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ß und Kapitälchen

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Hallo in die Runde,

ich habe mal eine grundsätzliche Frage zum ß und den Kapitälchen. Bisher habe ich es so gehalten, wie es in der Literatur und im Netz stand, nämlich dass das ß beim Kapitälchensatz immer durch "ss" ersetzt wird. Nun bearbeite ich für eine wissenschaftliche Zeitschrift gerade einen Text in dem die Nachnamen verschiedener Autoren vorkommen. Diese müssen in Kapitälchen gesetzt werden (Vorgabe!). Auch hier habe ich bisher immer "ss" verwendet, allerdings sind manche der Autoren davon wenig begeistert.

Nun habe ich noch einmal ein bisschen herumgesucht und bei wikipedia (jaja, ich weiß... ) stand in verschiedenen Artikeln, dass man (neuerdings) auch ein "großes ß" verwenden kann. Meint ihr, man kann das machen oder sollte ich doch lieber beim "ss" bleiben (und damit evtl. den Groll der Autoren auf mich ziehen)?

Hier im Abschnitt "Ersatzformen" steht etwas dazu (bzw. in der Grafik daneben) oder auch hier. Und es gibt sogar einen ganzen Artikel über das "große ß".

Leicht verwirrte Grüße,

Ivy

bearbeitet von Ivy
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Ich persönlich, der sich Weiß mit Nachnamen schreibt, bekäme einen Anfall, wenn ich WEIẞ läse. Weiß doch kein Mensch dass das nicht WEIB heißt.

Wenn die Vorgabe Kapitälchen verlangt, wird das ß ersetzt. Fertig.

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Andererseits ist es ja genau für den Zweck der Eindeutigkeit von Namen eingeführt worden. Wir haben einen Wikiartikel zum [wiki]Versal-Eszett[/wiki] (wobei ich lieber „großes scharfes S“ sage), und mit diesem Begriff als Suchwort findest du hier auch so einiges im Forum.

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Ich hab grad mit unserem kanadischen Grafiker über das Thema gesprochen. Er sagt dass noch nicht mal das ß bekannt sei und allgemein als ein b angesehen wird. Wie soll das dann erst bei einem ẞ werden, was noch nicht mal in Deutschland verbreitet ist?

bearbeitet von bertel
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Hmmm, also … ich muss sagen, ich schätze die Existenz des Versaleszetts. Ich hatte ja vor geraumer Zeit das Problem, dass ich einen Namen in Versalien setzen wollte, der die Kombination »ßs« beinhaltete. Den Namen mit »SSS« zu setzen habe ich einfach nichts übers Gestalterherz gebracht, das sah sooo schlimm aus … Da hätte ich wirklich wer weiß was dafür gegeben, wenn es in der entsprechenden Schrift ein Versaleszett gegeben hätte.

:-)

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Das mit der Eindeutigkeit von Namen ist natürlich einleuchtend, ja... Für dieses Mal, denke ich, werde ich es aber bei dem "ss" belassen, da unsere herzallerliebste mehrsprachige Zeitschrift ja (hoffentlich) auch von internationalem Fachpublikum gelesen wird und die vielleicht nix mit dem ß anzufangen wissen... Andererseits haben auch die anderen Sprachen ihre komischen Sonderzeichen.

Da es ja sowohl pro- als auch contra-Argumente gibt, sollte ich vielleicht fürs nächste Mal einfach Würfeln.. (hab immer einen Satz in der Tasche für solche Fälle).

Vielen Dank auf jeden Fall.

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Na ja, statt zu würfeln könntest Du Dir – bei tiefergehendem Interesse – auch noch ein paar der kontrovers und mit viel Liebe zum Detail geführten Fachdiskussionen hier im Forum zu Gemüte führen. Unter Umständen überzeugen Dich einige der Argumente für eine der beiden Sichtweisen? Es ist ja doch immer befriedigender, wenn man etwas, das man gestaltet hat, mit guten Argumenten vertreten kann. Mir geht es jedenfalls immer so. :-)

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Mit der Ersetzung durch Doppel-S machst du erstmal nichts falsch. Im Gegensatz zu Herrn Weiß akzeptiere ich als gebürtiger Pößnecker aber zum Beispiel die Schreibung PÖSSNECK überhaupt nicht.

