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Was denkt ihr über Corporate-Lizenzmodelle?

Hervorgehobene Antworten

  • 2 Monate später...
  • Ersteller

La Bolde Vita hat jetzt auch entsprechende Lizenzbedingungen …

 

»Font licensing can be a pain in the arse, we know that. There's a lot of licensing systems out there and everybody does it differently. Our old license mixed desktop and web use into one package (which we think is nice and already simpler than most), but it still relied on things like CPU counts and monthly website visitors as core metrics. Those actually aren’t that specific but confused people in multiple ways. Also it meant keeping track of technical details that didn’t really reflect how you actually use fonts day-to-day.«

8-)

Ich bin bei der Company Based Lizenz ja hin und her gerissen, überlege ständig und bleibe dann doch bei der klassischen Lizenz(alles getrennt), vor allem, weil die Lizenzen der Reseller dann komplett anders wären.

 

Bei der klassischen Lizenz ist immer die Angst da, dass riesige Firmen mit 4 festangestellten Grafikern eine Schrift kaufen, 4 Desktop Lizenzen kaufen und damit dann abgedeckt sind*. Bei der Company Based Lizenz wäre die Vergütung fairer. 

Aber bei einmaligen Projekten á la CD Cover oder Weihnachtskarte die Company Based Lizenz zu verwenden, wäre für ein Unternehmen eine wirtschaftliche Katastrophe.

Man muss also unterscheiden, ob die Schrift für ein Corporate Design verwendet werden soll, oder für ein (einmaliges) Projekt.

Es müsste also noch eine Zwischenlösung geben. Vielleicht die Company Based Lizenz und zusätzlich eine Projekt Lizenz, die vielleicht nur 25% kostet und zeitlich begrenzt gültig ist. 

* ja, der Webfont käme sicher noch dazu, wenn alle Mitarbeiter die Schrift auch benutzen wollen, eventuell eine Server Lizenz oder noch mehr Desktop Plätze… Aber eben auch nur vielleicht.

Ich frage mich gerade, was die Anzahl der Mitarbeiter eines Unternehmens mit dem (theoretischen) Mehrwert, der durch Schriftanwendung erzielt wird, zu tun hat. Insbesondere, wenn dann noch 99,9 % in Produktentwicklung, Fertigung, Vertrieb und Verwaltung tätig sind …

Bearbeitet ( von Norbert P)

vor 2 Stunden schrieb Norbert P:

Ich frage mich gerade, was die Anzahl der Mitarbeiter eines Unternehmens mit dem (theoretischen) Mehrwert, der durch Schriftanwendung erzielt wird, zu tun hat. Insbesondere, wenn dann noch 99,9 % in Produktentwicklung, Fertigung, Vertrieb und Verwaltung tätig sind …

Große Unternehmen ziehen einen größeren Wert aus ihrem Corporate Design als kleine Unternehmen. Warum? Weil es in großen Unternehmen mehr Berührungspunkte gibt zwischen den Menschen und denjenigen Designelementen, die das Unternehmen repräsentieren und auf die Menschen wirken. Die Schrift ist eines der wichtigsten dieser Elemente, weil sie zur gleichen Zeit Inhalte und eindeutige Markenzugehörigkeit übermitteln kann. Bei anderen visuellen Elementen ist das schwieriger.

Was ist ein kleines Unternehmen? Was ein großes? Es gibt verschiedene Metriken, um das zu definieren. Die Anzahl der Mitarbeiter ist eine Kennzahl, die sich einigermaßen leicht feststellen lässt. Man könnte stattdessen nach Ertrag oder Umsatz gehen (was in manchen Lizenzen auch gemacht wird) oder nach Standorten oder Anzahl der auf dem Markt befindlichen Produkte oder oder oder.

Umsätze und Erträge lassen sich durch Buchführungstricks leicht wegrechnen. Es soll vorkommen, dass auch unter den größten Unternehmen einige anhand ihrer Bilanzen (leider, ach leider …) nicht einmal in der Lage sind, Steuern zu zahlen. Leibhaftige Mitarbeiter zu leugnen, ist dagegen schwieriger – aber natürlich auch nicht unmöglich, zum Beispiel durch verschachtelte Konstrukte mit Tochterunternehmen und Briefkastenfirmen.

