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LaTeX-Schrift mit Ligaturen für Master-Arbeit


Peterle

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Peterle

Hallo zusammen,

ich bin neu hier im Forum und mit dem kommenden Semester steht meine Master-Arbeit in Physik an. Da ich mich jetzt schon einmal mit der Dokumentenvorlage befasse, bin ich auf das Problem gestoßen, welche Schriftart ich wählen soll. 

Folgende Anforderungen bestehen:

  • Viele mathematische Formeln, die sauber gesetzt werden sollen, ich denke da z.B. an das Wurzelzeichen, das ja z.B. in der traditionellen Variante anders aussieht als normalerweise bei Latex. Außerdem sollten die Formeln "zum Text" passen, zumal ich auch einige "Inline-Formeln" haben werde.
  • Ligaturen: Von QuarkXpress kenne ich die Ligaturen aus Linux Libertine. Latex hat zwar in der Standard-Font Ligaturen, aber z.B: die Ligatur für Qu wie in Qualle. Speziell diese Ligatur wäre mir wichtig
  • Nicht Computer Modern, denn diese Schriftart sieht irgendwie schon zu abgegriffen aus.

Technisch weiß ich nicht, was ich verwenden soll: pdflatex (mein Favorit) oder XeLaTeX (damit habe ich keine Erfahrung). Welche Vorteile aus typografischer Sicht bietet überhaupt XeLaTeX?

Wichtig ist, dass man in der PDF-Datei Links zu den Formeln oder sonstigen Referenzen hat.

 

Welche Schriftart würdet Ihr mir für den speziellen Einsatz mit Latex empfehlen? Gibt es da eine spezielle Latex-Font? OpenType wird ja wahrscheinlich wegen der Formeln nicht gehen, oder?

 

Preislich dürfte das ganze bis max. 150€ gehen.

 

Vielen Dank für Tipps schon im Voraus!

Peter

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Þorsten
Welche Vorteile aus typografischer Sicht bietet überhaupt XeLaTeX?

Xe(La)TeX bietet volle Unterstützung für Opentype-Funktionen – also für softwaremäßig aktivierte Ligaturen und kontextabhängige Zeichenformen (wie eben auch das Q langem Schwanz), echte Kapitälchen, verschiedene Ziffernformen u.v.a.m.

 

Kann pdfLaTeX das (mittlerweile) auch?

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TobiW

PDFLaTeX kann nach wie vor nur speziell aufbereitete Schriftarten verwenden (Kapitälchen, Ziffernsätze aber schon, wenn passend vorhanden), XeTeX dagegen kann alle Systemschriften benutzen, muss aber für Mathesatz in den meisten Fällen dann doch wieder auf Computer Modern zurückgreifen, weil die wenigsten Schriften passend ausgebaut sind. Also für sauberen Mathesatz würde ich bei PDFLaTeX bleiben und mich in der Schriftauswahl auf die wenigen vorhandenen Schriften beschränken.

Für LaTeX spricht außerdem die (noch) bessere Unterstützung beim Paket microtype.

 

Ich weiß auch nicht, warum du so dringen eine Qu-Ligatur haben willst, für eine naturwissenschaftliche Arbeit wäre mir das etwas zu kitschig/romantisch und gerade wenn das of vorkommt (z.B. in einer Arbeit zur Quantenphysik) nervt das eher, weil es für den Leser ungewohnt ist und er dann jedes Mal daran hängen bleibt. Ich würde also auf derlei Schmuckligaturen verzichten und mich auf eine etwas nüchterne Schrift beschränken. Beispielsweise eine Palatino und diese für Überschriften mit einer Helvetika kombinieren (das zusammen macht das Paket pxfonts).

