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Hipster entdecken Papier

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Norbert P
Zitat

Nichts da, die Sachen von Letterpress seien total up to date, alles Unikate, in kleinen Manufakturen hergestellt. Das habe man auf Instagram gesehen.

 

Der ganze Artikel aus der SZ hier.

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catfonts

Warum? Widerspricht sich doch gar nicht. Viele Sachen, die in dem letzten Jahrzehnten alles so "total up to date waren, sind, oder noch werden, waren es oft auch schon mehrfach in der Vergangenheit und wurden zu biblischer Zeit, im Mittelalter oder bei Indianerstämmen schon mal gemacht. Warum soll die Manufaktur des Herrn Gutenberg so um 1450 mit seinen Unikaten nicht heute wieder total up to date sein?

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Martin Z. Schröder

Dieser (überaus klischeehafte) Text kommt zehn Jahre nach Trendbeginn. Gutenberg hatte mit dem, was heute in Deutschland unter »Letterpress« verstanden wird, nichts zu tun, weil es sich um Prägedruck handelt, nicht um dem Hochdruck vom Bleisatz. Den Hochdruck gab es schon vor Gutenberg, und das Prägen hat er nicht erfunden. »Letterpress« i.e.S. ist in der Tat etwas neues, kam um 2005 herum aus Amerika zu uns: Prägedruck nach digitalen Vorlagen. Der Trend jetzt geht vielleicht langsam wieder in Richtung Bleisatz und Kennerschaft, habe ich den Eindruck. Wenn ich Leuten den Unterschied erkläre, möchten sie jedenfalls heute öfter Bleisatz (also ohne Prägung) als vor fünf Jahren. Daß die Papierdame in dem Artikel »verblüfft« gewesen sei über den Letterpress-Wunsch, klingt in meinen Ohren etwas unglaubwürdig. Manufaktur: Bei Gutenberg standen mehrere Leute an den Setzkästen, die hatten viel zu tun mit der Bibel. Das waren nicht nur drei Setzer, sondern eher ein Dutzend. In den neuen kleinen Manufakturen, die den Trend nutzen, gibt es oft gar keinen Setzkasten mehr, eben weil nur von ein oder zwei Leuten geprägt wird, was mit Bleilettern nicht lange gut ginge.
Typischer Zwischen-den-Jahren-Text aus dem Stehsatz. Möglicherweise eben doch schon ein paar Jahre alt.

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vor 44 Minuten schrieb Martin Z. Schröder:

 »Letterpress« i.e.S. ist in der Tat etwas neues, kam um 2005 herum aus Amerika zu uns: Prägedruck nach digitalen Vorlagen. 

Wer hat das vermeintlich so definiert/etabliert? Im Englischen steckt im Begriff Letterpress weder das hier genannte Element des Prägens, noch die Benutzung von digitalen Vorlagen. Letterpress »im eigentlichen Sinne« ist die von dir genannte Beschreibung gerade nicht. Letterpress ist Drucken mit beweglichen Lettern, nichts anderes. Die klassische Gutenberg-Technik. 

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Martin Z. Schröder
vor 27 Minuten schrieb Ralf Herrmann:

Wer hat das vermeintlich so definiert/etabliert?

Die Praxis/die Praktiker. Eher weniger vermeintlich als wirklich. Durch Googel-Bildersuche auch leicht zu ermitteln. Im deutschen Sprachraum versteht fast niemand unter Letterpress das traditionelle Handwerk der Schriftsetzer und Buchdrucker, die ohne oder mit schwächster Schattierung drucken. Die sind wirklich selten geworden. Das Wort Letterpress hat hier einen anderen Sinn bekommen als im Englischen. Ein Kollege hat mal versucht, dafür den Begriff »Boston-Style« einzuführen, aber das hat sich nicht durchgesetzt und kam auch zu spät. Zumal man mit Boston-Pressen nicht so gut prägen kann. Der Begriff kam davon, daß anfangs vor allem mit kleinen Pressen von Berufsfremden geprägt wurde. Traditionell war das Prägen eher Sache der Buchbinder oder von Spezialdruckern. Buchdrucker haben nicht geprägt. Auch »American Style« hat mal jemand das Prägen genannt. Das wurde aber auch nix. Heute ist Letterpress Prägedruck, klingt aber besser und irgendwie traditionell. Das einzige, was daran einen traditionellen Zusammenhang hat, ist die Druckmaschine. Nur wird sie eben nicht traditionell benutzt.

