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Unbekannte Bleisatzschrift (verzierte Gebrochene)

Hervorgehobene Antworten

  • Ersteller

catfonts: Das dachte ich mir schon, aber davon wird's ja auch nicht richtiger. Wenn die Beschriftung des Kastens irgendwas mit der echten Bezeichnung zu tun hätte, dann wäre die Frage nach dem Namen der Schrift wohl gar nicht erst aufgetaucht.

 

FrankB: Solange es am Ende nicht aussieht, als würde mir für Arbeit gedankt, die ich gar nicht gemacht habe (Entwurf, Digitalisierung, ...) ist für mich alles in Ordnung.

So, der erste Meilenstein ist erreicht, die Versalien stehen und könnten schon als Initialen verwendet werden.

 

Das ist schon in Zielgröße im Font-Editor:

 

post-22079-0-95939600-1436224956_thumb.p

Gefällt mir ausgesprochen gut! Aber was ein Kuddelmuddel, wa?

 

Hat es einen speziellen Grund, dass das Zierwerk-Dingens (Synapse) auf der linken Seite des S wesentlich größer/breiter ist, als bei allen anderen Versalien? Ist da dem Schriftschneider anno dazumal ein Schnitzer passiert? Das ist mir jedenfalls sofort ins Auge gefallen …

 

Edit: Ich meinte natürlich das K … puhhh ist das heiß hier!

Mit diesen Buchstaben könnte man vermutlich sogar seinen Namen tanzen – die Zeichen sehen ja aus wie hochkomplexe Schrittfolgen beim Tanzen. Fehlen nur noch die obligatorischen Schuhabdrücke …  ;-)

@catfonts:

Sieht toll aus! Darin steckt so viel Spiel.

Dennoch, wieder mal ein Hinweis von mir. Die Unterbrechungen sehen ungleich stark aus, kann aber am Bild liegen. Achte doch bitte mal darauf. Ich weiß, dass eine derart vielfältige Form aus Kombinationen innerhalb eines Zeichens vom Spiel zwischen Schwarz und Weiß lebt. Mich macht sowas bei der (Font-)Arbeit irgendwann ziemlich fertig, wenn es nicht ganz ausgeglichen aussieht. Da hilft nur Abstand von der Arbeit, was mich betrifft.

Ja, richtig, da ist noch Bedarf an Finetuning, aber ich will erst mal alle Glyphen beisammen haben, dieses Duchbrüche feilen kommt dann noch, ist fest eingeplant, das sind hier nämlich erst einmal "Platzhalter" die die Stelle auffindbar machen, wo die in den etwas abgenudelten Bleilettern saßen.

 

Aber generell sind da auch in den Bleilettern durchaus unterschiedliche Durchbrüche, Da wo so ein "Bündelstück" sitze, sind die Ritzen nur sehe schmal, läuft eine Kurve über der anderen, und ist freigestellt, sind die spalten deutlicher und diese Zierunterbrechungen sind deutlich stärker, aber auch nicht über alle Buchstaben gleich. Das macht aber letztlich nicht viel, da die Großbuchstaben ohnehin nie so im Haufen auftreten.

  • Ersteller

Solange nicht irgendeine Figur völlig aus der Reihe tanzt, sollte man es mit der Exaktheit auch der Wirkung halber nicht so genau nehmen, denke ich. Das ist keine mathematisch konstruierte Schrift, und kleine Unregelmäßigkeiten machen sie lebendig. Sollten sich halt irgendwie organisch einfügen, aber dann finde ich die richtig sympathisch.

Selbst geometrisch anmutende Schriften werden/wurden nach Auge™ gestaltet und nicht nach reiner Mathematik …

  • Ersteller

Ja, klar. Mir ging's ja auch mehr um das Gestaltungsprinzip, und hier ist eine geometrische Anmutung eben nicht mal die Absicht.

Ein paar Anmerkungen, sehr vorsichtig, denn ich bin kein Experte für Schriftentwurf:

Ein J ohne Unterlänge? Tschichold hat sogar das I ohne Unterlänge streng verurteilt und empfohlen, in Schriften, die dieses I haben, statt dessen das J für I zu verwenden. Seither verwende ich im Bleisatz in Unger-Fraktur und Zentenar kein I mehr, ich glaube auch, daß ich eine Fraktur ohne I habe, weiß aber im Moment nicht, welche. Das I ohne Unterlänge sei ein neumodsicher Schnickschnack, so ungefähr sagt Tschichold. Stelle müßte ich suchen.

