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Fontlab vs Glyphs vs Robofont

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kestlerio

Hallo!

Ich bin ein Typedesign-Neuling und will mich in eines der großen Programme einarbeiten (Vorkenntnisse: Illustrator, InDesign, diverse Programmiersprachen).

Die meisten neueren Artikel, die im Internet zu finden sind, heben Glyphs und Robofont hervor, und betrachten Fontlab als überholt.

Deshalb habe ich mit Glyphs und Robofont angefangen. Ich habe aber festgestellt, dass die Auswahl an Zeichenwerkzeugen in beiden Apps nicht gerade groß ist, ich würde sie eher als grundlegend bezeichnen. Da würde ich wohl in Illustrator kreativ sein und dann die Pfade am Schluss übertragen.

Dann habe ich mir Fontlab 8 angeschaut. Und die Palette an Zeichenwerkzeugen ist deutlich größer (sie erinnert an Illustrator, bloß für Fonts erweitert).

Wieso wird dann neuerdigs Glyphs und Robofont so gelobt? Was sehe ich gerade nicht, was beide Programme besser als Fontlab machen?

Mir ist klar, dass die Geschmäcker und Einsatzgebiete für jeden unterschiedlich sind. Und ich will keinen Religionskrieg anfangen. Ich bin nur an ein paar erleuchtenden Erkenntnissen interessiert.

Danke!

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FontLab ist nicht überholt. Es ist nur ein traditionelles, über sehr viele Jahre gewachsenes Programm. Die jungen Entwickler um Glyphs und Robofont sind neue Wege gegangen und haben viele Dinge erleichtert oder anders gemacht. Mittlerweile hat FontLab aber wieder aufgeholt und die neuen Ansätze ebenfalls implementiert. 

Was du mit dem Unterschied bei den Zeichenwerkzeugen meinst, ist mir nicht so ganz klar. Was vermisst du denn z.B. bei Glyphs? Letztlich zeichnet man Umrisse – egal in welchem Vektorbearbeitungs- oder Fonteditor und die Prinzipien der Bezierkurven sind bei allen Programmen ähnlich. 

In einem Programm wie Illustrator anzufangen und dann die Buchstaben zu übertragen, kann ich absolut nicht empfehlen. Das führt zu unzähligen Problemen. Es geht bei Rundungsfehlern los und endet beim Löschen von Ankerpunkten, wo die Kurve dann in Illustrator zusammenfällt, während Fonteditoren die Spannung der Kurve halten, weil das im Typedesign ein pausenlos praktizierter Arbeitsschritt ist. 

Ansonsten ist die Wahl des Programms in der Tat Geschmackssache. FontLab ist mächtig im Funktionsumfang. Glyphs ist sehr anwenderfreundlich und automatisiert unglaublich viel und Robofont existiert in einer Nische von programmierfreudigen Schriftgestaltern rund um das UFO-Format.  

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kestlerio
Zitat

FontLab ist mächtig im Funktionsumfang. Glyphs ist sehr anwenderfreundlich und automatisiert unglaublich viel und Robofont existiert in einer Nische von programmierfreudigen Schriftgestaltern rund um das UFO-Format.  

Danke für deine Antwort und die Gegenüberstellung!

 

Zitat

 Mittlerweile hat FontLab aber wieder aufgeholt und die neuen Ansätze ebenfalls implementiert. 

Ah ja, vielleicht haben die sich über die Jahre auf ihrem Erfolg zu lange ausgeruht, deswegen die Kritik. Aber es scheint jetzt wirklich aufgeholt zu haben.

Zitat

Was du mit dem Unterschied bei den Zeichenwerkzeugen meinst, ist mir nicht so ganz klar. Was vermisst du denn z.B. bei Glyphs? Letztlich zeichnet man Umrisse – egal in welchem Vektorbearbeitungs- oder Fonteditor und die Prinzipien der Bezierkurven sind bei allen Programmen ähnlich. 

Ja, Bezierkurven zeichnen kann mit in jedem der 3 Programme. Und natürlich bestehen Font-Dateien am Schluss nur aus Linien und Kurven. Aber FontLab-Tools wie Power Brush, Thickness Tool, Pencil, Rapid drawing etc. machen das kreative Zeichen so extrem mühelos. Man kommt leichter und schneller ans Ziel als wenn man direkt Bezierkurven zeichnet.

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Sebastian Nagel

Fontlab 5 war damals sehr mächtig und gewiss der Industrie-Standard zur Erstellung von Opentype-Fonts (neben Adobe/Microsoft-eigenen Tools die dann aber eher speziell waren).