Ich fänds ja toll, wenn Letterpress identisch wäre mit der Gutenberg-Technik. Aber meine Setzerei wird mittlerweile von den Prägearbeiten subventioniert. Wie man den Begriff in Amerika heute versteht, weiß ich nicht, nehme aber, daß man inzwischen auch das Debossing damit gleichsetzt. Die Amerikaner unter meinen Kunden verstehen unter Letterpress auch Prägedruck.

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gutenberger

Ein bisschen lustig finde ichs ja schon, wenn Martin "Letterpress" als "Prägedruck" bezeichnet. Wenn das jemand anders getan hätte, wäre er sicherlich von Martin belehrt worden, dass "prägen" was ganz anderes ist. Los, Martin, erklär es ihnen nochmal richtig!
"Letterpress" ist nichts anderes als die englische Bezeichnung von "Hochdruck" bzw. der etwas verwirrenden Bezeichnung "Buchdruck" für das Hochdruckverfahren. Höherstehende Teile der Druckform werden mit Farbe versehen und ins Papier gedrückt, tieferstehende Teile werden nicht gedruckt. Dass "Letterpress" für die meisten deutschen Drucker das Wort für Hochdruck mit extrem viel Bumms (geworden) ist hat viel mit amerikanischem Marketing zu tun. Amis, die ja insgesamt recht wenig von solider Berufsausbildung und handwerklichen Regeln halten, haben schon in den 90er Jahren und mit ziemlicher Sicherheit auch davor "letterpress" betrieben und meinten damit durchaus den klassischen Buchdruck. Viele dieser Kollegen waren aber wirklich absolute Laien und haben aus Begeisterung für alte Technik, handwerkliche Selbstfindung, Art&Crafts-Einflüssen und sicherlich ein paar anderen Antrieben mehr einfach mal losgewerkelt und sind dabei häufig (im deutschen handwerklichen Sinne) gescheitert, weil sie eben etliche Druckprobleme "gelöst" haben, indem sie wahnsinnig viel Bumms gegeben haben. Dass dabei aus einer mageren Gill (in Blei) ganz schnell eine breitfette wurde, hat diese Leute nicht gestört. Sie konnten zwar nicht wirklich drucken, hatten aber eine Idee, wie man diese Drucke verkaufen könnte: schon (mindestens) in den frühen 90er Jahren konnte man von diversen Künstlern, Druckern, Möchtegernkünstlern und Möchtegerndruckern in Amerika hochkreative und interessante Drucke kaufen, mit denen man (altes deutsches Druckerwort) "Kartoffeln reiben konnte". Für ziemlich teures Geld, weil diese Drucke ja alle "unique" und "handmade" waren. Das waren die Schlagworte, die "Letterpress"-Drucke verkaufbar machten. Neben der natürlich häufig wilden Gestaltung war aber eben diese Prägung (durch zuviel Druck) ein Alleinstellungsmerkmal und hob sich vom immer arschglatten Offsetdruck ab. Galt gewissermaßen als Beweis für "handmade". Und "unique" wars sowieso, weil fast jeder Druck selbst innerhalb einer Auflage anders aussah. Der Nachteil an der Sache war, dass man dauernd neue Schriften brauchte, weil das teure und oft nicht wiederbeschaffbare Blei natürlich sehr litt. Und irgendwann - auch schon in den 90ern - haben eben diese Amis entdeckt, dass man Letterpress ja auch von Metall-Klischees und Photopolymerplatten drucken kann. Diese Photopolymer (oder Nyloprint-)platten haben den Vorteil, dass sie erstens widerstandsfähiger als Blei, zweitens jederzeit ersetzbar, drittens relativ einfach zu belichten und viertens sogar aus Computersatz/Computergrafik herstellbar