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Kalligraphie (und Linkshänder)


CRudolph

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Es gibt für Linkshänder überhaupt keinen Grund, Instrumente – die mit beiden Händen benutzt werden müssen – umdrehen zu wollen. … wer etwa die Gitarre auf die andere Seite umspannt macht sich nur selbst das Leben schwer, ohne irgendeinen Gewinn zu haben.

Hm … verstehe ich da jetzt was nicht? Ich kenne Linkshänder, die Gitarre spielen und diese sehr wohl anders herum halten, aber natürlich die Seiten anders aufziehen, damit die Basssaite weiterhin oben ist.

Ich bin Rechtshänderin und spiele Gitarre; in meiner Linkshänder gegenüber vielleicht naiven Vorstellung erschien mir das nur logisch. :-?

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Es gibt für Linkshänder überhaupt keinen Grund, Instrumente – die mit beiden Händen benutzt werden müssen – umdrehen zu wollen. … wer etwa die Gitarre auf die andere Seite umspannt macht sich nur selbst das Leben schwer, ohne irgendeinen Gewinn zu haben.

Hmmm, beim nochmaligen Lesen frage ich mich gerade – warum macht man sich mit dem Umdrehen des Instrumentes eigentlich das Leben schwer?

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Wollte an dieser Stelle mal Wallis Bird erwähnen, sie spielt eine Rechtshändergitarre seitenverkehrt, ohne die Saiten umzuspannen.

Wenn man sie auf der Bühne erlebt scheint sie überzusprudeln:

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Vielmehr ist das trainieren der rechten Hand (bei Linkshändern) in meinen Augen nur eine Bereicherung und es würde auch jedem Rechtshänder gut tun seine andere Hand zu trainieren.

Lähmt z.B. eine Sehnescheidenentzündung kann man dann die belastete Hand leichter schonen.

Da hast Du recht. Ich habe momentan wegen rechtsseitiger Schmerzen eine zweite Maus zu meiner Linken, kann aber eigentlich damit kaum etwas bewirken. Wahrscheinlich sollte ich das zielgerichtet üben.

Hmmm, beim nochmaligen Lesen frage ich mich gerade – warum macht man sich mit dem Umdrehen des Instrumentes eigentlich das Leben schwer?

Bei jeder asymmetrischen Bauform, also einer Western- oder E-Gitarre, braucht man ein Sonderinstrument, was Auswahl und Preis-Leistungs-Verhältnis stark einschränkt. Und man kann nie spontan mit einem Fremdinstrument spielen, das normal gestimmt ist.

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Vielmehr ist das trainieren der rechten Hand (bei Linkshändern) in meinen Augen nur eine Bereicherung …

Jepp. Und umgekehrt!

Ich muss aber wohl doch nochmal etwas weiter ausholen, damit man mich richtig versteht:

Zunächst muss natürlich erstmal definiert werden, was wir hier unter Händigkeit verstehen. Meinen wir damit die Präferenz zur Benutzung einer bestimmten Hand bin ich sofort gerne dabei. Ich präferiere es, den Löffel entgegen des Standards in die linke Hand zu nehmen.

Ob diese Präferenz in meinen Gegen liegt, ist noch nicht abschließend geklärt. Wie Christian ja schon sagte, ein Linkshänder-Gen wurde trotz verzweifelter Suche niemals gefunden und man muss sich auch nur mal die Zahlen der Verteilung der Händigkeit von eineiigen Zwillingen anschauen, um starke Zweifel an einer rein genetischen Veranlagung zu bekommen.

Viel wichtiger als der Auslöser der Präferenz sind aber natürlich die Folgen in der Praxis. Und da habe ich tatsächlich eine stark abweichende Meinung von der gängigen Literatur. Die meisten Menschen verstehen unter Händigkeit nicht Präferenz sondern Fähigkeit. Eine Hand wäre zu tollen Dingen fähig, die andere will irgendwie nicht so richtig. Diese Sichtweise liegt nahe, da sie sich ja tagtäglich zu bestätigen scheint. Ich bin mir aber sicher, dass hier Ursachen und Wirkungen verdreht werden.

