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Gilles

Die optimale Zeilenlänge von Texten

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Gilles

Ich sprach vor kurzem mit einem Professor von mir über die Lesbarkeit von Texten. Er ist der Meinung, dass Texte besser lesbar wären wenn man A4-Seiten im Querformat und nicht im Hochformat verwenden würde. Sein Argument dafür lautet, dass bei einem Menschen die Augen nebeneinander angeordnet sind und der Mensch desshalb eher horizontal als vertikal sieht. Ich bin jedoch der Meinung, dass man A4-Seiten nicht umsonst im Hochformat verwendet.

Ich habe hier, aber auch auf anderen Internetseiten gelesen, dass die optimale Zeilenlänge zirka 70 Zeichen beträgt. Diese Zahl spricht ganz klar für ein Hochformat bei einer A4-Seite. Meine Frage lautet nun, gibt es fundierte Studien, die das belegen und auch Gründe dafür nennen? Ich würde mich freuen wenn ihr mir ein paar Links zu solchen Studien posten könntet.

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GRIOT

Was Dein Herr Professor gesagt ist, ist gelinde gesagt Unsinn. Denn wenn Du wirklich eine Zeile über die ganze Breite von 297mm bringen würdest, bräuchtest Du einen gigantischen Zeilenabstand, damit das Auge den Anfang der nächsten Zeile finden kann.

Außerdem hast Du das Problem der Doppelseiten. Es gibt Studien (allerdings habe ich gerade keine Quelle parat), die besagen, daß das männliche Auge eine Doppelseite im A4-Querformat bei realistischen Betrachtungsabstand nicht auf einen Blick erfassen kann. (Der Blickwinkel von Frauen ist etwas größer.)

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Ivo

Ich hoffe, der Professor hat nichts mit Gestaltung am Hut …

(wahrscheinlich Informatik-Prof. oder BWL?) :wink:

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Psocopterus

Ich würde ihm zur Strafe einfach mal eine Hausarbeit im Querformat abgeben. Sicher hat er nichts dagegen, wenn die Seitenränder rechts, links und oben nur 1cm sind, er kann dann ja unten seinen Kommentar dranschreiben, schließlich sind die Hände ja auch unter den Augen!

Hausarbeit im CinemaScope-Format -- da passen locker 250 Zeichen in eine Zeile, wenn man dafür nur 10 Zeilen nimmt hat man denselben Inhalt untergebracht (vorausgesetzt, man macht nur wenige Absätze).

Liebe Grüße auch an den Prof.,

von Georg

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Gilles
::]Ich hoffe, der Professor hat nichts mit Gestaltung am Hut …

(wahrscheinlich Informatik-Prof. oder BWL?) :wink:

Bei meinem Studiengang ist er für Geschäftsprozesse im Bereich e-business zuständig. Früher hat er beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Österreich gearbeitet. Später dann als Leiter von österreichischen Printmedien.

Er sagte auch, dass die beim Fernsehen begriffen haben wie das Blickfeld eines Menschen aussieht und desshalb hat der Fernseher heute ein Format von 4:3 oder bei neuen Fernsehern sogar 16:9.

Bei Printmedien werde nur desshalb so kurze Zeilen verwendet weil es zur Zeit als die ersten Bücher entstanden sind noch kein Eye-Tracking oder der gleichen gab. Ausserdem konnte man früher nur sehr schmalle Druckplatten herstellen. Heute hat man sich einfach an dieses Format gewöhnt und desshalb möchte man nicht davon abkommen.

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Sebastian Nagel

Dann wird er auch eventuell vorgelegte Studien als veraltet abtun.

Das einzige was du machen kannst ist demonstrieren dass Querformat (eigentlich zu lange Zeilen) schlechter funktioniert als andersrum.

Was er behauptet mag ja für das Blickfeld stimmen, aber lese ich wirklich mit dem gesamten Blickfeld? Dann würde ich auch die Augen beim Lesen nicht bewegen, ich kann die Seite ja auch so überschauen.

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Gilles
Dann wird er auch eventuell vorgelegte Studien als veraltet abtun.

Das einzige was du machen kannst ist demonstrieren dass Querformat (eigentlich zu lange Zeilen) schlechter funktioniert als andersrum.

Was er behauptet mag ja für das Blickfeld stimmen, aber lese ich wirklich mit dem gesamten Blickfeld? Dann würde ich auch die Augen beim Lesen nicht bewegen, ich kann die Seite ja auch so überschauen.