sind. Das machte sogar noch mehr Bumms ungestraft möglich und erhöhte den Effekt einer gewissen Dreidimensionalität. Und auch wenn viele dieser Kollegen keine guten Drucker waren, so haben sie zumindest Marketing hervorragend gekonnt und plötzlich war das schwer angesagt. Die Papierindustrie hat sehr schnell mitgezogen und jede Menge sehr voluminöser, relativ weicher Papier mit hoher Grammatur produziert, die dieses Verfahren noch edler aussehen lassen. Und was in Amiland angesagt ist ist, rollt ja als Welle um die Welt ...
Das die Deutschen (Hoch-Drucker) damit ihre Schwierigkeiten hatten war ja klar. Und so hat sich bei den meisten dieser deutschen Kollegen die Unterscheidung in "Letterpress" (drucken mit zuviel Bumms) und klassischen "Buchdruck" ("richtiger Buchdruck" mit sowenig Prägung wie möglich) eingebürgert. Damit stehen wir aber ziemlich allein: die Engländer und Holländer beispielsweise bezeichnen alles, was im Hochdruck gedruckt wird als "Letterpress", egal wieviel Bumms sie geben und egal, obs von Blei oder von Nylo gedruckt wird. Und für viele junge bzw. relativ junge Menschen erscheint "Letterpress" natürlich als neue Erfindung - sie haben den klassischen Buchdruck ja nie wirklich kennengelernt und wenn sie ihn jemals noch kennenlernen für "Letterpress mit erstaunlich wenig Bumms" halten.
Im Übrigen hat Ralf nur teilweise recht: "Letterpress" gibt keinen Rückschluss auf die Art der Satz- bzw. Bildformherstellung, sondern bezeichnet nur die reine Drucktechnologie und hat mit beweglichen Lettern gar nichts zwingend zu tun. Bei "Buchdruck" oder "Hochdruck" ist es ja auch nicht anders: da gabs auch schon neben den beweglichen Blei- und Holzlettern Photopolymerplatten, Metallklischees, Bleischnitte, Holzstiche, Holzschnitte, Linolschnitte, Materialdrucke, Ätzungen ...
Die meisten der momentanen "Letterpress"-Buden haben gar keine Bleisetzerei mehr, sondern machen alles vom Computer auf die Platte. Das hat dann natürlich mitunter kuriose Folgen: ich hatte eine Praktikantin in meiner Werkstatt, die jahrelang in Los Angeles als Letterpressprinterin gearbeitet hat. Die hat bei mir Bauklötzer gestaunt, wieviel Spaß man mit beweglichen Lettern haben kann und welche Möglichkeiten eine auseinandernehmbare und wieder neu kombinierbare Druckform aus Lettern bietet. Kannte sie alles nicht, weil sie jahrelang wie ein stupider Offsetdrucker nur starre, vom Drucker umveränderbare Nyloprintplatten in die Maschine geschoben und mit möglichst viel Bumms ins Papier gepresst hat.
In dem Sinn ist Letterpress natürlich nur ein Erhalt des Hochdruckes ohne irgendwelche Folgen für den Erhalt von Bleisatz, Bleisatztypografie, Bleisatzexperimente und ähnliches. Was natürlich Letterpress ziemlich schnell langweilig werden lässt, wenn es eigentlich nur Alltagstypogestaltung ist, die ins Papier gehämmert wird. Was im Übrigen oft nicht einmal wirklich gut aussieht ... bei vielen der momentanen Letterpresserzeugnisse frage ich mich wirklich, was gut daran sein soll, ein zarte 5p-Schrift so tief ins Papier zu semmeln, dass man sie wirklich nicht mal mehr lesen kann ...
Es gibt natürlich aber auch immer mal wieder wirklich schöne Beispiele von "letterpress", auch wenn sie zumindest hierzulande eher selten sind ...
Guten Rutsch allerseits!

