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TypExperimente – Schriftgestaltung am Rande der Lesbarkeit

Hervorgehobene Antworten

Hallo zusammen,

ich sitze zur zeit an meiner Bachelor-Arbeit: es geht um experimentelle Schriftgestaltung.

Die durch die Kombination und extreme Hervorhebung formaler Grundelemente (wie Serifenform, Strichstärke, Grauwert, Proportion etc.) mit emotionalen Parametern (elegant, seriös, leicht, standfest etc.) will ich Schrift-Experimente schaffen, die sich am Rande (aber noch im Rahmen) der Lesbarkeit bewegen.

Die Umsetzung soll folgendermaßen verlaufen:

Experiment #1 =

Parameter; formale und emotionale (fragmentartige Formen (1-D) + Serifen (5-C) + Haarlinie (3-A) + modisch)

+ Hypothese (»auch mit weniger als 60% der notwendigen Formen lässt sich der Text lesen«)

=> neuer Schriftentwurf oder bewiesene Unmöglichkeit

Durch ungewöhnliche oder schwer umsetzbare Kombinationen sollen interessante Schriftentwürfe und/oder gescribbelte Ansätze entstehen.

Die Schriften sollen sich aber dennoch nach typografischen Konventionen richten und keine »Free-Fonts à la dafont. com« werden.

Hier schon mal die formalen Grundelemente:

formale_matrix_web_de-600.png

PDF mit besserer Auflösung: formale_matrix.pdf

In den nächsten Wochen werde ich hier die ersten Entwürfe posten.

Ich freue mich über jedes Kommentar, jede noch so abstruse Parameter-Kombination, jeden link-Tipp etc.

Danke.

ohne zu lange drüber nachgedacht zu haben:

unter 6 (Stil) fehlt "klassizistisch" bzw. "statisch", und vielleicht auch "gothic" im sinne amerikanischer Grotesk-Schriften.

Wobei sich die Kategorie der Punzenform mit der Kategorie Stil überschneidet, nicht?

Ich möchte bemerken, dass Schriftentwurf nicht Typografie ist. Nicht um rumzupingeln. Wenn wir das gleiche sagen, aber verschiedene Dinge meinen, schadet´s der Verständigung.

die ff canyou kennst du? ein bild finde ich so schnell nicht.

  • Ersteller

erstmal: danke!

@Sebastian: mit "Stil" meinte ich weniger die Klassifikation, mehr den Stil des Strichs. "klassizistisch" würde sich dann aus "Kontrast:betont" (2-D) + "Stil:geometrisch" (6-A) – müsste da evtl. ein andres Wort für "Stil" benutzen.

Die "Punzen" sind vom "Stil" getrennt, damit z.B. auch eine "geschlossene Gebrochene" und eine "offene Gerochene" entstehen können.

Ein doppelschleifiges "gothic"-g ist allerdings noch nicht in der Matrix…

@Oleka: Schriftentwurf nicht Typografie = stimmt! müsste den thread-titel ändern.

@Christian: die "FF Canyou" kenne ich nicht – Bild finde ich leider auch keines

das hier hab ich finden können von der canyou:

x0yykx.jpg

danke Ivo. Gefährliches Halbwissen :)

  • Ersteller

zur Zeit versuche sich eine Ultra-Bold zu gestalten:

  • kaum Weißraum – Zeilen verschwimmen zu einem schwarzen Block, Punzen und Buchstabenzwischenräume sind kaum von einander zu trennen

  • betonte Serifen

  • trotz Schwere noch etwas Dynamik

  • humanistischer als z.b. die (grandiose) »
Klimax«

her_boldness.jpg

(sind PhotoBooth-Bilder –> ordentliche Scans kommen bald!)

  • Ersteller

@Ivo & Christian: Danke.

Genau so was will ich auch machen -> einen Light-Schnitt derart fragmentieren, dass er kaum (aber dennoch) lesbar ist bzw. bei jedem Zeichen die zur Erkennbarkeit wichtigsten Form-Stücke herrausfinden.

