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Passender Schriftmix


Trenceval

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Schnitzel

Auf jeden Fall hat uns der geschätzte Kollege Minimalist mal wieder gezeigt, dass Vorstellung nicht alles ist, manchmal muss man einfach mal alle Theorie bei Seite lassen und das Unvorstellbare ausprobieren.

Vielen Dank :bow:

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Doppelmittel

Die Rhapsodie in Blei hat eine sehr schöne st-Ligatur - es sieht so aus, als sei die nicht in allen digitalen Versionen dabei.

Wenn zur Rhapsodie eine Grotesk genommen werden soll, die eventuell sogar noch ein Lang-s hat und in Blei gegossen wurde, wie wäre es dann mit einer leichten Erbar Grotesk? Ist etwas älter als die Futura aber weniger streng, mehr organisch.

Hier noch zwei Blei-Exoten für den Schriftmix mit der Rhapsodie zum Drüberstreiten:

magere Olympia und kursive Brudi mediäval

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Trenceval

Hallo und nochmal vielen Dank für die äusserst fruchtbare Diskussion und die daraus entstandenen Resultate.

Rhapsodie und Post Antiqua hatte ich heute morgen mal am Computer ausprobiert, das Ergebnis wollte mir nicht recht gefallen. Da fehlte mir irgendwie die Spannung und Abgrenzung zwischen den beiden Schriften.

Die Erbar Grotesk steht auch schon seit geraumer Zeit auf meiner Einkaufsliste, nur leider ist das nicht so einfach bei Bleischriften diese käuflich zu erwerben. Die einzige, mir bekannte, noch aktive Gießerei in Europa (D. Stempel GmbH) hat die Erbar Grotesk leider nicht im Sortiment.

Gerade in den kleineren Größen bis 10 Punkt ist es schwierig an (gebrauchte) Brotschriften zu kommen.

Viele Grüße

Marcus

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Kathrinvdm

Und dass man sich unter Bleisetzern mal einen Schriftschnitt leiht ist vermutlich auch nicht gerade gang und gäbe, oder?

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Trenceval

Naja, da sind verschiedene Aspekte im Spiel:

Bleilettern sind mittlerweile wie Antiquitäten anzusehen. Ich würde also etwas aus der Hand geben, was bei unsachgemäßen Gebrauch unwiederbringlich zerstört würde. Behandelt der Leihende die Schriften genauso wie ich?

Klar wäre es eine sehr nette Kollegenhilfe, aber ich kann auch jeden verstehen der damit Bauchschmerzen hat.

Hinzu kommt der logistische Aspekt. Für Akzidenzen kann man sicherlich die benötigten Lettern entsprechend ausbinden und stabil verpackt auf die Reise schicken. Aber wie sieht es bei größeren Mengen mit einem kompletten Setzkasten aus?

Ich habe kürzlich eine kursive Garamond in 24 Punkt angeliefert bekommen. Der Stecksatz-Kasten wurde anscheinend von dem betreffenden KEP-Dienst für ballistische Versuche benutzt. Nur so war der Zustand des Inhalts zu erklären. Das Sortieren dieser ziemlich handlichen Größe hat mich allein schon 6 Stunden gekostet. (Okay, ich habe zwischendurch mehrere Male versonnen auf die verschiedenen Zierlettern und manigfaltigen Ligaturen gestarrt.)

Es ist nicht zuletzt vor diesem Hintergrund ein sehr interessantes Hobby: man arbeitet mit historischen Materialien. Und bei der Beschaffung der Materialien (nicht nur allein die Bleilettern) kommt man sich häufig wie ein archaischer Jäger und Sammler vor.

