wo sie jetzt wenigen, aber dafür finanzstarken Nutzern die Software für das zwanzigfache der früheren Preise anbieten. 

Vielleicht passiert diese Marktaufspaltung ja jetzt auch im Fontbereich. Für die Masse gibt es Google-Fonts und die großen Warenhäuser (MyFonts, Creative Market etc.), während sich die unabhängigen Foundrys davon wegbewegen und eher teure Corporate-Design-Schriften für eine nun kleinere Zahl von Kunden anbieten. :-?

vor 45 Minuten schrieb Ralf Herrmann:

Vielleicht passiert diese Marktaufspaltung ja jetzt auch im Fontbereich.

Sollen dann mitarbeiterzahlbasierte Preise so abschreckend wirken, dass man doch lieber eine Hausschrift kauft? Oder sollte man dann als Foundry nicht doch ins Marketing investieren und potenzielle Kunden proaktiv direkt ansprechen? Dabei könnte ich mir wohl vorstellen, dass dieser Markt eventuell nicht die erforderliche Größe hat. Wie gesagt, ich wüsste gern, ob diese Lizenzmodelle in der Praxis funktionieren und Umsatzzuwächse generieren.

Ich kann nachvollziehen, dass Adobe seinerseits das blöde Abo-Modell aufgesetzt hat, weil sie wussten, dass ihnen der Großteil des Marktes schon gehört. Aber angesichts der vielen von Ralf schon genannten Umsonst- und Preiswerter-Alternativen, fehlt den Unabhängigen dann doch der Marktdruck. Selbst wenn alle diese Foundrys irgendwann das »neue« Modell fahren – wird das nicht einfach irgendwann zur Folge haben, das Google und Myfonts früher und mehr »avantgardistische« Schriften haben?

Bearbeitet ( von Norbert P)

Hallo,

 

vor 43 Minuten schrieb Ralf Herrmann:

Vielleicht ist das ja jetzt die unvermeidliche Folge der Durchsetzung der OFL-Schriften durch Google. ...

Ich sehe da eine umgekehrte Ursache-Wirkung-Reihe. Das erscheint mir aus der Sicht der Nutzer logischer. Allerdings ist die Sicht der OSS-Anbieter etwas komplexer und aus der Sicht eines einfachen Nutzers schwerer zu durchschauen.

 

MfG

vor 11 Stunden schrieb Norbert P:

Wie gesagt, ich wüsste gern, ob diese Lizenzmodelle in der Praxis funktionieren und Umsatzzuwächse generieren.

Dinamo hatten ein paar Monate, nachdem sie das Lizenzmodell umgestellt hatten, einen Newsletter dazu rausgeschickt: Ist schon etwas her, aber zumindest damals war das Resümee, dass sich die Umstellung gelohnt hat.

Zitat

Two things we believe are true:
1. The value & exposure of a font grows relative to client size
2. The client should pay for production cost (incl. fonts), not the designer

Die erste Annahme ist nicht richtig, wie auch die Diskussion hier ergibt.

Die zweite Annahme ist erst mal richtig, wird ja zumeist schon lange so gehandhabt. Von der Unternehmensgröße auf den Einsatz des Fonts zu schließen geht in vielen Fällen gut, in vielen Fällen aber auch nicht. 

Wenn Dinamo mit den dann wenigeren Kunden genauso viel Geld verdienen kann, hat es sich wenigstens für Dinamo kurz mal gelohnt, auf Dauer wird es eher schaden, so mein Blick in die Glaskugel.

  • Ersteller

Man muss natürlich dazu sagen, dass die Fonts von Dinamo sich größtenteils auch für Corporate-Projekte eignen. Das sehe ich bei vielen der anderen Foundrys die das Modell jetzt nutzen nicht so sehr.

  • Ersteller

Etliche der Foundrys versuchen Möglichkeiten zu finden wie Projekte aus dem Kunst- und Kulturbereich trotzdem noch finanzierbar sind. Entweder mit Rabatten – teilweise bis zu 50 Prozent – oder mit niedrigen Einstiegspreisen bei kleineren Firmen.

