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In der Druckerei von Martin Z. Schröder


Martin Z. Schröder

 

Für einen längeren Dokumentarfilm über die Auskwirkungen von Digitalisierung hat der Regisseur Aldo Montesano den Schriftsetzer und Buchdrucker Martin Z. Schröder in seiner Berliner Werkstatt besucht und befragt. Dieser fünfminütige Film ist ein kleinerer Teil aus dem in Arbeit befindlichen Dokumentarfilm.

 



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Rückmeldungen von Benutzern


Dieter Stockert

Geschrieben

So nett das ist, so wenig kann ich mit manchen der im Film gemachten Aussagen anfangen. Schon bei Martins einleitender Äußerung »[Wenn] ich mir eine Welt vorstelle, in der Menschen nichts mehr zu tun haben, weil die Maschinen alles machen – ich kann mir das nicht so richtig vorstellen – also nur als Horror-Schience-Fiction […]« frage ich mich, was damit eigentlich ausgesagt werden soll. Meint Martin, dass es eine solche Welt einmal geben wird? Dass die Menschen einmal nichts mehr zu tun haben werden? Sollte es wirklich einmal so weit kommen, dass die Menschen zumindest nichts mehr zu tun bräuchten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, so würden ihnen wohl trotzdem noch genügend mehr oder weniger sinnvolle Tätigkeiten einfallen, mit denen sie sich beschäftigen könnten und würden. Ich weiß nun nicht, von welcher Lebenserwartung für sich selbst Martin ausgeht, aber eigentlich sehe ich keinen Grund, sich darüber in den nächsten Jahren und Jahrzehnten schon Gedanken zu machen.

 

Martin sagt auch: »[…] und selbst auch in der digitalen Welt gibt es Fehler und die Maschinen können kaputt gehen und dann ist das Problem noch viel größer als wenn ich einen Fehler mache, weil die mechanischen Maschinen, die kann ich selbst reparieren, meine eigenen Fehler, die kann ich verbessern«. Ist das wirklich so, dass jeder Drucker in der mechanischen Welt seine Maschinen selbst reparieren könnte? Und kann ich in der digitalen Welt einen Fehler, den ich gemacht habe, nicht sogar viel leichter wieder korrigieren?

 

Dann: »Ich werde immer daran denken, wie kann man das doch möglich machen, was kann ich tun, damit das Experiment zu einem schönen Ergebnis führt?« Und: »also eine Technologie kann das nicht, das kann nur der Mensch, also sich Gedanken machen, was man ganz neu machen kann.« Was hat das damit zu tun, ob ich mich gerade in der mechanischen oder der digitalen Welt befinde?

 

»Also man kann telefonieren oder man kann Nachrichten verschicken oder einen Zettel Papier ausdrucken, aber man muss sich ganz viel mit dieser Technik befassen, die ist mir oft im Weg zu meinem Ergebnis.« Also ich könnte, ohne mich ganz viel mit der dort vorhandenen Technik  zu befassen, wohl kaum vernünftige Ergebnisse in Martins Druckerei erzielen.

 

Ob die Entwicklung von all diesen Satz- und Druckmaschinen tatsächlich »immer von den Handwerkern« ausging? Ich vermute doch eher, dass da meistens andere Interessen und Berufsgruppen dahinter standen.

 

Und wie sieht Martin die Zukunft? Er hofft, »dass sich nichts verändert«, dass er alt wird mit dem, »so wie [er] das machen kann« (was natürlich in einem gewissen Widerspruch dazu steht, dass sich die Schriftsetzer und Drucker – zu denen er gehört – ja darüber gefreut haben, durch die technische Entwicklung nicht mehr »jeden Arbeitsschritt von Hand machen« zu müssen).