Viele Grüße

Marcus

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Doppelmittel

Die Brotschriften wurden meist als erste gekippt, sprich der Metallschmelze zugeführt - oft auch weil sie ziemlich stark abgenutzt waren. In Darmstadt, in der Kirschenallee 88 (früher hieß das mal Haus der Industriekultur, ist ein alter Klinkerbau, ehem. Möbelfabrik, jetzt vom Keller bis unter den Giebel voll mit Drucktechnik) kann man sich auch Schriften gießen lassen: das ist ein Teil des Hessischen Landesmuseums, die Abteilung für Schriftguß und Drucktechnik. Es steht und fällt damit, dass die richtigen Matrizen noch vorhanden sind.

Ja, Trenceval, du sagst es. Das Ausleihen von Bleilettern kann Bauschmerzen machen. Und das Verschicken erst recht: für den Paketdienst sieht das aus wie eine alte Schublade. Und wenn mans vom Stapel zieht, dann ist das ziemlich entgegenkommend (satte 10 Kilo plus) - das erwarten die Leute nicht. Und dann sackt der Kasten erst mal ab, bis er aufschlägt - das tut den Lettern gar nicht gut.

Schon mal an die Optima gedacht? Ich glaube, die ist bei Stempel im Fundus.

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Thomas Kunz

Wenn der preußische Bleisetzer noch leben würde … Der wüßte bestimmt eine Bezugsquelle. Wird dessen Betrieb eigentlich weitergeführt? Wenn ja, könnte man da mal anfragen.

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Trenceval

Ja, die entsprechende Betriebsstätte der D. Stempel GmbH werde ich mir im April ansehen. An dem Tag werde ich meine Geldbörse in die treuen Hände eines Freundes geben. :lol:

Es ist schon interessant, ich hab mich in den letzten 2 Jahren mit einigen älteren Setzern unterhalten, die können zum Teil meine Faszination für das alte Handwerk nicht nachvollziehen.

Wenn die mir dann erzählen, was da alles vernichtet wurde, da kommen mir die Tränen.

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Trenceval

Der Betrieb wird weitergeführt. Eine entsprechende Webseite wird gerade aufgebaut bzw. war es schon, musste dann aber wohl wegen Domain-Streitigkeiten kurzfristig vom Netz genommen werden.

Dennoch fehlt die immense Expertise von Georg Kraus.

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Kathrinvdm

Wäre es ein praktikabler Weg, die Rhapsodie ins Auto zu packen, zu einer Bleisatzwerkstatt zu fahren, die beispielsweise eine Erbar hat (ich denke jetzt an so was wie das Museum der Arbeit in Hamburg oder auch meine Fachhochschule in HH, Fachbereich Gestaltung, wo es Bleisatzwerkstätten gibt), und dort in der Werkstatt die eigene Drucksache zu setzen und zu drucken? Wenn es sich um einen einmaligen Druck handelt, könnte das ja eine Möglichkeit sein. Zum Austausch könnte man den Leitern der Werkstätten anbieten, dass sie Druckmusterbögen der Rhapsodie mit Deinen Lettern produzieren dürfen für ihre Mustersammlungen.

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Doppelmittel

so nennt sich das, wo die Bleilettern hingebracht werden - auch heute noch. Es gibt nämlich noch welche.

Trenceval, hört sich an, als hättest du Platz zum Unterbringen und würdest die Lettern ihre Arbeit machen lassen wollen? Bei mir fragen manchmal Druckereien nach, ob ich jemanden kenne, der die alten Bestände übernehmen möchte - ganz oder in Teilen - um damit zu arbeiten. Suchst du was Bestimmtes?

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Trenceval

Ja, Platz habe ich vorerst noch genug. Wobei ich mir demnächst mal 1-2 Satzschränke kaufen muss und auch den ein oder anderen Setzkasten.

Bevor sowas in der Metallverwertung landet, nehme ich mich den Lettern gerne an.

Generell suche ich Brotschriften (hier vorallem Antiqua-Schriften, da habe ich bislang nur die Post Antiqua) und natürlich auch Auszeichnungsschriften.

Wenn Du also mal wieder eine Anfrage einer Druckerei hast, nur her damit. Und wenn es nichts für mich ist, so kenne ich mittlerweile doch den ein oder anderen Enthusiasten, der damit was anfangen kann.