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vor 5 Stunden schrieb gutenberger:

Im Übrigen hat Ralf nur teilweise recht: "Letterpress" gibt keinen Rückschluss auf die Art der Satz- bzw. Bildformherstellung, sondern bezeichnet nur die reine Drucktechnologie und hat mit beweglichen Lettern gar nichts zwingend zu tun.

Nicht zwingend, aber »im eigentlichen Sinne«, was der Kontext meines Beitrags war. Für die reine Drucktechnologie gibt es die Oberbegriffe Hochdruck bzw. Relief Printing im Englischen. Diese, und nur diese Begriffe sind entsprechend »neutral«. Buchdruck und Letterpress sind spezieller. Sie müssen nicht zwingend nur mit beweglichen Lettern gemacht worden sein, aber die Texte aus Einzelbuchstaben prägten einst die Begriffe. Das sollte eigentlich klar sein. Holzstich-Drucke bezeichnete man um 1400 in England logischerweise nicht als Letterpress.  Der Begriff kam später – mit den beweglichen Lettern. 

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Gast Schnitzel
vor 11 Stunden schrieb gutenberger:

Neben der natürlich häufig wilden Gestaltung war aber eben diese Prägung (durch zuviel Druck) ein Alleinstellungsmerkmal und hob sich vom immer arschglatten Offsetdruck ab. Galt gewissermaßen als Beweis für "handmade". Und "unique" wars sowieso, weil fast jeder Druck selbst innerhalb einer Auflage anders aussah.

Erinnert mich irgendwie an Kartoffelbrei bzw. Püree: Früher musste er so fein wie möglich sein, dann kam die Lebensmittelindustrie und hat feinen Brei in Tüten angeboten. Auf einmal waren Klumpen im Püree ein Indiz für »hausgemacht«. Ich glaube mittlerweile gibt es sogar Tütenbrei mit Klümpchen …

 

Ich kann mir gut vorstellen, dass die Dame in dem Laden etwas übertrieben hat, aber dass es garantiert so ähnlich gewesen ist. Lustige Geschichte …

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gutenberger
Zitat

Hab noch nie einen englischsprachigen Kollegen von "Relief printing" reden gehört. Zumindest die letzten 20-30 Jahre nicht. Aber das kann ja auch an meinem Umgang liegen.

Zitat

Holzstich-Drucke bezeichnete man um 1400 in England logischerweise nicht als Letterpress.

1400 gabs noch gar keine Holzstiche, sondern nur Holzschnitte. In dieser Zeit waren praktisch alle Drucke Hochdruck und man brauchte noch gar keine Bezeichnungen für die unterschiedliche Drucktechnologien, die ja zumeist erst deutlich später entstanden. Da war ein print ein print.
Insofern meint das natürlich später entstandene "letterpress" tatsächlich dann nur "Hochdruck" und ist eigentlich eine genauso wortwörtlich ungenaue Bezeichnung wie das deutsche Wort "Buchdruck" ...
Eine im Buchdruck gedruckte Grafik ist genausowenig ein Buch wie eine im Letterpress gedruckte Zeichnung ein Abbild von Lettern wäre.

 

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vor einer Stunde schrieb gutenberger:


Insofern meint das natürlich später entstandene "letterpress" tatsächlich dann nur "Hochdruck" …

Willst du allen ernstes behaupten, das Teilwort »Letter« im Begriff Letterpress sollte bei der Entstehung des Begriffes nicht auf die Benutzung der selbigen verweisen und irgendwie indirekt auf eine erhabene Druckfläche? Das ist doch lächerlich. Das ist doch gerade das Schöne an dem Begriff: Er erklärt sich (eigentlich) von selbst. 

 

vor einer Stunde schrieb gutenberger:

und ist eigentlich eine genauso wortwörtlich ungenaue Bezeichnung wie das deutsche Wort "Buchdruck"

Korrekt. Buchdruck und Letterpress sind ja auch gleichzusetzen. Sie verweisen in der Bildung des Begriffs auf das typische dabei – die Verwendung von Lettern (bei Letterpress) bzw. den Druck von Büchern beim Buchdruck. 
Letterpress ist aber nicht ohne Weiteres gleichzusetzen mit Hochdruck. Letterpress war freilich lange Zeit die typische/dominante Hochdrucktechnik und eine synonyme/unscharfe Verwendung ist dann nicht unüblich. Aber die Oberkategorien sind formal Relief Printing (Hochdruck), Intaglio (Tiefdruck), Planographic Printing (Flachdruck). Unter Bleisatz-Kollegen mag das irrelevant sein, weil der Buchdruck in deren Umfeld das Maß der Dinge ist, aber wenn wir es hier genau nehmen wollen – wie es etwa ein Fachbuch für Drucktechnik tun würde – dann sollte man das entsprechend unterscheiden. Ist ja nicht so, dass es nicht nützlich wäre unmissverständlich auf Oberkategorien verweisen zu können. Mit »Hochdruck« geht das – und mit »Relief Printing«. 

