-
Test-Textchen fürs Typedesign
1) In meinen Testpaaren sind die kritischen Paare enthalten. 2) Ich habe auf eine Frage geantwortet und anschließend mit Robert ein wenig geblödelt. 3) Sachlich teste ich mit meinen Paaren nichts anderes als Forssman. Welchen Teil daran verstehst Du eigentlich nicht? Ich glaube eigentlich nicht, dass wir inhaltlich auseinander liegen, dafür gefallen mir Deine Schriften zu gut. Es muss doch eher ein sprachliches Problem sein. Und auf meine Tabellen mit »Es ist doch m.E. völliger Schwachfug, wenn man jedes Zeichen einer Schrift mit jedem Zeichen kernen wollte.« zu reagieren ist schon weit am Thema vorbei, mein Lieber. Schwamm drüber. Over and out.
-
Test-Textchen fürs Typedesign
[ironie] Ich setz noch einen drauf und behaupte, dass in 1,5 Punkt Kerning sogar noch viel unwichtiger ist, besonders in Neumondnächten bei Stromausfall, Ingo. Und Kerning hilft auch nicht gegen den Hunger in der Welt. Und Kerning hat auch noch keinen Krieg verhindert. Schlimme Sache, das. Also: Was lernen wir daraus? Kerning ist ein krankes Hirngespinst überkandidelter Designer, vermutlich. [/ironie]
-
Test-Textchen fürs Typedesign
Im übrigen erschließt sich der Sinn eines möglichst kompletten Paarekompilats zum Schriftentesten erst dann vollständig, wenn man sich erstens vergegenwärtigt, dass Serifenschriften, Serifenlose und Handschriften unter Umständen in einzenen Paaren ganz unterschiedlich kritisch sind und zweitens, dass so ein Testfile auch der Fehlersuche dient, damit sich nicht noch ein "-360em"-Eintrag in einem Paar aus irgendeiner Testversion einschleicht.
-
Test-Textchen fürs Typedesign
Wie jetzt? Das hat doch gar keiner gesagt. Es wurde nach Satz- und Sonderzeichen gefragt und here we are. Ich habe ein paar von den kritischen Paaren aus meiner Testdatei gesponsort. Die unkritischen sind zu Vergleichszwecken mit dabei. Ich dachte das wäre selbsterklärend. Jedes Zeichen mit jedem, hm, das machen auch nur schlechte Typedesigner um eben eine schlechte Zurichtung zu kaschieren. Eine Schrift muss schon auch erstmal ohne Unterschneidungen gut laufen können, schon, weil es auch heute Software gibt, die Unterschneidungen gar nicht oder nicht vollständig verwerten kann. Und jedes Zeichen mit jedem ... hm, das wäre dann eher ein Bergerhausen-Projekt: Eine nette Plakatserie in sechs Punkt mit – wenn ich in Mathe in Sachen Gauss richtig aufgepasst habe – 98,884 hoch 98,884 geteilt 2 Zeichen (auf dem Mac-OS-Rechner kommt da als Ergebnis "Überlauf", hehe), da kann Johannes schonmal anfangen das Amazonas-Gebiet zu roden. Nichts für ungut, Ingo, aber ich schau auch weiterhin nach T-zu-Komma und T-zu-Bindestrich, auch wenn Du das als Schwachfug qualifizierst. Jeder nach seiner Façon. Mal so aus der wirklichen Praxis eines wirklichen Typographen gesprochen. Wäre vielleicht besser gewesen, Du hättest mal kurz nachgedacht. Meine Paare (zumindest meine komplette Datei) liefern das Gleiche wie die Forssman-Files. Ich habe daher leider den Eindruck, Du musstest jetzt mal einfach ein bisschen dagegen sein, warum auch immer, dein Bier. Und gegen Spaß (=Plakat) spricht eigentlich nix, aber das kann ja gottlob auch jeder sehen wie er will.
