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Titelschrift der Heyne-SF-Romane der 70er und 80er


Benjamin Dietze

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Teil 1: Mein Hintergrund

 

Ich bin von Facebook hierher verwiesen worden.

 

Ich bin ein großer Fan der SF-und-Fantasy-Abteilung des Heyneverlags der 70er und 80er Jahre. Als Hobby bastele ich neue Cover im damaligen Heynedesign bzw. würde das gern. Für die dortige Reihe des deutschen MAGAZINE OF FANTASY AND SCIENCE FICTION, das jeweils ein Design für die 70er und eins für die 80er hatte, habe ich per Onlinefonterkennung schon sämtliche benötigten Schriften gefunden: Der Bandtitel war in den 70ern die alte Haas Grotesk (fett), und in den 80ern die Modula (von der es heute ein freies Pendant unter dem Namen Kasse Ultra gibt), und die Freewareversion der Art-Deco-Schrift beim Reihentitel ist in den 70ern die RitzFLFCond, in den 80ern die RitzFLF. Dazu habe ich die beiden ineinander verschachtelten, abgerundeten Rechtecke des Titeldesigns für beide Versionen von Hand nachgebastelt, inkl. des exakten Krümmungsgrades der Ecken.

 

Hier zwei Cover, die ich damit schon gestaltet habe:

 

 

Zweimal habe ich das auch schon mit dem Design der normalen Heyne-SF-Romane versucht (Scans der originalen Titelschrift auf den Buchcovern aus den 70ern und 80ern unten verlinkt). Die Onlinefonterkennung hat dafür problemlos die SlimSansSerif als die Schrift für den Autorennamen identifiziert. Für die zwei beim folgenden Link vorgezeigten Cover habe ich als Titelschrift erstmal die Arial Black (fett) genommen:

 

 

Teil 2: Was ich brauche bzw. bisher selber erarbeitet habe

 

Nun möchte ich aber doch gerne die richtige Titelschrift für die Heyne-SF-Romane haben, und zwar aus mehreren Gründen:

 

  1. Arial Black besitzt nur aus der Ferne einen ungefähr passenden Gesamteindruck.
  2. Bei der fertigen Schrift sollten auch die zwei Außenränder wie auf den Buchcovern von vornherein als Standard vorhanden sein. Ich arbeite seit rund einem Vierteljahrhundert mit Paint Shop Pro (erst von Jasc, heute von Corel), und wenn man mehr als einen einzelnen Außenrand in exakt dem Design hinzufügt, hat man unpraktischerweise schon keine flexiblen Vektorbuchstaben mehr, sondern eine festgebackene Rasterebene.

 

Also habe ich mal meine Büchersammlung durchsucht und so einige Titel für die Onlinefonterkennung eingescannt (RAR-Ordner mit Scans von mir und anderen unten verlinkt). Für die Fonterkennung habe ich die Außenränder natürlich abgeschnitten, um's der Erkennung leichter zu machen.

 

Eingeführt wurde die Schrift von Heyne (zuerst noch im fliegenden Wechsel mit anderen Schriften) so etwa zwischen 1967 und den frühen 70ern; ursprünglich noch mit einigen bunten Farbexperimenten, aber ab ca. den frühen 70ern nur noch in zwei edlen Varianten, einer schwarzen und einer weißen, die praktisch das Negativ von der jeweils anderen Version waren. Genutzt wurde diese Titelschrift dann als die Standardschrift für SF-Romane durchgängig von Anfang der 70er bis ca. Ende der 80er. Dann setzten plötzlich immer öfter wilde Experimente mit offenbar so häßlichen Titelschriften wie nur möglich ein, die wild durcheinander benutzt wurden, so daß es ab Ende der 80er eigentlich keine Standardtitelschrift bei den SF-Romanen mehr gab. Zwischendurch gab's aber hin und wieder nochmal die klassische Titelschrift auf einzelnen Covern (auch, wenn der Teil am Außenrand der Schrift, der eigentlich weiß sein sollte, nun oft plötzlich durchsichtig war), und das letztemal taucht sie 1995 auf.

