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Zentrierte Schrift auf Hardcover – Falz mit einrechnen?

Hervorgehobene Antworten

Es geht um ein Hardcover-Buch mit einer richtigen (deutlich sichtbaren) Falz.

Wenn ich mir andere Titel so ansehe, stelle ich fest, dass teilweise die Falz überhaupt nicht berücksichtigt ist (d. h. die Schrift ist für die Fläche exkl. Falz zentriert), teilweise die Falz komplett zum Buchdeckel gezählt wird, teilweise ungefähr zur Hälfte berücksichtigt ist oder auch irgendetwas dazwischen.

Also, wenn die Falz vollständig hinzugenommen wird, sieht es, meines Erachtens, insbesondere, wenn der Schriftzug sehr breit ist, asymmetrisch und unästhetisch aus. Ich tendiere dazu, die Falz entweder gar nicht oder zumindest nur zu 30 bis 50 Prozent zu berücksichtigen.

Wie sind Eure Auffassungen hierzu?

Was meinst du mit "zu 30 bis 50 Prozent zu berücksichtigen"?

Entweder ist der Falz deutlich sichtbar, dann würde ich ihn berücksichtigen, oder er ist unsichtbar* angelegt, dann würde ich ihn nicht berücksichtigen. Irgendwas dazwischen ergibt in meinen Augen keinen Sinn.

 

* wie beispielsweise bei einer solchen Schweizer Broschur:

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Bearbeitet ( von Diwarnai)

  • Ersteller

@Diwarnai Ich habe den Eindruck, wir verstehen »berücksichtigen« hier unterschiedlich.

Ich meinte damit, den Falz bei der Zentrierung als Teil des Buchdeckels zu betrachten. Du meinst damit, den Falz als getrenntes Element aufzufassen, oder?

 

Vermutlich ist dadurch auch geklärt, wie ich das mit den »30 bis 50 Prozent« meine.

Wenn man bspw. bei der »Detailtypografie« von Forssman / de Jong den Abstand des Schriftzugs von der rechten Kante nimmt und links des Schriftzugs anlegt, landet man irgendwo bei vielleicht 60 Prozent des Falz. Er scheint dort also weder weggelassen noch ganz hinzugenommen zu sein.

Bearbeitet ( von Hasinger)

  • Ersteller

Sieht doch furchtbar aus, oder? (Falz komplett hinzugenommen.)

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Bearbeitet ( von Hasinger)

vor 39 Minuten schrieb Hasinger:

Wenn man bspw. bei der »Detailtypografie« von Forssman / de Jong den Abstand des Schriftzugs von der rechten Kante nimmt und links des Schriftzugs anlegt, landet man irgendwo bei vielleicht 60 Prozent des Falz. Er scheint dort also weder weggelassen noch ganz hinzugenommen zu sein.

Das scheint bei meiner Ausgabe anders zu sein, hier sind die Abstände li/re identisch, der Falz wurde also – obwohl deutlich sichtbar – nicht berücksichtigt. (identische graue Flächen von mir eingefügt). Sichtbar ist der komplette Titel bis zum Anfang Rücken.

img_5582ydcg0.png

Je größer der Abstand zur Kante, desto weniger fällt eine Abweichung auch auf. 

  • Ersteller

Bei mir sind es rechts 4,6 cm …image.thumb.png.95518832709fe41b7c3922e7496a1703.png

Links 4,9 cm …

image.thumb.png.dbfe5c610be866a42804787705f7594d.png

Wobei die 4,9 natürlich näher an den 4,6 sind als die 4 cm, die es links ohne Falz sind. – Vielleicht dann doch nur eine Ungenauigkeit in der Herstellung? (Wobei mich das bei einer Prägung, die ja erst vorgenommen wird, wenn das Cover bezogen ist, etwas wundern würde; selbst wenn man bedenkt, dass das Ding von CPI produziert wurde.)