Hat zwar weniger mit der Lesbarkeit zu tun aber ich finde das ist ein tolles Baukastensystem um verschiedene Stile zu vermischen. Vieleicht regt das irgendwie an.

http://www.typotheque.com/fonts/history

Dein Thema find ich echt interessant. Hoffe man liest hier bald mehr davon.

Gruß Jens

Hi Jakob

könnte mir vorstellen dass das ganze auch in Richtungen geht die man eher als braver Typophiler meidet ...

z.B. verdrehter Wechselzug, links geneigte Kursive, böse Verzehrungen

Auch Zurichtung und Durchschuß könnte ich mir noch als Ebene vorstellen.

Oder: keine einheitliche Grund- x- Versallinie

*seuftz* echt cooles Thema...

  • Ersteller

@Plubird: was mit umgekehrten Wechselzug zu machen, oder die Grundlinie etc. zu ignorieren, das ist eine sau gute Idee. Danke!

eine linksgeneigete kursive gibt's leider schon^

- - -

Im Moment bastle ich gerade an:


  • 1) einer Ultra-bold-maximaler-Schwarzwert-Schrift mit leichter Dynamik.
    2) einer fragmenthaften Schrift mit minimalen Formstücken, auf Grundlage des Artikels, den Ralf empfohlen hat. Evtl. werde ich da auch zwei Schnitte machen: einen voll-formigen Light-Schnitt und einen Schnitt mit leichtem Kontrast und den notwendigen Formstücken – so kann ich dann »History«-modular-artig an einen langweiligen Light-Schnitt die wichtigen Merkmale für die Lesbarkeit betonen.
    3) »You have got the balls – drop it hard!«, ein nicht ganz korrekter Zusammenschnitt von Snoop-Dog-Lyrics und einem Idiom: Es geht auf jeden Fall um eine Schrift mit Tropfenserifen, oder besser gesagt um Tropenserifen mit Buchstaben dran.
    4) einer »Capitalis Extremis« mit extrem, unausgeglichenen Proportionen

1. da bin ich manchmal ein bisschen pissig- so eine kopflastige bachelorarbeit in der typo öffentlichkeit aus zu tragen, find ich neben der spur. sind wir alle jetzt dein betreuer? hast du keinen prof?

2. um nicht wieder als nicht konstruktiv zu gelten, einen tip in richtung theorie: der karl gerstner hat in seinem kompendium für alphabeten da einiges geordnet, wie schweizer das eben so tun, schon ein bisschen genial.

:tutor:

1. da bin ich manchmal ein bisschen pissig- so eine kopflastige bachelorarbeit in der typo öffentlichkeit aus zu tragen, find ich neben der spur. sind wir alle jetzt dein betreuer? hast du keinen prof?

Es gibt ja als Recherchequellen nicht nur Bücher und (die eigenen) Professoren ... warum nicht auch wo anders umsehen? Er schreibt ja nicht "hab noch keine so wirkliche Idee ... sagt ihr doch mal!"

Um konstruktiv zu werden: stimmt, das "Buch" ist bei dem Thema fast schon Pflicht. Jetzt weiß ich endlich, für was es gut ist :)

  • Ersteller

um gleich zwei Fragen in einem zu bantworten: Auszüge aus dem »Kompedium für Alphabethen« hat mir meine betreuende Professorin kopiert :D

Kopflastig soll meine Bachelorarbeit auf keine Fall werden – bisher habe ich eben nur sehr wenige Skizzen zu Schriftentwürfen gepostet.

Das Thema in der Typo-Öffentlichkeit aus zu tragen, find ich die richtige Spur: Ich verlange von niemanden, dass er mir meine Arbeit abnimmt. Und wen das Thema nicht interessiert, muss auch nichts schreiben.

Da mir hier bisher einige Tipps gegeben und gute Artikel empfohlen wurden, die ich an meiner FH nicht bekommen habe, nutze ich die Nahrungsmittelergänzung und freue ich mich weiterhin über jeden, der spontan irgendein Einwand oder ein »ah, da fällt mir was in der Richtung ein« parat hat.

  • 2 Monate später...

nichts für ungut sondern sehr gut- macht spaß auf type und mehr. kompliment.

LG

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