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Tabu-Farbe?

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Ich sitze grade an einem Buch, welches eine jüdische Familiengeschichte beschreibt. Wir haben einen prima Coverentwurf, der grafisch auf vollste Zufriedenheit stösst: ein Foto ganzseitig im Hintergrund und Autor, Titel, Verlag schwarz auf einem knallgelben Kreis ... Nun taucht plötzlich der Einwand auf, dass eine jüdische Geschichte und ein gelber kreisrunder Kreis mit schwarzem Rand (kein Stern!) möglicherweise nicht pc sein könnten ...

Das Blöde daran: der gelbe Kreis ist eigentlich DAS (weil wichtigstes) grafische Merkmal einer Buchreihe, in der dieser Titel als zweites erscheinen soll - sprich, es gibt erst einen Titel in der Reihe, von daher könnte man vielleicht auch die Farbigkeit des Kreises noch variieren ohne das es später auffällt, was aber nicht so schön wäre.

Meine Fragen also: Was meint oder wisst Ihr zum konkreten Fall?

Und: Gibt es weitere Farben, die im Zusammenhang mit bestimmten Themen religiöser oder historischer Art und/oder bestimmten abstrakten Formen "nicht gehen"? Also jetzt nicht aus rein geschmacklichen Gründen, sondern inhaltlichen ...

Mir fällt da momentan gar kein Beispiel ein ...

Dank für alle sachdienlichen Hinweise im voraus

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Hm, das ist wirklich eine kniffelige Angelegenheit – und ein unglücklicher Zufall, dass der gelbe CD-Kreis der Buchreihe in diesem Fall auf das jüdische Thema trifft. Ich habe jetzt ein paar Mal hin und her überlegt und ich persönlich würde dem Kreis auf diesem Band eine andere Farbe geben. Einfach, damit eine möglicherweise aufkommende Debatte über den gelben Kreis nicht vom eigentlichen Inhalt des Buches ablenkt, das wäre sicherlich zu bedauern. Ich vermute einfach mal, dass dem Autor des Buches nicht an einer plakativen Diskussion gelegen ist, sondern eher an leiseren Zwischentönen. Aber das sind nur Vermutungen. Was sagt denn der Autor selber?

Generell zu Tabu-Farben: Braun ist in manchem Kontext (zum Beispiel beim Thema Heimat) nicht unproblematisch …

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… Und: Gibt es weitere Farben, die im Zusammenhang mit bestimmten Themen religiöser oder historischer Art und/oder bestimmten abstrakten Formen "nicht gehen"? Also jetzt nicht aus rein geschmacklichen Gründen, sondern inhaltlichen ...

Wenn Du erst einmal anfängst, in den Kategorien solcher Rücksichtnahmen zu denken, wirst Du gar nicht mehr fertig. Und am Ende hast Du doch irgendetwas übersehen, worauf beim besten Willen niemand kommen konnte und was dann doch irgendeinen Tugendwächter stört. Ein gelber Punkt ist ein gelber Punkt und kein Stern. Punkt. Wer da was anderes impliciert, ist selbst schuld. Und sehr häufig nervt es Juden am meisten, daß ihnen dauernd solche Empfindlichkeiten unterstellt werden. Sie sind ja nun auch wahrlich nicht gerade dafür bekannt, daß sie z. B. wegen ein paar mißliebiger Karikaturen anfangen, sich zusammenzurotten und Fahnen zu verbrennen und Boykotte auszurufen und Hinrichtungsfatwas zu verhängen.

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Zur Not würde ich ein paar Unbeteiligte zu Rate ziehen und ihre Reaktionen prüfen. Wenn mir XY sofort an den besagten Stern denken muss und der Nächste an Diskriminierung, dann würde ich mir das noch einmal überlegen.

Grundsätzlich sollte bei einer Reihe oder allgemein einem festgelegten CI m.E. nicht aufgrund pc elementare Gestaltungsvorgaben außer Kraft gesetzt werden. Außerdem fände ich es leicht fatal, wenn man bestimmten Farb-Kombinationen auf Ewig in den Tabu-Bereich verbannt, bzw. derart verklemmt mit ihnen umgeht, so dass ein Loslösen von "visuellen Klischees" viel schwerer wird.