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gutenberger
Zitat

Willst du allen ernstes behaupten, das Teilwort »Letter« im Begriff Letterpress sollte bei der Entstehung des Begriffes nicht auf die Benutzung der selbigen verweisen und irgendwie indirekt auf eine erhabene Druckfläche? Das ist doch lächerlich. Das ist doch gerade das Schöne an dem Begriff: Er erklärt sich (eigentlich) von selbst. 

Ich hab nirgendwo behauptet, dass der Begriff Letterpress nicht von der Letter kommt. Würde das auch nie tun -  also lass bitte solche albernen Unterstellungen.

Aber er ist eben ein Synonym für Hochdruck geworden. Gerade umso mehr "Letterpress" ja kaum noch von Lettern gedruckt wird. Genauso wie das deutsche Wort Buchdruck ja auch nicht den Druck von Büchern im Flachdruck bezeichnet und ebensowenig den (Hoch)druck von ausschließlich Büchern meint, sondern ein Synonym für Hochdruck in einem recht weiten Sinne ist. Selbst eine Abgrenzung zum Flexodruck ist recht unscharf ... ich zumindest würde sie nicht definieren wollen, weil es auch im "klassischen Buchdruck" flexible (im Sinne von biegsam) Druckformen gibt.
Es gab und gibt bekanntlich viele "Buchdrucker", die nie ein Buch gedruckt haben. Es gibt jede Menge "Letterpresser", die nie eine Letter in der Hand hatten. Warum nennen die sich dann nicht "Reliefprinter"? Klingt doch eigentlich noch spannender als "Letterpressprinter", zumal viele von denen nicht nur technisch von der Letter ganz weit weg sind, sondern sich auch rein grafisch und inhaltlich oft im "nichttypografischen" Raum bewegen.
Im Übrigen bewege ich mich nicht nur unter Bleisatzkollegen (das wären ja nicht mehr viele und den meisten von denen ist "Letterpress" ziemlich egal), sondern unterhalte mich auch gern mit Grafikdesignern, Kommunikationsdesignern, Artdirektoren, Herstellern und anderen Leuten, die mehr oder weniger keine drucktechnischen Laien sind. Und von denen gibt es eine ganze Menge, die sich mehr oder weniger professionell und mehr oder weniger auch praktisch mit dem Hochdruck beschäftigen. Und fast alle diese Leute nennen das, was sie da diesbezüglich tun,  in Englisch Letterpress. 

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vor einer Stunde schrieb gutenberger:

Ich hab nirgendwo behauptet, dass der Begriff Letterpress nicht von der Letter kommt. Würde das auch nie tun -  also lass bitte solche albernen Unterstellungen.

Lies doch einfach mal das Zitat von mir, das du sogar ordentlich mit eingebaut hast. Habe ich unterstellt? Nein, ich habe skeptisch nachgefragt, ob das wirklich deine Meinung sein soll, weil ich es selbst nicht glauben konnte. Also lass diese albernen Unterstellungen nicht vorhandener Unterstellungen. (Um dieses rhetorische Spielchen jetzt weiter fortzuführen.) 

Deine Aussage war wörtlich »Insofern meint das natürlich später entstandene letterpress tatsächlich dann nur Hochdruck«.

Du bringst die Entstehung des Begriffs mit der behaupteten Bedeutung hier direkt in einen Zusammenhang. Das wirft Fragen auf, um es vorsichtig zu formulieren. Deshalb habe ich gefragt. 

Nochmal: ich habe mit Martin den »eigentlichen« (also wörtlichen/ursprünglichen/…) Sinn diskutiert. Du hast behauptet, meine Einlassung dazu wäre nicht richtig. Jetzt bestätigst du meine Aussage aber. Es kommt natürlich doch von der Letter. Natürlich kommt es das. Nichts anderes habe ich gesagt und ich benutze die alte Bedeutung auch weiterhin. Wenn das im Originalbeitrag nicht eindeutig genug war, dann eben nochmal: Letterpress bedeutet im eigentlichen/ursprünglichen/früheren/wörtlichen Sinne »Druck (Press) mit beweglichen Einzelbuchstaben (Letter)«. Wenn darüber Einigkeit herrscht, können wir das Thema beenden, statt mehr Streitthemen draufzupacken. Ein Nachweis, dass Letterpress und Hochdruck unzweifelhaft Synonyme wären, ist genauso wenig zu erbringen, wie die Behauptung des Gegenteils. Man kann allenfalls klären, was in welchen Kontext verwendet wird und welche Vor- und Nachteile die jeweiligen Begriffe haben. 

