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Hilfe bei der Bestimmung der Schriftart einer lateinischen Grabmalinschrift gesucht

Zur besten Antwort springen Gelöst von Ralf Herrmann,

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JvV

Hallo,

für die Rekonstruktion der Inschriften eines nur noch in Teilen erhaltenen Grabmals von Julie von Voß (Entstehungszeit des Grabmals Ende 18.Jh, erschaffen von Hans Christian Genelli) benötige ich Hilfe bei der Bestimmung des Schrifttypus der lateinischen Majuskeln. Von der Inschrift existieren nur noch angehängte Fotos. Ziel ist es das Grabmal zu rekonstruieren und auch die Inschriften möglichst originalgetreu wieder neu anzulegen. 

Freue mich über jede Anregung, um was für einen Schrifttypus es sich handeln könnte.

Geschrieben steht 1. SOROR OPTIMA, AMICAE PATRIAE, VALE. und zum anderen mindestens NATA V. (...) und OBIIT (...).

Vielen Dank schonmal vorab!

Soror_Font_00.jpg

Abriss_Detail_Font.jpg

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KlausWehling

Oder anders herum gesagt, kann ein Steinmetz aufgrund der Fotos (es gibt hoffentlich noch mehr und bessere) die Inschrift nachstellen. 

 

Beste Grüße 

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Stötzner

Wie die Vorredner bereits sagten, das ist eine händische Schriftgestaltung eines Handwerkers, das hat mit Schrift»typen« nichts zu tun. – Die Strichstärken und die Behandlung der Serifen lassen einen antikisierenden Gestus erkennen. Aber die auffallend schmale Behandlung einiger Formen (M, O, E) ist eigentümlich. Das A tendiert hingegen recht breit. Am R mit dem steilgestellten geschweiften Bein erkennt man die Bodonizeit.

Das ist wohl ein interessantes Projekt, könnte man mehr über die Hintergründe erfahren? Wer war Julie von Voß? Wo befand sich dieser Grabstein, wann und warum ist er verlustig gegangen?

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JvV

Vielen Dank für Ihre Rückmeldungen. Leider liegen kaum Fotos des vollständigen Denkmals vor, geschweige denn von den Inschriften. Da hatte ich schon die besten Fotos eingestellt.

Es handelt sich um einen Kenotaphen der Julie Amalie Elisabeth von Voß. Sie starb 1789 in Berlin und war eine spätere Ehefrau Friedrich Wilhelm II.. Im Schlosspark Buch bei Berlin wurde ihr zu Ehren nach ihrem Tod ein Denkmal errichtet von dem inzwischen leider nur noch die Vorderseite erhalten ist. Da das Denkmal im Zuge der Schlossparksanierung wieder vollständig rekonstruiert werden soll muss dies auf Basis der einzigen Fotos geschehen, die von den Seitenansichten existieren.

Auch wenn hier eine individuelle Handschrift eines Steinmetzes vorliegt spricht aus dem Schriftbild evtl doch auch die Tradition der Zeit? Für mich sind alle Hinweise sehr wertvoll, die mir bei der Charakterisierung der Schrift helfen. Deshalb vielen Dank Herr Stötzner!

Falls jemandem noch weitere Eigenheiten auffallen oder Traditionen im Inschriftenbild der Zeit um 1800 bekannt sind bitte gerne melden. Ich bin Restauratorin und keine Fachfrau auf diesem Gebiet. Freue mich also über jeden Input.

fm831947.jpg

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Stötzner

> … wenn hier eine individuelle Handschrift eines Steinmetzes vorliegt, spricht aus dem Schriftbild evtl doch auch die Tradition der Zeit?


Es spricht beides aus diesem Schriftbild. Das ist 1. allgemein naheliegend (und auch heute kaum anders), und 2. erscheint es auch plausibel, wenn man den Werdegang Genellis in Betracht zieht (habe kurz den Wiki-Artikel gelesen). Die oben erwähnten antikischen Einflüsse erklären sich also aus seinem mehrjährigen Rom-Aufenthalt. Diese Inspiration trifft in den Inschriften nun auf ganz andere Einflüsse, die wohl am ehesten in der zeitgenössischen Grabmal-Praxis, aber auch dem damaligen Schriftstil im Buchdruck zu suchen sind. Da Genelli sich wohl sehr viel autodidaktisch angeeignet hat, erscheint es auch plausibel, daß hier der Bezug auf Vorbilder einerseits und eher frei empfundene Formideen in die Lösung eingeflossen sind. Das heißt, wir haben es hier wohl mit einer recht spezifischen Schöpfung zu tun. Für höchst unwahrscheinlich halte ich es, daß zu dieser Schriftart irgendwo eine direkte Vorlage liegt oder lag, bei der man sich einfach bedienen könnte.


Wenn ich es recht verstehe, besteht die Aufgabe in der Rekonstruktion dieser Inschrift aufgrund von fragmentarischen Photo-Belegen.

 

Die Inschrift muß vor der Steinmetz-Arbeit komplett und detailliert neu gezeichnet werden. Das ist kein Hexenwerk. Es liegen in den Photos genug Buchstaben vor, um daraus das komplette Alphabet in sinnvoller Weise rekonstruieren zu können.

 

In die Überlegungen werden sicherlich auch weitere Quellen- und (soweit unmittelbare Quellen nicht existieren) Umfeld-Recherchen einfließen.
– Gibt es Zeichnungen oder Skizzenbücher von Genelli?
– Weiß man etwas über die Werkstatt, die die Arbeit ausführte?
– Gibt es weitere Arbeiten dieser Werkstatt?
– Sind aus dem zeitlichen und räumlichen Umfeld ähnliche Arbeiten bekannt? Bestimmte epigraphische Eigenheiten sind oft typisch für bestimmte Orte oder Friedhöfe zu einer bestimmten Zeit. Da könnten sich ebenfalls Anhaltspunkte finden lassen.

 

 

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Oliver Weiß

Ich würde auch empfehlen, ihren Arbeiten dieses Steinmetze zu suchen. Haben wir übrigens einen Steinmetz bei uns im Forum? Es wäre toll, mal zu hören, wie Material und Arbeitsweise die Formen beeinflussen. 
heutzutage wird ja leider überwiegend sandgestrahlt. 
 

Hier gibt es einen Ort im Nachbarstaat Vermont, wo die Granitindustrie vormals groß war. Dort siedelten sich im 19. Jahrhundert viele Steinmetze aus Europa an, die traditionell ihre eigenen Grabmale gestalten. Auf dem berühmten Friedhof sieht man sehr schön, wie sich das handwerkliche und künstlerische Können zuerst im Stil der Zeiten wandelt, und dann in neuerer Zeit nach und nach verloren geht.

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