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Neues ÖFB-Logo – ein paar gestalterische Gedanken

Hervorgehobene Antworten

Hallo liebes Forum,

war länger hier nicht mehr aktiv, möchte aber künftig wieder öfter mitlesen und mitschreiben.

Ein guter Anlass dafür ist gestern gekommen – durch die Präsentation des neuen Logos des ÖFB (Österreichischer Fußball-Bund). Das hat mich ehrlich gesagt etwas fassungslos gemacht – weniger wegen der grundsätzlichen Idee, sondern wegen der gestalterischen Umsetzung.

War mir nicht ganz sicher wohin der Beitrag gehört. Falls hier falsch, bitte verschieben.

 

Mir geht es ausdrücklich nicht darum, das Logo einfach „fertigzumachen“, wie es in vielen Kommentarspalten passiert. Ich möchte es aus fachlicher Sicht besprechen, da ich es spannend finde zu hören, was die Typografie.info-Community dazu meint.

Ein paar Punkte, die mir aufgefallen sind:

  • Das „o“ vom „ö“ ist exakt gleich breit ist wie der obere Querstrich. Was dazu führt , dass der Kreis kleiner wirkt. Ein klassischer gestalterischer Effekt, der hier offenbar nicht berücksichtigt wurde.
  • Das leserliche „F“ wird geopfert, um die österreichische Flagge in der Mitte zu erzeugen.
  • Es ensteht eine ungewollte Lesart „ö = 3“, was dem Logo zusätzlich die Sinnhaftigkeit nimmt. Es muss ja international verstanden werden.

Spannend finde ich auch immer, was in so ein Logo hineininterpretiert wird bzw. was es laut Auftraggeber ausdrücken soll.

Vom ÖFB heißt es dazu:

Zitat

„Mit unserem neuen Logo setzen wir als ÖFB ein deutliches Zeichen für Zusammenhalt, Aufbruch und Zukunft. Dieses Logo und die damit verbundene Bildsprache spiegeln unsere Werte und unsere Identität wider – sie verbinden Tradition mit Innovation und machen sichtbar, wofür der ÖFB steht.“

Und interessant ist auch, was der Chef der verantwortlichen Agentur dazu sagt (Zitat aus Der Standard):

Zitat

„Die Neugestaltung wurde laut ÖFB gemeinsam mit FLY’ (Creative Consultancy der Demner.Group) und DMB.Brand (Demner, Merlicek & Bergmann / DMB.) in einem mehrstufigen, kollaborativen Prozess erarbeitet. Vom STANDARD nach den Kosten für ein derartiges Projekt gefragt, sagte Marcello Demner aus der Geschäftsführung der Demner.Group: ‚Wir haben hier das günstigste Logo, das wir jemals angeboten haben, gemacht. Es ist eine ziemlich triste Weltlage – wenn uns etwas noch verbindet, dann ist es Fußball. Es war uns ein Anliegen.‘“

Hier habe ich kurz noch meine eigenen Ansätze bzw. Überlegungen skizziert.

 

Original Logo

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Mit Linien

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Anpassung des o – etwas breiter, damit es optisch nicht zu klein wirkt

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Variante damit man doch noch ein F liest.

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Bin gespannt, wie ihr das seht – vor allem aus typografischer und formaler Perspektive.

 

Schöne Grüße,

Sarah

Mir ist das Logo irgendwie asiatisch anmutend, jedoch keinesfalls österreichisch. Und ich lese kein ÖFB da heraus. 
Das Logo hat auch keine echte Richtung für mich, das B kann genausogut ein gekipptes M sein. Das ō könnte ein oı sein. Das hochgestellte = ein II. 
Das Logo lässt mich ratlos zurück und die Zitate sind generisches Bullshit-Bingo und helfen mir kein Stück weiter, außer dass es das günstigste Logo sei – wenn nicht das billigste …
 

vor 44 Minuten schrieb SarahW.:

Variante damit man doch noch ein F liest.