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vor 11 Minuten schrieb Dieter Stockert:

Schon bei Martins einleitender Äußerung »[Wenn] ich mir eine Welt vorstelle, in der Menschen nichts mehr zu tun haben, weil die Maschinen alles machen – ich kann mir das nicht so richtig vorstellen – also nur als Horror-Schience-Fiction […]«

Die selbe Vorstellung müssen die Mönche gehabt haben, als sie abschreibenderweise im Skriptorium saßen und mit schreckgeweiteten Augen auf das Teufelszeug "Buchdruck" blickten.

 

Müssen demnach nicht auch die Buchdruckmaschinen verdammt und die Wege konsequenterweise zurück zum Handschriftlichen eingeschlagen werden?

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Martin Z. Schröder

Geschrieben

Es handelt sich bei diesen Aussagen um Auszüge aus einem ausführlicheren Gespräch, die mir selbst nicht immer ganz nachvollziehbar sind. So ist das mit Ausschnitten. Den Filmemachern geht es, wenn ich es richtig verstanden habe, um den Übergang in eine vorläufig ja nur imaginierte komplett automatisierte Welt. (In der ich tatsächlich nicht würde leben wollen.) Auf die Fragen habe ich mich nicht vorbereitet, das Thema geht an meinem Dasein vorbei, deshalb war es für die Filmemacher auch interessant. (Der Film ist Teil eines größeren Projekts.) Und wie das in so einem Gespräch ist, denkt man manches erst im Sprechen. Es gibt heute vielleicht zu viele Interviews, in denen fertige Statements abgerufen werden, so daß man sich an solche fertigen und druckreifen Shows gewöhnt hat. Ich habe keine Agenda, die ich auf diese Weise abrufen kann.

Im Detail: Kaputte Computer sind oft gar nicht reparabel, man kauft deshalb oft neue. Mit »ich« ist bei den Druckmaschinen gemeint, daß sie erstens überhaupt und zweitens auch oft vom Drucker selbst in Ordnung gebracht werden können. Meine beiden Tiegel sind 1952 und 1969 gebaut. Elektronische Maschinen halten nicht so lange und sind fast gar nicht vom Bediener zu reparieren. Ich verstehe eine Maschine, weil ich die Mechanik sehe. Man kann jede Kraftübertragung erkennen und eingreifen. Eine elektronisch gesteuerte Maschine (ich habe eine solche Schneidemaschine) hat einen riesigen Schaltkasten mit vielen Relais und ein Gehäuse, das fast alles den Blicken entzieht. Man sieht nichts außerhalb des eigentlichen Produktionsbereiches. Fehlermeldungen sind kodiert und nur mit einem Schlüssel lesbar. Eine Reparatur ist viel komplizierter.

Daß die digitalen Geräte sehr viel mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen als das beispielsweise bei einem Kochlöffel oder einer Schreibmaschine der Fall ist, dürfte so schwer nicht zu verstehen sein. Es dürfte kaum einen Menschen geben, dem die Unvollkommenheit von Computern nicht schon schwer zu schaffen gemacht hat. Das Internet ist voll von verzweifelten Hilferufen. Das kann man zur Kenntnis nehmen, ohne es moralisch zu bewerten. Man kann einfach nur feststellen, daß digitale Technik Schwächen mit unangenehmen Folgen hat. Und das sind nicht nur die technischen. Man denke an die Probleme, die von Psychologen und Pädagogen diskutiert werden. Mit einer mechanisch über Jahrzehnte ausgereiften Maschine lebt man ganz anders. Man verplempert beispielsweise wenig Zeit mit nicht gewollten und nichts merkbar verändernden »Updates«.

Die Wurzel der Industrie ist das Handwerk; wüßte nicht, was sonst.

Wie ich die Zukunft für meinen Beruf sehe, ist eine Frage, die mir gestellt wurde, und ich gebe meinem Wunsch Ausdruck. Was es daran zu kritisieren gäbe, ist mir schleierhaft. Ich bin glücklich in meiner Werkstatt, und das kann man doch einfach hinnehmen? Es steht in keinem Widerspruch zu irgend etwas, weil die Lohnarbeit von Setzern und Druckern in der Druckindustrie eine ganz andere und sehr viel schwerere war. Als ich acht Stunden im Akkord am Setzkasten stand, habe ich mir auch etwas anderes gewünscht.