 

Klickbare Links bekommst du mit dem Paket hyperref egal ob bei PDFLaTeX oder XeTeX …

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TobiW

Nachtrag: Die Garamond Premier Pro hat eine Qu-Ligatur, die kostest bei MyFonts pro Schnitt 45 €, wenn due auf fett-kursiv Verzichten kannst, kommst du mit deinem Budget hin. Für die passenden Mathebuchstaben kannst du dann das Paket mathdesign benutzen. Ich hab in meiner Masterarbeit (ebenfalls Physik) die Garamond dann mit der Univers kombiniert. Gesetzt habe ich mit XeTeX und folgenden Schrifteinstellungen:

\usepackage[urw-garamond]{mathdesign}
\usepackage[no-math]{fontspec}
\usepackage{mathspec}
\setmathfont(Latin,Greek,Digits)[Numbers=Lining]{Garamond Premier Pro}
\setmainfont[Numbers=OldStyle]{Garamond Premier Pro}

Wobei ich eigentlich ne andere Garamond benutzt hab, die hat auch nen Q mit langem Schwanz, das hab ich aber jetzt auf die schnelle nicht aktiviert bekommen. Dafür habe ich nun rausgefunden, dass die kostenlose EB Garamond auch ein passendes Q hat, allerdings mit nem sehr langen Schwanz … der entsprechende Code:

\usepackage[urw-garamond]{mathdesign}
\usepackage[no-math]{fontspec}
\usepackage{mathspec}
\setmathfont(Latin,Greek,Digits)[Numbers=Lining]{EB Garamond}
\setmainfont[Numbers=OldStyle]{EB Garamond}

Hier die Ergebnisse:

 

3W17MhT.png

p9on4j0.png

 

Ich würde mir an deiner Stelle aber eher Gedanken um ein vernünftiges Layout und guten Satz machen, als um die konkrete Schrift, denn deine Prüfer werden Times, Palatino und Garamond vermutlich eh nicht unterscheiden können aber sehr wohl (unbewusst) Schwierigkeiten beim lesen haben, wenn deine Zeilen viel zu lang sind oder so …

 

Edit: Die Variablen bei der Premier-Version sind bei mir nur kursiv, weil ich vergessen hab den Schnitt im System zu aktivieren …

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Peterle

Hallo,

zunächst einmal vielen Dank für die vielen tollen Antworten. Zur Qu-Ligatur: Ja, es geht um Quantenmechanik und ich fand diese Ligatur für die Überschriften (nur dort) eben sehr hübsch. Weil TobiW schrieb, ich könnte Helvetica für die Überschrift verwenden, wollte ich fragen, ob Ihr generell die Übschriften serifenlos setzen würden. 

 

Ansonsten zur Schriftwahl: Da das mit der Qu-Ligatur wohl mit PDFLaTeX nicht relaisierbar scheint, stellt sich nun die Frage, was man stattdessen verwenden soll. PDFLaTeX ist XeLaTeX  nach meiner Recherche wohl im Mathematiksatz ein bisschen überlegen, das wurde ja auch hier schon angedeutet. Außerdem ist XeLaTeX noch immer eine Beta-Version und daher weiß ich nicht, ob das wirklich so das richtige ist. Deshalb habe ich nach Schriften für PDFLaTeX gesucht und folgende Ideen habe ich bisher:

  • Palation + mathpazo
  • Minion Pro + Mnsymbol 
  • Linux Libertine (gefällt mir sehr gut) + ??? (Welche Schrift ginge hier als Mathematik-Font?)
  • EB-Garamond + ebgara­mond-maths

Was würdet Ihr empfehlen? Oder gibt es noch weitere Vorschläge (gerne auch kommerzielle Schriften)? 

 

Zum Textsatz: Ich würde den scrartcl (article aus der Komascript-Klasse) verwenden mit DIV15. Wie sieht es hier mit der Layout-Gestaltung aus, ist diese Wahl in Ordnung?  TobiW, was sollte man Deiner Meinung nach beim Satz für die Masterarbeit besonders beachten?

 

Last but not least eine technische Frage am Rande: Ich habe im Internet gelesen, dass manche Ihre PDFs mit Adobe Distiller aus einer Postscript-Datei erzeugen. Ist das sinnvoll?