Viele Grüße

Marcus

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Trenceval

Kathrin, die Idee ist an sich gut. Nur habe ich leider kein Auto und mal eben von Frankfurt nach Hamburg zu düsen. Und mit dem Zug sind das auch 2 x 3,5 Stunden plus ca. 90 € Fahrtkosten mit der Bahn (ich hatte mal ne fernbeziehung in HH, daher kenne ich mich aus). Alles in allem für ein spontanes Projekt oder ggf. auch für einen Auftrag eher unpraktikabel. Wenn, dann müsste sowas schon in der unmittelbaren Umgebung von Frankfurt sein. Aber da ist mir leider nichts und niemand bekannt.

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Kathrinvdm

Hamburg war ja nur als Beispiel gemeint, weil das die einzigen Bleisatzwerkstätten sind, die ich kenne – neben der »Schwarzen Kunst«, die auch in Hamburg sitzt. Ich hatte einfach vermutet, dass es so was bei Euch in Frankfurt oder Umgebung vielleicht auch gibt. :-)

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Trenceval

Die einzige Kunst, der hier in Frankfurt nachgegangen wird ist die, aus Nichts Geld zu machen oder Geld zu Nichts zu machen. ;-)

Wobei ich in meiner Frühjahrstour durch diverse Museen auch mal wieder dem Gutenbergmuseeum einen Besuch abstatten werde. Eventuell bekomme ich da noch ein paar wertvolle Tips.

Wobei Hamburg auch noch auf meiner Reiseliste steht, da würde ich gerne eine selbst gesetzte und gedruckte Geburtstagskarte überreichen.

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Kathrinvdm

Also, falls Du Hamburg doch in Erwägung ziehst – das Museum der Arbeit bietet freies Arbeiten in seiner Bleisatzwerkstatt an. Der Fachbereich Gestaltung der HAW Hamburg hat eine Bleisatzwerkstatt und mit Richard Scheffler einen sehr netten uns hilfsbereiten Leiter, der bestimmt gerne hilft, wenn er kann. Die »Schwarze Kunst« ist eine ziemlich abgefahrenen kleine hamburger Bleisatzdruckerei, in der äußerst kreative Geister wirken und jede Menge Spaß dabei haben.

Ansonsten hat vielleicht noch einer der Kollegen eine Idee für Frankfurt und Umgebung? Der Minimalist zum Beispiel kommt aus Deiner Ecke … :-)

bearbeitet von Kathrinvdm
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Doppelmittel

Hast du von 2.-5. Juni schon was vor?

Bevor es dir langweilig wird: Mainz, Großzelte am Rheinufer in Höhe Rheingoldhalle: Minipressenmesse - ist nur alle zwei Jahre (in den ungeraden).

Müsste von FFM aus machbar sein mit der Bahn. Ich kenne Leute, die wohnen in Mainz, wenn sie auf der Buchmesse in FFM ausstellen.

Da kommen einige aus der Zunft zusammen.

Ich halt derweil Augen und Ohren offen - wenn Blei um Hilfe schreit, melde ich mich.

Und vielleicht sehen wir uns ja in Mainz.

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gutenberger

die Rhapsodie würde ich auch eher mit magerer Futura oder leichter Helvetica mischen - Hauptsache eine dünne Groteske, von der Post (der Klassiker auf jeder Trauerkarte) würde ich dringend abraten. Wenn Du irgendwann ne Garamond oder eine zurückhaltende Antiqua (in Blei wäre beispielsweise auch die Weiß-Antiqua eine sehr schöne geeignete "eierlegende Wollmilchsau für fast alle Zwecke) hast, würde das vermutlich auch mit der Rhapsodie funktionieren, wenn es einen sichtbaren Größenunterschied gibt, also mindestens 4pt Differenz in der Schriftgröße. Im Übrigen: wenn Du gußfrische Schrift kaufen willst zwei Tips:

