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Was denkt ihr über Corporate-Lizenzmodelle?

Hervorgehobene Antworten

Seit einiger Zeit gibt es mehr und mehr Foundrys die ihre Lizenmodelle von der klassischen Desktop-Lizenz (Agentur kauft Lizenz nach Anzahl der Mitarbieter/Arbeitsplätze/Drucker) hin zu Corporate-Lizenzen (Endkunde kauft Lizenz nach Mitarbeiterzahl) ändern. Sprich wenn eine Agentur einen Font für drei Kunden einsetzt, müssen diese drei Kunden jeweils separat eine Lizenz erwerben und oft auch aktualisieren wenn die Mitarbeiterzahl steigt.

Grundsätzlich kann das natürlich jede Foundry so handhaben wie sie möchte. Für mich fallen diese Foundrys und ihre Schriften dann aber in den meisten Fällen heraus da die Kosten für kleinere Projekte wie Plakate, Anzeigen oder Flyer schlicht zu hoch sind.

Konkret habe ich gerade den Fall, dass ich ein CD-Cover mit einem Trial-Font gestaltet habe. Als ich den Font lizensieren wollte musste ich feststellen, dass die Foundry ihre Lizenzbedingungen vor zwei Wochen geändert hat. Der Schriftschnitt der ursprünglich 50 Euro als Desktop-Lizenz gekostet hätte soll nun 16.320 Euro kosten.

:peng:

 

Vielleicht wäre es sinnvoll die Foundrys mit den besagten Corporate-Lizenzen mal in einer Liste zu sammeln. Los gehts:

Alt • tf

Approximate Type

Arillatype

Arthur Calame

Blazetype

Branding with Type

Bureau Brut

Comma Type

Dinamo Typefaces

Displaay Type Foundry

Domicile Foundry

Erkin Karamemet

Faire Type

Gallery Type

JTD Type

La Bolde Vita

Lift Type

NaN

Narrow Type

Newlyn

Plain Form

The Pyte Foundry

Typejockeys

VectroType

Bearbeitet ( von Microboy)

Hab spaßeshalber bei Dinamo geschaut: Hier kannst du den Font zwar für ein Kunden-Projekt lizenzieren, Lizenznehmer bleibt aber die Agentur. Mir ist daher nicht ganz klar, was du mit der Corporate-Lizenz meinst, wenn es um den Einsatz in einer Agentur geht?

  • Ersteller
vor 10 Minuten schrieb Diwarnai:

Mir ist daher nicht ganz klar, was du mit der Corporate-Lizenz meinst, wenn es um den Einsatz in einer Agentur geht?

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Wenn du Dinamo-Fonts für einen Kunden nutzt muss dieser die Lizenz erwerben. Du kannst natürlich auch Fonts für dich selbst lizensieren – diese dürfen dann aber nicht für Kunden genutzt werden. Wenn du einen Font für dich und zwei Kunden nutzen möchtest bedarf es dafür 3 Lizenzen in Abhängigkeit der jeweiligen Firmengröße.

Im meinem Fall (Kunde ist eine Medienunternehmen mit etwas über 1.000 Angestellten) würde ein einzelner Schnitt als Desktop-Lizenz dann 810 Euro kosten. Möchte ich mit dem Schriftschnitt ein Logo oder eine Wortmarke gestalten kostet er 2.700 Euro. Kombiniere ich Desktop, Web, Social Media und Logo sind es 3.990 Euro pro Schnitt. Wächst der Kunde und hat mehr als 1250 Angestellte muss ich die Lizenz upgraden und der Schnitt kostet 4.537,50 Euro.

Das mag gerechtfertigt sein wenn der Kunde den Font für sein Corporate Design nutzt – geht es aber um ein einzelnes Produkt wie ein CD-Cover oder ein T-Shirt ist das kaum zu finanzieren.

Die Voraussetzung "… the license owner is the business entity who commissions the design work. It’s not the commissioned agency, in-house individual, or freelance creative producing the work." ist doch gar nicht einzuhalten. Was macht denn ein Freelancer, der von einer Agentur beauftragt wird, für einen Dritten ein Plakat zu gestalten? Auftraggeber ist in dem Fall die Agentur, auch wenn die Agentur selbst vom Kunden beauftragt wurde. Und was ist im Fall, dass eine Privatperson eine Agentur beauftragt? Auftraggeber ist dann kein Unternehmen, wer soll denn hier Lizenznehmer sein?

Der von dir geschilderte Fall lässt für mich nur den Schluss zu, dass die Foundry halt gar keinen Umsatz macht und ein passender Ersatzfont gesucht wird.

Wozu soll ein Unternehmen einen Font lizenzieren, den es selbst gar nicht verwenden will? Dass eine Unternehmensgröße oder eine herausragende Verwendung wie Gestaltung eines Logos irgendwie in die Lizenzkosten eingepreist werden soll, finde ich grundsätzlich sinnvoll. Aber nicht so, wie Dinamo das macht. 