Die Ursache liegt in der Übung, nicht in den Genen! Motorik ist kein Zauberwerk. Sie entsteht durch Übung, Übung, Übung. Wir sind nicht einmal für das Laufen vorprogrammiert. Wir erlernen diese Bewegungsabläufe sehr mühselig durch fortdauernden Versuch und Irrtum. Genauso ist eine Fähigkeit wie das Schreiben oder das Halten des Löffels nicht bei Geburt im Gehirn eingebrannt und wir müssten da einen unabänderbaren Weg folgen.

Auch wenn ich den Löffel in die linke Hand nehme (es spielt ja keine Rolle), habe ich mich bewusst dafür entschieden, zum Beispiel die Maus an ihrem üblichen Platz auf der rechten Seite zu lassen, da ich genau weiß, dass ich die nötigen Bewegungsmuster einfach nur einstudieren muss, egal ob mit links oder rechts. Warum sollte meine rechte Hand dazu nicht in der Lage sein? Ich müsste fortan an jedem fremden Rechner erst einmal alles umbauen. Das ist genauso unnötig, wie das Umspannen einen Gitarre.

Wenn ich so einfache Beispiele bringe, kommt dann meist als Antwort: »Naja, dass kann vielleicht sein, aber wenn es um richtig komplexe motorische Bewegungen geht, hat das eben seine Grenzen. Da kommt man nur mit einer Hand wirklich weit.«

Darauf kann ich nur ein klares nein erwidern. Der Unterschied zwischen leichten und komplexen Bewegungsmustern ist eben auch nur die Übung, die zu ihnen befähigt. Klavierspielen ist das beste Beispiel dafür. Es gibt wohl kaum etwas komplexeres, was man mit seinen Händen anstellen kann. Zum einen muss man für alle 10 Finger ein schier unglaubliche Feinmotorik entwickeln und zum anderen könnte die Koordination der Bewegungsabfolgen der einzelnen Finger auch kaum komplexer sein. Aber siehe da: jeder versierte Klavierspieler, egal ob Links- oder Rechtshänder, schafft es, seinem »schwachen« Händchen allein durch Übung(!) diese wundersamen Fähigkeiten zu entlocken.

Man sieht daran: Händigkeit schränkt Fähigkeiten ist keiner Weise ein. Wer einen Arm verliert, trainiert fortan seinen anderen. Wer beide Arme verliert, fängt an mit dem Fuß zu agieren. Man kann selbst Fußkalligraf werden. Hat man dann ein Linksfüßer-Gen? Nein, man trainiert einfach motorische Fähigkeiten. Nichts weiter.

Jeder kann Klavierspielen lernen und jeder kann somit lernen, seiner schwachen Hand komplexe Bewegungsabfolgen zu entlocken. Ich bin mir sehr bewusst, dass es sich für den einzelnen oft anders anfühlt und dass man das oben gesagte deshalb gern erstmal kategorisch ablehnt. Aber man muss es nur einmal versuchen. Wie elga schon sagt: es kann sogar bereichernd sein.

Üblicher ist ja leider, dass die Schere immer größer wird: Man trainiert eben nur eine Hand und umso mehr man das tut, umso größer wird der erlernte motorische Vorsprung dieser Hand. Deshalb fühlt sich eine neu zu erlernende motorische Aufgabe mit einer Hand leichter an, als mit der anderen, weil man Teilabläufe davon schon mit der einen Hand schon gewohnt ist. Die schwächere Hand verfügt nicht über diese Übung und man meint, »das gehe einfach gar nicht«. Also benutzt man weiter seine präferierte Hand und verstärkt den Effekt somit von Bewegungsmuster zu Bewegungsmuster, von Jahr zu Jahr. Das heißt aber noch lange nicht, dass die schwächere Hand nicht die gleichen Leistungen vollbringen könnte. Und wenn dann jemand sagt, dass bestimmte Bewegungsabläufe wie das Öffnen einer Dose oder das Zupfen von 6 Seiten mit einer Hand nicht oder nur bedingt möglich sind, dann muss ich eben sagen: dann wurde einfach noch nicht gut genug geübt.

