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Geigen-Zettel


Martin Polster
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Martin Polster

Es geht darum zu ermitteln ob es die 3 Schrifttypen dieses Zettels 1860 schon gegeben hat und ob es sich um ein Orginal-Zettel handelt oder er nachträglich frei erfunden wurde. 

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Der Zettel wäre auf alle Fälle gut gealtert geworden falls es sich um eine "Fälschung" handelt. Nur die tewas lieblose Zuschneidung des Zettels irritiert mich denn mein bringt ja eigentlich sowas mit etwas Stolz an.

Zur Schrift kann ich nichts sagen. Dazu werden sich die experten äußern (denke ich ...)

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bertel

Heutzutage:

A decorative font with descending tails on the capital letters. The design is based on a popular typeface from the 1880s, mainly used for personal names on title-pages, advertisements and stationery.

Today, you can use it on invitation cards, menus and concert programs to give a fin-de-siècle impression. Accented letters for Western and Central European languages are included.

Designers: Lars Törnqvist

 

Welche "popular typeface from the 1880s" das ist, kann ich nicht sagen.

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Ralf Herrmann
vor 39 Minuten schrieb bertel:

Welche "popular typeface from the 1880s" das ist, kann ich nicht sagen.

Bei deutschen Gießereien hießen Schriften dieses Stils zum Beispiel Antike Skelett (AG für Schriftguß, Bauer, Krebs, Stempel) Zierschrift 529 (Genzsch & Heyse) und Schweifschrift (C.E. Weber). Die sind allesamt undatiert. Ob es sie 1860 schon gab, kann ich nicht sagen. 

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HenningH

Es ist auch durchaus möglich, dass das Etikett aus einem anderen Instrument stammt und sich dort nicht einwandfrei ablösen ließ, so dass man den oberen Rand beschnitten hat. Ich hatte auch einmal eine Geige, die mit einem Etikett ausgestattet war, das zwar ähnlich alt war, aber überhaupt nicht zum Instrument passte.

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Oliver Weiß

Die obere Schrift ist in den USA als "Monastic" zumindest ab 1867 verbürgt. Jedenfalls erscheint sie da in einer Probe von Farmer, Little & Co. Ob sie aber von einer noch früheren europäischen Schrift abgeleitet/abgekupfert wurde, oder ob sie der Ursprung ist, weiß ich nicht. 

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Martin Z. Schröder

Ich hab schon deutlich ältere Instrumentenzettel kopiert und mich eine Weile damit befaßt. Es gab viele Fälschungen für Nachbauten von Instrumenten, oft erkennt man die an der Schrift. Der schlechte Beschnitt des hier gezeigten Zettels spricht eher für die Echtheit. Je älter die Zettel, desto schlechter gedruckt und beschnitten. Das waren sicherlich Drucksachen, die von Lehrlingen oder Aushilfen ganz schnell nebenbei mal gemacht wurden, die Qualität ist oft sehr schlecht. Das ist ganz drollig bei der Kopie, wenn man in der Druckmaschine die Walzen ganz dicht an die Schrift stellt, damit sie schmieren, wenn man zuviel Farbe verwendet, damit sie schön unsauber herumläuft um die Schrift, wenn man die Klischeevorlagen aus verschiedenen Schriften in arg schlechtem Satz zusammensetzt und dann am Klischee mit Hämmerchen, Sandpapier und anderem die Buchstaben noch so richtig kaputtmacht und zerdonnert. Es gibt Sammlungen von Instrumentenzetteln. Ich weiß nur nicht wo, denn die Instrumentenbauer bringen so etwas immer mit, wenn sie zu mir kommen. Aber man kann in diesen Sammlungen einiges zu den Schriften sehen, also was wann wo gedruckt wurde. Das hilft dann manchmal auch bei der Ermittlung zu Fälschungen.

Von 1860 kann aber der Zettel nicht sein, weil es da die Canovagasse in Wien noch nicht gab. Die wurde erst 1865 so benannt. Man müßte nachschauen, wie Zettel des Instrumentenbauers sonst aussahen. Vielleicht ist die Zeitschätzung nur um zehn Jahre verschoben. Gefälscht wurden später eher ältere Instrumente. Es kann freilich die Fälschung eines ungefähren Zeitgenossen sein, der kein K.u.k-Zertifikat hatte.

 

Was ich zuletzt produzierte, waren Zettel für sehr aufwendige Kopien aus dem frühen 18. Jahrhundert, also woran auch der Instrumentenbauer mit wissenschaftlicher Kooperation mehr als ein Jahr arbeitet. Als ich einen der vorliegenden Zettel des Instrumentenbauers sah, sagte ich sofort: Das ist 20. Jahrhundert. So industriell hat man vorher nicht gedruckt, und die Schrift gab es so sicherlich auch nicht, das sind die späten gestauchten Ober- und Unterlängen. Also Fälschung. Im Ergebnis war es ein Test des Instrumentenbauers, ob ich mich ein bißchen auskenne. Der gefälschte Zettel war von 1920.

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Norbert P
vor 35 Minuten schrieb Martin Z. Schröder:

Von 1860 kann aber der Zettel nicht sein, weil es da die Canovagasse in Wien noch nicht gab.

Zitat

1870 wurde das neu erbaute Musikvereinsgebäude eröffnet und L.[emböck] übernahm. 1870 übernahm am 10.5. dieses Jahres im Erdgeschoss des Hauses, in der Canovagasse 4, ein Atelier.