Bertel, deinen Kommentar kann ich nicht beantworten, weil ich ihn nicht verstehe. Buchdruckmaschinen sind keine Vollautomaten. Ich kann niemanden verstehen, der in seinem Leben nichts zu tun haben möchte. Daß unsere Arbeitswelt im großen und ganzen schön und angenehm ist, dürfte allerdings auch kaum jemand behaupten. Ich habe den Eindruck, die Arbeitswelt heute ist für viele Menschen ähnlich unangenehm wie für die Menschen vor dreißig Jahren, aber das führte hier zu weit.

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Ob eine Maschine ein Vollautomat ist oder nicht, ist unerheblich. Es kommt immer auf den Standpunkt des Betrachters an – in deinem Fall eben der Übergang von mechanischer zu digitaler Technik, in meinem Beispiel der Übergang von der Handschrift zur mechanischen Technik. Wie jeder technische Fortschritt wird dieser erst mal argwöhnisch beäugt, abgelehnt, begrüßt, in den Himmel gelobt oder verdammt. Je nach Herkunft und je nach persönlicher Zielsetzung eben. 

 

Dass du deine Maschinen selbst in Ordnung bringen kannst, ist ein offensichtlicher Trugschluss. Das geht nämlich nur solange, wie dir Ersatzteile zur Verfügung stehen, da du diese nicht selbst schmieden (mangels Erfahrung und Equipment) und auch nicht selbst CNC-Fräsen kannst (mangels moderner digitaler Maschinen).

 

Für einen ausgebildeten Elektroniker ist die Reparatur deiner Schneidemaschine wesentlich leichter und schneller zu bewerkstelligen als für dich die Reparatur deines Tiegels. Beides unter der Maßgabe, dass Ersatzteile zur Verfügung stehen. Ohne die gelingt eine Reparatur wie gesagt überhaupt nicht. 

 

Dass es viele Hilferufe bezüglich digitaler Technik gibt, ist unbestritten. Das rührt aber weniger daher, dass so viele Fehler existieren, sondern eher daher, dass sich Menschen mit der Fehlerbehebung beschäftigen, deren Ausbildung und Job ein ganz anderer ist. Wenn du beispielsweise deinen Tiegel einer Großbäckerei zur Verfügung stellst, damit in Eigenregie die Handzettel darauf angefertigt werden, hast du innerhalb kürzester Zeit die selbe Menge an Hilferufen. Eben aus dem Grund, dass der Bäcker deine Maschine weder bedienen noch instandhalten oder instandsetzen kann.

 

Verglichen mit der Industrialisierung oder der händischen Landwirtschaft sehe ich unsere Arbeitswelt durchaus im Große und Ganzen als sehr angenehm an. Das ist und bleibt eine Frage des Standpunkts, es gibt hier kein Gut und Schlecht.

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Kathrinvdm

Geschrieben

Das ist ein interessanter Meinungsaustausch, ich danke Euch dafür!

 

Um einen Aspekt herauszugreifen: Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Martin gerne mit seiner erprobten Arbeitsweise und dem Equipment, dessen er sich derzeit bedient, alt werden möchte. Ich glaube, in dieser kleinen, feinen Nische kann das durchaus gelingen. Martin, ich wünsche es Dir, denn es macht den Anschein, dass Dein Beruf Dich sehr glücklich macht! 

 

Für viele andere Menschen sieht ihre Arbeitsrealität sicherlich nicht ganz so erfüllt aus und – da stimme ich bertel zu – für sie kann die zunehmende Digitalisierung in ihrem Bereich sogar eine echte Arbeitserleichterung bedeuten. Die Kehrseite der Medaille wiederum ist, dass die Digitalisierung manche Menschen ihrer Arbeit komplett beraubt … Viel Licht, viel Schatten, eine Binse – aber wahr. 