Das wäre auch mein Favorit. ÖFB hätte ich im Originallogo nie erkennen können, vielleicht noch ein gekippe "10" und eine 3. Allein das Quadrat als F-Stamm ist schon ein riesiger Schritt in die richtige Richtung. Um näher an ein Ö zu kommen, könnte man das Quadrat aufnehmen, eine Landesflagge ist links ja eh nicht zu erkennen:

Bildschirmfoto-2025-10-24-um-16-30-31.pn

Ich denke, dass das Logo nicht allzu lange Bestand haben wird bis zur nächsten Überarbeitung. Es ist schon arg konstruiert, technisch wie gestalterisch.

vor 50 Minuten schrieb SarahW.:

Spannend finde ich auch immer, was in so ein Logo hineininterpretiert wird bzw. was es laut Auftraggeber ausdrücken soll.

Dass diese Inhalte üblicherweise erst nach dem Gestaltungsprozess definiert werden, ist ja bekannt und leider Usus. Das Statement des ÖFB dazu hat für mich jedenfalls überhaupt nichts mit dem Logo zu tun, das ist ein generischer Text.

Mich irritiert zunächst einmal »1904«. Was soll mir das sagen? Das macht die gewollte »Hypermoderinität« gleich wieder zunichte wie ich finde. 

@Sarah
Darüberhinaus finde ich Deine Vorschläge alle eine deutliche Verbesserung. Jedoch ist mir das o trotz optischen Ausgleich immer noch zu schmal und klein. Bei Dichwarneich geht dann leider die grafische Struktur/Idee der anderen zwei Lettern verloren.

  • Ersteller

Ja, @R::bert,  ich gebe dir recht, nachdem ich eine Stunde später nochmals einen Blick auf das Logo geworfen habe, ist mir auch aufgefallen, dass ich nicht genug optisch korrigiert habe. Das war einfach eine schnelle Spielerei.
 

Bin einfach etwas schockiert, wie sowas zu stande kommen kann… auch wenn es ihr billigstes Logo ist – es wird schon was gekostet haben.

vor 34 Minuten schrieb R::bert:

Mich irritiert zunächst einmal »1904«.

Im Fußball sind Jahreszahlen üblich, sehr viele Vereine tragen ihr Gründungsjahr im Namen. Das ist für einen Fußballinteressierten also leicht identifizierbar.

  • Ersteller

Das einzige was leicht identifizierbar ist 🙂

vor 33 Minuten schrieb SarahW.:

Bin einfach etwas schockiert, wie sowas zu stande kommen kann…

<verschwörungstheorie>In Hamburg würde ich Filz und in Köln Klüngel vermuten.</verschwörungstheorie>

vor 1 Stunde schrieb R::bert:

die grafische Struktur/Idee der anderen zwei Lettern

Klar, die Idee der Gleichförmigkeit ist dahin. Das wird aber notwendig werden, um die grundsätzlichen Schwierigkeiten des Logos auszumerzen. Da wird sich sicher eine bessere Lösung finden als meine in wenigen Minuten hingezimmerte.

Konzeptionell hat man da sicher Workshops gemacht, und das ist dann übrig geblieben als niemand mehr was sagen wollte. Und handwerklich ist es halt nicht fertig ... aber nachdem "der Kunde jetzt zufrieden ist" durfte die ausführende Grafik NICHTS MEHR daran ändern. 

Wenn die Agentur wenig Zeit investiert ("günstigstes Logo aller Zeiten"), wollen sie auch schnell fertig sein, da geht's dann halt in der Realität nicht um eine gute oder gar die beste Lösung, sondern eine, die der Kunde akzeptiert.

Been there, done that (tatsächlich für einen anderen österreichischen Sportverband, auch mit "versteckter" Flagge) ... manche Aufträge sind halt in ihrer Natur schon so angelegt, und die Agentur kann auch nicht VIEL(!) mehr leisten als angefragt wurde. 

 

Aber: das ist nur das Logo*. Ganz egal wie das konzipiert und geformt ist, wie soll man es einschätzen können, ohne den Rest eines Erscheinungsbilds oder einer "Identität" zu sehen? Oder die eigentliche Frage: wie sollen sie es entwickelt haben, ohne den Rest bedacht zu haben?

Das Logo soll ja als Erinnerungsanker für die Gesamtidentität funktionieren (der Apfel ist nicht Apple, er ruft nur beim Betrachter die gesamte Identität die Apple ausmacht wieder in Erinnerung), aber dafür muss diese natürlich auch existieren ... ein neues Logo mit alter Identität ist Unsinn und wird auch keine neue Identität stiften.