 

Viele Grüße

 

Peter

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TobiW

Nabend,

 

 

mal von hinten nach vorne …

 

Postscript ist aus meiner Sicht ein total veraltetes Format; also nein du kannst beruhigt direkt ne PDF erzeugen. PDFs, die mit irgendeiner TeX-Variante erzeugt wurden, sind zwar nicht unbedingt auf dem neusten Stand (z.B. lassen sich keine zu den X-Standards kompatiblen PDFs erzeugen, glaub ich) aber das muss dich für ne Masterarbeit nicht kümmern, mach dir mal Leiber Sorgen um deine Quanten ;-)

 

Für eine Masterarbeit würde ich mit scrreprt arbeiten, dann hast du die zusätzliche Gliederungsebene \chapter, das macht bei so großen Dokumenten schon Sinn, zumal dann ein Kapitel immer auf einer neuen (rechten) Seite beginnt, was der Übersichtlichkeit ebenfalls zu gute kommt.

 

Ich hab das jetzt nicht überprüft, aber DIV = 15 klingt für mich nach deutlich zu langen Zeilen. Der Richtwert liegt bei etwa 60–80 Zeichen pro Zeile inkl. Leerzeichen. Sich an diese Faustregel zu halten ist auf jeden Fall sinnvoll für dich, würde ich sagen. A4 ist halt eigentlich ein denkbar ungeeignetes Format für den (im weiteren Sinne) Buchsatz, weil man entweder zu riesige Schriften oder ziemlich große Ränder braucht, um die Faustregel einzuhalten. Nicht umsonst findet man auf dem Mark kaum Bücher in A4 sondern immer kleiner. Aber die Wahl hast du ja vermutlich nicht, also muss man aus A4 das beste machen …

Ich habe das Problem in meiner MA dadrüber gelöst, dass ich eine breite Randspalte eingestellt habe, und Rand- statt Fußnoten benutz habe. Außerdem habe ich schmalere Abbildungen sowie die Beschriftung der breiteren im Rand untergebracht.

 

Ich würde dir empfehlen, wenn du Lust hast, dich mit dem Thema auseinander zu setzen und das scheint ja der Fall zu sein, mal ein paar Einsteigerbücher in Typografie/Layout* zu lesen und dann einfach mal ein bisschen zu experimentieren und uns das (Zwischen-)Ergebnis zu zeigen. An einem konkreten Beispiel kann man dann schnell sagen wo noch Nachbesserung nötig ist. Für dich jetzt ein komplettes Layout zu entwickeln würde den Rahmen sprengen ;-) Aber das hast du ja auch gar nicht gefordert :-)

 

Gegen deine Schriftauswahlen ist im Grunde nix zu sagen, zur Libertin wüsste ich spontan keine passende Matheschrift, aber so weit weg von der Minion ist sie ja nun auch nicht, da könntest du auch gleich die nehmen. Garamond ist auch schön und vielleicht nicht ganz so „modern“ wie die Minion.

 

Das PDFLaTeX XeTeX beim Mathesatz überlegen ist liegt vielleicht daran, dass die paar mathefähigen Schriften, die es für ersteres gibt ausgefeilter sind, als das was XeTeX aus einer „normalen“ Schrift zusammendengeln kann. Grundsätzlich solltest du aber mit beiden Maschinen keine Probleme haben. Ich arbeite mit beiden zu etwa gleichen Teilen und beide sind zuverlässig, auch für die Buchproduktion, das XeTeX noch Beta ist war mir nichtmal so bewusst …

Also nochmal: Wenn du gerne eine Schrift benutzen willst, die es für PDFLaTeX nicht gibt, kannst du auch ziemlich bedenkenlos mit XeTeX zu guten Ergebnissen kommen. Wenn es die gewünschte Schrift auch für PDFLaTeX gibt, würde ich PDFLaTeX bevorzugen, wegen der besseren Unterstützung für das microtype-Paket.