Genau das ist auch meine Meinung. Bei einem Bild kann ich das komplette Bild auf einmal betrachten ohne die Augen bewegen zu müssen. Bei einem Text muss mich auf eine Stelle konzentrieren um die Schrift scharf zu sehen und dann mit diesem kleinen Bereich indem ich scharf sehen kann von Wort zu Wort wandern.

Übrigens soll ich für die nächste Vorlesung eine Präsentation erstellen in der ich meine Meinung untermauere. Ich werde in der Präsentation Bilder, Videos und Texte zeigen damit alle den Unterschied beim Sehverhalten erkennen können.

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Psocopterus

Ich habe grade mal eine Horrorversion des Kater Murr erstellt. Ein schöner Text mit schöner Schrift, mit Randausgleich und großzügigem Durchschuss, 420 Seiten mit 180 Zeichen pro Zeile. Leider reicht mein Webspace zur Zeit fürs pdf (1,2MB) nicht aus, kann ich aber gern mailen.

Gruß, Georg

PS: Hier mal eine Seite – leider in eingeschränkter Qualität, da das Forum kein pdf nimmt:

575_a5kater_1.jpg

PPS: Sehe grade, dass das Beispiel in letter-Format gesetzt ist, aber das dürfte im Grunde nicht viel ändern. Wird in A4 eher noch schlimmer.

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Gilles
Ich habe grade mal eine Horrorversion des Kater Murr erstellt. Ein schöner Text mit schöner Schrift, mit Randausgleich und großzügigem Durchschuss, 420 Seiten mit 180 Zeichen pro Zeile. Leider reicht mein Webspace zur Zeit fürs pdf (1,2MB) nicht aus, kann ich aber gern mailen.

Gruß, Georg

PS: Hier mal eine Seite – leider in eingeschränkter Qualität, da das Forum kein pdf nimmt:

575_a5kater_1.jpg

PPS: Sehe grade, dass das Beispiel in letter-Format gesetzt ist, aber das dürfte im Grunde nicht viel ändern. Wird in A4 eher noch schlimmer.

Schicke es bitte an meine E-Mailadresse gillez@gmx.net

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TYPOGRAFSKI

kann der »professor« denn überhaupt lesen? ich denke er schaut sich nur die bilder an.

sind 16:9 fernseher vorwiegend für frauen? wenn sie größeren blickwinkel haben, könnte es durchaus sein.

ich konnte nur noch lachen als ich das hier gelesen habe.

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GRIOT
er kann dann ja unten seinen Kommentar dranschreiben, schließlich sind die Hände ja auch unter den Augen!

:-)

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Gast

In der Standard-Literatur wird von 40-60 Zeichen pro Zeile gesprochen. Nur mal so als kleine Anmerkung.

Grüsse

Henry

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Psocopterus
Bei Printmedien werde nur desshalb so kurze Zeilen verwendet weil es zur Zeit als die ersten Bücher entstanden sind noch kein Eye-Tracking oder der gleichen gab. Ausserdem konnte man früher nur sehr schmalle Druckplatten herstellen.

Für die Stabilität der Druckplatte ist es eher förderlich, wenn die Zeilen längs verlaufen. Die bedruckte Fläche bleibt schließlich gleich, ob ich nun quart Hochformat oder Querformat nehme.

Heute hat man sich einfach an dieses Format gewöhnt und desshalb möchte man nicht davon abkommen.

Schon damals hatte man sich von Handschriften an das Format gewöhnt, man hat sogar richtig erkannt, dass selbst bei A4 Hochformat die Zeilen zu lang sind, wenn die Seitenränder nicht mehr als die Hälfte der breite einnehmen sollen. Alle Prachthandschriften waren daher auf quart oder folio hochkant zweispaltig (!) geschrieben. Für die Schreiber gelten technische Erwägungen zu Druckplatten ja wohl kaum.

Es ist einfach leseökonomisch, wie auch historisch nonsense, was sich der Fenrsehmann da zusammengereimt hat. Wie siehts denn heute mit Zeitungen aus? Wenns schnell gehen soll wird die Zeilenlänge mal locker auf unter 40 Zeichen gedrückt und nicht auf 150 Zeichen erhöht!

Kopfschüttelnd,

Georg

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Markus Wäger

Es stellt sich wohl die Frage ob ich Printmedien aus 4 Meter Entfernung lese und den Fernseher 50 cm vor meiner Nase habe.