Jetzt haben sie das neue Logo auf die alte Webseite geklatscht, und da ist es nun - der Rest ist noch gleich. Entweder ist das noch nicht fertig, aber dann kann eigentlich auch das Logo noch nicht fertig sein, oder es ist solitär entstanden, dann wird es sich niemals ins Gesamtbild einfügen und schon deshalb ein Fremdkörper sein – ganz egal ob gut oder schlecht ausgeformt.

 

* ich würde sogar sagen es ist nur eine Wortmarke, denn ein Bildanteil "zur Sache" fehlt gänzlich – vielleicht ist aber die Flagge die "Sache" und Fußball ist nicht so wichtig. Und über den Begriff "Logo" wird man sich nicht mehr einig werden.

Bearbeitet ( von Sebastian Nagel)

Ad "Bildmarke" im Logo ...

Das muss ja kein plakativer Fußball sein – aber die Steilvorlage eines "O" im Namen und der Tatsache, dass Bälle rund sind, so bewusst zu versemmeln, und dann nicht mal das "Ö" gut hinzubekommen, ist natürlich eine Leistung.

 

Das macht z.B. die Münze Österreich konzeptionell, und ich möchte sagen auch grafisch, recht gut: https://www.muenzeoesterreich.at/produkte/1-unze-silber-wiener-philharmoniker-im-etui

ein M, ein Ö, zwei typische Farben zur Differenzierung, und zusammen haben wir eine runde Münze als Bildmarke, ganz ohne plakativ eine Münze zu zeigen. 

vor einer Stunde schrieb Sebastian Nagel:

Das macht z.B. die Münze Österreich konzeptionell, und ich möchte sagen auch grafisch, recht gut: https://www.muenzeoesterreich.at/produkte/1-unze-silber-wiener-philharmoniker-im-etui

ein M, ein Ö, zwei typische Farben zur Differenzierung, und zusammen haben wir eine runde Münze als Bildmarke, ganz ohne plakativ eine Münze zu zeigen. 

Tolles Beispiel – immer schön, einem auf den ersten Blick stimmigen Corporate Design zu begegnen.

vor 10 Stunden schrieb Phoibos:

<verschwörungstheorie>In Hamburg würde ich Filz und in Köln Klüngel vermuten.</verschwörungstheorie>

Das ist keine Verschwörungstheorie. Das ist Verschwörungspraxis. Frage einfach einen Verschwörungssachverständigen. Die findest Du in Polizei und Staatsanwaltschaften. Österreich ist da eine der führenden Nationen und kann locker mit Unserschland™ mithalten. 😱

Ich bin immer wieder schockiert was für fragwürdige Lösungen für viel Geld verkauft werden. Man sollte wohl mehr in den Verkauf investieren und weniger in Konzept & Design ...

:shock:

Hab hier mehrere Leute gefragt was sie lesen und entziffern konnte es niemand. Identifiziert wurden aber öfter »10«, »11« sowie »3« bzw. ein gekipptes »W« oder »M«.

Davon abgesehen Frage ich mich auch wie es zur Schriftwahl für die Jahreszahl kam. Das ist aus meiner Sicht auch völlig »unrund«.

 

Bearbeitet ( von Microboy)

Nun ja, Marcello Demner aus der Geschäftsführung der Demner.Group sagte »Wir haben hier das günstigste Logo, das wir jemals angeboten haben, gemacht.« Klare Aussage zur Qualität. Sein Marketingsprech übersetzt bedeutet das für mich, dass sie sich mit dem Auftraggeber nach Vertrags-Unterzeichnung nicht auf einen gemeinsamen Weg einigen konnten und deswegen die Arbeit nach den ersten Entwürfen mehr oder weniger abgebrochen haben.

  • Ersteller

Vielen Dank für die rege Anteilnahme an meinem Post. Hier noch ein paar Gedanken von mir dazu.

Es ist ja schon so, dass einem immer mal wieder Designlösungen über den Weg laufen, die man als nicht optimal oder als schlecht gelöst ansieht. Als Designer hat man ja noch einen genaueren Blick. Mir fallen oft Sachen auf, die in meinem Familien/Freundeskreis niemand bemerkt.