 

Das M scheint mir der dunkelste Buchstabe zu sein, es wirkt in der Mitte zu wuchtig. Die rechte Seite vom N zu übernehmen, den Übergang aber nicht anzupassen mit eigener Form, scheint mir nicht ideal. Die mittlere dicke Linie im M scheint mir die längste und kräftigste im ganzen Alphabet zu sein. Der obere Teil hat gegenüber dem N einen zusätzlichen Schnörkel, was den Buchstaben weiter verdunkelt. Ich glaube, daß der starke Mittelstrich durchbrochen oder früher verjüngt werden müßte. Irgendwie müßte da für mein Empfinden mehr Licht hinein. Vor allem im rechten unteren Viertel. Im C gibt es noch einmal zwei kräftige Striche nebeneinander, allerdings scheinen die auch zarter zu sein, von denen einer durchbrochen ist. Sonst gibt es keine solche Stelle von zwei dicken glatten Linien nebeneinander.

Dies also nur die Hinweise eines Unberufenen, nicht als Anmaßung einer Expertise zu verstehen.

Jetzt wo Martin das sagt fällt mir auf, dass auch der rechte obere Bogen des »O« ganz schön dunkel ist. Vielleicht könnte man den noch einen Hauch verschlanken?

Jetzt wo Martin das sagt fällt mir auf, dass auch der rechte obere Bogen des »O« ganz schön dunkel ist. Vielleicht könnte man den noch einen Hauch verschlanken?

O, P und Q haben alle drei oben rechts diese Kräftigkeit. Würde ich allerdings nicht monieren, sticht mir nicht ins Auge im Gesamtbild des Alphabets.

Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, diese Schrift zu benutzen, ich stehe ziemlich ratlos vor diesen Mustern. Damit fehlt mir jegliche Erfahrung, ich kann gar kein Gefühl dafür entwickeln und nicht einmal sagen, ob ich sie schön oder häßlich finde. Ich würde wohl, um es mit Max Goldt zu sagen, seitlich daran vorbeigehen.

  • Ersteller

Interessant, daß das M zu dunkel sein soll: Ich dachte das auch erst, habe den Eindruck dann aber darauf geschoben, daß das L daneben ziemlich hell ist. Was die zusätzliche Schleife oben in der Mitte betrifft, würde ich vielleicht die Verdickung zum "Haken" hin etwas sanfter gestalten, dann wird der Bereich auch minimal heller.

 

Unterlängen sind bei dieser Schrift übrigens ohnehin spärlich gesät: Bis auf das K füllt bei allen Figuren das Bild den kompletten Kegel aus, und einzig beim K steht der heruntergezogene Fuß einige Punkt weit darüber hinaus.

Ein J ohne Unterlänge? Tschichold hat sogar das I ohne Unterlänge streng verurteilt und empfohlen, in Schriften, die dieses I haben, statt dessen das J für I zu verwenden. Seither verwende ich im Bleisatz in Unger-Fraktur und Zentenar kein I mehr, ich glaube auch, daß ich eine Fraktur ohne I habe, weiß aber im Moment nicht, welche. Das I ohne Unterlänge sei ein neumodsicher Schnickschnack, so ungefähr sagt Tschichold. Stelle müßte ich suchen.

 

Einerseits dreht und wendet er diese Argumente, wie er sie gerade braucht. Im gleichen Text betont er erst ausdrücklich, dass I und J nicht dasselbe sind. Die neuemodische I-J-Unterscheidung  (»Mißgeburt«, »Unfug«) in der Fraktur müsse aber dennoch wieder verschwinden (denn sie ist nicht traditionell), die zur gleichen Zeit entstandenen (untraditionellen) Umlaut-Großbuchstaben müssen aber unbedingt gesetzt werden. »ein Schriftenmaler, der auf sich hält, muß peinlich genau darauf achten«. Davon abgesehen hat der alte Text ja wenig mit den heutigen Lesegewohnheiten zu tun. 

Im historischen Kontext betrachtet, kann man Tschicholds steile Thesen durchaus verstehen, aber heute blindlings übernehmen würde ich sie dennoch nicht. 