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Bestimmte Farben wirken in bestimmten Zusammenhängen platt. Für eine jüdische Historie würde ich keinen gelben Kreis einsetzen, wenn dieser keinen Sinn herstellt, also sozusagen nur aus Versehen auf den Judenfleck hinweist, ohne daß es beabsichtigt ist. Die Ermordung der europäischen Juden ist keine 80 Jahre her, die historische Forschung noch in vollem Gange, es werden immer noch Leute vor Gericht gestellt. Ich war an der Umschlaggestaltung dieser Reihe beteiligt und weiß deshalb, daß hier noch jahrelang Quellen erforscht werden, die bisher nicht zugänglich waren. Es handelt sich nicht um ein abgeschlossenes Sammelgebiet. Erst vor 12 Jahren hat erstmalig ein deutscher Bundespräsident vor dem israelischen Parlament gesprochen, und er hat um Vergebung gebeten. Es ist für die Hülse "Politische Korrektheit" noch viel zu früh. Frühestens wenn die Generation der Enkel der Überlebenden nicht mehr da ist, wird man keine Bedenken mehr haben, wenn man einen gelben Kreis auf einer jüdischen Historie sieht. Schon die Frage nach dem gelben Kreis legt nahe, daß man höchstens so tun kann, als gebe es keine Assoziationen, sie sind aber doch gleich da, und wenn sie nicht intendiert sind und gelenkt werden, kann der Umschlag falsch interpretiert werden. Das könnte auch passieren, wenn die ganze Reihe gelbe Kreise hätte und der eine weiß bliebe. Er würde zum Mahnmal, auch wenn das nicht beabsichtigt ist. Also entweder das Buch aus der Reihe nehmen oder die Farben variabel halten. Wenn mal ein Band über eine Eigenurintherapie erscheint oder über Sonnenblumen oder Genmais oder die FDP, wirkt ein gelber Kreis ja auch etwas gedankenarm. Ein Buchumschlag muß außerdem auch immer außerhalb einer Reihengestaltung seine Aufgabe erfüllen.

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Mal andersrum gefragt ... war diese Familie denn nicht von den Judenverfolgungen der Nazionalsozialisten betroffen? Warum wäre im Falle der Betroffenheit ein Judenstern unpassend um auf diesen Umstand explizit hinzuweisen? Spielt die NS-Zeit in der Familen-Historie keine Rolle?

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Die Frage ist falsch gestellt.

Die Vorgehensweise irritiert mich. Est kommt der gelbe Kries hin, dann überlegst du ob dieser korrekt ist. Er prangt auf dem Titel, der optisch wichtigsten Fläche des Buches, natürlich wird er interpretiert, wie auch immer, von jedem anders. Wenn er die Aussage des Buches nicht stützt, hat er auf dem Titel nichts verloren und dann stimmt das Grundlayout der Buchreihe nicht. Oder aber: das Buch kann in der Reihe nicht erscheinen. Als Element der Reihe wird der gelbe Kreis nur identifizierbar, wenn man die Reihe kennt, sie also medienpräsent ist. Aber die Serie gibt es ja noch gar nicht.

Du musst also nicht fragen, ob sich Menschen an der Darsellungen stören könnten, sondern, ob die Gestaltung das aussagt, was im Buch steht.

Ich habe jüdische Organisationen in meiner Kundschaft. In solchen Fragen ist die Zusammenarbeit meiner Erfahrung wesentlich unklomplitzierter und entspannter als mit katholischen Oragnisationen beispielsweise. (Gelb ist übrigens auch die Farbe des Vatikans). Ich habe lernen müssen, dass Juden sich ungern auf die NS-Zeit reduzieren lassen. Natürlich ist das ein wichtiges Thema, aber nicht das einzige in Anbetracht jüdischer Geschichte.

Ob deine Gestaltung "politsch korrekt" ist im Sinne von "darf man sowas?" ist nicht die Frage. Die Frage ist: Warum ein gelber Punkt? Sicher nicht nur weil er gut aussieht.

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ci sticht in diesem fall befindlichkeiten

Sehe ich etwas anders. Wenn jetzt das CI so bekannt wär, daß jeder es automatisch mit der Buchreihe in Verbindung sieht, wär das wahrscheinlich o. k. In diesem inhaltlichem Kontext und in Unkenntnis des gestalterischen Hintergrund wird aber jeder zwangsläufig den Kreis in Zusammenhang mit dem Inhalt sehen. Kann aber auch eine Chance sein. Heißt ja nicht, daß die Verwendung des gelben Kreises automatisch anstößig ist. Kommt schon ein wenig auch auf das Wie an.