 

Vielen Dank jedenfalls für den oben gezeigten Ausschnitt des Films und den damit ermöglichten Einblick! :-)

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vor 4 Minuten schrieb Kathrinvdm:

Ich kann gut nachvollziehen, dass Martin gerne mit seiner erprobten Arbeitsweise und dem Equipment, dessen er sich derzeit bedient, alt werden möchte.

Da bin ich völlig bei dir und Martin, und auch im Hinblick auf die lebendige Bewahrung alter Traditionen ist dies sogar sehr wichtig. Nur ist der selbst präferierte Standard nicht besser als ein älterer oder neuerer, sondern eben nur selbst präferiert. Völlig wertfrei.

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Kathrinvdm

Geschrieben

:nicken:

Was mich beim Film oben übrigens sehr angesprochen hat, war das Gefühl von viel Zeit und Ruhe (seelischer Natur, vermutlich weniger akustischer). Die wenigsten Menschen dürften so in sich ruhend, sorgfältig und geruhsam arbeiten können. Ich selber versuche es auch und freue mich, wann immer es mir gelingt. Und die Belohnung ist dann ein gemütlicher Kaffee auf der Bank hinten im Garten. :-D

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Martin Z. Schröder

Geschrieben

vor einer Stunde schrieb bertel:

Verglichen mit der Industrialisierung oder der händischen Landwirtschaft sehe ich unsere Arbeitswelt durchaus im Große und Ganzen als sehr angenehm an. Das ist und bleibt eine Frage des Standpunkts, es gibt hier kein Gut und Schlecht.

Du hast Glück, wenn du dich bei der Arbeit wohlfühlst. Vor ein paar Jahren lief ein Dokumentarfilm über die moderne Arbeitswelt in den Kinos. Ich habe ihn zusammen mit zwei Freunden im Kino gesehen, anschließend war uns übereinstimmend übel. Hier eine Rezension: http://www.zeit.de/kultur/film/2012-04/work-hard-film. (Wem nur ein bißchen schnupperübel werden mag:


In meiner Familie arbeitet ein Ingenieur seit einiger Zeit unter dem im Zeit-Artikel beschriebenen »nonterritorialen Arbeitsplatzkonzept«. Er muß sich also jeden Tag einen anderen Schreibtisch und Computer suchen. Es gibt weniger Arbeitsplätze als Mitarbeiter, weil ja immer jemand krank oder beurlaubt ist. Seine große IT-Firma wird gefühlt jährlich verkauft und umstrukturiert, in Wirklichkeit nur alle zwei Jahre. Er telefoniert viel mit Menschen in Indien, die den niederen Support für das Produkt der Firma übernommen haben, weil das billiger ist, als deutsche Angestellte zu beschäftigen. Die Leute in Indien wird er nie persönlich kennenlernen, die Fluktuation dort ist im übrigen hoch, die Ausbildung lückenhaft. Er freut sich auf den Ruhestand. Er hat sein außerberufliches Wirken stark erweitert, auch um seine körperliche und geistige Gesundheit zu erhalten. Er erwartet nichts mehr von seinem Beruf, es ist ein bloßes Geldverdienen. Von Erfüllung kann nicht ansatzweise die Rede sein. Es ist, wie gesagt, ein sehr großes Unternehmen. Und es gibt viele große Unternehmen in Deutschland.

Der Lohnarbeiter, und damit meine ich auch leitende Angestellte, hat wenig Möglichkeiten, einen Standpunkt einzunehmen, wenn es um die Bewertung seiner Arbeitswelt geht. In diesem Forum dürfte sich wohl niemand aufhalten, der solche Arbeitsbedingungen aus eigenem Erleben kennt. Einen Standpunkt zur Sicht auf das eigene Arbeitsleben haben zu dürfen, ist Luxus, den wir sehr schätzen sollten.