Wenn man das als persönlichen Angriff versteht, tut mir das leid. Ich bin aber wie gesagt auch kein ignoranter Rechtshänder, der nicht wüsste wovon er spricht. Ich praktiziere alles oben gesagte schon mein ganzes Leben lang. Ich präferiere bei Dingen, wo die Wahl der Hand keine Rolle spielt, die linke Hand. Aber ich mache auch unzählige Dinge mit rechts, weil ich weiß, dass meine beiden Hände gleichermaßen stark und virtuos sein könne, wenn ich die Bewegungsmuster nur ausreichend trainiere.

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Wir sind nicht einmal für das Laufen vorprogrammiert. Wir erlernen diese Bewegungsabläufe sehr mühselig durch fortdauernden Versuch und Irrtum.

Es gibt, so weit ich weiß, für manche zu lernende Bewegungsabläufe auch biologisch festgelegte Zeiten oder Zeitfenster. Da hat es dann wenig Zweck, es vorher zu probieren, weil der Körper noch nicht so weit ist. (Das nur als kleine Ergänzung. Für die hier behandelten Fähigkeiten tut das aber wohl eher wenig zur Sache. Eigentlich gibt es zu dem, was Ralf hier erklärt hat, nichts mehr hinzuzufügen.)

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… Bei jeder asymmetrischen Bauform, also einer Western- oder E-Gitarre, braucht man ein Sonderinstrument, was Auswahl und Preis-Leistungs-Verhältnis stark einschränkt. Und man kann nie spontan mit einem Fremdinstrument spielen, das normal gestimmt ist.

Da hast Du natürlich recht. Aber ich war von der klassischen Gitarre ausgegangen, da wäre es kein Problem, die Saiten umgekehrt aufzuziehen. Und da ich immer nur auf meiner eigenen Gitarre gespielt habe, wäre auch das Problem mit Fremdinstrumenten in meinem Fall keines gewesen. :-)

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Wenn man das als persönlichen Angriff versteht, tut mir das leid. Ich bin aber wie gesagt auch kein ignoranter Rechtshänder, der nicht wüsste wovon er spricht. Ich praktiziere alles oben gesagte schon mein ganzes Leben lang. Ich präferiere bei Dingen, wo die Wahl der Hand keine Rolle spielt, die linke Hand. Aber ich mache auch unzählige Dinge mit rechts, weil ich weiß, dass meine beiden Hände gleichermaßen stark und virtuos sein könne, wenn ich die Bewegungsmuster nur ausreichend trainiere.

Wenn ich Deine Ausführungen so lese, dann liegen wir in der Sache gar nicht so weit auseinander. Wie gesagt, ich wollte mit meinem ersten Post keine allgemein gültige Regel formulieren, sondern habe eine Beobachtung beschrieben, die sich ganz alleine auf mein Gitarrespiel bezog. Und ich könnte mir nach wie vor vorstellen, dass ich es auf andere Weise weiter gebracht hätte, da meine linke Hand einfach die feinmotorisch geschultere Hand ist. Da ich es nicht ausprobiert habe, ist das allerdings eine reine Vermutung.

Und was das Angegriffensein angeht – ich habe Deine Äußerungen nicht als Angriff aufgefasst. Allerdings reizen Deine in ihrer Verkürzung manchmal sehr absolut klingenden Argumente durchaus zu überlegtem Widerspruch. Aber das bezweckst Du ja auch, oder? :-)

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Gast bertel
Nun ich würde nicht von mittelalterlichen Methoden sprechen, er fühlt sich auch nicht unbedingt gequält. Ausserdem wird er von niemandem gezwungen.

Das klingt aber schon ganz anders als … und verlangt auch von unserem Auszubildenden sich das Rechtsschreiben anzueignen. Das Trainieren beider Hände ist sicher eine sinnvolle Sache – da bni ich voll und ganz bei dir –, das Umtrainieren von links nach rechts jedoch nicht.

bearbeitet von bertel
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Ich stimme dir zu. Das Umtrainieren war früher auch noch begleitet von den unsäglichen Begriffen der »guten« und der »schlechten« Hand. Als ich Kind war, gab es noch genügend ältere Leute in meinem Umfeld, die mir damit das Leben schwer gemacht haben. Zum Glück haben meine Eltern das immer abgebogen und mich die Dinge mit der Hand machen lassen, mit der ich sie eben gemacht habe. Manches mit rechts und manches mit links. Wie heute auch noch. :-)

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Als Linkshänderin fallen mir da allerdings manche Schwünge schwerer. Um die richtige Gewichtung zu bekommen, müsste ich eigentlich in Spiegelschrift arbeiten.