(Quelle: Oesterreichisches Musiklexion Online)

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bertel
vor 37 Minuten schrieb Martin Z. Schröder:

Von 1860 kann aber der Zettel nicht sein, weil es da die Canovagasse in Wien noch nicht gab.

Was ebenfalls dagegen spricht, ist, dass das Musikvereinsgebäude an dieser Adresse erst 1870 eröffnete. Lemböck hatte dort ebenfalls ab 1870 sein Atelier.

https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_L/Lemboeck_Gabriel.xml

 

(Norbert war einen Hauch schneller :-))

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Oliver Weiß

Schön, wie das alles zusammen paßt: Schrift verbürgt nach 1867, Adresse ab 1870.

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Martin Z. Schröder

Was mich irritiert:

1. Der Mann hieß Lemböck, auf dem Zettel steht Lembock. Im Netz finden sich auf Anhieb drei Instrumentenzettel, mit ö. Warum ist auf diesem Zettel kein Baujahr notiert? Das ist eigentlich nicht üblich.

2. Daß eine neue Schrift so schnell in Gebrauch kommt, ist wohl nicht oft vorgekommen. Dann noch für so einen schnell und unordentlich gemachten Zettel. Kommt das Instrument vielleicht aus Amerika, nicht aus Wien?

3. Und warum steht dort »Stadt«? Das steht auf den andern Zettel im Netz nicht. War das in Wien üblich? Gab es auch Wien Land?

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Martin Polster
vor 12 Minuten schrieb Martin Z. Schröder:

Da hast du nicht richtig gelesen: der Zettel ist deutlich mit ö. Die anderen Zettel sind alte Zettel vor 1872. Ab 1872 haben, glaube ich, seine Geschäftsführer unter seinem Namen produziert. Falls die Wiener Geigenbauer mir zurückschreiben oder ich etwas erfahre würde ich mich melden.

00B6D5FC-1727-4084-98DC-7B3D6307A088.jpeg

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bertel
vor 23 Minuten schrieb Martin Z. Schröder:

Und warum steht dort »Stadt«?

Das ist der Bezirk "(Innere) Stadt"

Canovagasse_01.JPG

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Martin Z. Schröder

Kaputtes Ö, okay. Ich hab mir oben das zweite Foto noch mal angeschaut. Die Schrift ist ja schon arg beansprucht. Keinesfalls gußfrisch. Beschädigte Serifen. Also bei einem guten Drucker sehen Schriften vielleicht nach zwanzig Jahren so aus. Auch nur ein Indiz. Ein kaputtes Ö würde ich gar nicht drucken. Würde jemand so einen Zettel benutzen? Wir Umlaut-Namensinhaber wollen das schon vollständig sehen. Also ich würde nun mal vermuten: kein Zettel von dem, der draufsteht. Eher um 1900 oder später. Die Arbeitsthese würde ich nun zu widerlegen suchen. Da hilft nur mehr Recherche.

@bertelAha, danke! Warum mit lateinischem I?

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bertel
vor 16 Minuten schrieb Martin Z. Schröder:

Warum mit lateinischem I?

Mir sieht das nach einer römischen 1 aus, es ist der "1. Bezirk"

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Carlito Palm
vor 57 Minuten schrieb bertel:

Mir sieht das nach einer römischen 1 aus, es ist der "1. Bezirk"

genau so ist das. als geborenen wiener hat mich das schon als kind irritiert, dass der römische einser auch als versales »i« gelesen werden kann.

der erste bezirk (um den es hier geht) heißt nämlich offiziell »innere stadt«. im alltäglichen sprachgebrauch sagt aber jeder wiener auch heute noch »ich fahr’ in die stadt« wenn er von irgendeinem bezirk ins zentrum fährt, also in die (innere) stadt. was dann natürlich am schild verwirrung stiftet, da man sich auf dem offiziellen schild keine umgangssprachliche verkürzung (stadt) erwartet sondern eher eine abkürzung (»I.« für innere stadt). aber da ja fast immer die umgangssprache älter ist als die jeweilige hochsprache, kann es natürlich gut sein, dass die bezeichnung »innere stadt« für den ersten bezirk erst später kam. (das hab ich jetzt nicht recherchiert, nur vermutet)

 

https://www.meinbezirk.at/wien/c-lokales/das-geheimnis-der-alten-strassenschilder_a3865704#gallery=null

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Phoibos
vor 6 Minuten schrieb Carlito Palm:

»ich fahr’ in die stadt«

Sofern man in einer Stadt wohnt, sagt das doch jeder zum Stadtzentrum. Selbst auf dem Dorf sagt meine Familie, sie gehen eben ins Dorf zum Bäcker, obwohl der vom Fenster aus gesehen werden kann und es ewigweit zur Dorfgrenze an sich ist...

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catfonts
vor 2 Stunden schrieb Carlito Palm:

im alltäglichen sprachgebrauch sagt aber jeder wiener auch heute noch »ich fahr’ in die stadt«

Das war bei mir in Hamburg auch so, Wenn meine Muztter mit mir zum Einkaufen ins Hamburger Zentrum, das ja deutlich mit dem Wallring erkennbar ist, fuhren wir in "die Stadt" So setzt es sich in der Umgangssprache noich immer fort, dass die Stadteile außerhalb des Zenntrums außerhalb der historischen Stadtgrenzen liegen.

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