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Palatino oder EB Garamond

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Hallo in die Runde,

Dieses Forum hat mich bewogen, mich in den letzten Tagen etwas intensiver mit Schriften zu befassen und dadurch ist jetzt nochmal eine Frage aufgekommen. Ich bin gerade dabei, ein Romanmanuskript mit LaTeX zu setzen - in Palatino mit Default-Schriftgröße (müsste in LaTeX 10 Punkt sein). Mit etwas Gefrickel hatte ich mir auch Mediävalziffern und Kapitälchen dafür ans Laufen gebracht. Jetzt las ich heute, dass eigentlich Garamond die am häufigsten genutzte Literaturschriftart ist. Und EBGaramond ist in LaTeX als simples Paket enthalten. Das wollte ich ausprobieren. Und ich war total überrascht: Das Manuskript war plötzlich 14% kürzer! Ein direkter Vergleich zeigt es: EBGaramond ist insgesamt kleiner als Palatino. Und ich stelle mir die Frage, wie ich weiter mache. Gibt es eine Konvention für die Schriftgröße in literarischen Texten? Oder vielleicht in Bezug auf die Zeichenanzahl?

 

Allen, die sich die Mühe machen, zu antworten an dieser Stelle schon mal vielen Dank.

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Hallo @gyps_ruepelli,
 

vor 15 Stunden schrieb gyps_ruepelli:

Jetzt las ich heute, dass eigentlich Garamond die am häufigsten genutzte Literaturschriftart ist.

Das kann gut sein, liegt aber vielleicht auch daran, dass es von Claude Garamonts Entwürfen unzählige Digitalisierungen und somit die Garamond gar nicht gibt. Klar, dass hier auch die gestalterische Qualität unterschiedlich ausfällt und manche Entwürfe für Brottext gar nicht vorgesehen oder geeignet sind.

vor 15 Stunden schrieb gyps_ruepelli:

Ein direkter Vergleich zeigt es: EBGaramond ist insgesamt kleiner als Palatino. … Gibt es eine Konvention für die Schriftgröße in literarischen Texten?

Die Antwort gibst du sozusagen selbst: bei digitalen Schriften ist die »Kegelhöhe«, die durch eine Angabe wie 10 Pt. bezeichnet wird, eine rein fiktive Größe und sagt sehr wenig darüber aus, wie viel realen Platz eine Schrift auf dem Papier einnimmt – bei Bleisatzschriften war das anders.

Ein besserer Wert, um Schriftgrößen zu vergleichen, kann über das Messen der x-Höhe (die Höhe der Kleinbuchstaben mit »glatter Ober- und Unterkante«, wie dem x) oder der Versalhöhe (die Höhe der Großbuchstaben mit »glatter Ober- und Unterkante«, wie dem H) erlangt werden.

Aber auch hier gibt es keine Konventionen, weil es immer von den Gegebenheiten abhängt. Natürlich ist da die Schriftart – aber auch beispielsweise Buchformat, Seitenrand, Textmenge und selbst die Papierqualität spielen da hinein. James Joyces Ulysses als Reise-Taschenbuch wird eine andere Schriftgröße haben als Franz Kafkas Die Verwandlung in der gebundenen Schmuckausgabe.

vor 15 Stunden schrieb gyps_ruepelli:

Oder vielleicht in Bezug auf die Zeichenanzahl?

Zeichen pro Zeile sind ein besserer Anhaltspunkt als die Schriftgröße. Eine Faustregel sagt, dass zwei bis drei volle Alphabete pro Zeile als angenehm empfunden werden, also 52 bis 78 Zeichen. Mit der entsprechenden typografischen Behandlung kannst du die Spanne auf 45 bis 90 Zeichen ausdehnen.

Für dieses typografische Handwerk (solche Dinge wie Zeilenabstand bei längeren Zeilen erhöhen, in kleinen Schriftgrößen Brottext leicht sperren, für unterschiedliche Seitengrößen einen passenden Satzspiegel konstruieren etc.) gibt es aber viel gute Fachliteratur (Klassiker: Lesetypografie, The Elements of Typographic Style, gratis: Stop Stealing Sheep).

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  • 2 Wochen später...
Am 1.7.2024 um 11:37 schrieb D2C:

 

Zeichen pro Zeile sind ein besserer Anhaltspunkt als die Schriftgröße. Eine Faustregel sagt, dass zwei bis drei volle Alphabete pro Zeile als angenehm empfunden werden, also 52 bis 78 Zeichen. Mit der entsprechenden typografischen Behandlung kannst du die Spanne auf 45 bis 90 Zeichen ausdehnen.

 

Hallo,

 

Danke für die Rückmeldung. Ich habe inzwischen eine ganze Weile gefrickelt, bis ich Garamond so am Laufen hatte, wie ich es mir vorstellte. Aber jetzt klappt es - mit Kapitälchen, Mediävalziffern, Q mit langem Schwanz, geschwungenen Veralien im Kursivsatz und ein paar ganz wenigen Schmuckligaturen...

 

Ich habe es jetzt mal durchgetestet: Ich habe zehn Seiten in Excel kopiert und die Zeichen gezählt - es sind fast immer 78 oder weniger. Ein bis zwei Zeilen pro Seite haben zwischen 79 und 81. Wäre das akzeptabel?

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Am 10.7.2024 um 22:29 schrieb gyps_ruepelli:

Ich habe es jetzt mal durchgetestet: Ich habe zehn Seiten in Excel kopiert und die Zeichen gezählt - es sind fast immer 78 oder weniger. Ein bis zwei Zeilen pro Seite haben zwischen 79 und 81. Wäre das akzeptabel?

Das ist nach der Faustregel akzeptabel, aber da Typografie eine visuelle Disziplin ist, kann man ohne etwas zu sehen zunächst immer nur sagen: »Kommt drauf an.«

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