  • Ersteller

Bei Dinamo kommt noch hinzu, dass einige Fonts über Fontstand gemietet werden können und dort dann die EULA von Fontstand gilt die »klassisch« ist. Hat man einen Font 12 Monate gemietet bekommt man eine permanente Lizenz – für diese gilt dann wiederum die EULA der Foundry bzw. von Dinamo. Alles sehr verworren und bei Streitigkeiten sicher nicht einfach für die jeweilige Foundry.

  • Ersteller
vor 41 Minuten schrieb Diwarnai:

Der von dir geschilderte Fall lässt für mich nur den Schluss zu, dass die Foundry halt gar keinen Umsatz macht und ein passender Ersatzfont gesucht wird.

Genauso sieht es aus. Und glücklicherweise gibt es einige Kandidaten die sehr ähnlich sind und klassisch lizensiert werden können.

  • Ersteller

Ich hatte bei der Foundry noch einmal nachgefragt ob es für den konkreten Fall auch eine andere Lösung bzw. ein anderes Lizenzmodell gibt. Eben hat man geantwortet, dass man weiß, dass das neue Lizenzmodell nicht ideal für alle Projekte sei und daran arbeitet. Für Cover (Books, Music) wurde mir ein Rabatt von 96 % angeboten. Das wären allerdings immer noch 652,80 Euro für einen einzelnen Schriftschnitt.

Ich schau dann mal die Alternativen durch die ich klassisch und zu moderateren Preisen lizenzieren kann.

Grundsätzliche verstehe ich, dass eine Foundry an einem großen Unternehmen anders verdienen möchte. Das dadurch kleinere Anwendungen wie eben ein CD-Cover nicht mehr möglich sind halte ich aber für einen Fehler. Abgesehen davon, dass große Firmen bei den aufgerufenen Preisen sicher überlegen ob eine individuell entworfene Schrift nicht doch günstiger und auch eigener ist.

vor 17 Stunden schrieb Microboy:

Alles sehr verworren

So die Erklärung für das neue Lizenzmodell. Bei Dinamo fühle ich mich vom zweiten Punkt verarscht. Und der dritte Punkt sagt eigentlich nur aus, dass die Foundry schlicht mehr Geld haben will bzw. möchte, dass die Lizensierung dem Umsatz des Lizenznehmers angepasst ist, damit kleine Unternehmen nicht die großen subventionieren. 
Die SSL-Lizenz hingegen find ich super. Die Lizenzbedingungen an sich sind gut lesbar, wenn auch in sich widersprüchlich (jedenfalls für mich).
 

 

Im Prinzip finde ich es gut, dass Lizenz-Modelle überdacht werden, denn ich habe nie verstanden, warum man pro Computer Fonts lizensieren muss und nicht pro Mensch, der aktiv mit den Fonts arbeitet.

Danke für den Thread, der hat mich heute morgen zur Wachheit angeregt und über das Spannungsverhältnis von Kunstwerk und Werkzeug von Schriften philosophieren lassen. Ich sollte künftig von Schrift als KunstWerkZeug sprechen 🙂

  • Ersteller
vor 2 Stunden schrieb Phoibos:

Im Prinzip finde ich es gut, dass Lizenz-Modelle überdacht werden, denn ich habe nie verstanden, warum man pro Computer Fonts lizensieren muss und nicht pro Mensch, der aktiv mit den Fonts arbeitet.

Stell dir eine Firma mit 100 Mitarbeitern und einem Computer (auf dem der Font installiert ist) vor. Jeder Mitarbeiter kann mit dem Computer und dem Font arbeiten – aber eben immer nur einer. Auf der anderen Seite gibt es eine Firma mit einem Computer und einem Mitarbeiter. Wäre eine Lizenz-Modell nach Anzahl der Mitarbeitern hier sinnvoll? Und wie lässt sich das für den Anbieter überhaupt prüfen? Der Kunde kann ja immer behaupten nur ein Mitarbeiter arbeitet mit dem Font.

Ich denke die verschiedenen Lizenz-Modelle kommen aus unterschiedlichen Zeiten und unterschiedlichen Anwendungsfällen. Ansätze wie Mietmodelle sind in den letzten Jahren dazu gekommen.

Wenn man sich überlegt, dass Monotype den Großteil seines Umsatzes mit Corporate Lizenzen macht und eben nicht über MyFonts ist auch verständlich, dass kleinere Foundrys versuchen diese Modelle zu kopieren.