Dass zurzeit (nicht nur) immer mehr Foundries für die Mitarbeiterzahl als Kenngröße optieren, hat jedenfalls in erster Linie praktische Gründe.

Bearbeitet ( von D2C)

Das mag jetzt beispielsweise im Fall der Autoindustrie irgendwie plausibel* erscheinen. Doch was ist mit einem Buch, das vielleicht 2000-mal verkauft wird, aber in einem Verlagskonzern mit 2000 Mitarbeitern erscheint? Was ist die berechtigte Grundlage für die Honorierung der Schrift, die auf dem Cover zum Einsatz kommt (und danach wohl nie wieder)? In der Praxis ist es übrigens so, dass (vor allem) die größeren Verlage den Einsatz von Schriften außerhalb der von ihnen lizenzierten Bibliotheken untersagen.** 

Wird so ein Lizenzmodell langfristig dazu führen, dass diejenigen, die es sich leisten können, Hausschriften haben und alle anderen lieber auf Google-Fonts zurückgreifen? Oder kommen wir irgendwann zu einem Rent-a-Font-System wie Adobes Abo-Modell? Und wie sehr wird das die Freiheit von Gestaltern einschränken? Und von kleinen, unabhängigen Schriftentwerfern? Wird deren USP dann ein klassisches Kauf-pro-Arbeitsplatz-Modell sein (müssen)?

Fragen über Fragen … sorry.

*)Ketzerisch nachgefragt: Wäre das dann nicht eher ein Grund, die Vergütung des Designers, der das Corporate Design entwickelt, entsprechend anzupassen, statt des Preises für dessen »Werkzeug«?

**) Begonnen hat das allerdings, weil man dort offene Daten archivieren bzw. zu E-Books umbauen wollte.

 

vor 15 Stunden schrieb Identity Letters:

Bei der klassischen Lizenz ist immer die Angst da, dass riesige Firmen mit 4 festangestellten Grafikern eine Schrift kaufen, 4 Desktop Lizenzen kaufen und damit dann abgedeckt sind*. Bei der Company Based Lizenz wäre die Vergütung fairer. 

Die meisten großen Firmen nutzen intern die Hausschrift gar nicht, sondern Systemfonts. Die Hausschrift ist da nur in der Außenwirkung sichtbar, eine Company Based Lizenz wäre hier also auch nicht gerecht. Bei b2b sind auch die Kontaktpunkte oft verschwindend gering, Hausschriften werden grad mal auf einer Fachmesse oder in einem Produktprospekt gesehen, den aber nur eine Handvoll Menschen in die Hand bekommen.

Bei einer riesigen Firma wird das Problem mit einer Company Based Lizenz auch nicht gelöst. Oft gibt es keine festangestellten Grafiker, sondern freie, und eine Agentur dazu. Da werden dann auch nur 4 Lizenzen benötigt, weil Company Based Lizenz.

Ich habe bisher noch keine Lösung gesehen, die alle Fälle gerecht abdeckt.

vor 30 Minuten schrieb Norbert P:

Doch was ist mit einem Buch, das vielleicht 2000-mal verkauft wird, aber in einem Verlagskonzern mit 2000 Mitarbeitern erscheint? Was ist die berechtigte Grundlage für die Honorierung der Schrift, die auf dem Cover zum Einsatz kommt (und danach wohl nie wieder)?

Das ist das große Problem der Company Based Lizenz, dass sie nie fair sein kann. Der eine große Verlag setzt den Titel selbst, muss also für 2000 Mitarbeiter lizenzieren, der andere große Verlag kauft die gestaltete Überschrift als Vektoren vom freien Grafiker, hier musste nur für 1 Mitarbeiter lizenziert werden. Das Ergebnis und die Auflage ist aber in beiden Fällen die selbe, fair ist es nicht.

vor 24 Minuten schrieb Diwarnai:

Bei einer riesigen Firma wird das Problem mit einer Company Based Lizenz auch nicht gelöst. Oft gibt es keine festangestellten Grafiker, sondern freie, und eine Agentur dazu. Da werden dann auch nur 4 Lizenzen benötigt, weil Company Based Lizenz.