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Juden mussten seit dem Mittelalter einen gelben Kreis tragen (der als Vorläufer des Judensterns gilt), u.a. in Polen wurden Juden mit einem gelben kreisrunden Fleck gekennzeichnet … wenn du deinen gelben Kreis auf dem Titel nicht in irgendeiner Weise darauf beziehst, würde ich eine andere Lösung suchen. Hängt aber immer vom Inhalt und auch vom Kontext ab. Da müssten wir das und die anderen Cover sehen.

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Der besagte gelbe Kreis, der die Reihe kennzeichnet, steht symbolisch für die Zirkusmanege, weil diese Reihe ausschließlich Bücher über verschiedenste Aspekte der Zirkusgeschichte beinhalten wird. Das erscheint mir grafisch reizvoll und inhaltlich eine gelungene, wenn auch vielleicht nicht gerade Jedem auffallende Abstraktion (was ja nicht schlimm wäre, der Reihe aber trotzdem einen Reihencharakter gibt). Das nun ausgerechnet der zweite Band die Geschichte einer jüdischen Zirkusfamilie (über 200 Jahre inklusive der Nazizeit, in der auch Angehörige dieser Familie umgebracht wurden) ist - war nicht vorherzusehen und es wird mit ziemlicher Sicherheit keinen weiteren Band zu einem solchen Thema geben ...

Der Autor des Buches fühlt sich nicht vom Kreis "betroffen", fürchtet aber schlechtere Absatzchancen des Buches bei jüdischen Organisationen, Vereinen oder Museen.

Ich hab auch bei einigen jüdischen Freunden nachgefragt (die sich allerdings meist weniger als mehr "jüdisch" betrachten, Leute wie Henryk M. Broder hab ich - in diesem Falle leider - nicht im Bekanntenkreis). Deren Tenor war überwiegend: Mach es so, selbst wenn die Assoziation kommen sollte - was solls, es gehört doch zur Geschichte.

Ob ich den Coverentwurf hier reinstellen kann weiß ich noch nicht, ich muß zumindest erstmal den Verleger fragen ...

Bei Überlegungen zu "Tabu-Farben" hat mir übrigens jemand erzählt, dass man beispielsweise auf Ägyptenreisen kein Hellblau tragen sollte und diese Farbe für Produkte, die im nahen Osten außerhalb Israels verkauft werden sollen auch keine gute Farbe ist ...

Vielen Dank für Eure Beiträge, ich bin gespannt, was es noch so an Meinungen und Argumenten gibt ...

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Das erste Buch der Reihe ist ja schon mit gelbem Kreis erschienen. Wenn man jetzt ändert, muß man für jedes künftige Buch eine neue Farbe finden.

Das würde ich sogar als Chance ansehen, da die farbliche Gestaltung des Titels freier ausfallen kann. Müsste man aber das Gesamtkonzept kennen …

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vor allem um Zirkus und Zirkusgeschichte, weshalb ich natürlich gern am gelben Kreis festhalten würde, weil eine Zirkusmanege ja eher gelb ist ... und außerdem empfände ich bei wechselnden Farben die Reihe als lauter bunte Smarties zu bunt - ich bin eher ein Freund strenger Reihenregeln ...

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einer jüdischen Zirkusfamilie ... die halt über zweihundert Jahre und fünf Generationen Zirkus gemacht hat und diverse Zirkusse gegründet hat, weil jeder Zweig der Familie dann häufig wieder einen neuen Zirkus gegründet hat. Und es wird vorwiegend Zirkusgeschichte (Tourneen, Programme, Konzepte, aber auch privates wie Heiraterei etc.) beschrieben, die große Gesellschaftsgeschichte ist dabei natürlich nicht ausgeklammert, sondern spielt natürlich mit rein, ohne im Mittelpunkt zu stehen ... ich weiß nicht wie ich es besser beschreiben soll ...

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Ich denke dass das immer im Kontext gesehen wird … wenn du beispielsweise "Die Zirkus-Geschichte der Familie Breitbart – 5 Dynastien in 200 Jahren" titulierst, wird kein Mensch eine Verbindung zum Judenkreis herstellen.

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Wenn du "Schicksale" mit dem gelben Judenkreis zusammenbringst, passt es doch auch wieder. Die Judenverfolgung ist schließlich keine Erfindung der Nazis, sondern existiert seit Jahrtausenden.

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