Mehrere Foundrys (z.B. Dinamo und Typejockeys) sind auch noch bei FontStand vertreten und dort lassen sich die Fonts zu ganz normalen Konditionen mieten. Erlaubt ist dann beispielsweise auch die Gestaltung von Logos – das klammern viele Foundrys ja aus den Desktop-Lizenzen aus. 

Bearbeitet ( von Microboy)

Hallo,

 

ich habe jetzt mal aus Neugier folgendes angesehen:

Typeface: Draculon 
Designer: Ray Larabie 
Year: 2006 
Publisher: Typodermic 

http://www.identifont.com/show?MG4 


https://typodermicfonts.com/draculon/ 

Die Schrift für Cover einer Buchreihe oder andere Medien (CD, DVD), kleine Grafikabteilung im Verlag mit einem halben dutzend An- und Verwesenden … ähm … ich meinte Mitarbeitern.

 

Lizenzen gibt es bei:

  • Font Bros
  • MyFonts
  • FontSpring

Fontspring bietet Worry-Free Desktop-License an. Das sollte dafür passen? MyFonts müsste ich noch mal ansehen und verstehen. Das muss ich dann auch mal noch dafür ansehen:

 

Typeface:	ITC Viner Hand
Designer:	John Viner
Year:		1995
Publisher:	ITC


http://www.identifont.com/show?3FR

 

Das ist noch aus Erinnerungen an die distanzierte Betrachtung zu Diskussionen zu einem realen Projekt um 2010. Daran war ich nicht beteiligt. Die Drakulon hat mich schwer beeindruckt und ist mir im Gedächtnis geblieben. Vor zwei oder drei Wochen habe ich meine Notizen zum Thema 16tes und 17tes Jh überarbeitet und bin auch wieder darauf gestoßen.

 

Bei No-Budget? Da fällt mir erst mal nix ein … oder vielleicht …

 

Typeface:	Jim Nightshade
Publisher:	Astigmatic One Eye Typographic Institute
License:	SIL/OFL

https://www.1001fonts.com/jim-nightshade-font.html

 

… oder mal unter angefressene Kanzleischriften suchen …

 

Leider bin ich nicht routiniert bei der Suche nach kommerziellen Lizenzen. Aber der Zeiteinsatz gehört in die Rechnung.

vor 16 Minuten schrieb Oliver Weiß:

Vielleicht sollte ich da ja mitziehen?

Latürnich. Und zwar als Abo-Modell! Pro Viewer natürlich, denn die Wertschöpfung bleibt ja nicht bei dem*r Designer*in, der*die Deine Schrift nutzt. Auch die Firma, für die er*sie die Schrift einsetzt, generiert Wert aus dieser Schrift. Und dann auch natürlich für all die Kund*innen, die dann das Produkt erwerben, die haben ja auch einen Mehrwert davon. Puh, ich sehe, dass in zehn Jahren sich niemand mehr einen Tisch leisten können wird.

Bearbeitet ( von Phoibos)

  • 2 Wochen später...
Am 13.10.2025 um 19:31 schrieb StefanB:

Du bist ja sehr optimistisch, dass die anderen Foundries, die noch nicht umgestellt haben, das in Zukunft nicht auch machen werden. 😅

Keine Angst, da werden noch viele Foundries übrig bleiben. Unsere Kundinnen und Kunden geben uns beispielsweise regelmäßig positives Feedback über unser einfaches, wenngleich auch tendenziell näher am traditionellen Weg orientierten Modell. Aus meiner Sicht löst das Corporate-Lizenzmodell zwar einige Probleme, schafft aber mindestens im selben Maße neue, die meisten sind hier ja auch diskutiert worden. 

Am 14.10.2025 um 20:51 schrieb StefanB:

Dinamo hatten ein paar Monate, nachdem sie das Lizenzmodell umgestellt hatten, einen Newsletter dazu rausgeschickt: Ist schon etwas her, aber zumindest damals war das Resümee, dass sich die Umstellung gelohnt hat.