Nein, die Agentur bekommt die Schrift von der Firma zur Verfügung gestellt, bzw. muss sie für die Firma kaufen. 

ich zitiere mal Dinamo: "At Dinamo, the license owner is the business entity who commissions the design work. It’s not the commissioned agency, in-house individual, or freelance creative producing the work."

Gerade eben schrieb Identity Letters:

Nein, die Agentur bekommt die Schrift von der Firma zur Verfügung gestellt, bzw. muss sie für die Firma kaufen. 

Das ist dann sicher ein Ausschlusskriterium für viele Agenturen, die dann eben keine Fonts von Dinamo empfehlen und verwenden, weil die Lizenz gar nicht praktikabel umsetzbar ist.

Wenn Dinamo »business entity« als Basis nimmt, wird der Diskussionsbedarf nicht weniger. Bei einem Unternehmen mit 2000 Mitarbeitern kann das die hauseigene 4-Mann-Designabteilung als GmbH & Co. KG sein, die für das Gesamtunternehmen den Außenauftritt verantwortet. Also Basis 4. Es kann aber auch eine nicht-eigenständige Abteilung sein, also Basis 2000. Beide Male identische Strukturen (bis auf eine nur steuerrechtlich relevante Firmierung), aber komplett unterschiedliche Lizenzen. Welchen Sinn ergibt das?

Die hauseigene 4-Mann-Designabteilung als GmbH & Co. KG arbeitet dann aber wieder im Auftrag des Unternehmen mit 2000 Mitarbeitern. Also werden die 2000 Mitarbeiter wieder als Grundlage genommen.

Nur wenn die hauseigene 4-Mann-Designabteilung (GmbH & Co. KG) Werbung für sich selbst macht, dann reicht eine Lizenz für 4 Mitarbeiter.

Und wer soll das alles auseinanderdröseln? Noch ein nicht-hypothetischer Fall: Ein mittelgroßer Verlag produziert für einen Lebensmitteldiscounter, vermittelt von einer kleinen Agentur, eine Sonderauflage eines Backlisttitels, das Cover gestaltet das Zwei-Personen-Freelance-Büro für den Verlag. Viel Vergnügen beim Papierkram.

Bearbeitet ( von Norbert P)

vor 2 Minuten schrieb Norbert P:

Und wer soll das alles auseinanderdröseln?

Als Agentur würden wir dann an der Stelle entscheiden, eine andere Foundry mit realitätsnäheren Lizenzmodellen zu nutzen. 

Und jetzt etwas Hypothetisches: Verlagsgruppe verkauft einen ihrer Verlage im Zuge eines Management-Buyouts oder wie das heißt. Dessen Mitarbeiterzahl sinkt dann von (theoretischen) 1200 auf (faktische) 20. Kriegen die jetzt Geld zurück, wenn sie die früher lizenzierten Schriften weiter nutzen?

Bearbeitet ( von Norbert P)

Aus der Praxis: Gemeinnütziger e.V. mit 15 Mitgliedern kümmert sich tatkräftig und mittels Broschüren etc. um Jugendarbeit, wird dabei von der Stadt und anderen privaten und kirchlichen Trägern mit Know-how und Infrastruktur unterstützt. Es gibt also keinen Auftraggeber. Stadt und Träger treten aber natürlich als Co-Absender in Erscheinung.