1. Falls du bisher keine Antiqua hast, aber schon Helvetica und Futura, würde ich mir erstmal ne Antiqua zulegen, ehe ich eine dritte Groteske kaufe (Univers). Und wenn schon in Blei noch ne Groteske dazukommen soll und du auf die Frutiger stehst, die es aber nicht gibt: die Syntax gab es meines Erachtens sogar noch in Blei - ich glaube es jedenfalls und meine, es war eine der letzten überhaupt noch in Blei gegossenen Schriften. Mit der Univers wäre ich vorsichtig, universeller benutzbar scheinen mir von möglicherweise beschaffbaren (was ja nicht so einfach ist) Bleisatzgroteskschriften außerdem die AG oder so etwas der Richtung ...

2. Gußfrisches muß man nicht bei Stempel bzw. Gerstenberg kaufen oder drauf hoffen, dass man was zufällig bekommt - es gibt auch noch die Officina Parnassia in der Schweiz mit dem wohl weltgrößten Monotypematrizenangebot. Das ist preislich meist günstiger als Gerstenberg, der Monoguß reicht für Handsatz und Buchdruck in normalen Auflagen heutzutage völlig aus und deutsche Höhe gießen die Jungs von Parnassia auch ...

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gutenberger

und geb deshalb noch mal meinen Senf dazu. Der hier von so vielen verehrte verstorbene Bleisetzer hat auch eine ganze Menge fachlichen Blödsinn von sich gegeben und von ihm verkaufte Schriften waren teilweise in erbärmlichen Zustand, weil er die Lettern mit einem "Metallputztuch für Stahlkochtöpfe"(!) so lange geputzt hat, bis sie für Fotos schön glänzten, aber zum Drucken nicht mehr zu gebrauchen waren. Ich hab es selbst erlitten. Herr Kraus (und sein halbbraunes Gesülze, was er hier auch immer wieder angebracht hat) fehlt mir hier also keinesfalls.

Es gibt außer in Hamburg fast überall noch Buchdruckwerkstätten. Wenn nicht gewerblich, dann eben Buchdruckwerkstätten von Handpressendruckern - z.B. in Berlin, Hamburg, München, Leipzig (das sind alles Städte mit mehreren mir bekannten Handpressen!) und diverse im "ländlichen Raum", (beispielsweise in Sachsen, Bayern, um Frankfurt herum) verteilt. Da empfiehlt sich wirklich mal der Besuch der Messen in Mainz (Minipressenmesse alle zwei Jahre Himmelfahrt, dieses Jahr wieder), Hamburg (alle zwei Jahre im Januar im Museum der Arbeit, war dieses Jahr also schon), Frankfurt (auf der Buchmesse sind einige Handpressendrucker als Aussteller zu erleben), Frauenfeld in der Schweiz (alle zwei Jahre) oder ein Blick beispielsweise ins Minipressenarchiv am Mainzer Gutenbergmuseum, ins "Forum Bookart" im Internet etc.

Die Gießerei im Industriemuseum in Darmstadt ist "Gerstenberg", der für "Stempel" gießt. Aber wie gesagt, die meines Erachtens beste Alternative ist die Officina Parnassia in der Schweiz. Es gibt auch in Deutschland, Holland, den USA und GB noch andere Monogießer ...

In Dresden gießt wohl auch Schumacher-Gäbler noch auf Komplettgußmaschinen und/oder Monotype, ob er aber auch Schrift verkauft, weiß ich nicht.

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gutenberger

sowas wie die offene Werkstatt im Hamburger Museum der Arbeit gibts auch bei Dir im S-Bahnbereich: der Druckladen des Gutenbergmuseums macht so was ähnliches ... die haben übrigens tonnenweise Schrift in ihren Lagern, wenn man sich mit denen gut stellt geht da vielleicht sogar was gegen ne Spende - versprechen will ich das aber nicht, die gehören natürlich zum öffentlichen Dienst ...

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