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Auch hier geb ich dir völlig Recht, in Großunternehmen ist es heute sicherlich kein Spaß mehr, das war vor einem halben Jahrhundert noch ganz anders. Trotzdem sind die Arbeitsbedingungen verglichen mit 100 oder 200 Jahren zuvor geradezu paradiesisch. Nicht absolut, sondern relativ.

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Martin Z. Schröder

Geschrieben

Ich weiß nicht recht. In den guten Positionen ist es sicherlich damals so schön gewesen wie heute. Aber ob die Leute, die sich heute mit den vielen sog. Zivilisationskrankheiten herumschlagen, weil ihre Jobs und ihr Alltag sie krankmachen, es nun so paradiesisch haben gegenüber jenen von damals? Na klar, die neue Industrie, die Kinderarbeit, auch der Kampf ums Überleben auf dem Acker – vieles war hart bis zur Brutalität. Aber das war nicht alles gleich. Die Konkurrenz war in einigen Bereichen stark gedämpft durch Privilegien und Zünfte. Es wurde nicht überall alles und jeder dem Gewinn untergeordnet. Und wenn ich zeitgenössische Romane über das Leben in Büros lese aus dem 19. Jahrhundert (Georg Weerth, Balzac), dann erscheint mir das gelegentlich deutlich vorteilhafter gegenüber heutigen Büros. Und ist der materielle Wohlstand von heute an sich paradiesisch? Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Menschen heute glücklicher leben als vor 100 oder 200 Jahren. Viele sicherlich, aber ebenso sicher nicht alle.

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Natürlich leben heute nicht alle glücklicher. Wer ganz unten am Arbeitsmarkt kämpft oder diesen Kampf sogar schon verloren hat, definiert Glück sicher ganz anders. Glück ist aber eine sehr subjektive Angelegenheit und auch sehr von der Relation abhängig – wer selbst oder im nahen Umfeld Unglück erfahren musste, für den stellt sich Glück ganz anders und vielleicht in kleineren Dingen dar als für jemanden, der mit dem goldenen Löffel geboren wurde.

Von den damaligen Berufskrankheiten ausgehend herrschen heute wesentlich bessere Bedingungen, denk mal nur an die Bleivergiftungen gerade in deiner Zunft. Auch hier hat die Weiterentwicklung der Technik (die Installation von Abluftanlagen hat hier den wohl größten Beitrag geleistet) die Belastung der Arbeiter sukzessive geschmälert. Auch die Anzahl der zu leistenden Wochenstunden wurde gesenkt, ein Pensum von 80 Stunden, wie es ca. 1850 noch an der Tagesordnung war, hielte heute kein (zumindest älterer) Arbeitnehmer mehr aus. Alles, wie gesagt, immer im Vergleich betrachtet. Und natürlich funktioniert der Vergleich auch in die andere Richtung – Degenerationskrankheiten wegen Bewegungsmangel und Herz-/Kreislaufkrankheiten wegen Fettleibigkeit beispielsweise gab es früher nicht. 

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Im Film ist ein engagierter Mann zu sehen mit viel Liebe zu seinem Handwerk, er strahlt grosse Ruhe und Gelassenheit aus, er erzählt von seinen Gefühlen – und muss sich in diesem Forum als erstes heftig rechtfertigen für seine Aussagen. Ich meine, man könnte ja auch einfach mal eine andere Meinung akzeptieren und stattdessen dem Martin herzlich gratulieren zu seinem Tun. Er ist ja bestimmt keiner von denen, die die Welt schlechter machen, nur weil er jetzt nicht absolut Überzeugt ist von unserem so wunderbar (?) davonrasenden Fortschritt . . .
E.