 

Exakt die richtige Schrift, die wie die originale Heynetitelschrift der SF-Romane aussieht, habe ich mit der Onlinefonterkennung aber auch nicht gefunden; zumindest für den einfachen Alphabetzeichensatz kommen aber vor allen die Olnova-Heavy und teils die Hegel oft näher dran als die Arial Black. Hier die Olnova-Heavy: https://www.dafontfree.net/freefonts-olnova-heavy-f137055.htm , und hier die Hegel: https://www.wfonts.com/font/hegel

 

Das Problem: Jetzt habe ich drei verschiedene Schriften (Arial Black, Olnova-Heavy und die Hegel), wo mal hier was paßt und mal dort was, und nur die Arial Black hat auch einen brauchbar ausgebauten nichtdeutschen Zeichensatz inkl. Sonderzeichen. Ich kann auch nicht einfach im selben Titel die Schriften mischen, weil alle drei Schriften auch noch verschiedene Größen und Grundlinienpositionierungen haben! Und die zwei Außenränder wie bei Heyne hat auch keine der drei Schriften.

 

Ich habe dann als blutiger Anfänger seit ca. Dezember 2019 versucht, mich mit den Grundlagen eigener Fonterstellung, Tracing usw. vertraut zu machen, wo ich versucht habe, große Einzelglyphen mit Außenrändern als PNGs mit Alphakanal aus den drei Schriften zu generieren, inkl. händischer Korrektur von Größe und Grundlininienpositionierung. Dabei habe ich immer wieder festgestellt, daß ich wegen mangelnder Sach- und Fachkenntnisse irgendeinen vorigigen Schritt vergessen hatte, oder nicht bedacht hatte, etwas zu machen, was erst später im Arbeitsverlauf bei der Fonterstellung gebraucht wird, so daß ich jeweils immer wieder *NOCH* einen Schritt weiter zurückgehen und mit der Zeichensatzerstellung jeweils wieder völlig von vorne anfangen mußte.

 

Hier jedenfalls mal eine ungefähre Vorschau, wie am Ende die Einzelglypen mit den Rändern als PNGs alle aussehen sollten, hier noch fälschlich mit Arial Black (statt der Olnova): uni0041dejjb.png

(die weiße Version der Schrift dann entsprechend ein Negativ davon, mit weißem statt schwarzem äußersten Rand). Die abgerundeten Ecken bei dieser Glyphe waren eher eine Notlösung im Zusammenhang mit der Art, wie ich die Außenränder erstelle, die aus nachträglichen Säuberungs- und Glättungsschritten resultieren.

 

Und weil ich diese ganzen Probleme hatte, werkel' ich da seit ca. Dezember nun schon mehrere Monate dran rum, ohne auch nur zum Tracen gekommen zu sein, und habe noch nichtmal bei einer der drei Schriften einen kompletten PNG-Satz der Zeichen, die ich aus der jeweiligen Schrift übernehmen wollte. Apropos, das sähe wie folgt aus:

 

  • Überwiegend Olnova-Heavy (das betrifft außer dem klassischen lateinischen und deutschen Alphabet u. a. auch besonders $, ¢, © und ®), bis auf:
  • Arial Black: #, " (einfache Gänsefüßchen), ' (einfacher Apostroph), /, <, >, ^, {, }, ~, ¤, ¦, », «, µ, °, ±, ², ³, ¹, º, ¼, ½, ¾, Ð, ×, Þ, ð, ÷, ‛ (Accent), ... (Ligatur), ⁴, ⁵, ⁷, ⁸, ⁿ, ₣, ℅, №, ⅛, ⅜, ⅝, ⅞, ≈, ≠, ≡, ≤, ≥, ♠, ♣, ♥, ♦, ♪, ♫, Griechisch, Kyrillisch
  • Hegel: @, _ (Unterstrich)

 

Aus dem Komma der Olnova bzw. dem Apostroph von Arial Black ließen sich wohl auch recht leicht anführende und Endgänsefüßchen basteln.

 

Aber selbst dann, wenn ich mit weiteren Monaten und Monaten Arbeit die drei Schriften so kombinieren würde, stimmen einige Sachen immer noch nicht mit der originalen Heynetitelschrift überein: U. a. das charakteristische große G, der Bereich links oben am kleinen t, das große S und das kleine s und der Abstand von i-Tüpfelchen und Umlauttüddelchen vom Hauptbuchstaben.

 

Ingesamt möchte ich außer dem lateinischen und deutschen Alphabet am Ende damit auch Griechisch (nicht notwendig pentatonisch), Kyrillisch, Skandinavisch, Französisch und Spanisch schreiben können. Und vor allem auch beide Schriftsätze haben: Die schwarze und die weiße.