Ausserdem: Wer liest Fernsehen? Es heisst schon Fernsehen, und nicht Fernlesen, oder? Ich hätte ja nichts gegen Mangas im A4 Querformat oder noch breiter einzuwenden. Aber Bilder beobachten und lesen mag doch ein Unterschied sein.

In der Fachliteratur wird in der Regel wirklich von 40 bis 60 Zeichen die Zeile ausgegangen.

Ich bin schon bei Büchern gescheitert die nicht einmal A4 im Hochformat hatten, also eine Satzbreite von deutlich unter 18 cm. Dabei ergeben sich beim Lesen zwei Probleme: Einfach kurze Augenbewegungen können den Text nicht mehr Erfassen; es sind weite Augenbewegungen notwendig oder sogar ein Bewegen des Kopfes. Das ist auf die (kurze) Dauer sehr ermüdend. Das gilt übrigens auch für Filme - wer im Großkino schon mal in der ersten Reihe saß, weiss was ich meine.

Das zweite Problem ist, dass der Einstieg in die nächste Zeile - nach dem das Auge von rechts zurück nach links gewechselt hat - nicht mehr so einfach zu finden ist. Deshalb sollte ja bei längeren Zeilen der Zeilenabstand höher sein um das Auffinden der neuen Zeile zu erleichtern.

Punkt zwei war dann auch der Grund, dass ich das genannte Buch nach etwa 50 Seiten weg gelegt und nie wieder in die Hand genommen habe. Ich musste andauernd den Einstieg in die neue Zeile neu suchen und das war zu mühsam. Das Buch wäre ansonsten gut gewesen. Schade.

Aber es grassieren ja teilweise absurde Theorien bei "Schlaumeiern" und "Besserwissern". Ein Kunde hat mich mal gefragt ob ich als Designer nicht wisse, dass Versaltexte besser erfassbar seien. Er hat das in einem Management-Workshop gelernt.

Tja. Was soll man da noch sagen. Am besten Diplomarbeiten wie andernorts geraten in A4-Querformat abgeben (am besten in Versalien, damit's wirkt ;-)

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Fußnote

Mir ist zwar nicht ganz klar, was das alles mit Druckplatten zu tun haben soll (schließlich gehört der Bleisatz ja mittlerweile eher in die Kategorie Kunsthandwerk ...), aber egal.

Zum Thema wissenschaftliche Erkenntnis fällt mir noch ein, dass die empfohlenen 60 Zeichen pro Zeile etwa sieben Saccaden (Augensprünge) entsprechen. Der geübte Leser erfasst ja nicht die einzelnen Buchstaben sondern Wortbestandteile. Diese sieben Saccaden sind wohl am leserfreundlichsten. Das Auffinden des folgenden Zeilenbeginns spielt hierbei natürlich auch eine Rolle.

Leider habe ich gerade keine passende Studie parat ...

Mehr zum Thema Zeilenlänge, Zeilenabstand und Lesbarkeit steht bei Willberg, Forssmann "Lesetypografie" S. 68, 74, 80 ... und natürlich im ganzen Rest des Buches

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Niklaus
Meine Frage lautet nun, gibt es fundierte Studien, die das belegen und auch Gründe dafür nennen? Ich würde mich freuen wenn ihr mir ein paar Links zu solchen Studien posten könntet.

Auch wenn sie schon einige Jährchen alt ist: Die m. E. noch immer beste Studie zum Thema ist – leicht verständlich und luzide beschrieben:

Herbert Spencer: The visible word. London 1969.

Hier schreiben auch alle Forssmanns e. a. ihre Weisheiten ab.

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Niklaus
Ich sprach vor kurzem mit einem Professor von mir über die Lesbarkeit von Texten. Er ist der Meinung, dass Texte besser lesbar wären wenn man A4-Seiten im Querformat und nicht im Hochformat verwenden würde.

Die Thesen der Lesbarkeitsforschung zusammenzufassen, ist mir im Moment zu mühsam. Deshalb einfach ein bisschen gesunder Menschenverstand: Technisch machbar wäre Quer statt Hoch bzw. breite Kolumnen ja seit jeher gewesen – tatsächlich jedoch verwendet die überwältigende Mehrheit der ‹westlichen› Texte der letzten sechs Jahrhunderte keine solchen Formate. Es kann ja kaum sein, dass sich die gesamte Menschheitsgeschichte bis zu Deinem Professor geirrt haben sollte?

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