-
Test-Textchen fürs Typedesign
Das mach ich dann mit dem Christian Büning zusammen, natürlich ergänzt um ... /a/b/c/d/e/f/g/h/i/j/k/l/m/n/o/p/q/r/s/t/u/v/w/x/y/z/ &a&b&c&d&e&f&g&h&i&j&k&l&m&n&o&p&q&r&s&t&u&v&w&x&y&z& sowie ©®™†‡§* und natürlich auch Ziffern und Währungszeichen, also all das, was ich jetzt hier weggelassen habe. :D Nur über die »Copy & Paste«-Funktionalität bei einem Poster zerbrech ich mir noch den Kopf. :?
-
Test-Textchen fürs Typedesign
Soll ich? :wink:
-
Test-Textchen fürs Typedesign
Ah, ich sehe grad, ich hab beim Kopieren die Französischen verloren. Voilá: «A» «B» «C» «D» «E» «F» «G» «H» «I» «J» «K» «L» «M» «N» «O» «P» «Q» «R» «S» «T» «U» «V» «W» «X» «Y» «Z» »A« »B« »C« »D« »E« »F« »G« »H« »I« »J« »K« »L« »M« »N« »O« »P« »Q« »R« »S« »T« »U« »V« »W« »X« »Y« »Z« ‹A› ‹B› ‹C› ‹D› ‹E› ‹F› ‹G› ‹H› ‹I› ‹J› ‹K› ‹L› ‹M› ‹N› ‹O› ‹P› ‹Q› ‹R› ‹S› ‹T› ‹U› ‹V› ‹W› ‹X› ‹Y› ‹Z› ›A‹ ›B‹ ›C‹ ›D‹ ›E‹ ›F‹ ›G‹ ›H‹ ›I‹ ›J‹ ›K‹ ›L‹ ›M‹ ›N‹ ›O‹ ›P‹ ›Q‹ ›R‹ ›S‹ ›T‹ ›U‹ ›V‹ ›W‹ ›X‹ ›Y‹ ›Z‹ «a» «b» «c» «d» «e» «f» «g» «h» «i» «j» «k» «l» «m» «n» «o» «p» «q» «r» «s» «t» «u» «v» «w» «x» «y» «z» »a« »b« »c« »d« »e« »f« »g« »h« »i« »j« »k« »l« »m« »n« »o« »p« »q« »r« »s« »t« »u« »v« »w« »x« »y« »z« ‹a› ‹b› ‹c› ‹d› ‹e› ‹f› ‹g› ‹h› ‹i› ‹j› ‹k› ‹l› ‹m› ‹n› ‹o› ‹p› ‹q› ‹r› ‹s› ‹t› ‹u› ‹v› ‹w› ‹x› ‹y› ‹z› ›a‹ ›b‹ ›c‹ ›d‹ ›e‹ ›f‹ ›g‹ ›h‹ ›i‹ ›j‹ ›k‹ ›l‹ ›m‹ ›n‹ ›o‹ ›p‹ ›q‹ ›r‹ ›s‹ ›t‹ ›u‹ ›v‹ ›w‹ ›x‹ ›y‹ ›z‹
-
Test-Textchen fürs Typedesign
Ah, Satzzeichenkerning. Unten meine Testpaare. Ich glaub das hatte mal der Berlow zusammengestellt. Wie auch immer, ist ja schnell gemacht: .A. .B. .C. .D. .E. .F. .G. .H. .I. .J. .K. .L. .M. .N. .O. .P. .Q. .R. .S. .T..U. .V. .W. .X. .Y. .Z. ,A, ,B, ,C, ,D, ,E, ,F, ,G, ,H, ,I, ,J, ,K, ,L, ,M, ,N, ,O, ,P, ,Q, ,R, ,S, ,T, ,U, ,V, ,W, ,X, ,Y, ,Z, A: B: C: D: E: F: G: H: I: J: K: L: M: N: O: P: Q: R: S: T: U: V: W: X: Y: Z: A; B; C; D; E; F; G; H; I; J; K; L; M; N; O; P; Q; R; S; T; U; V; W; X; Y; Z; ¡A! ¡B! ¡C! ¡D! ¡E! ¡F! ¡G! ¡H! ¡I! ¡J! ¡K! ¡L! ¡M! ¡N! ¡O! ¡P! ¡Q! ¡R! ¡S! ¡T! ¡U! ¡V! ¡W! ¡X! ¡Y! ¡Z! ¿A? ¿B? ¿C? ¿D? ¿E? ¿F? ¿G? ¿H? ¿I? ¿J? ¿K? ¿L? ¿M? ¿N? ¿O? ¿P? ¿Q? ¿R? ¿S? ¿T? ¿U? ¿V? ¿W? ¿X? ¿Y? ¿Z? (A) (B) © (D) (E) (F) (G) (H) (I) (J) (K) (L) (M) (N) (O) (P) (Q) ® (S) (T) (U) (V) (W) (X) (Y) (Z) [A] [C] [D] [E] [F] [G] [H] [J] [K] [L] [M] [N] [O] [P] [Q] [R] [T] [V] [W] [X] [Y] [Z] -A- -B- -C- -D- -E- -F- -G- -H- -I- -J- -K- -L- -M- -N- -O- -P- -Q- -R- -S- -T- -U- -V- -W- -X- -Y- -Z- —A— —B— —C— —D— —E— —F— —G— —H— —I— —J— —K— —L— —M— —N— —O— —P— —Q— —R— —S— —T— —U— —V— —W— —X— —Y— —Z— {A} {B} {C} {D} {E} {F} {G} {H} {I} {J} {K} {L} {M} {N} {O} {P} {Q} {R} {S} {T} {U} {V} {W} {X} {Y} {Z} “1” “A” “B” “C” “D” “E” “F” “G” “H” “I” “J” “K” “L” “M” “N” “O” “P” “Q” “R” “S” “T” “U” “V” “W” “X” “Y” “Z” ‘A’ ‘B’ ‘C’ ‘D’ ‘E’ ‘F’ ‘G’ ‘H’ ‘I’ ‘J’ ‘K’ ‘L’ ‘M’ ‘N’ ‘O’ ‘P’ ‘Q’ ‘R’ ‘S’ ‘T’ ‘U’ ‘V’ ‘W’ ‘X’ ‘Y’ ‘Z’ ’A’B’C’D’E’F’G’H’I’J’K’L’M’N’O’P’Q’R’S’T’U’V’W’X’Y’Z’ ‘A‘B‘C‘D‘E‘F‘G‘H‘I‘J‘K‘L‘M‘N‘O‘P‘Q‘R‘S‘T‘U‘V‘W‘X‘Y‘Z‘ .a. .b. .c. .d. .e. .f. .g. .h. .i. .j. .k. .l. .m. .n. .o. .p. .q. .r. .s. .t. .u. .v. .w. .x. .y. .z. ,a, ,b, ,c, ,d, ,e, ,f, ,g, ,h, ,i, ,j, ,k, ,l, ,m, ,n, ,o, ,p, ,q, ,r, ,s, ,t, ,u, ,v, ,w, ,x, ,y, ,z, a: b: c: d: e: f: g: h: i: j: k: l: m: n: o: p: q: r: s: t: u: v: w: x: y: z: a; b; c; d; e; f; g; h; i; j; k; l; m; n; o; p; q; r; s; t; u; v; w; x; y; z; ¡a! ¡b! ¡c! ¡d! ¡e! ¡f! ¡g! ¡h! ¡i! ¡j! ¡k! ¡l! ¡m! ¡n! ¡o! ¡p! ¡q! ¡r! ¡s! ¡t! ¡u! ¡v! ¡w! ¡x! ¡y! ¡z! ¿a? ¿b? ¿c? ¿d? ¿e? ¿f? ¿g? ¿h? ¿i? ¿j? ¿k? ¿l? ¿m? ¿n? ¿o? ¿p? ¿q? ¿r? ¿s? ¿t? ¿u? ¿v? ¿w? ¿x? ¿y? ¿z? (a) (b) © (d) (e) (f) (g) (h) (i) (j) (k) (l) (m) (n) (o) (p) (q) ® (s) (t) (u) (v) (w) (x) (y) (z) [a] [c] [d] [e] [f] [g] [h] [j] [k] [l] [m] [n] [o] [p] [q] [r] [t] [v] [w] [x] [y] [z] -a- -b- -c- -d- -e- -f- -g- -h- -i- -j- -k- -l- -m- -n- -o- -p- -q- -r- -s- -t- -u- -v- -w- -x- -y- -z- —a— —b— —c— —d— —e— —f— —g— —h— —i— —j— —k— —l— —m— —n— —o— —p— —q— —r— —s— —t— —u— —v— —w— —x— —y— —z— {a} {b} {c} {d} {e} {f} {g} {h} {i} {j} {k} {l} {m} {n} {o} {p} {q} {r} {s} {t} {u} {v} {w} {x} {y} {z} “a” “b” “c” “d” “e” “f” “g” “h” “i” “j” “k” “l” “m” “n” “o” “p” “q” “r” “s” “t” “u” “v” “w” “x” “y” “z” ’a’b’c’d’e’f’g’h’i’j’k’l’m’n’o’p’q’r’s’t’u’v’w’x’y’z’ ‘a‘b‘c‘d‘e‘f‘g‘h‘i‘j‘k‘l‘m‘n‘o‘p‘q‘r‘s‘t‘u‘v‘w‘x‘y‘z‘
-
Funktion eines Linotype Typesetters
Stimmt. Aber die unglaubliche Mechanik hat mich trotzdem fasziniert.
-
Funktion eines Linotype Typesetters
Liebe Typegemeinschaft, hier ist gerade ein wundervolles Weihnachtsgeschenk durch den Kamin gerauscht (falls das nicht schon allgemein bekannt ist): http://chaosradio.ccc.de/ctv122.html Frohes Fest!
-
Welche Schriften im Dritten Reich und in der DDR?
-Lonsdale-
-
Welche Schriften im Dritten Reich und in der DDR?
Die Idee einer «reinen», also quasi intentionslos gestalteten Form, in die später erst Bedeutung hineingeschrieben wird, ist Quatsch, Ralf. Wir reden von Produkten von Menschenhand. Die gibt es nicht ohne Intention - bewusst oder unbewusst. Darum ging es. Dazu gab es deutlich Kontra von mir. Sonst nur Zustimmung, klar. Übrigens hatte ich Dich nicht aufgefordert, überhaupt und erstmalig, sondern «nochmal» darüber nachzudenken. Ich gehe natürlich nicht davon aus, dass Du gar nicht nachdenkst.
-
Welche Schriften im Dritten Reich und in der DDR?
Nachtrag Hab ich nicht, auch keine Fraktura-Version Lenin hat auch gesagt: «Wer nicht für uns ist ist gegen uns». Daran fühle ich mich gerade erinnert. Seid versichert: ich bin weder für noch gegen Fraktur.