Wenn ein neues Erscheinungsbild gefunden werden wollte, sind Foundries mit Company Based Lizenzen raus, weil sich je nach Blickwinkel und Interessenslage alle möglichen Konstellationen für eine Basiszahl konstruieren lassen. Obwohl gerade solche Projekte eine schöne Referenz wären.

vor 46 Minuten schrieb Norbert P:

Und jetzt etwas Hypothetisches: Verlagsgruppe verkauft einen ihrer Verlage im Zuge eines Management-Buyouts oder wie das heißt. Dessen Mitarbeiterzahl sinkt dann von (theoretischen) 1200 auf (faktische) 20. Kriegen die jetzt Geld zurück, wenn sie die früher lizenzierten Schriften weiter nutzen?

beim klassischen Modell könnte man dann ja auch Geld zurückverlangen, wenn die Pageviews weniger werden, oder nur noch 3 statt 5 User mit der Schrift arbeiten. Hat das jemand schonmal gemacht? 🫣
 

Ich selbst nutze ja das klassische Lizenzmodell, kann also nicht aus der Praxis berichten, wie viel zusätzlicher Mailverkehr das Company Based Modell auslöst.  Dafür bräuchten wir mal Infos aus erster Hand. Aber alle Typedesigner hier im Forum nutzen das klassische Modell. 

Bearbeitet ( von Identity Letters)

Hallo,

vor 27 Minuten schrieb Diwarnai:

Aus der Praxis: Gemeinnütziger e.V. mit 15 Mitgliedern kümmert sich tatkräftig und mittels Broschüren etc. um ...

... oder Gewerkschaftler, soziale Bewegungen ... Das kenne ich, ebenso wie technische und wissenschaftliche Dokumentation (B2B). In dem Bereich ist SIL/OFL definitiv das schmerzfreiste. In den letzten Jahren ist die Auswahl an Schriften stark angestiegen und es gibt einiges an Seiten auf denen man relativ bequem suchen kann. Als Fallback gibt es dann noch 100%-Freeware, welche ich aber bevorzugt nur für private Projekte nutze, eher selten für Öffentliches. Meine Altbestände an Lizenzen, idR aus OEM-Software (Corel/Bitstream, MS), benutze ich nur noch privat.

 

Wichtig ist da in meinem Augen eine vollständige Dokumentation der Lizenzen in der eigenen Schriftensammlung. Das frisst zwar auch Zeit, ist aber trotzdem weniger aufwendig als das Jagen nach Lizenzen.

 

Wer mal zu viel Zeit hat kann sich bei verschiedenen Projekten umsehen, welche Schriften da verwendet werden. Da sind Schriften von Google-Fonts sehr weit vorne und das aus guten Gründen. Der kleine gemeinnützige e.V oder die Arbeitsgruppe innerhalb großer Organisationen (Gewerkschaften) sollte sich auf SIL/OFL beschränken. Bereits Systemschriften aus kommerziellen Systemen sind kritisch, da nicht jeder der Mitarbeiter eine Lizenz fürs die Software (OS oder Anwendung/Office) und damit die Schrift hat.

vor 7 Stunden schrieb Norbert P:

Doch was ist mit einem Buch, das vielleicht 2000-mal verkauft wird, aber in einem Verlagskonzern mit 2000 Mitarbeitern erscheint? Was ist die berechtigte Grundlage für die Honorierung der Schrift, die auf dem Cover zum Einsatz kommt (und danach wohl nie wieder)?

Es ist nicht die Verantwortung des Schriftanbieters, ob der Lizenznehmer wirtschaftlich arbeitet oder nicht. Sonst könntest du auch fragen, was die berechtigte Grundlage dafür sei, dass bei nichtkommerziellen (oder bloß unrentablen) Unternehmungen überhaupt etwas für die Lizenz bezahlt werden müsse. Warum Schriftlizenzen Geld kosten, sollte wenigstens uns hier in diesem Forum einleuchten.

vor 7 Stunden schrieb Norbert P:

Ketzerisch nachgefragt: Wäre das dann nicht eher ein Grund, die Vergütung des Designers, der das Corporate Design entwickelt, entsprechend anzupassen, statt des Preises für dessen »Werkzeug«?