 

Und deshalb, weil ich die ganzen Riesenprobleme habe und nicht so richtig vorankomme, bin ich hierher verwiesen worden. Ich habe mich hier schon ein bißchen umgesehen, und bewundere vor allem die Arbeiten von Peter Wiegel, auf dessen Webseite ich schon vor ein paar Tagen dank eines Posts in einer Sütterlingruppe gestoßen bin. Nicht nur, daß Peter es offenbar schafft, aus dem Nichts eine Font mit vollen Zeichensatz innerhalb eines Tages zu erstellen, sondern auch sein großes Formgefühl beim Ergänzen fehlender Zeichen und auch allgemein beim Verbessern. Und hier habe ich besonders gestaunt, wie genial das Ergebnis als Bild mit der erstellten Font und den restlichen graphischen Elementen aussieht:

 

Teil 3: Zu den hier beigefügten Scans der Originalschrift

 

Link zu den Coverscans (RAR-Ordner, 36 MB): https://filehorst.de/d/dfByGyjA

 

Die hier angehängten Scans (wenn nicht von mir, stammen sie von eBay und Booklooker) umfassen nahezu das gesamte deutsche Alphabet, inkl. ß und sämtlichen kleinen Umlauten, plus das große Ü, Punkt, Komma, Doppelpunkt, Ausrufungszeichen, Bindestrich, Gedankenstrich, Apostroph, » und «, und sogar die Zahlen von 0-4 und 6-9. Besonders stolz bin ich darauf, den einzigen Heynetitel mit einem kleinen q aufgespürt zu haben.

 

Unauffindbar, da nie auf einem Heynecover mit der Schrift veröffentlicht, sind vom deutschen Alphabet nur die Großbuchstaben Ä, Ö und X. Ä und Ö dürften sich wohl leicht aus den vorhandenen Zeichen Ü, A und O ableiten lassen.

 

Es existiert auch ein gedruckter Titel mit einem großen Q, das mir aber überhaupt nicht gefällt, wovon ich hier daher keinen Scan vorlege. Das große Q aus der Olnova-Heavy finde ich definitiv besser und insgesamt zum Schriftbild passender. Ähnlich mit den Zahlen 6 und 9 und dem Fragezeichen, die ich auch bei Olnova-Heavy besser finde, und dasselbe gilt auch für ein alternatives ß mit Haken nach links bei dem Roman: "Die Geißel des Himmels", das ich auch überhaupt nicht mag.

 

ACHTUNG: Nur die schwarze Version hat bei den Scans eine anständige Druckqualität (auch, wenn hier und da die Scanauflösung bei Scans, die nicht von mir sind, niedriger und/oder das jeweilige Cover mehr oder weniger dreckig bzw. beschädigt ist). Bei der weißen Version der Schrift ist die Druckqualität zumindest bei diesen Scans meistens niedriger, so daß z. B. die Außenränder der Schrift verrutschen, ebenso wie die Farbe des Covers dahinter. Im Grunde ist die weiße Version von dem her, was sie eigentlich sein soll, nur ein Negativ der in den Scans insgesamt saubereren schwarzen Version.

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Da muss ich mich ja dann auch angesprochen fühlen  :-) Danke für die Blümchen ...

 

Als erstes würdeich dir empfehlen, dein Projekt von der bisher verwendeten Pixelgrafik auf Vektorgrafik umzustellen.

 

aber jetzt zur schrift mit diesere Außenkontour: Scollte es dir gelingen, eine passende Groteskschrift öhne dieseKontour aufzutreiben, die man auch bearbeiten darf - also am besten eine Schrift unter SIL Open Font Lizenz - dann ist es ein leichtes, darauseine Schrift mit dem von dir gesuchten Effekt zu generieren. Ich verwende hier ja Fontlab Studio, und hier gibt es genau die funktion dazu: Unter dem Menüpunkt "Tools" findet sich unter den Actions  um unterpunkt Effekte die Funktion "Colege", mit der ich um jede Glyphe im einstellbaren Abstand eine einstellbar breite Linie herum generieren kann, und das als neue Schriftart dann auch exportieren könnte. Dasdauert dann nur ein paar Sekunden. Aber das mussman eben mit einer Schrift machen, die das auch erlaubt.

 

Ich habe das mal mit der Extrabold von dieser Schrift ganz fix gemacht: https://www.fontsquirrel.com/fonts/hk-grotesk

Schick mir mal ne E-Mail an [email protected], dann schick ich  dir diesen test mal rüber.

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