Womit nicht automatisch belegt ist, dass Foundries, die nicht diesem Modell folgen, nicht ähnliche Umsatzsteigerungen verzeichnen können.

  • 1 Monat später...

Wird wohl bald der Punkt erreicht sein, an dem die Liste von Foundries ohne Corporate-Lizenzmodell kürzer ausfällt als eine mit. :hammer:

  • 1 Monat später...
  • 2 Monate später...
  • Ersteller

Narrow Type vertraut inzwischen auch darauf.

»… pricing is based on company size—a widely used model in the type industry.«

Wobei man sagen muss, dass sich die Preise aktuell noch in Grenzen halten. So kostet die Desktop Lizenz der Banter Grotesk mit 12 Schnitten plus VF für eine Person 199 Euro. Für eine Firma mit 5 Personen sind es 299 Euro und bei 10 Personen wiederum 398 Euro. Bei 50 Personen sind es 998 Euro.

Bearbeitet ( von Microboy)

  • 2 Wochen später...
  • Ersteller
21 Stunden her, StefanB schrieb:

Bureau Brut hat auch umgestellt.

Interessant wie die Preise inzwischen angepasst werden.

Die Brut Grotesque kostet als Paket mit 40 Schnitten (Module: Desktop, Web, Social Media, Logo, Video) für einen einzelnen Endkunden ohne Mitarbeiter 400 Euro. Hat die Firma 2 bis 5 Mitarbeiter werden 480 Euro fällig. Bei 6 bis 10 Mitarbeiter sind es dann schon 2800 Euro. Allerdings kann man ab 6 Mitarbeitern verschiedene Lizenzoptionen bzw. Module (Social Media, Logo, Video) abwählen die bei weniger Mitarbeitern inklusive sind. Reduziert man mit 6 bis 10 Mitarbeitern auf Desktop, Web und Social Media sind es 700 Euro für das Paket. Bei 50 Mitarbeitern kostet die reine Desktop-Lizenz 1680 Euro. Stockt man auf Web, Social Media, Logo sowie Video auf sind es 5280 Euro.

Insgesamt also noch moderate Preise. Aber eben nur wenn man sich auf bestimmte Einsatzgebiete (Module) beschränkt. Und man muss natürlich die Lizenz erweitern wenn die Anzahl der Mitarbeiter steigt. Das führt dazu, dass sich mit dem 6 Mitarbeiter die Lizenzkosten verfünffachen ...

  • Ersteller

Comma Type rechnet ebenfalls nach Firmengröße ab ...

»There is currently a shift in the type design world aimed at simplifing licensing practices and we hope this page helps to clarify our approach. We follow the new value-based license model as introduced by ABC Dinamo, as opposed to the former use-based model.

A typeface is a design asset that brings value to the client who commissions the design. Thus, we believe a typeface should be licensed and paid for by the client – not by the designer or design agency (as before). The idea is that a typeface is factored into the project budget in the same way as licensing fees for other assets such as photography or illustration.

The graphic designer acts as facilitator between the client and the type foundry. Designers are provided with full Trial Fonts free of charge to create their proposal.

Once a typeface has been chosen for the project, the client purchases the appropriate License Types for use in their project. The pricing depends on metrics such as Company SizePipeline Stage, eligibility for Discounts, and whether the font will be shared with Subcontractors.

If a designer wants to use a font for multiple clients, it must be licensed and purchased by each client individually.«

Am meisten stört mich, dass immer wieder behauptet wird, das Lizenzmodell wäre einfacher. Das Gegenteil ist der Fall und noch dazu müssen die Lizenzen aktuell gehalten werden.

bandit

Bearbeitet ( von Microboy)

Ich hab das Zitat mehrfach lesen müssen, um irgendwie auch nur halbwegs zu verstehen, wonach sich die Lizenz richtet. Da kann man doch gleich einen Lizenzbeauftragten einstellen …

Und schön, dass man jetzt bloß »Facilitator« ist. Da kann man auch ruhig etwas mehr vom Budget abgeben, das wird nämlich nicht größer, nur weil es ein anderes Lizenzmodell gibt.

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