Das ist doch gang und gäbe. Value-based pricing ist sogar noch stärker in diesem Bereich verwurzelt als in der Schriftlizenzierung, und auch auch die Nachhonorierung bei Unternehmenswachstum ist hier geläufiger.

vor 6 Stunden schrieb Diwarnai:

Bei b2b sind auch die Kontaktpunkte oft verschwindend gering, Hausschriften werden grad mal auf einer Fachmesse oder in einem Produktprospekt gesehen, den aber nur eine Handvoll Menschen in die Hand bekommen.

Gerade bei B2B sind die gehandelten Werte aber ungleich höher als im Consumer-Bereich. Es wird um die Aufmerksamkeit und Zugewandtheit eines kleineren Kreises gebuhlt, doch im Falle einer Auftragsvergabe (gerade bei großen Unternehmen) wird ein größerer Mehrwert generiert. Es ist wirtschaftlich einfach fast immer so (Kuriositäten wie Twitter mal ausgeklammert), dass Firmen, die mehr Mitarbeiter beschäftigen können, auch mehr umsetzen. Somit hat jede Maßnahme, die die Marktpräsenz und die Wahrnehmung in der Zielgruppe beeinflusst, einen größeren Mehrwert (mit positivem oder negativem Vorzeichen).

vor 6 Stunden schrieb Diwarnai:

Das ist dann sicher ein Ausschlusskriterium für viele Agenturen, die dann eben keine Fonts von Dinamo empfehlen und verwenden, weil die Lizenz gar nicht praktikabel umsetzbar ist.

Ja, das glaube ich auch, und es wird sicher bewusst in Kauf genommen. Die irren Lizenzpreise von Black Foundry (vor der Übernahme durch Monotype) werden ähnliches angestrebt haben. Lieber wenige Verkäufe sehr wertvoller Produkte pro Jahr, das aber zulasten minder einträglicher Lizenzen.

vor 6 Stunden schrieb Diwarnai:

Bei einem Unternehmen mit 2000 Mitarbeitern kann das die hauseigene 4-Mann-Designabteilung als GmbH & Co. KG sein, die für das Gesamtunternehmen den Außenauftritt verantwortet. Also Basis 4. Es kann aber auch eine nicht-eigenständige Abteilung sein, also Basis 2000. Beide Male identische Strukturen (bis auf eine nur steuerrechtlich relevante Firmierung), aber komplett unterschiedliche Lizenzen. Welchen Sinn ergibt das?

Es ist ein Schlupfloch; vielleicht wird aber darauf spekuliert, dass der finanzielle und organisatorische Aufwand, nur zur Umgehung der Schriftlizenzgebühren ein eigenes 100%-iges Tochterunternehmen zu gründen und zu führen, als größere Belastung als die eigentlichen Gebühren selbst betrachtet werden.

vor 5 Stunden schrieb Diwarnai:

Aus der Praxis: Gemeinnütziger e.V. mit 15 Mitgliedern kümmert sich tatkräftig und mittels Broschüren etc. um Jugendarbeit, wird dabei von der Stadt und anderen privaten und kirchlichen Trägern mit Know-how und Infrastruktur unterstützt. Es gibt also keinen Auftraggeber. Stadt und Träger treten aber natürlich als Co-Absender in Erscheinung.

Wenn ein neues Erscheinungsbild gefunden werden wollte, sind Foundries mit Company Based Lizenzen raus, weil sich je nach Blickwinkel und Interessenslage alle möglichen Konstellationen für eine Basiszahl konstruieren lassen. Obwohl gerade solche Projekte eine schöne Referenz wären.

Wenn es schon »company-based« heißt, kann man sich die Fokussierung auf fiskalisch gewichtige Kunden aus der Wirtschaft ja vorstellen. Schöne Referenz hin oder her, die öffentliche Hand ist chronisch klamm. Auch hier kann es also sein, dass das Potenzial vieler kleiner Verkäufe bewusst geopfert wird, um wenige große Verkäufe einzuheimsen. Nicht zuletzt wird dadurch auch Exklusivität hergestellt, die dann wieder Verkaufsargument sein kann.

vor 5 Stunden schrieb Norbert P:

Und jetzt etwas Hypothetisches: Verlagsgruppe verkauft einen ihrer Verlage im Zuge eines Management-Buyouts oder wie das heißt. Dessen Mitarbeiterzahl sinkt dann von (theoretischen) 1200 auf (faktische) 20. Kriegen die jetzt Geld zurück, wenn sie die früher lizenzierten Schriften weiter nutzen?