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Dieter Stockert

Geschrieben

Natürlich muss sich Martin hier nicht rechtfertigen, und schon gar nicht gegenüber Bemerkungen, die zumindest von mir nicht als Angriff auf seine Persönlichkeit gemeint waren. Aber da Martin sich in diesem Forum oft mit sehr großer Selbstgewissheit artikuliert, finde ich auch nichts dabei, mal ein bisschen daran zu kratzen. 

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Ralf Herrmann

Geschrieben

vor 25 Minuten schrieb Erwin:

… und muss sich in diesem Forum als erstes heftig rechtfertigen für seine Aussagen.

Ja, so ist das mit den Foren. Finde ich eine tolle Sache! Dinge nicht einfach hinnehmen, sondern kritisch hinterfragen und ausdiskutieren. Auch Martin scheut sich nicht, es bei Aussagen anderer ebenso zu tun. 

 

 

vor 25 Minuten schrieb Erwin:

Ich meine, man könnte ja auch einfach mal eine andere Meinung akzeptieren … 

Meinungen ja, Argumente nicht unbedingt. Dazu schreibe ich gerade einen Artikel – denn der Unterschied wird gern übersehen. Ich sollte mich sputen. 

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vor 39 Minuten schrieb Erwin:

und muss sich in diesem Forum als erstes heftig rechtfertigen für seine Aussagen

Müssen muss er nicht, heftig schon gleich gar nicht. Ich finde, dass gerade eine ganz fruchtbare Diskussion entsteht und fände es schade, diese im Keim zu ersticken.

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Kathrinvdm

Geschrieben

Ja, ich find’s auch spannend! :nicken:

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Martin Z. Schröder

Geschrieben

Erwin, hab vielen Dank, es ist sehr nett, was du schreibst.

 

Dieter hätte sicherlich ein Blatt vor den Mund genommen, wenn ich das öfter tun würde. Foren sind aber prädestiniert für Kritik, von der sachlichen bis zum Nörgeln. Das Thema »Arbeitswelt« finde ich eher als Leser interessant. Ich finde es schrecklich, wie die Arbeitswelt heute für die große Mehrheit eingerichtet ist. Die tägliche Separierung aller Familienmitglieder, die zunehmende Unterwerfung des Sozialen unter wirtschaftliche Effizienz und die daraus folgenden abstoßenden Debatten über die Unterbringung und Pathologisierung aller, die nicht an der materiellen Wertschöpfung teilnehmen können.

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Mir hat der Filmausschnitt gefallen und gerne möchte ich davon mehr sehen.

 

Natürlich sind die Aussagen subjektiv, aber das macht auch nichts; ich fand den Einblick in eine mir fremde Welt wirklich schön und wünsche mir, dass Menschen wie Martin noch lange Zeit ihr spezielles Handwerk für die Nachwelt bewahren und auch weitergeben können.

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vor einer Stunde schrieb Martin Z. Schröder:

Ich finde es schrecklich, wie die Arbeitswelt heute für die große Mehrheit eingerichtet ist. Die tägliche Separierung aller Familienmitglieder, …

War das vor 50, 100 oder 200 Jahren deiner Meinung nach wirklich anders? Hatte ein Familienvater mit einer 60- oder 80-Stunden-Woche damals mehr Zeit für seine Familie als heute? Waren die Strukturen sozialer? Bereits vor dem ersten Weltkrieg waren über eine Million Deutsche als Wanderarbeiter unterwegs, weg von der Familie, unter fragwürdigen Bedingungen in Landwirtschaft und Industrie beschäftigt. Aus reiner Not heraus und monatelang. Ich finde nicht, dass die heutige Arbeitswelt so schrecklich ist im Vergleich zu früher. Die Geschwindigkeit des technologischen Fortschritts heute ist sicherlich nicht wünschenswert, weil zu viele Menschen dabei auf der Strecke bleiben. Daraus aber die Nach-Restaurationszeit als sozial verträglicher zu verklären, halte ich nicht für richtig.