Meine Mutter ist Linkshänderin, wurde in der Schule aber zum rechtshändigen Schreiben gezwungen. Sie hat das (normale) Schreiben mit Links auch später nie wieder versucht, kann aber – ohne jedes Training – mit der Linken in normalem Tempo perfekt Spiegelschrift schreiben. (Im Spiegel betrachtet ist kein Unterschied zu ihrer normalen Handschrift feststellbar.)

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Gast Schnitzel

Könnte man diese Linkshänderei evtl. verschieben/abtrennen. Das lenkt doch nur von diesem kleinen schönen Filmchen ab?

Nicht, dass ich das als Rechtehandpräferierender uninteressant finde, aber es ist doch sehr OT.

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Allerdings reizen Deine in ihrer Verkürzung manchmal sehr absolut klingenden Argumente durchaus zu überlegtem Widerspruch.

Das kann ich nicht nachvollziehen.

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Speziell im Zusammenhang mit dem Schreiben mit Feder oder Pinsel am Stein wir sehr wohl "verlangt" mit rechts zu schreiben, was ich aus vorhergehend genannten Gründen auch richtig finde, weil es speziell in diesem Fall nicht anders geht. (-> Drehen vom Stein)

Er kann allerdings ohne weiteres auf das Erlernen dieser Technik verzichten, da es genug andere Techniken gibt mit denen man die Schrift auf den Stein übertragen kann (Plotter, Blaupapier etc.).

Es liegt also einzig und alleine an ihm was er erlernen will, nur hat er eben mit dieser Technik "mehr auf dem Kasten".

Von Umtrainieren unter Zwang, wie es früher bei Kindern stattgefunden hat ist nicht die Rede.

Das mit dem Ablenken vom schönen Filmchen ist richtig, das Thema hat sich irgendwie verselbstständig, sollte daher auch selbstständig stehen.

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Gast bertel
Speziell im Zusammenhang mit dem Schreiben mit Feder oder Pinsel am Stein wir sehr wohl "verlangt" mit rechts zu schreiben, was ich aus vorhergehend genannten Gründen auch richtig finde, weil es speziell in diesem Fall nicht anders geht. (-> Drehen vom Stein) …

Da sind wir alle völlig deiner Meinung. Für mich klang es am Anfang wie ein Umerziehen, nicht wie ein zusätzliches Erlernen.

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Das kann ich nicht nachvollziehen.

Was ich damit meinte, ist, dass wenn Ralf die folgenden Dinge schreibt:

Das ist ein großer Mythos. Es gibt für Linkshänder überhaupt keinen Grund, Instrumente – die mit beiden Händen benutzt werden müssen – umdrehen zu wollen. …
Nein, es fühlt sich gegebenenfalls für den Anfänger nur so an, weil man mit einer Hand mehr Übung hat. …
Du musst nur die richtigen Bücher lesen. Nämlich die wissenschaftliche Literatur, die untersucht, wie das Gehirn (Motorik) lernt. Was ist den unsäglichen Linkshänderratgebern steht ist ein Trauerspiel. …

… mir dies persönlich zu absolut formuliert ist. Man kann ja durchaus auch anderer Ansicht sein als Ralf und dies auch berechtigt. Ralfs zugepitzte Äußerungen regen also zum Nachdenken über den behandelten Sachverhalt an und unter Umständen auch zu Widerspruch. Und das ist ja durchaus im Sinne einer lebendigen Diskussion. :-)

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:lol: werd mich schon zu wehren wissen.

Ansonsten gehört es ja nun zu einem gutem Gespräch auch mal anderer Meinung zu sein.

Gott wäre das langweilig hier ohne fruchtbare Dialoge.

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Allerdings reizen Deine in ihrer Verkürzung manchmal sehr absolut klingenden Argumente durchaus zu überlegtem Widerspruch. Aber das bezweckst Du ja auch, oder? :-)

Nö, das ist keine Absicht. Wenn man das vermeintlich falsche nur immer und immer wieder hört, reagiert man vielleicht auch immer stärker darauf. Aber in dem langen Beitrag habe ich ja alles noch einmal ausführlich und sachlich dargelegt.

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