Das Argument hat nichts speziell mit dieser Art von Lizenzen zu tun, das kannst du auch auf klassische Lizenzen und letztlich auf so gut wie jede andere Transaktione des täglichen Geschäftslebens anwenden. Deine Argumentation wird in allen Fällen gleich erfolgreich sein.

Und noch ein Rückgriff auf den Beginn des Threads; was war eigentlich hiermit:

Am 17.2.2025 um 15:09 schrieb Microboy:

Eben hat man geantwortet, dass man weiß, dass das neue Lizenzmodell nicht ideal für alle Projekte sei und daran arbeitet. Für Cover (Books, Music) wurde mir ein Rabatt von 96 % angeboten. Das wären allerdings immer noch 652,80 Euro für einen einzelnen Schriftschnitt.

Den Preis hier kann ich nicht nachvollziehen: Weiter oben war der Grundpreis für Desktop 810 Euro für einen Schnitt. Das ergäbe mit diesem Rabatt 32,40 Euro. Bei 652,80 Euro wäre der Grundpreis 16.320 Euro; dieser (atemberaubende) Betrag wurde davor nicht genannt.

Prinzipiell finde die Idee eines Rabatts von über 90 % ausschließlich für Musik- und Buchcover reizvoll. Selbst die 652,80 Euro wären bei einer Bestseller-Auflage im Hinblick auf die Gesamtkosten stemmbar – und Dinamo hat sicher das Selbstverständnis, die eigenen Fonts genau dort zu sehen und nicht in schnöden handelsüblichen Auflagen, deren Gestalter dann wohl nicht die Zielgruppe sind.

vor einer Stunde schrieb D2C:

Es ist ein Schlupfloch; vielleicht wird aber darauf spekuliert, dass der finanzielle und organisatorische Aufwand, nur zur Umgehung der Schriftlizenzgebühren ein eigenes 100%-iges Tochterunternehmen zu gründen und zu führen, als größere Belastung als die eigentlichen Gebühren selbst betrachtet werden.

Dass Unternehmen oder Unternehmensgruppen in finanziell und steuerlich unabhängige Einheiten aufgeteilt sind, ist Standard. Alles andere wäre unternehmerischer Wahnsinn. Beispiel Bosch: 486 Tochter- und Regionalgesellschaften. Diese wiederum aufgesplittet in Werke und Forschungsstandorte.

vor 28 Minuten schrieb Diwarnai:

Dass Unternehmen oder Unternehmensgruppen in finanziell und steuerlich unabhängige Einheiten aufgeteilt sind, ist Standard. Alles andere wäre unternehmerischer Wahnsinn. Beispiel Bosch: 486 Tochter- und Regionalgesellschaften. Diese wiederum aufgesplittet in Werke und Forschungsstandorte.

So feingliedrige Aufsplittungen sind zumindest in Deutschland nicht Standard, sondern die Ausnahme. Solche Strukturen trifft man in Deutschland bei einigen Dutzend international tätigen Unternehmen in Konzerngröße an, nicht mehr. Klar gibt es auch im Mittelstand Aufteilungen in Tochterunternehmen, die sind aber weit weniger komplex. Und unter diesen Umständen wird

vor 1 Stunde schrieb D2C:

der finanzielle und organisatorische Aufwand, nur zur Umgehung der Schriftlizenzgebühren ein eigenes 100%-iges Tochterunternehmen zu gründen und zu führen,

nur mit geringer Wahrscheinlichkeit betrieben.

