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Neues ÖFB-Logo – ein paar gestalterische Gedanken

Hervorgehobene Antworten

Zitat

Im Reigen nationaler Fußballverbände sicherlich ein Logo der ungewöhnlichen Art, da es in keiner Weise der in diesem Kontext üblichen Emblem-/Wappen-ähnlichen Darstellung entspricht. Da die Buchstaben stark vereinfacht und stilisiert sind, ist der erste Eindruck auch nicht der einer Wortmarke, sondern mehr der eines abstrakten Zeichens. Ohne Hintergrundwissen ist das Zeichen kaum als „ÖFB“ zu entziffern – was nicht als Makel missverstanden werden sollte. Logos wirken mehr wie ein Bild, nicht wie ein Wort, deshalb ist die Lesbarkeit von Buchstaben nachrangig. Im Vordergrund steht die Eigenständigkeit und Wiedererkennbarkeit. Auch im DFB-Emblem beispielsweise sind die Buchstaben kaum zu erkennen. Die isländische Fußball-Nationalmannschaft nutzt anstelle des Buchstabenkürzels „KSI“ ein rein grafisches Zeichen als Logo.

Meine erste Assoziation war das koreanische Schriftsystem Hangul. Das Zeichen ᅙ ist im Hangul-System ein sogenanntes Füllzeichen (Choseong Filler, ohne eigentliche Lautbedeutung). Aufgrund der Dreizeiligkeit hat das Logo zudem Ähnlichkeit mit einem Trigramm. Ob oder inwieweit im aktuellen ÖFB-Führungsteam eine Art der spirituellen Verbundenheit zu asiatischen Philosophien besteht, darauf soll hier nicht weiter eingegangen werden. Die Zeichensprache des neuen Verbandslogos gibt diese Verbindung her.

Mir gefällt der grafische Ausdruck des Zeichens ausgesprochen gut. Nach meinem Empfinden hätte die Breite des Logos reduziert werden können. Doch auch so ist dies für den ÖFB, ausgehend vom bisherigen Allerwelts-Oval samt generischer Telstar-Ball-Darstellung, ein großer Sprung nach vorne.

Dass der ÖFB im Rahmen seiner Pressemeldung mit keinem einzigen Wort auf die unkonventionelle, erklärungsbedürftige Formgebung eingeht, wundert schon. Typologos, die nicht auf Anhieb von jedem gelesen werden können, triggern dumpfe Klickbait-Headlines im Stile von „Netz spottet über XY – kein Mensch kann neues Logo lesen“, wie etwa das Beispiel KIA gezeigt hat. Pro-aktive Kommunikation kann diesen den Wind aus den Segeln nehmen, und obendrein die Akzeptanz auf Seiten der Fans/Kunden erhöhen.

Kommentar Achim Schaffrinna, Designtagebuch

vor 6 Minuten schrieb R::bert:

Typologos, die nicht auf Anhieb von jedem gelesen werden können

Hat denn irgendwer das Logo auf Anhieb jemals richtig eingeordnet? Der Text ist, abgesehen von der wertvollen Einordnung meines asiatischen Gefühls, so mmmh hilfreich wie eine Interpretation im Deutschunterricht – inkl. der inhärenten Beliebigkeit.


💩 ist auch nur eine lachende Praline.

  • Ersteller
vor 1 Stunde schrieb R::bert:

Ohne Hintergrundwissen ist das Zeichen kaum als „ÖFB“ zu entziffern – was nicht als Makel missverstanden werden sollte. Logos wirken mehr wie ein Bild, nicht wie ein Wort, deshalb ist die Lesbarkeit von Buchstaben nachrangig. Im Vordergrund steht die Eigenständigkeit und Wiedererkennbarkeit

Wenn sowas forciert wird, muss für mich eine Bild/Wortmarke her , denn so wie es jetzt da steht ist ohne Kontext gar keine Zuordnung möglich: weder was das Logo aussagen soll, noch in welchem Bereich. Für den Koreanischen Fußballclub hätte zumindest die Stilistik gepasst. 

In die abstrakte moderne Richtung kann man schon gehen, dann muss es aber für mich trotzdem international verständlich bleiben.

 

Als Beispiel, das schon mal von mir erwähnte Ski Austria Logo. Unabhängig davon ob man die Idee/Schrift mag, kann man hier klar erkennen um was es sich handelt und wenn das Symbol im gewissen Kontext steht, erkennt man mittlerweile durch den konsequenten Einsatz auch, dass es um Ski Austria geht.

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vor 1 Stunde schrieb R::bert:

Die isländische Fußball-Nationalmannschaft nutzt anstelle des Buchstabenkürzels „KSI“ ein rein grafisches Zeichen als Logo.