 

vor einer Stunde schrieb gutenberger:

Es gab und gibt bekanntlich viele "Buchdrucker", die nie ein Buch gedruckt haben. Es gibt jede Menge "Letterpresser", die nie eine Letter in der Hand hatten. Warum nennen die sich dann nicht "Reliefprinter"?

Ich weiß nicht, was die Frage soll. Ich behaupte, Hochdruck und das englische Gegenstück Relief Printing sind korrekte, unmissverständliche Überbegriffe der Drucktechnik (und Buchdruck/Letterpress sind es nicht). Ob jemand, der in Unterbereichen dieser Technik arbeitet, seine Arbeit entsprechend des Unterbereiches bezeichnet, sagt uns über die Korrektheit der Oberbegriffe oder das Vorhandensein oder den Ausschluss von Synonymen nicht viel aus. Du könntest auch fragen, warum ein Steindrucker sich nicht Flachdrucker nennt. Die Antwort bringt uns nicht weiter, um das Verhältnis dieser beiden Begriffe zu klären. 

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catfonts

Wo wir hier so lebhaft über Letterpress und Buchdruck und das mit oder ohne viel Bumms, prägen oder nicht prägen diskutieren, zeige ich hier mal ein Bild aus Ralfs tollem Typofund, der auch ein wenig zum sein oder nichtsein beim Letterpress zeigt:

https://haab-digital.klassik-stiftung.de/viewer/!image/133574942X/123/

 

Wenn ich das Bild da sehe, sehe ich auch ganz schön Prägung... Und das ist ja wohl hier bibliophiler Buchdruck vom Feinsten...

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Martin Z. Schröder

Dieser Druck wurde mit angefeuchtetem Papier gemacht. Das ist durch die Feuchtigkeit aufgequollen und sehr weich. Die starke Schattierung entsteht nicht durch den starken Preßdruck, sondern weil die Form in ein ganz weiches Material einsinkt. Beim Trocknen wird das Papier dann wieder dünner, oft wurde es auch vor dem Widerdruck noch geglättet. Mit zu starkem Preßdruck hat das nichts zu tun. (Siehe die Fotos davor, die Zurichtung der Form und Anfeuchtung des Papiers zeigen.)

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catfonts

Danke!

 

Sind dann diese "hippen" Letterpress-Prägedruche, wenn man es dann etwas "richtiger" und Material schonender machen will eventuell nicht mit "viel Bumms" sondern mit eher mit fluffig voluminösem Spezialpapier zu machen, sodass man auch hier genau so viel (oder wenig) Flächenpressung hat, die eben auf normalem Papier einen sauberen, glatten Druck her gibt?

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Martin Z. Schröder

Voluminöses Papier ist oft nicht oder nur wenig kalandriert und hat deshalb keine glatte Oberfläche. Es geht nur hohes Volumen oder Glätte, denn beim Glätten wird ja gepreßt und Volumen vermindert. Wenn das Papier aber nicht glatt ist, muß der Druck höher sein. Übrigens auch bei allen geprägten Papieren wie Leinenstrukturpapier oder gehämmertem Papier oder Vergé-Imitat (»gerippt«) und dergleichen. Das sind sehr harte Papiere, die bei mir für den Bleisatz Hausverbot haben. Ein glattes hartes Papier bedruckt sich allerdings sehr gut, das macht Freude, weil dann alle Eigenheiten der Druckform scharf sichtbar werden. Beim Handsatz kann diese Schärfe schon wieder stören. Auf solchem Papier drucke ich Holzstich, wo es auf enorme Feinheit ankommt. Inzwischen bin ich damit versiert. Die Zurichtung eines handtellergroßen Stiches kann dann schon mal sechs Stunden dauern, der Auflagendruck selbst ist anschließend bei 1000 Stück in 30 Minuten getan.