Die Durchsetzung des Versaleszett steckt noch in den Anfängen. Typografie.info ist voll mit Material zu diesem Thema. Vielleicht kommst du ja für später mal auf den Geschmack.

 

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Mit der Ersetzung durch Doppel-S machst du erstmal nichts falsch. Im Gegensatz zu Herrn Weiß akzeptiere ich als gebürtiger Pößnecker aber zum Beispiel die Schreibung PÖSSNECK überhaupt nicht. …

Wenn sich in 50 Jahren das ẞ durchgesetzt hat, bin ich auch wieder dabei. Wobei das dann wahrscheinlich nur noch als Grabinschrift Relevanz hat …

HIER RUHT

HERR WEIẞ

SEIN WEIB

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Das würdest du vielleicht anders sehen, wenn deine Frau dich verlassen und einen Herrn Weiss geheiratet hätte (oder vor dir mit einem solchen verheiratet gewesen wäre). ;) ;) ;)

Es gibt nun einmal Situationen, in denen die Umwandlung von ß → SS zu Verwechslungen führen kann. Dafür ist das ẞ da. Und zwar genau, um wirkliche Hässlichkeiten wie HEß zu vermeiden. In einer ordentlichen Schrift gesetzt, sieht HEẞ nämlich ganz anders aus als HEß.

Im konkreten Fall würde ich die Beteiligten fragen. Gibt es in dem Feld etwa einen (anderen) Hess? Dann wäre HEẞ geradezu obligatorisch. Ganz anderes sähe es aus, wenn Heß sich schon in fremdsprachigen Veröffentlichungen einen Namen als Hess gemacht hat.

uc-lc-eszett-comp-linux-libertine-hess.png

bearbeitet von Þorsten
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Müsste es nicht heißen: … HERRN WEIẞ SEIN WEIB?

Um formvollendet falsch zu formulieren, meine ich? Ups, ab in die regionale Sprachpflegeabteilung damit …

Ich hab das chronologisch aufgebaut: Männer sterben früher, also heißt es erst mal Hier ruht Herr Weiß. Das Weib stieg erst nachher in die Kiste und wurde somit inschriftlich ergänzt.

Aber zurück zum Thema: Wenn Kapitälchen als Vorgabe gesetzt ist, dann müsste es doch auch für den Fall des ß eine Regelung dafür geben. Oder zumindest bisherige Anwendungsbeispiele, du wirst ja nicht der erste sein den das trifft. Vielleicht kannst du du auf diesem Weg weiterkommen.

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Klar werde ich diesbezüglich noch ein bisschen hier lesen, da mich das ja interessiert. Aber die Sache ist, dass in dem Fall die vorläufige Deadline morgen (eigentlich schon heute) ist und da nicht mehr so viel Zeit zum Grübeln bleibt. Aber es ist auf jeden Fall super, ein paar Meinungen dazu hier zu lesen, auch wenn sie sehr unterschiedlich sind.Habt wirklich vielen Dank für die Anregungen!

Mit den betreffenden Autoren habe ich keinen Kontakt, als dass ich sie fragen könnte (es handelt sich konkret um eine ziemlich umfangreiche Bibliographie und die Verfasser der darin enthaltenen Bücher kenne ich natürlich nicht alle persönlich). Für solche Fälle tun es dann doch eher die Würfel.