-
Welche Schriften im Dritten Reich und in der DDR?
Wieso wäre das angemessen? Die Fraktur besitzt weniger praktischen Nutzwert als Autobahnen, ihr Wert (der Wert jeder Schrift, die auch nur einigermassen lesbar ist) besteht ganz überwiegend in dem assoziierten Bedeutungsgehalt. Aber Autobahn geht sowieso gar nicht ... Zur Geschichte der Fraktur gehört deren Vereinnahmung durch die Nationalisten im beginnenden 20 Jahrhunderts dazu, ebenso wie Maximilian und seine Lehrbücher usw. Diese Vereinnahmung beginnt nicht erst mit der Zeit zwischen den Weltkriegen, es gab schon vor dem ersten WK Versuche, sich gegen die schwindende Verwendung der gebrochenen Schriften zu stemmen. Damals wurde gern zum Argument gegriffen, es sei doch die einig wahre deutsche Schrift (damit waren also alle, die nicht Fraktur verwendeten, quasi undeutsch mit dem Dolch im Gewande). Mich wundert, mit welcher Hartnäckigkeit immer wieder (seit nun schon hundert Jahren!) die Fraktur (=gebrochene Schrift) wieder ins «richtige» Licht, die öffentliche Aufmerksamkeit und nicht zuletzt in die vermehrte Verwendung gerückt werden soll. Ich meine, das passiert, oder es passiert nicht. In welchem Licht eine Schrift gesehen wird, hängt eben vor allem davon ab, wer sie verwendet. Aus kulturwissenschaftlicher Sicht ist sehr interessant zu beobachten, welche Gruppierungen eine Schrift vereinnahmen und beanspruchen. Das hat sich verändert im Laufe der Zeit, heute ist u.a die Gruppe der Provokationshedonisten (HipHop, Metal) hinzu gekommen – die Traditionsbewußten (Bier, Eckkneipe, Zeitungstitel) und die Nationalisten sind jedoch immer noch dabei. Die so genannten Schaftstiefelgrotesken sind hingegen ganz klar Kinder der Zeit zwischen den Weltkriegen. Diese Schriftengruppe hat keine längere Vergangenheit, auf die man noch verweisen könnte. Wenn die Rezeption der (aller) gebrochenen Schriften damals nicht ohnehin schon so sehr auf «Deutschnational» eingeengt gewesen wäre, hätten die «Schaftstiefelgrotesken» vielleicht eine Chance gehabt anders wahr genommen zu werden (modern, Bauhausdenke). Vor dem zeitgenössischen Hintergrund jedoch konnten die gar nicht anders als «Essenz aller deutschnationaler Ideen» wahrgenommen werden. Das spiegelt sich dann auch in den Namen: Tannenberg – national identitätsstifende Schlacht; Element – Modewort der Zeit, elementar i.S.v. essenziell; National – na klar. Das Ballastproblem stellt sich bei diesen Schriften in besonderer Weise. Deshalb muss man argumentativ zwischen dieser Untergruppe und der Gesamtheit der gebrochenen Schriften zweifellos unterscheiden. Hoho, man sehe sich die Typowerbung von 