Und mir ist absolut klar, dass für so einen großen Verband mit vielen Entscheidungsgträgern eine Lösung sicher nicht einfach ist.

Da taten sich auch andere Verbände schwer: beim Ski Austria Logo sind die Wellen ja auch hochgegangen und es gab Spott und Häme. Es wurde aber immerhin der gesamte Markenauftritt inklusive Schrift / Web überarbeitet und der Name ist 100% leserlich. Man kann das Konzept mögen oder nicht, aber immerhin ist es ein Konzept und nicht nur ein Logo.

Beim ÖFB ist es wirklich so, dass jedem Betrachter sofort auffällt, dass das Logo nicht stimmig ist. „ Zusammenhalt, Aufbruch und Zukunft.“ im Fußball sollte sich nicht nach Chinesischem oder Koreanischen Autohersteller anfühlen.

 

Am 24.10.2025 um 20:14 schrieb Sebastian Nagel:

Konzeptionell hat man da sicher Workshops gemacht, und das ist dann übrig geblieben als niemand mehr was sagen wollte

 

Aber @Sebastian Nagel dann ist es ja noch schlimmer, wenn nach Workshops und Vertiefung in das Thema, dieses Logo am Ende rauskam! Wenn sich niemand traut mehr etwas zu sagen, dann sind wir irgendwann bei „Des Kaisers neue Kleider.“ Gerade wenn der Kunde wenig Vorstellung / Ahnung hat, ist es doch die Aufgabe der Agentur mit Fachkompetenz zu unterstützen.

Und ja, natürlich gibt es überall einschränkungen und in großen Firmen / komplexen Strukturen mit vielen Entscheidern ist es oftmals schwierig und ein langwieriger Prozess. Aber ich persönlich möchte am Abend schon noch in den Spiegel schauen können und nicht denken, jetzt hab ich meinem Kunden einen kompletten Unsinn verkauft. Mag idealistisch klingen, aber für mich steht „gutes Design und faire Bezahlung“ vor „irgendwas so lala gestaltet und trotzdem abkassiert“.

 

Am 24.10.2025 um 20:14 schrieb Sebastian Nagel:

manche Aufträge sind halt in ihrer Natur schon so angelegt, und die Agentur kann auch nicht VIEL(!) mehr leisten als angefragt wurde. 

Angefragt wurde aber sicher nicht ein unleserliches Logo, das nicht nach Fußball aussieht, oder?

 

Und hier stimme ich voll überein:

Am 24.10.2025 um 20:14 schrieb Sebastian Nagel:

ein neues Logo mit alter Identität ist Unsinn und wird auch keine neue Identität stiften.

Marken sind heutzutage auf so vielen Ebenen und Medien präsent. Gerade in der Größenordnung eines Fußballclubs eines Landes. Für mich ist ein Logo nur Teil einer Marke und nicht die Marke selber. Die gesamte Komposition aus Logo, Farbe, Schrift, Layout, Elementen, Bildsprache macht für mich eine Marke aus. Je nach Marke bzw. je nach Auftrittsort gebe ich dem Logo sogar eher einen schwächeren Stellenwert. Im Web/SocialMedia ist die Struktur und Leserlichkeit in Kombi mit Farbe/Bild/Schrift sicher identitätsstiftender.

Oder in der TV-Werbung. Bestes Beispiel: bei Hornbach reicht Schrift/Farbe und Stil der Werbung schon aus, um zu wissen um welches Unternehmen es geht. 

 

Gerade Fußball, der so von Emotionen und der Stimmung der Fans im Stadion lebt, sollte sich doch eine starke Identität und Bildsprache entwicklen lassen. 

 

Ich finde das Zitat ein Schlag ins Gesicht für die Kreativbranche:

vor 20 Stunden schrieb Diwarnai:

Nun ja, Marcello Demner aus der Geschäftsführung der Demner.Group sagte »Wir haben hier das günstigste Logo, das wir jemals angeboten haben, gemacht.«

Günstig ist bei so einer großen Agentur dann auch sicher relativ – es gibt in Österreich auch hervorragende kleinere Agenturen die sicher mit weniger Budget eine bessere Lösung hätten präsentieren können. Und warum kann günstig eine schlechte Ausführung rechtfertigen? Auch im Rahmen kleiner Budgets kann man gutes Design machen.