Dieser Vergleich hinkt gewaltig, denn das Zeichen hat hier eine Bedeutung:

Zitat

Grundlage für die Gestaltungsidee zum neuem Nationalmannschaftslogo bildet die isländische Mythologie und Sagenwelt. Die Schutzgeister Stier, Adler, Drache und Riese wurden als grafische Zeichen neu interpretiert und so angelegt, dass diese in Kreuzform zu einem Gesamtgebilde verschmelzen

Da ist wesentlich mehr Hirnschmalz reingeflossen. Die Bedeutung / Bezug zu Österreich oder Fußball sehe ich beim ÖFB jetzt nicht. Außerdem ist das Zeichen nicht allein das Logo, sondern nur ein Teil davon, es gibt auch einen passenden Schriftzug.

Ist für mich ein wenig Äpfel mit Birnen vergleichen.

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vor 1 Stunde schrieb R::bert:

Typologos, die nicht auf Anhieb von jedem gelesen werden können, triggern dumpfe Klickbait-Headlines im Stile von „Netz spottet über XY – kein Mensch kann neues Logo lesen“,

Typologos die von vermeintlichen Profis stammen, die die optische Wirkung von Geraden und Kurven nicht kennen – die triggern mich 🙂

Bearbeitet ( von SarahW.)

Ich glaube das Problem des Zeichens ist, dass hier »auf Teufel komm raus« die Ö-Flagge rausgepresst werden sollte. Und daraus folgte ein riesiger Krampf.

Die Ö-Flagge lässt sich schon gut unterbringen, daran scheitert das Logo nicht. Das offizielle Ö-Flaggen-Seitenverhältnis 2:3 (H:B) wäre dabei vermutlich besser gewesen als die jetzige Form, hätte das Logo nicht ganz so breit werden lassen. Das B ist auch gut erkennbar. Ein F findet man nicht und das Ö kam komplett abhanden. Beides ließe sich aber gut reparieren.

Das Logo-Konzept finde ich schon stimmig, zentraler Punkt ist die Nationalität. Bei der Umsetzung kam dann der Wurm rein.

vor 5 Minuten schrieb Diwarnai:

Ein F findet man nicht und das Ö kam komplett abhanden. Beides ließe sich aber gut reparieren.

Ja, ich spreche davon mit welcher Konsequenz man das tun wollte. Eine Reparatur würde bedeuten diese Konsequenz (nur zwei rote Querbalken) zum Beispiel durch das Quadrat darunter und ein Ö das der Struktur nicht mehr derart sklavisch folgt aufzugeben. Aber das wollte man offenbar nicht. 

  • Ersteller
vor 37 Minuten schrieb Diwarnai:

Bei der Umsetzung kam dann der Wurm rein.

Das kann man zusammenfassend sagen. Definitiv. 


Als Ausgangspunkt kann definitiv die Nationalität dienen – muss sagen bei Island ist daraus ein stimmiges Symbol geworden. Ich denke da hätte Österreich sicher mehr als nur die Flagge zu bieten.

Wie es genau es dann zu diesem Ergebnis kam, werden wir leider nie erfahren, es zeigt aber ein typisches Bild in großen Firmen / Organisationen für mich auf. Die Argumentationen beginnen sich im Kreis zu drehen. Ein Zustand, den leider zu viele als gegeben akzeptieren. Der eine sagt ich konnte nicht, weil die anderen mich nicht ließen. Der andere sagt, wir haben nichts anderes, weil wir nichts besseres bekommen haben.

An Beispiel von Island sieht man, dass es ja funktionieren kann. Auch dort werden verschiedenste Interessensgruppen am Prozess beteiligt gewesen sein.

Aber das ist typisch  – es war schwer, es ging nicht besser, das läuft eben so, haben wir immer schon so gemacht.… ja, aber nur wenn man es zulässt und nichts ändert. 🙂

  • 2 Wochen später...

Apropos Fußball – Apropos Eigentor: Kann mich an dieses Projekt vor der WM 2006 erinnern, für das ich mal ne Ausstellung basteln durfte. 
https://11designer.de/

  • 2 Wochen später...
Am 24.10.2025 um 18:07 schrieb SarahW.:

... ist mir auch aufgefallen, dass ich nicht genug optisch korrigiert habe. Das war einfach eine schnelle Spielerei.
 

Bin einfach etwas schockiert, wie sowas zu stande kommen kann… auch wenn es ihr billigstes Logo ist – es wird schon was gekostet haben.

Mein Eindruck deiner "schnellen Spielerei" war sofort: viel besser! 

(Das neue offizielle Logo ist grauslig.) 

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