Ich würde den Falz wahrscheinlich nicht oder nur minimal berücksichtigen. Das hängt aber auch sehr vom Layout ab …

Es gibt hier kein grundsätzlich "richtiges" Anwenden.

Bei deinem Beispiel von Tillich wäre es sicher schöner gewesen, ein kleinerer Schriftgrad wäre aber ebenso schöner gewesen.

Bei deinem Beispiel der Detailtypografie funktioniert es dagegen prima, die gesamte Titelfläche incl. Falz und dem schmalen Bereich links davon als Basis anzunehmen und über diese gesamte Fläche zu zentrieren, wie das zumindest in meiner Ausgabe getan wurde.

Bei wieder anderen Gestaltungen wird man wieder anders entscheiden. Das Ergebnis muss stimmig sein.

kann man kaum pauschal beantworten ...

 

wenn man zentrierten Satz verwendet, will man vermutlich unaufgeregt, klassisch, und schlicht wirken (damit aus dem Rahmen zu fallen ist jedenfalls viel schwieriger als gleich einen wilderen Ansatz zu wählen).

Dabei darf möglichst nichts diese Ruhe stören, d.h. wenn schon zentriert, dann so, dass der Betrachter das auch zentriert wahrnimmt - Mathematik und Lineal hin oder her, am Ende sieht das Auge.

 

Ist nun der Falz sehr unauffällig (Broschur mit Rille, ...) wird die wahrgenommene Mitte der Fläche praktisch gleich der rechnerischen Mitte sein und man muss die Existenz des Falz nicht berücksichtigen.

 

Ist der Falz sehr deutlich sichtbar, weil dicker Hardcover-Karton mit Scharnierfunktion, dann ist die wahrgenommene Fläche schlicht eine andere - der Falz trennt sie vom dem Rücken zugewandten Bereich ab und schmälert sie. Da wird es oft nötig sein, das zu korrigieren, damit das Ergebnis richtig aussieht. Insbesondere eben wenn der Text den Rändern recht nahe kommt und man die Ungleichheit der beiden "Restabstände" sehr gut wahrnehmen kann, selbst wenn es nur wenige Millimeter sind, aber in relativen Anteilen dann doch recht viel.

Aber das geht dann meist nur mit Auge+Erfahrung, einer Simulation der Falz im Layoutprogramm oder Blindmustern, da der Falz ja eben keine klare Linie ist sondern eher so eine Licht-Schatten-Zone, die Seite zum Rücken weiterhin existiert und meist die selbe Farbe hat ... das optisch unauffällige und somit hier "richtige" Ergebnis ist dann: irgendwo zwischen gar nicht und komplett berücksichtigt.

 

In meiner Praxis, wenn es schnell gehen muss und ich keine Muster oder ausreichende Kommunikation mit der Druckerei habe, berücksichtige ich den Falz beim zentrieren lieber, das wirkt im Ergebnis meist stimmiger als wenn ich es nicht gemacht habe - sogar bei Broschüren. 

Bearbeitet ( von Sebastian Nagel)

Ich gebe mal meine Meinung als Buchbinder dazu ab. Da ich fast jeden Tag mit dem Thema zu tun habe.

Um ein endgültiges Argument zu haben, verwende ich die reine Deckelfläche. Also definitiv ohne hinzurechnen des Falzes. Wie im Beispiel oben sieht es einfach doof aus wenn das Motiv zum Buchrücken gedrängt wirkt. Die Schweizer-Broschur erledigt das Thema von selbst, weil kein Falz da ist. Auf der anderen Seite habe ich so eine grundsätzliche Aussage gegenüber dem Kunden. Klare Linie.

Wie will ich dem Kunden die 30/40/50/60 % der Falzbreite verkaufen. Total schwammige Aussage und würde mich ins schleudern bringen. "Was denn nun, 30 oder 50% ? ".  Ich ärgere mich dann eher, wenn´s 1 mm aus der Mitte ist.

Grüße vom Bubi.

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