 

Ein weiters schönes Zitat von Demner vom ÖFB Instagram Account „Fußball verbindet – Menschen, Generationen, Regionen. Mit dieser Ausrichtung tragen wir dem Rechnung, was Fußball in Österreich bedeutet: Gemeinschaft, Begeisterung und Zukunft.“

 

Die einzige Gemeinschaft die sie mit diesem Logo erzeugt haben, ist die Einigkeit zwischen Fußballfans, Grafikern und jeder Person die ich bisher das Logo gezeigt habe: alle sind sich einig, dass es keiner versteht.

vor 3 Minuten schrieb SarahW.:

Und warum kann günstig eine schlechte Ausführung rechtfertigen?

Ich weiß es nicht – es war Marcello Demner, der »günstig« als Rechtfertigung für die Qualität gebracht hat. Wir müssten ihn fragen.

@SarahW.  

Zum "niemand traut sich mehr was sagen": das habe ich eher unklar ausgedrückt ... ich kenne diese Entscheidungsprozesse von Gremien (oder größeren Unternehmensstrukturen) inzwischen gut ... es gibt so viele Personen, die irgend ein Interesse an einer Lösung haben, aber diese Interessen widersprechen sich, weil schon das Problem unterschiedlich gedeutet wird und auch die Ziele nicht klar sind.

Dann wird aber all das, was eigentlich ein Identitäts- und Zielprozess sein sollte, auf (zu dem Zeitpunkt noch mehrere) Logo-Entwürfe projiziert, weil das gerade das sichbare Objekt an dem man sich artikulieren kann. Da bleibt dann am Ende das Logo übrig, das keinem dieser verschiedenen Ziele und Interpretationen widerspricht, weil es so nichtssagend und unauffällig ist, dass es niemandem weh tut - also die Nicht-Lösung mit dem geringsten Widerstand. Es ist auch nicht so, dass dieser Entwurf in der ersten Auswahl dabei gewesen sein muss - es kann auch eine Kombination der nichtsagendsten Aspekte der anderen Entwürfe sein, die dann am Ende gekocht wird.

Und ja, es ist genau "des Kaisers neue Kleider" was da passiert - keiner will zugeben dass er unzufrieden ist oder kein Interesse mehr am Ergebnis hat oder ohnehin ganz andere Pläne verfolgt – weil das hieße, dass der gesamte Prozess dann von vorne los geht, der bisher schon so unfassbar anstrengend war.

 

Die Agentur kann da auch wenig ausrichten ... sie könnte Identitätsberatung leisten und erklären was notwendig wäre und was eine gute Lösung leisten sollte und auch könnte. Aber bestellt wurde "wir brauchen glaub ich ein neues Logo, könnt ihr da mal was machen?", ohne klar benennen zu können was das denn versinnbildlichen soll, der Wunsch nach einem neuen "Logo" ist ja eigentlich der unausgearbeitete Wunsch, sich zu verändern.
Otl Aicher hat FSB wieder weg geschickt und den Auftrag mitgegeben, sie sollen gerne wieder kommen, wenn sie wissen, was sie tun und brauchen. Das klappt halt bei Aicher in den 80ern in einem Premium-Bereich, aber heute in unserer Kommunikations-Unkultur? 

Eine kleine Agentur kann sich den Unternehmensberatungs- und Mediator-Job, den sie niemals angeboten habt, irgendwann einfach nicht mehr leisten, diese Diskussionen und Entwurfsrunden kann man endlos führen ohne jemals zum Ziel zu kommen. Das ist frustrierend, aber für mich kein Grund mehr, nicht in den Spiegel schauen zu können, wenn ich es zumindest versucht habe.

Eine große Agentur könnte noch mit Macht eine gute Lösung durchdrücken ... oder man verkauft das ganze als Erfolg (was einem aber offensichtlich auch niemand wirklich abnimmt – das ist für mich das eigentlich absurde an dieser Logo-Geschichte).