Interessant wäre wie viel bei MyFonts im Detail umgesetzt wird und was am Ende bei den Foundrys ankommt. In den Top Ten der Verkäufe finden sich ja zum größten Teil Klassiker wie Helvetica, Avenir, Frutiger, Univers oder Trade Gothic. Und daneben dann neuere Fonts von Foundrys die Monotype in den letzen Jahren aufgekauft hat – Gotham, Decimal (Hoelfer), Maison Neue (Milieu Grotesque), Mabry (Colophon) oder FF DIN  und FF Mark (FontsShop).

vor 10 Stunden schrieb Microboy:

Interessant wäre wie viel bei MyFonts im Detail umgesetzt wird und was am Ende bei den Foundrys ankommt.

Hier lässt sich etwas ableiten, denke ich. Hatte ich aber glaube auch schon an anderer Stelle gepostet:

 

  • Ersteller
Am 18.2.2025 um 19:46 schrieb StefanB:

Die Diskussion hatten wir hier schon einmal.

Ich weiß. Ich wollte aber zwecks Liste einen neuen Thread starten ...

  • Ersteller
Am 18.2.2025 um 19:46 schrieb StefanB:

Beim normalen Bestellprozess wird das Lizenzmodell nicht wirklich klar. Das finde ich schon etwas fragwürdig ...

vor 15 Stunden schrieb Microboy:

Beim normalen Bestellprozess wird das Lizenzmodell nicht wirklich klar. Das finde ich schon etwas fragwürdig ...

Stimmt, da hast du recht. Wenn man nur mal schnell über die Angaben drüber liest, könnte man annehmen, dass es das klassische Lizenzmodell ist und man die Anzahl der Arbeitsplätze angeben muss, an denen man die Schrift nutzen wird (Desktop).

  • Ersteller

Wahrscheinlich kommen die großen Firmen irgendwann auf die Idee die Fontnutzung über Ein-Mann/Frau-Sub-Firmen abzuwickeln. Da lässt sich bestimmt etwas entlang der Corporate-EULAs konstruieren was am Ende kaum etwas kostet.

:hammer:

Oder es wird eben ein Ersatzfont verwendet und die Foundry macht gar keinen Schnitt.

War mir rein rechtlich noch nicht klar ist: Wie kann denn eine Agentur einen Font lizenzieren, bei dem der Agentur-Kunde Lizenznehmer mit allen Rechten und Pflichten wird? Prüft die Foundry im Einzelfall, ob die Agentur überhaupt berechtigt ist, einen solchen Vertrag abzuschließen?

Machen kann man das erstmal schon. Die Lizenzierung ist ja sozusagen nur die schriftliche Bestätigung des Lizenzgebers für den Einsatz der geschützten Sache nicht verklagt zu werden. Wen genau die Foundry für den rechtmäßigen Einsatz nicht verklagt, steht ihr frei. Da kann alles eingetragen werden. Es muss nicht zwingend der direkte Vertragspartner sein. 

Wenn die Sache aber nicht rechtmäßig eingesetzt wird, bricht das Konstrukt schnell zusammen. Dritten kann freilich nicht einfach eine Haftung aufgebürdet werden. Und die Agentur selbst will ja auch nicht für andere haften, erstrecht wenn sie selbst noch nicht mal eine eigene Lizenz haben. Das ist alles ziemlich unausgegoren. 

Ratet alle mal warum ich mich (als Amateur) in erster Linie mit Schriften unter der SIL/OFL oder anderen echt freien Lizenzen beschäftige. Danach kommen kostenlose, aber nicht freie/übertragbare Lizenzen (Softmaker/Freefont) und danach mit dem Datenträger oder der heruntergeladenen Software rechtmäßig  erworbene Lizenzen (Bitstream/Corel, (nicht mehr benutzte) Software von IBM, MS … ). Da ist in über 30 Jahren einiges zusammen gekommen.

 

Unabhängig von den kommerziellen Rechnungen gibt es da noch einen nicht unerheblichen Verwaltungsaufwand für die Lizenzen. Selbst bei meiner Sammlung mit den oben genannten Lizenzen habe ich einiges an Aufwand Quellen und Lizenzen in einfachen Text-Dateien sauber zu dokumentieren. Nebeneffekt: Einige als Freeware verteilte Schriften haben sich (u.U, nach Blick in die Metadaten) als Illegale erwiesen.

 

PS: Was macht ihr mit ertappten Illegalen? Ich dokumentiere das bei mir inkl. der offiziellen und legalen Hinweise und schiebe den Delinquenten inkl. Dokumentation  in einen gesonderten Giftschrank.

  • 4 Wochen später...
  • 1 Monat später...
  • Ersteller

@Ralf Herrmann

Ich hab gerade noch einmal in deine Artikel über Schriftlizenzierung hineingeschaut. Dort sollten vielleicht auch die Corporate-Lizenzen (bei denen der Kunde die Lizenz erwerben muss) berücksichtigt werden. Das Modell erfreut sich ja leider zunehmender Beliebtheit ....

Bearbeitet ( von Microboy)

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