Zugegeben: Wie zuvor argumentiert, sind eben die wenigen finanzstarken globalen Player natürlich die optimale Zielgruppe für das hier diskutierte Lizenzmodell. Aus diesem Blickwinkel sollte der Faktor Tochterunternehmen natürlich bedacht sein, was anscheinend nicht der Fall ist. Vielleicht gibt es einen Passus im einen oder anderen EULA, ich habe mir bei weitem noch nicht alle durchgelesen.

vor einer Stunde schrieb D2C:

Zugegeben: Wie zuvor argumentiert, sind eben die wenigen finanzstarken globalen Player natürlich die optimale Zielgruppe für das hier diskutierte Lizenzmodell.

Aber nur aus Sicht der Foundry. Aus Kunden- und Agentursicht kann man um solche Lizenzmodelle nur einen großen Bogen machen.

vor 4 Stunden schrieb D2C:

Es ist nicht die Verantwortung des Schriftanbieters, ob der Lizenznehmer wirtschaftlich arbeitet oder nicht.

Das widerspricht dann aber der Annahme, dass ein wirtschaftlicher Erfolg auch auf der (Entwurfs-) Leistung  des Schriftanbieters beruht. Insofern wäre ein Zusammenhang zwischen Lizenzsumme und wirtschaftlichem Erfolg/Größe des Unternehmens dann ja doch wieder unsinnig, oder?

Und dass Schriften Geld kosten sollen und müssen, musst du mir nicht erklären. Wirklich nicht.

  • Ersteller
vor 13 Stunden schrieb Diwarnai:

Der eine große Verlag setzt den Titel selbst, muss also für 2000 Mitarbeiter lizenzieren, der andere große Verlag kauft die gestaltete Überschrift als Vektoren vom freien Grafiker, hier musste nur für 1 Mitarbeiter lizenziert werden.

Es wäre schön, wenn sich die EULA über Vektoren aushebeln ließe. Aber ich vermute ganz so einfach ist es nicht … 😞

  • Ersteller
vor 6 Stunden schrieb D2C:

Selbst die 652,80 Euro wären bei einer Bestseller-Auflage im Hinblick auf die Gesamtkosten stemmbar –

Mag sein. Aber in der Regel ist bei Gestaltung des Covers nicht absehbar wie erfolgreich das Produkt wird. Am Ende sind 20 Lizenzen à 90 Euro für 20 weniger erfolgreiche Produkte aber mehr als die eine teure Lizenz für den Bestseller.

 

Ich verstehe, dass man als Foundry daran verdienen möchte wenn ein Global Player die Fonts fürs Corporate Design nutzt. Aber Buchcover, Plakate oder CDs sollten anders behandelt werden.

 

Davon abgesehen haben viele der Foundrys mit den besagten Corporate Lizenzen auch Display-Fonts oder zumindest experimentelle Fonts im Portfolio bei denen ich mich ernsthaft frage wer die zu diesen Konditionen lizenzieren soll.

Etwas meta: Es ist für mich doch echt amüsant, in dieser Diskussion zu sehen, wie Kapitalismus funktioniert. Im Baumarkt vorhin kam mir der Gedanke, dass eigentlich auch der Mensch, der Farbe anmischt, oder der Hersteller eines Hammers so ein Lizenz-Modell verfolgen sollten. Komplexe und vielfältige Lizenzgestaltungen bekamen/bekommen der Content-Branche ja auch schon so gut …

Zum Thema: Mich erinnern diese Lizenzmodelle an die Preis-/Lizenzgestaltung von DTL (glaube, die waren das) früher: »Wir sind teuer, damit Sie exklusiv sind.« bzw. »Familie XYZ ist weltweit limitiert auf 1000 Lizenzen«.

Vielleicht haben es diese Foundries auch schlicht aufgegeben, mit OFL und Freefonts und Fonts aus dunklen Ecken des Internets zu konkurrieren. Insbesondere in einer Welt, die von von zweieinhalb as-a-service-Anbietern dominiert wird (Adobe und Monotype, Google zur Hälfte, weil OFL) und die zu einer immer größeren Simplifizierung von Formen drängt – ich erinnere an das von Ralf gepostete Zitat

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