 

Also ich wage zu behaupten, dass man sehr viel Hirnschmalz da reinstecken muss, um das Logo dem ÖFB zuzuordnen, wenn man nicht weiß, dass es von ihm ist. Das erste der drei »Klötzchen« liest sich für mich wie ein Silbenzeichen in koreanischer Schrift. Deswegen frage ich mich, ob man so schnell auf die Idee kommt, dass da Buchstaben des lateinischen Alphabets hinter stecken sollen.

Ich meine, ein Logo muss nicht derartig gut lesbar sein wie ein Fließtext. Ich halte es sogar für gut, wenn das Auge daran hängen bleibt und man angeregt wird, es genauer anzuschauen. Aber hier lässt es den Betrachter meiner Meinung nach ratlos zurück. In Anlehnung an die berühmte Radiocomedy »Stenkelfeld« vom NDR sind das für mich dann immer »Visionen eines drogensüchtigen Grafikers aus Göteborg«.

Und noch ein Nachsatz zur internationalen Verständlichkeit: Gerade weil die Glyphe »Ö« vielerorts wenig bekannt ist, würden viele nicht-deutschsprachige vermutlich gar kein »Ö« dort erkennen - und auch nicht erwarten, weil der Ausdruck für »Österreich« in vielen Sprachen mit »A« anfängt. Umso mehr ist die Ähnlichkeit zu einem koreansischen Silbenzeichen problematisch.

  • Ersteller

@Sebastian Nagel die Nicht-Lösung als Lösung. das trifft es ganz gut. Könnte ein neuer radikaler Gestaltungsansatz sein 🙂

Das mit „in den Spiegl  schauen“ war vielleicht überspitzt formuliert, aber von einer großen Agentur, die ein Jahr an diesem Logo gearbeitet hat, darf man sich doch ein wenig mehr erwarten. Zumindest ein Ergebnis mit etwas mehr Substanz.

Besonders mit der Aussage von Demner im Hintergrund, dass sie den Auftrag nicht wegen des Geldes angenommen haben (weil es das billigste Logo jemals war), sondern weil es ihnen einfach ein Anliegen war, ob der tristen Weltlage. Ich möcht nicht wissen, was es geworden wäre, wenn es ihnen kein Anliegen gewesen wäre 🙂

Aber vielleicht ist das einfach ein Trend beim Fußball… das Logo vom DFB (Deutschland) und vom SFV (Schweiz) finde ich auch etwas verworren, auch wenn der ÖFB da zumindest die Nase vorne hat.

Bearbeitet ( von SarahW.)

vor 2 Minuten schrieb SarahW.:

von einer großen Agentur, die ein Jahr an diesem Logo gearbeitet hat, darf man sich doch ein wenig mehr erwarten.

Unbedingt. Es gehören aber 2 Mannschaften zum Spiel, um beim Fußball zu bleiben: Auftragnehmer und Auftraggeber. Nicht immer will der Kunde die beste, durchdachteste Lösung haben, manchmal wird auch ein Ansatz gewählt, der von der Agentur eigentlich nur zum Abschießen präsentiert wurde. Oder der Kunde ist derart beratungsresistent, dass er nur nach persönlichen Vorlieben entscheidet. Das ist dann Pech für alle Beteiligten und die Agentur setzt um, was der Kunde bezahlt.

Wir haben auch schon sehenden Auges Mist geliefert, weil es nun mal wirtschaftlich nicht anders ging, der Auftrag war schon viel zu weit fortgeschritten. Solche Kunden tauchen dann auch nicht als Referenz auf und werden schnell vergessen.

Herrn Demners Statement klingt für mich nach »Wir wollten das nicht …«.

vor 11 Stunden schrieb Diwarnai:

manchmal wird auch ein Ansatz gewählt, der von der Agentur eigentlich nur zum Abschießen präsentiert wurde.

Ja, mit simulierten Alternativen sollte man sehr vorsichtig sein. Das habe ich (in meinem Feld) auch schon lernen müssen.

vor 12 Stunden schrieb Diwarnai:

manchmal wird auch ein Ansatz gewählt, der von der Agentur eigentlich nur zum Abschießen präsentiert wurde.

Der Klassiker. Schon zu oft erlebt, als dass man das noch als kluge Vorgehensweise bezeichnen kann.

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