O, P und Q haben alle drei oben rechts diese Kräftigkeit. Würde ich allerdings nicht monieren, sticht mir nicht ins Auge im Gesamtbild des Alphabets.

 

Aber beim O ist sie doch dicker – oder täusche ich mich? Nur darum ging es mir.  :-)

Einerseits dreht und wendet er diese Argumente, wie er sie gerade braucht. Im gleichen Text betont er erst ausdrücklich, dass I und J nicht dasselbe sind. Die neuemodische I-J-Unterscheidung  (»Mißgeburt«, »Unfug«) in der Fraktur müsse aber dennoch wieder verschwinden (denn sie ist nicht traditionell), die zur gleichen Zeit entstandenen (untraditionellen) Umlaut-Großbuchstaben müssen aber unbedingt gesetzt werden. »ein Schriftenmaler, der auf sich hält, muß peinlich genau darauf achten«. Davon abgesehen hat der alte Text ja wenig mit den heutigen Lesegewohnheiten zu tun. 

Im historischen Kontext betrachtet, kann man Tschichold steile Thesen durchaus verstehen, aber heute blindlings übernehmen würde ich sie dennoch nicht. 

Ich kann die Stelle jetzt nicht suchen, in meiner Erinnerung spricht er über die Form und bringt auch die Unterlänge des F als Argument. Das I ohne Unterlänge bekommt eine nicht zum Frakturalphabet passende Breite, ist mir als Hauptargument in Erinnerung. Erinnere ich mich falsch? Daß Tschichold beliebig argumentiert, halte ich für einen falschen Vorwurf, niemand hat so viel argumentiert wie er. Umlaute braucht man natürlich für die Lesbarkeit eines Textes, da wären Traditionsargumente wenig funktional. Das I mit Unterlänge behindert das Lesen ja nicht.

Den Einwand von tlotze, daß es sich um insgesamt kurze Schmuckversalien handelt, kann ich verstehen.

Ich kann die Stelle jetzt nicht suchen, in meiner Erinnerung spricht er über die Form und bringt auch die Unterlänge des F als Argument.

Ja, ich weiß. Hab den Text vor mir.

 

Das I mit Unterlänge behindert das Lesen ja nicht.

Das würde ich wie gesagt im Sinne heutiger Lesegewohnheiten anzweifeln.

Schön, daß mein Erinnerungsvermögen noch nicht in geistiger Umnachtung versunken ist. Ich hab eben mal nachgeschaut, eine Insel-Ausgabe von Stifter aus dem Jahr 1958 ist mit kurzem I gesetzt, eine andere Ausgabe von 1926 mit langem I. Ich würde meinen Arm darauf wetten, daß in einem Lesetest jeder Leser, der die Fraktur überhaupt fließend lesen (nicht nur buchstabieren) kann, die Unterlänge des I nicht einmal bemerkt. Ich lese Bücher in Fraktur seit meiner Jugend, sehr wahrscheinlich alte mit langem I und neuere aus dem 20. Jahrhundert mit kurzem. Bis zur Tschichold-Lektüre war mir nie aufgefallen, daß es überhaupt zwei I gibt. Ich habe auch noch nie gehört, daß jemand sich beklagt hätte, in einem Buch sei er über das lange I gestolpert. Was ich so höre, ja, das heißt nicht viel, nur ein bißchen Empirie. Genug, um darauf sicher zu wetten. Aber das nur am Rande. Daß die Unterlänge in das hier besprochene Alphabet nicht paßt, leuchtet mir ein.

  • Ersteller

Ich denke, das ist stark kontextabhängig. Ein bekanntes Wort mit I, das mit einem I mit Unterlänge gesetzt ist, sollte auch heute kein oder zumindest kein großes Problem sein. Wenn das I bzw. J allein steht, etwa in einer Abkürzung, ist das natürlich in jedem Fall schwierig. Ich habe schon erlebt, daß ein Gedicht einem Autor "I. Sturm" zugeschrieben wurde, der sich schließlich als Julius Sturm herausstellte. Ich habe das gedruckte Buch von vor 100 Jahren vorliegen, aus dem das Gedicht in neuerer Zeit übernommen wurde, und die Autoren wurden dort aus einer Schrift mit Unterlänge sowohl bei I als auch bei J gesetzt.

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