 

Überschriften Serifenlos zu setzen ist heutzutage halt relativ üblich. Grundsätzlich ist natürlich auch nichts dagegen zu sagen, nur eine Schrift zu benutzen, aber das ist gestalterisch anspruchsvoller, weil man die Unterscheidung der Überschriften-Ebenen und Fließtext dann nicht über den einfachen Seriefenbehaftet-serifenlos-Kontrast herstellen kann.

Eine Qu-Ligatur (oder andere Schmuckligaturen) finde ich in einer naturwissenschaftlichen Arbeit ziemlich gewagt und ich glaube es erfordre einiges gestalterisches Geschick, ums ein Ergebnis zu haben, das modern wirkt und dem Prüfer nicht das Gefühl vermittelt er hielte irgendwas zwischen kitschigem Liebesbrief und Fachartikel von 1920 in den Händen. Wenn du also nicht genau weißt, was du tust, würde ich davon eher abraten …

 

* Buchtips

Hier mal ein paar Tips, wobei du über die Suchfunktion hier im Forum auch noch mehr findest …

  • Willberg/Forssman: Erste Hilfe in Typografie. Ist eine kurzer Einstieg in die Welt der Typografie
  • Leonardi: Mr. Typo und der Schatz der Gestaltung. Nette Einführung in Comic-Form
  • Runk: Grundkurs Typografie und Layout. Eine etwas umfassendere Einführung ins Thema
  • Bringhurst: Elements of typographic Style. Sher gute aber eher klassische Betrachtung des Gebietes. Nur auf Englisch erhältlich, aber das sollte (insbesondere) für (Physik-)Stundenden ja eigentlich unproblematisch sein …

Du kannst auch mal in eurer Hochschulbibliothek stöbern, je nachdem welche Fachrichtungen es so gibt, ist da vielleicht auch was dabei (wo studierst du denn?) …

 

 

Gute Nacht,

Tobi

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Mueck

XeTeX dagegen kann alle Systemschriften benutzen, muss aber für Mathesatz in den meisten Fällen dann doch wieder auf Computer Modern zurückgreifen, weil die wenigsten Schriften passend ausgebaut sind.

Hast Du zufällig Links zu Infos, wie die ausgebaut sein müssen, damit's mit XeTeX klappt?
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Jens Kutilek

Mit XeTeX hab ich teilweise nicht so gute Erfahrungen gemacht, als ich mich vor gefühlten 2 Jahren mal damit beschäftigt habe. Mit OpenType-CFF-Schriften hat das Kerning nicht funktioniert, bzw. weiß ich nicht genau, ob es tatsächlich das Kerning war, die Buchstabenabstände Fonts haben im Dokument geklappert, obwohl in den Fonts selbst alles OK war. Und dann konnte XeTeX auch nicht mit OT-CFF-Schriften höherer Auflösung (mehr als 1000 units per em) umgehen, da war dann das Layout komplett zerschossen.

 

Ich habe dann die LuaLaTeX-Engine benutzt, dort kann man auch OpenType-Fonts benutzen, und die Features wurden korrekt ausgelesen, und beim Satz war alles in Ordnung. Wie es dort mit Mathesatz aussieht, kann ich aber nicht sagen, ich hab das nur für datenbankgenerierte Produktlisten benutzt.

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TobiW

Mit LuaLaTeX hab ich bisher keine Erfahrungen gesammelt, mit XeTeX im Gegensatz zu dir wie gesagt aber nur gute … aber vielleicht hatte ich bei den eingesetzten Fonts auch nur „Glück“ …

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TobiW

Bin gerade zufällig drauf gestoßen und das ist hier vielleicht auch ganz hilfreich bzw. nen Blick wert: What font packages are installed in TeX live? (auf TeX.SX) und dann gibts natürlich auch noch den LaTeX Font Catalogue. Den hatte ich zunächst nicht genannt, weil ich dachte er würde nicht mehr gepflegt, dann aber grade erfreut das Gegenteil festgestellt habe :-)

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<p>Elfen-Fraktur – eine außergewöhnliche Schnurzug-Fraktur</p>
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