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Ist die Computer Modern wirklich zu dünn?

Hervorgehobene Antworten

Ständig wird der Computer Modern vorgeworfen, sie sei zu dünn. :twisted: Stimmt das wirklich?

Als D. E. Knuth die Computer Modern erstellte, wurde in den üblichen Ausgabegeräten (beispielsweise dem Xerox-Laserdrucker, den er unter anderem zum Testen benutzte) die Tinte/der Toner leicht verteilt (fast wie im richtigen Druck), sodaß Haarlinien etwas verbreitert wurden. Das berücksichtigte er natürlich und gestaltete die digitalen Buchstaben deshalb dünner, als sie gedruckt aussehen sollten.

Ein Beispiel in der digitalen 10-Punkt-Schrift*:

2z7k1kx.png

Für jedes Ausgabegerät kann Metafont nun eine passende Schrift erzeugen. Dazu können verschiedene Einstellungen vorgegeben werden, darunter ein Wert namens „Blacker“, der steuert, wie stark die Buchstaben vorverdickt werden sollen.

Die Computer Modern im Buch „Digital Typography“, mit richtiger Strichstärke*:

73ez34.png

Der „Blacker“-Wert ist allerdings als Standard viel zu niedrig eingestellt, weshalb die Computer Modern in der Regel zu dünn für heutige Laserdrucker ausgegeben wird.

Die Computer Modern, gedruckt auf einem HP LaserJet 1200*:

9aoghh.png

(* Bilder von http://www.levien.com/type/cmr/gain.html)

Bedauerlicherweise haben auch die Urheber der heute meistens benützten Type-1-Versionen der Computer Modern (Blue Sky, CM-Super, Latin Modern) zu niedrige „Blacker“-Werte verwandt, sodaß diese Schriften auch zu dünn sind.

Man müßte also einfach mal ordentliche, für heutige Laserdrucker geeignete Type-1-Schriften erzeugen!

Nun ist ja die Computer Modern eine echte Meta-Schrift, deren Aussehen über 62 (!) Parameter gesteuert werden kann. Also habe ich mir einfach mal die Mühe gemacht, und versucht, die Parameter etwas nach meinem Geschmack anzupassen.

Ich habe also:

  • Die Haarlinien verdickt und an die Schraffen angeglichen,[/*:m:vcv2utx9]
  • die Schattenstriche ebenfalls verdickt und in Groß- und Kleinbuchstaben angeglichen,[/*:m:vcv2utx9]
  • die schrägen Schraffen begradigt,[/*:m:vcv2utx9]
  • die Kehlung der Schraffen entfernt,[/*:m:vcv2utx9]
  • den Schwanz des „a“ etwas vergrößert,[/*:m:vcv2utx9]
  • die fehlerhafte Unterschneidung von k und a gelöscht.[/*:m:vcv2utx9]

Das Ergebnis (17 p) im Vergleich mit dem Original:

Original:

2u7yg6f.png

Meine Version:

vecc4x.png

Eine leichtere Variante:

120ttzp.png

Muster als PDF:

10 p: mm10.pdf (45.3 KB)

17 p: mm17.pdf (70.5 KB)

(Beachtet: Der Adobe Reader kann Rasterschriften nicht ordentlich anzeigen, im Ausdruck ist alles in Ordnung!)

Was haltet ihr davon? Ich bitte um eure Kritik! :)

Ein schönes Wochenende wünscht

Joshua

Hallo Joshua,

finde deine Anpassung grundsätzlich sehr gut. Ich arbeite auch öfters mit LaTeX und habe bisher – wo es ging – einen Bogen um die CM gemacht, weil sie mir sowohl am Bildschirm als auch auch im Druck zu zart wirkt.

Die Anpassungen die du vorgenommen hast – hast du direkt in LaTeX/TeX vorgenommen oder im Fonteditor. Bei ersterem würde mich sehr interessieren, wo diese Optionen der CM dokumentiert sind (denn in LaTeX auf die CM zu verzichten ist auf Dauer nicht einfach :neenee: )

Stellamaris

  • Ersteller

Die Schriften habe ich in den Metafont-Quelldateien angepaßt.

Die Metafont-Ausgabemodi sind in Knuths Computers & Typesetting, Band C: The METAFONTbook dokumentiert, die Computer-Modern-Schriften einschließlich der Parameter in Band E: Computer Modern Typefaces.

Ich empfehle Dir, einmal verschiedene Blacker-Werte auszuprobieren.

Erstelle dazu eine Datei mit folgendem Inhalt:

proofing:=0;

fontmaking:=1;

tracingtitles:=0;

pixels_per_inch:=600;

blacker:=0.25;

fillin:=-0;

o_correction:=1;

Für die verschiedenen Werte trage die für Deinen Drucker passenden ein. In der Datei modes.mf im CTAN sind viele Ausgabemodi definiert, dort suchst Du Dir am besten die Werte für Deinen Drucker raus. Die Werte hier habe ich dem Modus für den HP LaserJet 4 entnommen.

Den Blacker-Wert stelle etwas höher ein, beispielsweise auf 1.

Speichere die Datei anschließend als blaktest.mf oder ähnlich ab.

Mit folgendem Befehl erstellst Du anschließend den 10-Punkt-Schnitt der Computer Modern Roman mit Deinen neuen Einstellungen (der Befehl muß in dem Verzeichnis ausgeführt werden, in dem die Datei blaktest.mf liegt):

mf \smode="blaktest"; input cmr10

Die erzeugte Datei (bei einer Auflösung von 600dpi heißt sie cmr10.600gf) muß dann noch mit folgendem Befehl in eine pk-Datei gepackt werden:

gftopk cmr10.600gf

Um die entstandene Schriftdatei cmr10.600pk auszuprobieren, kompilierst Du ein Testdokument dann mit latex (nicht pdflatex).

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