Dumm ist auch, dass ich leider den finalen Satz nicht mehr selber mache, sondern das seit Neuestem von unserem Verlag gemacht wird (vorher war aus Kostengründen die Redaktion dafür selber verantwortlich, ergo ich). Wenn ich denen nun hübsche ß-te da hin bastle, weiß ich leider nicht, ob dann am Ende auch die richtigen verwendet werden oder wieder alles umgeworfen wird. Das haben die dort letztes mal schon mit meinen unter vielen Strapazen richtig gesetzten An- und Ausführungszeichen geschafft *jammer*. Ist schon ein bisschen doof, die Situation, aber da ist nix dran zu ändern. Die "ss"-e wird aber wohl keiner wieder zurückverwandeln und somit werden sie auch im weiteren Prozess, auf den ich nun keinen Einfluss mehr habe, bleiben wie sie sind und gut aussehen. :)

bearbeitet von Ivy
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Stress Dich unseretwegen nicht – wir wollten Dir bloß verraten, wo Du weitere Infos findest, falls Du Dich noch mal ein wenig intensiver mit der Thematik befassen möchtest. Die von Dir geschilderten Sach- und Kompromisszwänge kennen wir auch alle. Aber gemeinsam stemmen wir uns – so gut wir können und mit wechselndem Erfolg – dagegen und schaffen es erfreulicherweise auch ab und zu, der Welt ein bisschen mehr Schönheit ins typografische Erscheinungsbild zu zaubern. :-)

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Dumm ist auch, dass ich leider den finalen Satz nicht mehr selber mache […] Wenn ich denen nun hübsche ß-te da hin bastle, weiß ich leider nicht, ob dann am Ende auch die richtigen verwendet werden oder wieder alles umgeworfen wird.

Na dann ist »SS« wohl tatsächlich die risikoärmere Variante. Falsch ist das auf keinen Fall und du kannst dich bei etwaigen Beschwerden mit den offizielle Regeln heraus reden, für die die Umwandlung ß → SS immer noch der Normalfall ist.

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  • 3 Jahre später...

Liebe Typographiefreundinnen und -freunde,

 

hoffentlich wird dieses Thema überhaupt noch gelesen und mir daher geantwortet:

 

Ich bereite momentan eine Publikation vor, in der Namen ebenfalls in Kapitälchen gesetzt werden müssen. An den "Rahmenumständen" (Word, Times New Roman) ist nichts zu ändern. Ich würde auch gerne das Versal-Eszett benutzen. Nun hat meine Times-New-Roman-Fontdatei (Version 5.07) zwar ein Versal-Eszett, aber bei der Auszeichnung von Namen in Kapitälchen wird "ß" nicht automatisch zu einer Kapitälchen-Version von "ẞ", sondern bleibt "ß".

Daher meine Frage: Ist jemandem bekannt, ob es eine neuere Times-New-Roman-Ausgabe mit Kapitälchen-Eszett gibt? Gibt es (außer der manuellen Umwandlung zu "ss") andere Tipps oder "Workarounds" für mein Problem?

 

Viele Grüße!

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Ich suche, wie die meisten regelmäßigen Nutzer hier wahrscheinlich auch, eh immer nach den neusten Posts. Dadurch geht sowas nicht unter  :huhu:

 

Das Problem ist, glaube ich, dass die Times gar keine echten Kapitälchen hat, somit kann sie auch kein Kapitälchen-Versal-Eszet haben. Oder hat deine Version welche? Bei meiner System-Times habe ich keine gefunden, kann auch sein, dass ich mich irre ...

Demnach können deine Rahmenumstände so bleiben, nur solltest du generell keine Kapitälchen nutzen, da das keine echten sein können  :-o

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Und selbst wenn die gewählte Version der Times ein ß-Kapitälchen hätte: Word kann, soweit ich sehe, auch in der neuesten Version nicht mit Kapitälchen umgehen. Andere Opentype-Funktionen werden mittlerweile unterstützt (wie gut, kann ich nicht beurteilen). Kapitälchen überfordern das Programm leider nach wie vor.

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Und selbst wenn die gewählte Version der Times ein ß-Kapitälchen hätte: Word kann, soweit ich sehe, auch in der neuesten Version nicht mit Kapitälchen umgehen.

Für solche Programme gibt es dann ja als Notlösung Varianten der Schrift wie die von Þorsten verlinkte, die direkt Kapitälchen ohne OpenType erzeugen.
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