1934 mal an! Da kracht die Militärrhetorik, da wird marschiert und gesiegt, dass einem heute glatt die Spucke wegbleibt. Aber ich denke, ich bin mit dem Thema hier erstmal durch. Bevor sich auf die harmlose Frage, welche Schriften für die Zeit des Nationalsozialismus als typisch angesehen werden können wieder einer dieser Du-hast-keine-Ahnung-von Typografiegeschichte-Stürme* entfacht, nur weil man die Geschichte einschließlich Beweismaterial darstellt wie sie war, bin ich lieber weg. Das ursprüngliche Thema ist ausreichend bearbeitet, denke ich. * = heutige Variante des Du-bist-undeutsch-Bashings
-
Welche Schriften im Dritten Reich und in der DDR?
Ralf, denk nochmal drüber nach. Der Entwerfer hat ganz sicher irgendwas im Sinn gehabt, als er entworfen hat. Er muss sich dessen nicht bewusst gewesen sein und es muss nicht mit späteren Interpretationen seiner Entwürfe übereinstimmen, aber dass ein Entwerfer ohne Ziel am Werke sein soll, halte ich für unmöglich. Wenn er kein Ziel hätte, würde er einfach gar nicht gestalten, sondern in einer Tonne liegen und in den Tag hinein leben. Ich habe gar nicht behauptet, «dass die Tannenberg und Co. ein ideologisches Statement sind, nur weil sie spitze Ecken haben ... ». Ich habe behauptet und tue dies weiterhin, dass Tannenberg und Co. – wie überhaupt jeder Entwurf – Kinder ihrer Zeit und gefüllt mit Gedanken dieser Zeit sind. Welches die Gedanken dieser Zeit sind, kann man nachlesen. Es wäre in meinen Augen eher exotisch und unwahrscheinlich anzunehmen, dass die Entwerfer einer über 70 Jahre zurückliegenden Vergangenheit, deren Eltern noch mit der Kutsche gefahren sind und dem Kaiser zugejubelt haben, so gedacht hätten, wie wir heute. Den Schriftnamen kann man sogar ganz wunderbar heranziehen, gerade wenn mit ihm so offensichtlich eine Bedeutung an die Schrift genagelt wird. Die Schriftgiessereien haben ja nicht ein Buch aufgeschlagen und mit geschlossenen Augen auf ein Wort gezeigt und das wurde dann der neue Name. Ich habe es an anderer Stelle schon geschrieben und wiederhole es hier gerne: Die Modernisierungsversuche der gebrochenen Schriften analog zur Antiqua, die zu Tannenberg und Co geführt haben, sind mir als Entwürfe nicht unsympathisch – einige sind als Entwurf auch wirklich klasse. Tatsache ist: «1934 bewerben die Schriftgiessereien dann bereits fast ausnahmslos ihre neuen Schriften Tannenberg, Element, National usw. Die Schriftgiessereien haben vollzogen, was ganz offenbar jeder von ihnen erwartet hat.» Dies kann keiner leugnen, das wäre typografischer Revisionismus, weil die Fakten dagegen stehen. Die Annahme, dass auch die Entwerfer dieser Schriften mehr oder weniger zynisch bzw. überzeugt «für die neue