Kartone mit hohem Volumen bedürfen also eines etwas stärkeren Drucks. Je weicher, desto mehr, und weiche Untergründe (weicher Aufzug) machen die Buchstaben schneller rund. Dann führt der Druck zur schnelleren Kantenabnutzung. Es gibt für den Bleisatz ein definiertes Optimum von Aufzugshärte und Papierglätte und Druck. Je härter nun aber der Aufzug ist, desto mehr Zurichtung muß gemacht werden (das wird in der oben verlinkten Bildersammlung gut gezeigt). Das ist das eigentliche Können des Buchdruckers, die Zurichtung im Aufzug und hinter der Form, um schriftschonend auch hohe Auflagen zu drucken. Wenn in die Buchdruckerei von einem Drucker betreten wird, schaut er mit dem kritischen Blick auf die Rückseite. An der schwachen Schattierung erkennt er den Meister. Mit starker Pressung zu drucken, bedarf es keiner Könnerschaft.

Mit feuchtem Papier habe ich noch nie gearbeitet, das bedarf sicherlich eigener Erfahrung. Ich habe das bislang auch nur bei Tiefdruckern gesehen. Mit automatischen Druckmaschinen dürfte das schwierig werden oder auch gar nicht funktionieren.

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Erwin Krump
Am 1.1.2018 um 17:13 schrieb Martin Z. Schröder:

Mit feuchtem Papier habe ich noch nie gearbeitet, das bedarf sicherlich eigener Erfahrung. Ich habe das bislang auch nur bei Tiefdruckern gesehen. Mit automatischen Druckmaschinen dürfte das schwierig werden oder auch gar nicht funktionieren.

Angefeuchtetes Papier kam im Hochdruck m. W. nur bei Handdrucken zum Einsatz. Also bei den Handpressen, bei den Bürstenabzügen und bei den Abzügen, die mit Handwalzen angepresst wurden.

 

Sinn und Zweck der Papieranfeuchtung war in erster Linie, dass das Papier auf der Form nicht verrutscht und ein halbwegs lesbares Bild erzielt werden konnte.

 

Beim Zeitungssatz wurde eine fertige oder auch unfertige Seite eingefärbt, ein eingefeuchtetes Blatt billigen Zeitungspapier daraufgelegt und mit einer großen Handwalze angequetscht. Hier ging es nicht um Qualität, sondern um den schnellsten Weg einen Korrekturabzug herzustellen und der Redaktion bzw. dem Korrektorat vorzulegen. Diese Arbeiten wurden von Helfern ausgeführt, der Metteur hatte bereits eine andere Seite in Arbeit bzw. andere Aufgaben zu erledigen.

 

Beim Plakatsatz handelte es sich i. d. R. um sehr große Formate, manchmal um DIN-A0-Formate. In dieser Größe gab es in den wenigsten Druckerein Handabzugspressen. Hier gab es meist keine andere Möglichkeit als den Bürstenabzug.


Der Satz wurde eingefärbt, mit Hilfe eines zweiten Kollegen wurde das angefeuchtete Papier auf die Form gelegt und mit einer großen Bürste angekloft oder angerieben.

 

Auch beim Handpressedruck wurde Papier eingefeuchtet. 

 

Angefeuchtetes Papier hat in den noch heute praktizierten künstlerischen Verfahren der Druckgrafik seinen Platz.

 

Beim Holzschnitt (Handdruck) ist es ratsam, je nach Papier, dieses mehr oder weniger anzufeuchten.

 

Das Papier für die Radierung wird zuerst durchweicht und anschließend zum Austropfen aufgehängt. Wenn der richtige Trocknungsgrad erreicht ist, wird das Papier abgehängt und gestapelt.

 

Bei der Lithografie spielt ohnehin Wasser eine große Rolle. Die Druckform auf dem Stein ist mit fetthältiger Farbe aufgebracht. Die druckenden Teile stoßen Wasser ab die nichtdruckenden Teile nehmen Wasser an. Wasser stößt Farbe ab und Fett (Farbe) stößt Wasser ab. Sobald die Form eingefärbt wird stoßen dann die nichtdruckenden Teile die Farbe ab. Nach jedem Druckvorgang wird die Form wieder mit einem nassen Schwamm gewässert. Hier ist dann auch das Papier einer permanenten Feuchtigkeit ausgestzt. Kann bei mehr Durchgängen zu Passerproblemen führen. Spielt aber in künstlerischen Techniken meist keine Rolle.
 

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