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Englische Anführungszeichen in deutschen Texten

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Buchlayout

Ich setze englischsprachige und deutschsprachige Texte und kenne mich mit der Verwendung von Anführungszeichen in beiden Sprachen aus. Dachte ich bisher. Nun meint eine Auftraggeberin, “doppelte Anführungszeichen oben” (also 66 ... 99) wären im Deutschen für die Kennzeichnung gedanklicher Inhalte reserviert und ich solle sie im Text so beibehalten. (Im Text kommen je nach Kontext die „deutschen“ und die “englischen” Anführungszeichen vor.)

 

In mir sträubt sich alles gegen den meiner Meinung nach falschen Gebrauch der Anführungszeichen, aber ich bin gern bereit, dazuzulernen. Ist das so? Hinweis: Es handelt sich um eine Anleitung zum Verfassen einer Arbeit im wissenschaftlichen Bereich.

 

Viele Grüße!

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Dieter Stockert

Doppelte Anführungszeichen oben (66 ... 99) sind im Englischen gebräuchlich, aber im Deutschen falsch. Bei uns setzt man entweder die Guillemets (die ›spitzen Winkelchen‹, einfach oder doppelt und mit der Spitze zum angeführten Wort gerichtet), oder man verwendet die einfachen oder doppelten ‚Gänsefüßchen‘. Guillemets und Gänsefüßchen mischen geht aber nicht, man muss sich entscheiden.

 

Die doppelten Anführungszeichen nimmt man beispielsweise für die wörtliche Rede oder zur Kennzeichnung von Zitaten. Und die einfachen Anführungszeichen dienen dann entweder zur Differenzierung innerhalb einer ›Verschachtelung‹ (zum Beispiel wörtliche Rede innerhalb eines Zitats: »Wenn jemand meint, man könne deutsche und englische Anführungen mischen, so muss ich ganz klar sagen: ›Nein, das geht nicht!‹«) oder zum Kenntlichmachen oder Hervorheben von besonderen Begriffen oder gedanklichen Inhalten (wie man das unter Umständen auch durch Kursivierung machen würde).

 

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TobiW

Die Auftraggeberin erzählt Blödsinn ;-)

 

Im Deutschen gibt es „diese“ (99–66) oder »diese« (seltener auch «diese») Formen.

Im Englischen eigentlich nur “diese” (66–99).

 

So steht es auch in Forssmans Detailtypografie. Ich habe auch noch nie was anderes gelesen und schon gar nix von einer besonderen Kennzeichnung gedanklicher Inhalte.

 

 

Aber an Unis (nehme ich mal an) bzw. bei den Professoren, die für derlei Vorgaben verantwortlich zeichnen, gibt es ja allerlei unsinnige Idee. Mein Liebling ist das Aufführen des Inhaltsverzeichnis in demselben :hammer: 

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TobiW
vor 5 Minuten schrieb Dieter Stockert:

Guillemets und Gänsefüßchen mischen geht aber nicht, man muss sich entscheiden.

Wenn man mehr als zwei Ebenen braucht  und diese Eindeutig kennzeichnen muss, bleibt einem keine andere Wahl. Das Beispiel im Forssman dazu lautet (S. 180):

 

Zitat

»Die Vermischung ›mehrere Anführungssysteme „scheint mir ein ‚Notbehelf‘“; immerhin spricht die Eindeutigkeit‹ für diese Methode.«

 

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Dieter Stockert
vor 5 Minuten schrieb TobiW:

Notbehelf

 

Ja, wenn es wirklich ganz eindeutig sein muss. Forssman / de Jong bringen ja genau vor dem genannten Beispiel ein anderes:

 

»Es ist durchaus möglich, ›gleiche Anführungen ineinander »mehrfach zu verschachteln«, wenn nötig.‹ Die Verwirrung hält sich in Genzen.«

 

(Allerdings halte ich hier die Stellung des Punktes hinter »nötig« für falsch, der gehört für mich hinter das Anführungszeichen.)

 

Noch eine Anmerkung, die sich auf das Mischen von deutschen und englischen Anführungszeichen übertragen lässt: »Man beachte, dass auch bei fremdsprachlichen Quellen die Verständigungssprache die deutsche ist; daher hg. oder hg. v. ... u.a. (nicht ed. by ... et al.)« (Standop / Meyer: Die Form der wissenschaftlichen Arbeit. S. 105)

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TobiW

Ich würde die Mischung auch tunlichst vermeiden, wollte nur sagen, dass sie manchmal (ganz selten) nötig sein kann. Aber das hat mit der Ausgangsfrage ja eigentlich auch nix zu tun …

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Buchlayout

Na da bin ich ja froh!  Dass das eigentlich gar nicht geht, war mir schon klar, aber es hätte ja sein können, dass das in irgendeiner Nische doch praktiziert und toleriert wird.

 

Mir war mal irgendeine Werbe-Esoterik-Zeitschrift in Berlin aufgefallen (Die Sein war es eher nicht, ich glaube, die andere, die kleinere), bei der "gerade Anführungszeichen" offenbar zum guten Ton gehörten. Unschön!

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TobiW

Naja … man sieht ja allerlei komische Anführungszeichen (heutzutage nutzen ja fast alle nur "diese"). Richtig oder gar schön wird es dadurch aber nicht unbedingt ;-) 

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catfonts

Vor einiger Zeit geisterte ja auch eine Anleitung, wie man sie sogenannten und völlig verkehrten „typografischen“ Anführungsstriche in OpenOffice durch "richtige" ersetzt in mehrfacher Kopie durchs Internet:hammer:

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Wrzlprmft

Am Rande: Wenn tatsächlich ein Bedarf besteht, verschiedene Formen der Anführung (im Gegensatz zu verschachtelten Anführungen) zu unterscheiden, würde ich empfehlen, klar unterschiedliche Symbole zu nutzen, zum Beispiel Buchstaben. Dies scheint in der Philosophie teilweise üblich zu sein (siehe z. B. hier oder hier).

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Gast
vor 1 Stunde schrieb Wrzlprmft:

Dies scheint in der Philosophie teilweise üblich zu sein (siehe z. B. hier [*] oder hier [**]).

Zitat

Judging from Brandom's [*] personality, it might also be some very in-joke-ish humor, parodying Carnap's [**] typographical idiosyncrasies.

 

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Mueck
Am 21.6.2016 um 22:32 schrieb catfonts:

Vor einiger Zeit geisterte ja auch eine Anleitung, wie man sie sogenannten und völlig verkehrten „typografischen“ Anführungsstriche in OpenOffice durch "richtige" ersetzt in mehrfacher Kopie durchs Internet:hammer:

Gibt's das auch umgekehrt?
Ich mühe mich immer händisch ab, wenn ich externe Texte mit "" (und - statt Gedankenstrich etc.pp.) in unsere Zeitschrift übernehme ... Immer mit der Gefahr, paar zu übersehen ...

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Gast Markoff
vor 16 Minuten schrieb Mueck:

Gibt's das auch umgekehrt?
Ich mühe mich immer händisch ab, wenn ich externe Texte mit "" (und - statt Gedankenstrich etc.pp.) in unsere Zeitschrift übernehme ... Immer mit der Gefahr, paar zu übersehen ...

Wenn du mit InDesign arbeitest, ist das per GREP-Befehl möglich. Ich habe mir für jede Sprachversion eigene GREP-Abfragen geschrieben, die unter anderem auch die Anführungen anpassen.

 

Alternativ wäre das bestimmt auch in Texteditoren möglich, die mit regulären Ausdrücken umgehen können (zum Beispiel Textwrangler).

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