Zeit» entworfen haben, ist, denke ich, nur naheliegend – ich kann mir schwer vorstellen, dass sie von einer demokratischen europäischen Union geträumt haben oder von einer Kifferkommune. Ich werfe den Entwerfern das ja nicht vor - die sind eben Kinder ihrer Zeit, die Rolle des Entwerfers ist ja so ein Mediums-Schamanen-Ding. Die Zeichen der Zeit standen für eine technokratische, deutschnationale, postmonarchistische Fantasie, die – ich wiederhole mich auch hierin, Ralf – ja nicht zwingend militant, menschenverachtend, antisemitisch, antidemokratisch sein muss bzw. hätte sein müssen. War sie aber dann letztlich, und damit war dann hierzulande erstmal für längere Zeit Essig mit Hakenkreuz und Fraktur, weil diese Zeichen eben als visuelle Codes dieser Bewegung verwendet wurden. Alle Leute, die die Faxen dicke hatten von der Zeit des dritten Reiches, hatten verständlicherweise keinen weiteren Bedarf mehr für diese Schriftengattung. Belegt sind die gebrochenen Schriften nach wie vor mit Heimat, Tradition und Deutschtum (letzteres vor allem hierzulande), und die Neonazis verwenden sie auch immer noch ganz gerne. Die Vergangenheit ist nicht einfach vorbei. Sie wirkt immer nach, da kann man noch so sehr dagegen sein. Im Ausland haben die Leute schon deshalb weniger ein Problem mit den gebrochenen Schriften, weil die gebrochenen Schriften dort schon vor langer Zeit aus der Mode gerieten und nie so extrem auf eine so abscheuliche moralische Entgleisung geprägt wurden. Für die Menschen dort ist das – genau wie für große Teile der heute nachwachsenden Jugend – nur noch dekoratives Spielmaterial von der Müllhalde der Geschichte. Aus der heutigen Rezeption lässt sich jedoch absolut nichts ableiten, was für die Rezeption vor über 70 Jahren Gültigkeit besäße. Jede Zeit hat ihre Rezeption. Wem es nicht gefällt, aus welcher Zeit Tannenberg und Co. stammen, soll schnell woanders weiterlesen. War nicht schön, ist keine Zeit zu der ich gerne gelebt hätte. Aber so war es eben. Und wenn heute die Zeit wieder günstiger steht für eine Verwendung der gebrochenen Schrift, als witziges Dekomaterial, so what? Ändert nichts daran, wie es mal war. Jeder Versuch krampfhaft die gebrochenen Schriften von ihrer Vergangenheit zu reinigen und abzuspalten ist doch bizarr. Ja, liebe Leute, es gab mal eine Zeit, in der wurden Frakturschriften (Gattungsbegriff) zu den einzig glückseligmachenden Schriften des deutschen Wesens hochstilisiert. Das ist lang her und interessiert eigentlich keinen mehr. Aber wenn hier jemand fragt, ob es klar identifizierbare typografische Trends der Nazizeit gegeben habe, dann werde ich ihm so antworten, wie ich geantwortet habe, weil das der Faktenlage entspricht.