Es war aber bestimmt nicht intuitiv oder mit Assistenz gespickt, eher ein offener Werkzeugkasten und man musste sehen wie man macht, und wissen was man will. Durch den Multiplattform-Ansatz (Win+OSX) war es auch nicht unbedingt stabil, vor allem die OSX-Version hat schon immer wieder gelitten wenn Apple was grundlegendes umgestellt hat.

Den Vektor-Editor fand ich damals so gut, dass ich sogar dort Logos entworfen habe, um sie erst später dann nach Illustrator zu nehmen (weil ich halt am Ende eine AI / PDF-Datei brauchte, keinen Font). War aber bestimmt eher unorthodox.

 

Glyphs war hingegen intuitiv und hat geholfen oder mit Vorlagen geglänzt, um relativ einfach hochwertige Fonts erzeugen zu können – außerdem war es technisch modern, also schnell und stabil (aber auch nur single-plattform auf OSX, da es Systembibliotheken genutzt hat und weiterhin nutzt). Es war für Einsteiger definitiv viel einfacher zu verstehen, auch wenn man sich bei Fonttechnik, Dateiformaten, Codierungen, Zeichensätzen, etc. etc. nicht so sehr auskennt.

 

Fontlab 7/8 hat inzwischen so viel was man sich von Glyphs in Fontlab gewünscht hat, und meiner Meinung nach auch noch viel mehr als das. Yuri Yarmola hat da wirklich nachgedacht wie es angenehm sein könnte, Schriften zu gestalten und technisch zu produzieren. Ob da jedes Tool für jeden geeignet ist, ist wieder mal fraglich - Fontlab bleibt sicher viel mehr der Werkzeugkasten als der Wizard (nicht dass Glyphs auf einen Wizward reduziert werden könnte!).

 

Ich würde sagen heute spricht nichts *gegen* eins dieser Programme, weder ist Fontlab veraltet, noch ist Glyphs wesentlich eingeschränkt.

Wenn ich mal eben eine tolle Schriftidee umsetzen wollte, würde ich wohl Glyphs ansehen. Wenn ich Fontproduktion komplett erlernen und potentiell alle Möglichkeiten nutzen möchte, eher Fontlab (als Windows-auch-User fällt die Wahl ohnehin nicht schwer).

 

Robotfonts ... keine Ahnung ...

bearbeitet von Sebastian Nagel
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Sebastian Nagel

Ergänzend: eigentlich ist es erstaunlich, dass wir für so ein Nischenthema zumindest zwei gute Alternativen zur Auswahl haben, die beide erstaunlich hochwertig sind, und nicht mal beim Preis wirklich verschrecken. 

 

Man könnte auch nur ein halbgares instabiles und schlecht gewartetes Programm haben, das einem die Freude am Gestalten durch Technik-Kram verleidet.

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Oliver Weiß

Fontlab hat mit den Versionen 6 und 7 unter Schriftgestaltern leider sehr an Ansehen verloren. Version 5 war sehr lange Platzhirsch. Ich nehme an, man ruhte sich auf den Lorbeeren aus. Modernere Werkzeugen wie Glyphs und Robofont liefen so Fontlab den Rang ab. Fontlab 6 war nicht nur eine totale Abkehr von Version 5, es war auch unterbacken, stürzte laufend ab und verursachte nichts als Frust. Version 7 war stabiler und damit brauchbar. Version 8 ist jetzt m. E. sehr gut, aber das Ansehen ist nun einmal ramponiert, und es wird wohl eine Weile dauern, bis das repariert is. 

Am Ende ist dasjenige Werkzeug das beste, mit dem man sich auskennt. Ich habe den Umstieg auf Glyphs versucht, konnte mich aber nicht daran gewöhnen, mir für jede Funktionalität ein Plugin suchen zu müssen. Ich bleibe demnach bei Fontlab. 

 

 

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kestlerio

Danke auch an Sebastian und Oliver für eure auch sehr hilfreichen Posts!

Ich habe da wieder einmal gesehen, dass - wie bei anderen Gebieten auch - es sehr hilfreich ist, die Geschichte näher kennen zu lernen, um die Gegenwart besser verstehen zu können.

Zusätzlich ist es natürlich auch schön, zu wissen, dass die Programme alle so gut sind, dass man nicht ganz falsch greifen kann. Und ja: Für so ein Nischen-Gebiet gibt es wirklich "viele" Programme.

:-)

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Tobias L
vor 22 Stunden schrieb Sebastian Nagel:

Den Vektor-Editor fand ich damals so gut, dass ich sogar dort Logos entworfen habe, um sie erst später dann nach Illustrator zu nehmen

Das geht/ging mir ähnlich :gimmifive:

Ich habe mal eure Einschätzung interessiert mitgelesen. FontLab habe ich seit 5 nicht mehr genutzt und für kleinere Fontprojekte, wie Icon-Fonts, komme ich sogar mit Glyphs Mini aus :-?

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