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Martin Z. Schröder

Geschrieben

Ich glaube schon, daß die Strukturen sozialer waren in dem Sinne, daß die Familientrennung nicht als erstrebenswert galt, so wie heute, wo man jubelt, wenn die Kinderbetreuung nichts kostet oder die Ganztagsschule als Fortschritt gilt, damit die Eltern sich effizienter für den materiellen Wohlstand einsetzen können. Aber mal den Vergleich außer acht lassend: Ist es nicht verrückt, wie bis in die kleinste Zelle der Gesellschaft der materielle Wohlstand als erstrebenswerter und wichtiger gilt als das soziale Leben mit Kindern, Greisen, Nachbarn? Kinder und Alte werden als Betreuungsgegenstände gedacht, sie werden wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit geprüft, katalogisiert und massenhaft für krank erklärt (ADHS, LRS, Demenz etc. pp.) und in Einrichtungen gehalten und von Spezialisten betreut. Sie werden als Investitionsprojekte oder verpflichtende Abschreibungsposten behandelt. Und als ob es keinen Zusammenhang dazu gäbe, werden Bluthochdruck, Herzkrankheiten und Rückenschmerzen zu Volkskrankheiten, die man mit Pillen behandelt, um die Effizienz zu erhalten. Nee, das ist doch alles unschön.

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Norbert P

Geschrieben

Ich kann Martin gut verstehen, dass er sich seine "Insel der Seligen" so lange wie möglich erhalten möchte, er hat auch sicherlich lange genug daraufhingearbeitet. Mit geht es nicht unähnlich, ich habe das Privileg, von der Idee bis zu den Druckunterlagen die Bücher zu machen, die ich schon als Neunjähriger machen wollte. Ich profitiere dabei von den digitalen Möglichkeiten, meine ganze "Werkstatt" hat in einem Zimmer Platz. So auch bertel, der – weil er jetzt lebt und arbeitet – rechtzeitig nach Hause zur Familie kann und sich irgendwelche Atemwegserkrankungen durch Chemikaliendämpfe bei der Druckvorlagenherstellung erspart.

Mein Großvater, der Stereotypeur, hatte hingegen seine langen, langen Schichten mit dem Anti-Blei-Bier neben der Satzmaschine (bis die Nazis seine Zeitung dichtmachten). Das soziale Leben hatte meine Großmutter zu organisieren, damit war sie mehr als ausgelastet. Die Familie stand wohl auch darum mehr im Mittelpunkt, weil ihr Zusammenhalt benötigt wurde, um die materielle Not auszugleichen.

Das wirklich Erstrebenswerte werden wir nicht in der Rückschau finden (auch wenn mir manchmal die 70er irgendwie wohliger vorkommen, wenn ich zurückdenke – aber da ist Verklärung mit im Spiel) ... die Utopie ist, dass wir die Möglichkeiten der "Produktionsvereinfachung" nutzen könnten, um mehr Zeit für uns, unsere Familie, unsere Kreativität zu haben. Aber dann hätten ja alle etwas davon – und solange ein einzelner glaubt (glauben gemacht wird), er zöge Vorteile aus den Nachteilen der anderen, bleibt es eine Utopie.

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Schnitzel

Geschrieben

vor 2 Stunden schrieb Norbert P:

Das wirklich Erstrebenswerte werden wir nicht in der Rückschau finden (auch wenn mir manchmal die 70er irgendwie wohliger vorkommen, wenn ich zurückdenke – aber da ist Verklärung mit im Spiel) ... die Utopie ist, dass wir die Möglichkeiten der "Produktionsvereinfachung" nutzen könnten, um mehr Zeit für uns, unsere Familie, unsere Kreativität zu haben. Aber dann hätten ja alle etwas davon – und solange ein einzelner glaubt (glauben gemacht wird), er zöge Vorteile aus den Nachteilen der anderen, bleibt es eine Utopie.

Sehr schön gesagt und auf den Punkt gebracht :nicken:

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Martin Z. Schröder

Geschrieben

vor 2 Stunden schrieb Norbert P:

solange ein einzelner glaubt (glauben gemacht wird), er zöge Vorteile aus den Nachteilen der anderen, bleibt es eine Utopie.

Den Teil habe ich nicht verstanden. Würdest du das vielleicht bitte kurz erläutern?

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Und die Chemikaliendämpfe wabern nun in den ärmeren Ländern umher: Kleidung, Schuhe, Smartphones, Spielzeug, Elektronik.

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Norbert P

Geschrieben

vor 9 Stunden schrieb Martin Z. Schröder:

kurz erläutern

Ich könnte mit Buddha sagen, dass eine der wesentlichen Grundursachen des Leids die Gier sei. Oder, dass "Kapitalismus" nur durch das Verbreiten von Verlustängsten funktioniert. Solange Menschen ihren Nachbarn nichts gönnen, weil sie fürchten, dadurch zu kurz zu kommen, nutzen einige wenige dieses emotionale Klima, um für sich so immense Vorteile zu erzielen, dass diese nur durch Nachteile vieler zustandekommen können. Einmal in dieser Position, können diese wenigen den wirtschaftlichen Druck (die sogenannten "Notwendigkeiten") erzeugen, die es den vielen nicht erlauben, den Produktivitätszugewinn für sich (für ihr Familienleben, ihre Muße etc.) zu nutzen, um ihn stattdessen für sich abzuschöpfen. Undsoweiterundsofort ... 

 

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Martin Z. Schröder

Geschrieben

Danke! Ich verstehe, was du meinst. Aber ich sehe es nicht so. Ich glaube, nur der Kapitalismus kann diese Probleme lösen. Es ist eine Frage von Einstellungen, Überzeugungen und daraus folgendem Lobbyismus. Gerade von Kapitalismuskritikern wird eine kostenfreie Kinderbetreuung außerhalb der Familie gefordert und die Ganztagsschule, damit die Eltern mehr Zeit für ihre Arbeit aufbringen können, also die Vergesellschaftung der Familie auf Kosten der Schwächsten, die zu ihrer Meinung dazu gar nicht gefragt werden. Ich bin sicher, daß sich das eines Tages ändern wird, weil allmählich mehr Leute erkennen werden, was ihnen wirklich nützt und schadet. Aber diese Diskussion ist im Typo-Forum sicherlich nicht führbar, weil zu abgelegen vom Thema dieses Instituts.

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vor 10 Stunden schrieb Martin Z. Schröder:
vor 13 Stunden schrieb Norbert P:

solange ein einzelner glaubt (glauben gemacht wird), er zöge Vorteile aus den Nachteilen der anderen, bleibt es eine Utopie.

Den Teil habe ich nicht verstanden. Würdest du das vielleicht bitte kurz erläutern?

Der Teil bezieht sich ja direkt auf den Satz davor, das wir die Utopie hatten, das die durch die Digitalisierung hervorgerufene Produktivitätssteigerung uns allen mehr Zeit für die schöneren Dinge des Lebens geben könnte. (weil eben z.B. ein Zeitungsartikel nicht mehr meherfach von verschiedenen Menschen getippt werden muss, erst vom Jounaklisten, und dann noch einmal vom Setzer, der ja jetzt komplett eingespart wurde). Und diese Utopie bleibt eben eine Utopie, weil es eben Menschen gibt, die gerade diese Steugerung der Produktivität zu ungunsten der beschäftigten so anwernden, das statt einer gerringeren Arbeitsbelastung dann eine bis hinein in die eigentliche freizeit ausgedehnte Arbeitsbelastung daraus wird. Man ist ja jetzt 24 Stunden verfügbar... Das Handy muss ja neben dem Bett bereit liegen.

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